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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.12

Frei und willig

Freiwillig helfen, weit weg von zu Hause, oft unter schwierigen Bedingungen – für immer mehr junge Menschen klingt das nicht abschreckend, sondern verheißungsvoll. Freiwilligenarbeit ist so gefragt wie nie. Jedes Jahr gehen mehr als 10.000 deutsche „Volunteers“ ins Ausland, um zu helfen, sich weiterzuentwickeln und um rauszukommen. Noch mehr engagieren sich innerhalb Deutschlands: Allein der Bundesfreiwilligendienst (siehe unten) zählt derzeit rund 41.000 Helfer. Mit der Zahl der Freiwilligen wächst auch das Angebot, aber man muss sich genau informieren, denn darunter mischen sich windige Agenturen mit überhöhten Preisen. Wir haben für Sie hilfreiche Internetseiten und sinnvolle Angebote zusammengestellt.

INTERNATIONAL

www.rausvonzuhaus.de
Die Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. informiert über Wege ins Ausland. Eine Programmdatenbank, Länderinfos, Finanzierungstipps, Erfahrungsberichte und Organisationsporträts geben einen umfassenden Überblick. Ein Online-Auslandsberater filtert durch sieben Fragen das passende Förderprogramm aus der Flut von Angeboten heraus.

www.engagement-global.de
Engagement Global fördert Entwicklungshilfe vom Schüler bis zum Senior, ob allein oder als Gruppe. Neben einer Sammlung von Einsatzmöglichkeiten, einem Engagement-Kompass und Pro­­jektbeispielen erzählen Menschen in kurzen Filmen von ihren Er­­­fahrungen. Die Anlaufstelle arbeitet im Auftrag des Bundesminis­­­­teriums für wirtschaftliche Zu­­sammenarbeit und Entwicklung.

www.undjetzt-konferenz.de
Auf der jährlichen undjetzt?!-Konferenz treffen sich ehemalige Freiwillige. Eine Woche lang können sie sich in Workshops, Vorträgen und an einem Aktionstag austauschen und mit globalem Lernen ausein­andersetzen. Das von Frei­wil­ligen organisierte Treffen soll Denkanstöße geben, die Netzwerkbildung und neue Projekte fördern.

www.entwicklungsdienst.de
Der Arbeitskreis „Lernen und Helfen in Übersee“ e.V. stellt Fach- und Freiwilligendienste vor und informiert über Entwicklungs­arbeit. Es gibt sieben anerkannte Entwicklungsdienste — die sind aber nichts für zwischendurch. Gesucht sind Helfer mit Berufs­erfahrung für eine längere Zeit.

www.giz.de
Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit lädt ein zum Sprung über die Landesgrenze. Stipendien und Austauschprogramme ermöglichen Auszubildenden, Studenten, Absolventen und Berufstätigen Praxisaufenthalte in der ganzen Welt. Die GIZ vermittelt auch an Entwicklungsdienste, Kurzzeiteinsätze sind schon ab 3 Monaten möglich.

www.wwoof.org
WWOOF vermittelt Freiwillige an Bio-Bauernhöfe auf der ganzen Welt. Die Helfer leben mit den Bauern zusammen und dürfen als Lohn kostenlos auf dem Hof schlafen und essen. Die Bauern stellen sich auf der Internetseite mit Beschreibungen und Fotos vor, so findet jeder Helfer sein persönliches Bauernhof-Glück.

www.ziviler-friedensdienst.org
Fachkräfte versuchen in Krisen­regionen Konflikte zu verhindern oder beizulegen und anschließend den Frieden zu sichern. Nichtstaatliche und staatliche Organisationen entsenden die intensiv geschulten Helfer für mindestens zwei Jahre. Voraussetzungen sind eine hohe Belastbarkeit und Berufserfahrung. Der staatlich geförderte Friedensdienst verspricht soziale Sicherung, Unterhaltsgeld und Unterstützung beim beruflichen Wiedereinstieg.

www.go4europe.de
Auch auf unserem Kontinent gibt es viel zu entdecken – und Projekte, die Hilfe brauchen. Der Europäische Freiwilligendienst schickt 18- bis 30-Jährige für zwei Monate bis ein Jahr ins europäi­sche Ausland. Die Kosten werden dank EU-Förderung fast komplett erstattet, zusätzlich gibt es ein Taschengeld.

www.kulturweit.de
Kultur im Ausland mitgestalten: das bietet der vom Auswärtigen Amt geförderte Freiwilligendienst Kulturweit. Für ein halbes bis ganzes Jahr können Interessierte zwischen 18 und 26 Jahren bei Auslandsinstituten der Partner­organisationen arbeiten: Beim Deutschen Akademischen Austauschdienst, Deutschen Archäologischen Institut, Goethe-Institut, Pädagogischen Austauschdienst, der Zentralstelle für Auslandsschulwesen, der Deutschen Welle oder der Deutschen Unesco-Kommission. Kulturweit zahlt die Lebenshaltungs- und Reisekosten.

www.asa-programm.de
Bevor es im Basisprogramm für drei Monate zu einem Praktikum ins Ausland geht, bereiten zwei Seminare darauf vor. Danach muss jeder Teilnehmer mit einer selbst entwickelten Aktion seine Erkenntnisse weitergeben. Voraus­set­zungen sind ein laufendes Studium oder ein Uni-Abschluss sowie ein Alter zwischen 21 und 30 Jahren. Lebenshaltungs- und Rei­se­kosten werden je nach Gastland unterschiedlich hoch bezuschusst.

DEUTSCHLAND

www.aktion-mensch.de/freiwillig
Warum in die Ferne schweifen? Auch Deutschland braucht viele helfende Hände, in der Kinder­betreuung, bei Umweltprojekten oder in Behinderteneinrichtungen. Aktion Mensch bietet in seiner Datenbank über 9000 Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Engagement, sortiert nach Post­leitzahl und Tätigkeitsfeld.

www.gute-tat.de
Jeden Tag eine gute Tat. Die Plattform bietet die verschie­dens­ten Einsatzmöglichkeiten zum bürgerlichen Engagement. Wer „Engel werden“ möchte, muss sich nur registrieren und sein passendes Projekt aus dem Angebot suchen. Die Seite trägt sich übrigens selbst zu großen Teilen durch ehrenamtliches Engagement.

www.bundesfreiwilligendienst.de
Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ersetzt den Zivildienst, der durch die Aussetzung der Wehrpflicht im Sommer 2011 weg­gefallen ist. Jeder Schulab­solvent kann sich sechs bis 18 Monate in einer gemeinwohl­orientierten Einrichtung engagieren, die er in der Platzbörse finden kann. Den Freiwilligen bietet der BFD unter anderem kostenlose Seminare und ein monatliches Taschengeld, eine Altersbegrenzung gibt es nicht.

www.foej.de, www.pro-fsj.de
Das Freiwillige Ökologische oder Soziale Jahr (FÖJ und FSJ) bietet jungen Menschen zwischen 16 und 27 Jahren unzählige Möglichkeiten, sich in Deutschland zu engagieren. Im Ausland gibt es nur wenige Stellen. FÖJ und FSJ sind die Klassiker unter den Freiwilligendiensten und für viele der perfekte Übergang zwischen Schule und Studium oder Ausbildung. Wie beim BFD erhalten die Teilnehmer ein Taschengeld und kostenfreie Seminare.

www.greenpeace.de/gruppen
Auch so große Organisationen wie Greenpeace brauchen Ihre Unterstützung. In nach Alter gestaffelten Gruppen kann jeder zum Umweltschützer werden. Die Aktivisten organisieren Demonstrationen, kritisieren mit Aktionen die Umweltsünden der Industrie und informieren über Missstände. Bei „Green­action“ kann jeder für seine eigenen Kampagnen Mitstreiter finden.

www.bergwaldprojekt.de
Von der Nordsee bis zu den bayrischen Alpen braucht der deutsche Wald vielerorts Hilfe. Eine Woche lang können Waldfreunde Pflanzungen, Erosionsverbauungen, Steigbau, Biotop-Pflege sowie Moor- und Bachrenaturierungen unterstützen. Die Unterkunft in einer Forsthütte oder einem Ferienlager-Häuschen sowie die Bio-Verpflegung sind kostenlos, nur die Anreise müssen die Teilnehmer selbst organisieren.

BUCHTIPP
Freiwillig um die Welt Von der Überlegung „Warum freiwillig helfen?“ über die Orga­ni­sa­tion von Visa, Versicherungen und Einsatzstelle bis zum um­­­ge­drehten Kulturschock bei der Rückkehr behandelt dieses englischsprachige Buch alle Fragen. Zu den vorgestellten Programmtypen liefern Erfahrungsberichte Einblicke in die Arbeit eines Frei­wil­ligen. Einziger Wermutstropfen: Einige Tipps beziehen sich explizit auf den britischen, nord­amerikanischen und australischen Raum. Volunteer: A Traveller’s Guide to Making a Difference Around the World. Lonely Planet Publications 2010, 271 Seiten, 16,50 Euro

Weltwärts in die Unsicherheit?
Der 2007 gegründete Freiwilligendienst „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sendet jährlich tausende Jugendliche im Alter zwischen 18 und 29 Jahren über sogenannte Entsendeorganisationen ins Ausland. Dass das teils mit erheblichen Risiken verbunden ist, kritisierte jüngst das MDR-Politmagazin „Fakt“. Der BMZ-Dienst schicke „massenhaft unerfahrene Jugendliche in heikle Regionen“, für die Sicherheit fühle sich niemand verantwortlich. Der Fernsehbeitrag zeigt einen Freiwilligen, der wegen eines falschen Visums verhaftet wurde, ein vergewaltigtes Mädchen und Helfer, denen Drogen untergeschoben wurden. Auf Anfrage des Greenpeace Magazins bedauert „Weltwärts“ zwar die gezeigten Fälle, weist aber die Schuld von sich. Die Verantwortung trügen die Entsendeorganisationen. In einem Leitfaden zum Krisenmanagement setze „Weltwärts“ dazu die Rahmenbedingungen. Die Freiwilligen aus unserem Artikel, Amina Koß und Janis Hanf, sehen die Verantwortung für ihre Sicherheit auch bei sich selbst. 
www.weltwaerts.de