Greenpeace Magazin Ausgabe 6.01

Gefährliche Garnelen

Franz Daschner, Antibiotika-Experte und Direktor des Institutes für Umweltmedizin der Uniklinik Freiburg, über Gesundheitsgefahren durch Verzehr von Shrimps.

GPM: In Nordrhein-Westfalen wurden Shrimps entdeckt, die mit dem in der Tierzucht verbotenen Antibiotikum Chloramphenicol belastet sind. Warum ist der Genuss gefährlich?

FRANZ DASCHNER: Chloramphenicol ist eines der besten, aber auch gefährlichsten Antibiotika, weshalb der Einsatz in der Humanmedizin stark eingeschränkt ist. Hohe Dosen bewirken, dass das Knochenmark weniger Blutzellen bilden kann — eine Nebenwirkung, die einige Wochen nach Absetzen des Medikaments verschwindet. Unabhängig von der Dosierung kann Chloramphenicol aber auch dazu führen, dass keine roten Blutkörperchen mehr gebildet werden. Eine solche aplastische Anämie verläuft in über 50 Prozent der Fälle tödlich.

Wozu dient das Medikament in der Garnelenzucht Südostasiens?

Da die Garnelen geradezu in einer Bakterien-Soße schwimmen, setzen die Züchter Chloramphenicol ein, um diese Keime zu unterdrücken und Krankheiten zu verhindern. Daneben sollen die Shrimps durch das Antibiotikum auch schneller wachsen. Als Mediziner rate ich den Behörden, den Import von Chloramphenicol-belasteten Nahrungsmitteln zu verbieten.

Als Infektionsfachmann klagen Sie auch über Keime, die gegen nahezu alle Antibiotika immun sind. Wie kann es dazu kommen?

Solche Antibiotikaresistenzen werden ohne Zweifel auch über die Nahrung — also in diesem Fall über die Garnelen — auf den Menschen übertragen. Dann hilft womöglich im Notfall bei lebensgefährlichen Infektionen kein Antibiotikum mehr, und der Mensch stirbt an einer eigentlich heilbaren Krankheit. Solche Fälle häufen sich weltweit.