Geht doch!

Greenpeace Magazin - Geht doch: Lass' das mal Mutter Natur machen

Lass' das mal Mutter Natur machen

Mensch, warum strebst du stets nach mehr? Um deinen Lebensraum zu erhalten, musst du lernen, die Füße hochzulegen

Weil unsere Spezies praktisch nie auf der faulen Haut liegt, haben wir heute Smartphones, können online Kühlschränke bestellen und sogar zum Mond fliegen (oder zumindest nach Mallorca). Was der Mensch allerdings weniger beherrscht, ist die nachhaltige Lebensweise – darin ist Mutter Natur nach wie vor unschlagbar, vor allem, wenn sie von uns in Ruhe gelassen wird. Also lautet das Gebot der Stunde: Mensch, leg’ endlich die Füße hoch und staune. Zum Beispiel über die Untere Havel – dort kommt eines der größten Renaturierungsprojekte Europas langsam auf die Zielgerade. Die positiven Einflüsse menschlichen Nichtstuns zeigten sich dort schon, nachdem Anfang der Neunzigerjahre der Güterschiffsverkehr stark abnahm und im Jahr 2005 dank einer Vereinbarung zwischen Politik und Umweltverbänden ganz eingestellt wurde: Unterwasserpflanzen gediehen und die Schilfröhrichte am Ufer kamen zurück. Seitdem schafft der Naturschutzbund (Nabu) – unterstützt von den Ländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt – die Voraussetzungen, die Natur dort wieder ganz ans Ruder zu lassen. Verwallungen, Deiche und Deckwerke werden zurückgebaut, Altarme wieder an den Hauptstrom angeschlossen, mehr als neunzig Kilometer Flusslauf erholen sich Stück für Stück. In der Folge entstehen bereits wieder Auenwälder. 2025 soll eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Mitteleuropas renaturiert sein – und die Untere Havel wieder einen Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten, der vorher fleißig durch den Menschen zerstört wurde.
 

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Die Emscher war lange Zeit der Abwasserkanal des Ruhrgebiets. Sie galt über Jahrzehnte als dreckigster Fluss Europas, dessen Ufern sich kein Mensch näherte. Heute nisten dort wieder Eisvögel. Ein Wunder? Nein, sondern die Folge von 5,3 Milliarden gut angelegten Euros, zu achtzig Prozent aufgebracht von den Mitgliedern der „Emschergenossenschaft“, einem Zusammenschluss aus Kommunen, Bergbau und Industrie; den Rest steuern Nordrhein-Westfalen und die EU bei. 2021 soll das grüne Mammutprojekt fertig sein.
 

Moore könnten eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen, weil sie große Mengen CO2 binden – wenn man sie nur ließe. 95 Prozent der ursprünglichen Moorfläche in Deutschland gelten heute als tot. Auch dem Moor im Dattenhauser Ried, dem größten Feuchtgebiet der Schwäbischen Alb, ging es nicht gut. Bis im Mai 2019 ein Modellprojekt startete: Rund zwei Millionen Euro investiert Bayern in die Wiedervernässung, die in Kooperation mit mehreren Umweltverbänden erfolgt.

Salzwiesen sind ein seltenes Ökosystem mit hochspezialisierter Tier- und Pflanzenwelt. Das Ostseebad Strande erwarb die zum Verkauf stehende „Bülker Huk“, eine trockengelegte Salzwiese, die auch für Investoren von großem Reiz sein könnte. Dank lokalpolitischem Schulterschluss ist die Finanzierung gesichert, und die Zeichen stehen gut für eine Rückvernässung der dreißig Hektar großen Fläche – die bald wieder vielen Arten eine Heimat bieten soll.