Geht doch!

Greenpeace Magazin - Geht doch: Sommer der (Natur-)Liebe

Sommer der (Natur-)Liebe

Klar, solange man beim Open-Air-Vergnügen auf sie achtgibt

„Gutmenschen“ wird ja oft Sauertöpfigkeit vorgeworfen, wenn andere sich vergnügen wollen. Geht die Welt wirklich unter, weil Sommerfrischler (serienmäßig ausgestattet mit Sonnenbrand, Bierflasche und Grillzange) erwartungsfroh auf das brutzelnde Grillgut schauen? Nun, die ganze Welt vielleicht nicht, für einige Inselstaaten aber legen wir unsere Hand lieber nicht auf den Rost. Die gängige Kombination aus Bergen von Discounterfleisch, konventioneller Holzkohle und – Worst Case – noch einem Einweggrill ist jedenfalls kein geeigneter Beitrag für den Klimaschutz. Hilft jetzt nur noch ein landesweites Grillverbot? Nicht nötig. Das schwäbische Start-up „Kolbenglut“ vertreibt eine Alternative: Maisspindeln, also den Teil des Kolbens, auf dem die Körner sitzen. Die machen Grillgut auch schön knusprig und stammen von einem Acker in Baden-Württemberg, nicht aus den Urwäldern Südamerikas oder Afrikas – laut WWF wird Supermarkt-Holzkohle zu mehr als siebzig Prozent importiert, aus Polen und der Ukraine, aber auch aus Nigeria oder Paraguay. Maisspindeln werden nicht energieaufwendig geköhlert, sondern nur getrocknet. Praktische Vorteile des Gutmenschenkohleersatzes: kein Funkenflug, keine Flammen durch tropfendes Fett, die Hände bleiben sauber. Nachteil: Die Glutzeit von Maiskohle ist kürzer als die von Holzkohle, der Grillspaß früher vorbei. Was man angesichts der Fleischorgien auf vielen Gartenpartys auch als Vorteil interpretieren kann. 

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Viele niederländische Kommunen haben das Steigenlassen von Luftballons verboten. Sind die Holländer ein spaßbefreites und kinderfeindliches Land? Nein. Nur der Überzeugung, dass Kinder ein Sommerfest auch ohne Ballon-Happening überleben werden. Seevögel und andere Meeresbewohner, in deren Mägen Ballonreste oft landen, überleben das hingegen nicht: Die Gefahr ist größer, an Gummi im Darm zu verenden als an hartem Plastik.

Streuobstwiesen ging es flächenmäßig gesehen schon besser in Deutschland. Laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft besteht aber doch ein Grund zur Freude: Ökologisch bewirtschaftete Wiesen sind stark gewachsen. Rund 24.000 Hektar sind es, so viele wie noch nie. Anlass, mal auf mundraub.org zu schauen, wo das nächste Picknick mit Gratisobst zum Nachtisch stattfinden kann. Aber Achtung: Vorher informieren, ob und wie viel Obst tatsächlich gepflückt werden darf. Immer wieder klagen Besitzer öffentlich zugänglicher Streuobstwiesen über baumplündernde Spaßverderber.
 

Schluss mit lustig auf Deutschlands Partyinsel: Das Gesundheitsministerium der Balearen will das Rauchen an den Stränden Mallorcas verbieten – aus Gesundheitsgründen und weil es keinen Spaß macht, täglich tonnenweise Kippen aus dem Sand zu fischen. Für leidenschaftliche Ballermänner ein hartes Los, schließlich ist auch das Sangriatrinken aus XXL-Eimern ohne lange Plastikstrohhalme (die sind ja ab 2021 EU-weit auch verboten) nicht mehr so spaßig.