Geht doch!

Greenpeace Magazin - Geht doch: Wind willkommen!

Wind willkommen!

Flaute beim Windkraftausbau? Nicht in Dänemark. Dort – und anderswo – hat grüner Strom richtig Rückenwind

Während sich die Windkraft in Deutschland aufgrund zahlreicher Widrigkeiten in ein Lüftchen zu verwandeln droht, versorgt sie in Dänemark schon fast das halbe Land. Nirgendwo sonst ist ihr Anteil höher. Im September 2019 produzierten die Dänen sogar erstmals 24 Stunden lang mehr Windstrom, als sie selbst verbrauchten. Was macht unseren Nachbarn im Norden zum Vorreiter? Die dänische Politik hat mögliche Konflikte früh entschärft. Eigentümer von staatlich geförderten Anlagen sind verpflichtet, Anwohnern mindestens zwanzig Prozent der Anteile zum Kauf anzubieten. Sie erhalten einen finanziellen Ausgleich für eventuelle Wertverluste ihrer Häuser und Grundstücke. Bürgerinitiativen, die in Windkraft investieren, bekommen staatliche Bürgschaften. 2018 einigte sich ein überparteiliches Bündnis darauf, die Windräder zu modernisieren und dafür höhere zuzulassen. Im Gegenzug soll ihre Zahl von 4300 auf 1850 verringert werden. Nun hat das Land unter der im Sommer gewählten sozialdemokratischen Minderheitsregierung seine Klimaziele noch einmal deutlich erhöht: Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß gegenüber 1990 um siebzig Prozent sinken, bis 2050 will Dänemark klimaneutral sein. Das Gesetz ist auch für künftige Regierungen bindend, und ein Klimarat aus unabhängigen Experten überwacht die Politik. „Wir haben uns dieses Ziel gesetzt, weil die Wissenschaftler uns sagen, dass es nötig ist“, sagte Klimaminister Dan Jørgensen bereits drei Monate vor dem UN-Gipfel von Madrid. „Um ehrlich zu sein, wissen wir noch nicht ganz genau, wie wir das im Einzelnen schaffen werden. Aber wir sind fest entschlossen, es zu tun.“

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Aufholen
Schweden hat dank eines Förderprogramms, das neuen Projekten 15 Jahre Unterstützung sichert, den Ausbau seiner Windparks deutlich intensiviert. Viele deutsche Unternehmen investieren aufgrund besserer Rahmenbedingungen inzwischen dort. Bereits 2012 hatte Schweden das für 2020 anvisierte Ziel erreicht, 49 Prozent seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen zu decken – bis 2040 soll der Anteil auf hundert Prozent steigen.

Absichern
Die Technologiekosten für Erneuerbare sind stark gefallen – doch deutsche Verbraucher profitieren nicht davon. Im Gegenteil: Nirgendwo in Europa sind die Stromrechnungen höher als hier. In Großbritannien und Frankreich steuert die Politik mit „Differenzverträgen“ die Preise. Dabei schließen Netzbetreiber und Energielieferanten langfristige Verträge, die Schwankungen am Strommarkt ausgleichen. Der Effekt in beiden Ländern: höhere Investitionssicherheit und günstigere Strompreise.

Nachmachen
Politiker, die an der Möglichkeit einer friedlichen Koexistenz von Bürgern und Windkraft zweifeln, sollten mal das Dorf Raa-Besenbek bei Hamburg besuchen. Seit 1999 drehen sich dort von Bürgern initiierte Windräder, zwei Windparks stehen inzwischen da und die Leute wünschen sich einen dritten. Das Geheimnis: Wer von seinem Garten auf die 500 bis 700 Meter entfernten Rotorblätter schaut und weiß, dass jede Umdrehung das eigene Portemonnaie und die Gemeindekasse füllt, klagt eher nicht.