Geht doch!

Greenpeace Magazin - Geht doch: Wir schämen uns die Erde gesund

Wir schämen uns die Erde gesund

Ist das die Antwort auf den Klimawandel? Immer mehr Schweden empfinden „Flugscham“ – und bleiben am Boden

Wer sich schämt, möchte oft im Boden versinken. Das aber fällt schwer, wenn man sich in 10.000 Metern Höhe befindet. Die Schweden, bislang eine der flugfreudigsten Nationen der Welt, lösen das Problem nun auf ihre Art und haben dafür gleich ein neues Phänomen erfunden: die Flugscham („flygskam“). Weil immer mehr Menschen wissen, wie enorm klimaschädlich Fliegen ist, überlegen sich viele von ihnen zweimal, ob sie ins Flugzeug steigen. In Abgrenzung zur Flugangst tun sie das aus Überzeugung – und aus der Furcht, als schlechter Mensch dazustehen. Neue Berechnungen zeigen, dass sich die Passagierzahlen zunehmend verlagern: Die schwedischen Staatsbahnen verzeichnen eine deutlich angestiegene Belegung innerschwedischer Nachtzüge – zu Lasten der Airlines. Und Geschäftsleute erzählen sich unter dem Hashtag #jagstannarpåmarken („Ich bleib auf dem Boden“) begeistert, wie gut man fluglos Business macht. Das macht Hoffnung: Menschen ändern also angesichts des Klimawandels tatsächlich ihr Verhalten. Was wäre, wenn die Flugscham auf andere Länder übergriffe? Wenn etwa Inlandsflüge in Deutschland zur echten Peinlichkeit würden? Als die Nachtzüge der Deutschen Bahn 2016 nicht mehr profitabel genug waren, hat zum Glück die österreichische Bahn (ÖBB) viele Linien übernommen. Was Vorbilder bewirken können, zeigt das Beispiel der 16-jährigen Greta Thunberg: Europas Schüler folgen seit Wochen ihrem Aufruf, jeden Freitag für das Klima zu demonstrieren. Muss man noch erwähnen, dass Greta aus Schweden kommt?

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Laut einer Studie des Haushaltsgeräteherstellers „Ritter“ unter tausend Deutschen lassen sich immer mehr Verbraucher von ihrem guten Gewissen leiten. Sie geben an, weniger Verpackung in den Korb legen zu wollen und auch Klimakillerklassiker wie winterfrische Erdbeeren oder Palmölprodukte künftig zu meiden. Dass dieses kollektive Ansinnen Wirkung zeigt, kann angesichts wachsender Plastikmüllberge und weiterhin ganzjähriger Nachfrage nach exotischen Früchten nicht vermeldet werden. Aber guter Wille ist ja oft der Anfang von etwas Größerem. 

In Tschechien braucht man im Supermarkt kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn man zum Beispiel an den Bergen von poliertem Obst und Gemüse vorbeikommt. Landet das nicht im Müll, wenn es nicht verkauft wurde? Die Antwort gibt das tschechische Verfassungsgericht, das es Händlern ab 400 Quadratmetern Verkaufsfläche verbietet, noch konsumierbare Lebensmittel wegzuwerfen – sie  müssen gespendet werden. Karlsruhe, bitte übernehmen!

Ausgerechnet die Grande Nation der Atomenergie hat 2018 den ewigen Spitzenreiter des „Klima- und Energiemonitors“ der Allianz-Versicherung abgelöst. Frankreich gilt der Studie zufolge als weltweit attraktivster Standort für Investitionen in erneuerbare Energien. Die selbsternannte Ausstiegsrepublik Deutschland leide dagegen unter den verschlechterten politischen Rahmenbedingungen für Ökostrom. Deutschland, jetzt hilft nur noch: schämen.