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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.13

Heiß gekühlt

Ohne Klimaanlage rollt kein Neuwagen mehr vom Band. Strittig ist aber, mit welchem Kühlmittel sie befüllt werden soll

Das Chaos um Kältemittel in ihren Klimaanlagen hätten sich Daimler & CO. ersparen können: Schon 2007 hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA) angekündigt, auf das natürliche Kältemittel CO2 umzusteigen – denn im Auto ist das berüchtigte Treibhausgas von Nutzen. Damit hätten sich die Autobauer weltweit in punkto Nachhaltigkeit profilieren können. Doch Umweltschützer lobten die Branche zu früh – nichts passierte, bis die Chemiekonzerne Dupont und Honeywell 2008 auf einem VDA-Branchentreffen das neue chemische Kältemittel R1234yf präsentierten. Obwohl die Kühlung mit CO2 sicherer, effizienter und langfristig günstiger wäre, war davon plötzlich keine Rede mehr. „Die Autobauer befürchteten Einbußen auf dem Weltmarkt. Außerdem war ihnen die aufwendige Umstellung auf die CO2 -Technik einfach zu teuer“, vermutet der Greenpeace- Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck. Mehrkosten nach Schätzung der Autoindustrie: bis zu 100 Euro pro Fahrzeug. Doch mit der Abkehr von den CO2 -Plänen explodierten die Kosten erst recht, denn DuPont und Honeywell besitzen ein weltweites Monopol auf R1234yf. Inzwischen kostet das neue Kühlmittel bis zu fünfzigmal so viel wie sein Vorläufer R134a.

Seit Anfang des Jahres ist dieser bislang benutzte Klimakiller für Fahrzeugtypen, die nach dem 1. Januar 2011 vom Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt wurden, EU-weit verboten. Zwar ist das neu eingeführte Kältemittel Fluorwasserstoff R1234yf weniger klimaschädlich, dafür aber entzündbar. Im Brandfall bilden sich extrem giftige Gase, stellte Daimler bei Tests fest. Deshalb will der Stuttgarter Autobauer nun weiterhin R134a einsetzen. Das GWP (Global Warming Potential) dieses altbewährten Kältemittels beträgt mindestens 1430. Zum Vergleich: CO2 hat ein GWP von 1. Deshalb kämpfen Umweltorganisationen wie Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe seit vielen Jahren gegen den Einsatz der Fluorkohlenwasserstoff-Verbindung R134a. Für ihren vierjährigen Schlaf könnte die Autoindustrie jetzt die Quittung bekommen: Wer trotz Verbots das Kältemittel R134a einsetzt, dem drohen empfindliche Strafen. Die EU-Sanktionen schließen sogar den Entzug von Typgenehmigungen für Fahrzeuge nicht aus.