Guten Abend,

wenn ich ein Vöglein wär‘, würde ich mir wünschen, in Neuseeland aus dem Ei geschlüpft zu sein – und hoffen, dass ich irgendwann die Wahl zum Vogel des Jahres gewinne. Gerade hat die diesjährige Wahl stattgefunden, wie immer mit reger Beteiligung der Bevölkerung. And the winner is: der Gelbaugenpinguin, Megadyptes antipodes, der bei den Maori aus gutem Grund Hoiho heißt, „Lärmschreier“. Diesen Hoiho gibt es nur im äußersten Süden der Südinsel und auf zwei kleinen Inseln, und seine Zahl nimmt stetig ab. Die genaue Ursache dafür ist nicht bekannt, sicher ist nur, dass bei wärmeren Meerestemperaturen mehr Tiere sterben, weil das Futter knapp wird.

Klar ist hingegen, was dem Nationalvogel Neuseelands, dem flugunfähigen und nachtaktiven Kiwi, enorm zusetzt, und nicht nur dem: all die von menschlichen Einwanderern importierten Landsäugetiere –  Ratten, Hunde, Katzen, diverse Huftiere und das aus Australien stammende Possum, auf Deutsch Fuchs-Kusu. Davon gibt es etwa 30 Millionen, während die Kiwi-Population auf etwa 70.000 schrumpfte. Die Neuseeländer, die sich selbst „Kiwis“ nennen, schritten zur Tat. Sie befreiten Kapiti Island, eine Insel unweit der Hauptstadt Wellington, von Ratten, Possums, Hermelinen und anderen Räubern und machten sie zur Vogelinsel. Der scheue Kiwi und andere seltene Vögel mit klangvollen Namen wie Kākāriki, Miromiro oder Takahe verzeichnen mittlerweile Zuwachs.

Von so viel Beachtung und Fürsorge kann die Turteltaube, unser Vogel des Jahres 2020, nur träumen. Seit 1971 verleiht der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) jährlich einer gefährdeten Vogelart diesen Titel, um auf deren prekäre Lage aufmerksam zu machen. Für die Turteltaube sieht es schlecht aus, ihr Bestand ist seit 1980 um 90 Prozent geschrumpft. Der unauffällige Zugvogel, der den Winter in Afrika verbringt, wird in zehn europäischen Staaten gejagt, legal wie illegal. Bis zu 2,2 Millionen Vögel werden jedes Jahr abgeschossen. Ihr Lebensraum schwindet auch durch Intensivlandwirtschaft, Waldrodungen, Klimawandel und Parasiten. Hier gibt es eine Petition für einen Jagdstopp in der EU.

So ein Turteltäubchen, Symbol für Glück, Liebe und Frieden, lassen wir uns ja noch gefallen und setzen uns bei Bedarf auch gern für sie ein. Ihre zahlreichen städtischen Verwandten hingegen müssen es sich gefallen lassen, als „Luftratten“ verunglimpft, verjagt und vergrämt zu werden. Stadttauben gelten als Schädlinge, Krankheitsüberträger und Problemvögel schlechthin. Dabei ist es nicht ihre Schuld, dass sie so sind, wie sie sind.

Sie ahnen schon, wer dafür verantwortlich ist: der Mensch. Der züchtete sich aus der eigentlich in Südeuropa und dem Nahen Osten heimischen Felsentaube ein Nutztier. Standorttreu sollte sie sein und auch aus tausend Kilometer Entfernung in ihren Schlag zurückfinden, sodass er sie als Brieftaube einsetzen konnte. Zwecks Fleischnachschub trimmte der Mensch sie darauf, dass sie sechsmal im Jahr brütete statt zweimal wie andere Taubenarten.

Jetzt haben wir den Salat. Die verwilderte Brieftaube vermehrt sich schnell, ist ortsverbunden und lässt sich nicht verscheuchen. Jagdfalken, Spikes, Netze, Fütterungsverbote – nichts hilft. Ihr Geflatter, Gegurre und Gepicke nervt den Menschen. Und erst der Taubenkot! Ja, der ist lästig. Die armen Viecher leiden unter Durchfall, weil sie sich von Abfällen ernähren müssen und nicht, wie es artgerecht wäre, von Körnern. Außerdem verheddern sie sich beim Hin- und Hertrippeln oft in irgendwelchen herumliegenden Bändern, Fäden und Ähnlichem und schnüren sich damit die Füße ab. Gesund sind sie nicht, übertragen jedoch nicht mehr Krankheiten als Hunde oder Katzen.

Tierschützer, die das Elend nicht länger mitansehen konnten, brüteten in den Neunzigern die Idee aus, dass man sich doch zur Abwechslung mal um die Vögel kümmern könnte, und siehe da: Wenn ausreichend betreute Schläge mit Nistplätzen und Körnerfutter vorhanden sind, können Mensch und Tier friedlich koexistieren. Als erste deutsche Stadt ging Augsburg 1997 diesen Weg; das „Augsburger Modell“ gilt als vorbildlich. Geburtenkontrolle, also der Austausch von Eiern durch Attrappen, gehört übrigens auch zum Programm. Was es dafür braucht, sind erstens engagierte Freiwillige, die es mittlerweile zum Glück in etlichen deutschen Städten gibt, sowie guten Willen seitens der und die Politik, damit Geld für den Bau der Schläge und das Futter bereitgestellt wird.

Damit werden zwar nicht alle Probleme sich über Nacht in Luft auflösen, aber manches könnte sich verbessern. Und eins ist sicher: Die Tauben werden bleiben.

Hoiho, Kiwi, Turteltäubchen – und ein Problemvogel

Kerstin Eitner
Redakteurin

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