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IAEA

Greenpeace Magazin Ausgabe 2.06

IAEA

Text: Michael Friedrich Foto: Vahid Salemi / AP

Atombehörde IAEA: die Janusköpfe von Wien
Atomkraft verbreiten und deren Missbrauch stoppen — eine unmögliche Mission?


Den Friedensnobelpreis verdanken sie nicht zuletzt Jacques Baute. So erzählen sie es jedenfalls bei der IAEA, der Internationalen Atomenergieagentur in Wien. Doch bei allem offensichtlichen Selbstbewusstsein, aus dem Munde des kräftigen Franzosen mit den wachen Augen selbst würde man das nicht hören. Jedenfalls nicht öffentlich.

Der heutige Direktor der Abteilung für Überwachungstechnik hatte die letzte Inspektionsmission im Irak vor der US-geführten Invasion Ende März 2003 geleitet. Vor allem aber ließ er einen zentralen Baustein in der Argumentation von Präsident George W. Bush für den Angriff auf den Irak zerbröseln: Saddam Hussein beschaffe sich im westafrikanischen Niger Uran für ein geheimes Atomwaffenprogramm.

Nachdem US-Außenminister Colin Powell in seiner berüchtigten und längst als „Schandfleck“ bereuten Rede am 5. Februar 2003 die manipulierten Argumente für einen Angriff vorgelegt hatte, gab IAEA-Generaldirektor Mohammed al-Baradei einen Monat später die „Niger-Connection“ der Lächerlichkeit preis, gestützt auf Bautes Recherchen.

Es mutet geradezu grotesk an, wie leicht sich der „Beweis“ entlarven ließ. Was die Geheimdienste nicht gemerkt haben wollten, widerlegte IAEA-Spezialist Baute mit einer schlichten Google-Suche: Der fragliche Minister des afrikanischen Landes war bei der angeblichen Unterzeichnung des plump gefälschten Vertrages nicht mehr im Amt. Der Rest der Recherche war Routine. Der Auftritt vor dem Sicherheitsrat zementierte Baradeis Ruf als mutiger Streiter für den Frieden – und dürfte der Organisation und dem Ägypter an deren Spitze wohl die begehrte Auszeichnung in Oslo mit eintragen haben.

Genüsslich lehnt sich Baute im Ledersessel zurück. Vor seinem Büro im 20. Stock des IAEA-Hochhauses in der Wiener UNO-City glitzert das Hauptstadt-Panorama, jenseits der Donau leuchtet der Stephansdom im Scheinwerferlicht. „Wir sind besser geworden in den letzten Jahren, müssen aber ständig dazulernen“, sagt der Franzose, „wenn ein Land etwas im kleinen Maßstab geheim betreibt, sind die Maschen unseres Netzes noch nicht eng genug.“