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Ihr Fleisch und sein Gemüse

Greenpeace Magazin Ausgabe 4.18

Ihr Fleisch und sein Gemüse

Text: Bastian Henrichs und Katja Morgenthaler Foto: Christian Grund

Eine bekannte Köchin, die vorbildlich Biofleisch produziert. Ein Firmengründer, der vegane Fertigprodukte verkauft. Zwei Leute, ein Ziel: die Menschen besser und umweltschonender mit Essen versorgen. Über den richtigen Weg streiten Sarah Wiener und Jan Bredack leidenschaftlich

Minuten vor dem Duell ist die Idylle noch perfekt. Die Felder sind weit, die Eichen alt, das Biosphärenreservat Schorfheide liegt um die Ecke und der Geruch des offenen Stalls in der Luft. Sarah Wiener, 55, kommt in lehmverschmierten Gummistiefeln zum Treffpunkt. Die Unternehmerin, Selfmade-Köchin und Autorin zahlreicher Bücher, hat den Naturland-Hof in der Uckermark 2014 mit zwei Geschäftspartnern erworben. Seit Langem setzt sie sich für artgerechte Tierhaltung, biologische Vielfalt und Lebensmittel ohne Gentechnik ein und engagiert sich mit ihrer Stiftung für die gesunde Ernährung von Kindern.

Dann fährt ein weißer Mercedes vor, eines der besonders leistungsstarken AMG-Modelle mit laut röhrendem Motor. Jan Bredack, 46, hat 2011 die erste vegane Supermarktkette Deutschlands gegründet. Vergangenes Jahr musste der ehemalige Daimler-Manager die meisten Veganz-Märkte zwar wieder schließen – die Konkurrenz der großen Super- und Biomärkte war übermächtig geworden. Doch Bredack macht weiter mit verändertem Geschäftsmodell, vertreibt nun vegane Fertigprodukte in ganz Europa. „Essen für eine bessere Welt“ ist auf seinem Shirt zu lesen, als er vom Auto herüberkommt. Wiener bittet an einen gemütlichen Holztisch in einer Ecke des Hofladens. In der Kühltheke liegen Fleisch und Wurst, Bredack würdigt sie keines Blickes. Trotzdem muss die erste Frage erlaubt sein.

Herr Bredack, wir sind auf einem Biohof wie aus dem Bilderbuch. Könnten Sie hier schwach werden und ein Steak essen?
JB     Nein, die Tiere werden ja trotzdem getötet. Da ist für mich die Barriere. Warum muss ich jemanden töten, damit ich was zu essen habe?
SW    Ist es nicht unser Schicksal als Menschen, die mehr brauchen als Wasser und Sonne, Leben zu vernichten? Niemand ist ohne Schuld.
JB     Wir sind die am höchsten entwickelten Wesen und können bewusst über Leben und Tod entscheiden. Dabei sind dann auch die Auswirkungen der Nutztierhaltung auf die Umwelt zu bedenken. Es ist so ineffizient, für ein Kilo Fleisch ein Vielfaches an Futter und tausende Liter Wasser zu verbrauchen.

Frau Wiener, wann haben Sie zuletzt eine Tofuwurst auf den Grill gelegt?
SW     Noch nie. Ich habe mal eine probiert und es schmeckt mir einfach nicht. Ich mag puren Tofu, aber diese hochverarbeiteten Sachen sind für mich der Inbegriff dessen, was schiefläuft.

Warum?
SW    Sie sind nur eine Kopie des Originals. Das kann ich nicht befürworten. Wenn sie auf den Massenmarkt zugeschnitten sind, befördern sie eine intensive Landwirtschaft mit Mineraldünger und Pestiziden. Hinzu kommt, dass nur der dekadente Mitteleuropäer oder Nordamerikaner einfach so entscheiden kann, vegan zu leben. Es gibt viele Flächen auf der Welt, trockene Flächen, aber auch Berghänge oder halb sumpfige Wiesen, auf denen man kein Gemüse oder Getreide anbauen, aber Tiere halten kann. Die Menschen dort könnten es sich auch nicht leisten, Nori-Algen aus Japan oder Quinoa aus Peru zu importieren.

Muss denn veganes Essen so sein?
JB
    Nein...
SW    Ist es aber ganz oft! Die vegane Lebensweise hat das Scheunentor für eine Künstlichkeit aufgestoßen, die es bei uns vorher so nicht gab.
JB     Wir müssen aufpassen, dass wir nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Es gibt heute im Lebensmittelbereich tatsächlich nicht mehr viel Gutes, und natürlich gibt es auch im pflanzlichen Bereich prozessierte Lebensmittel. Aber eben auch im tierischen Bereich – und gegenüber denen bieten die pflanzlichen enorm viele Vorteile.

Mal grundsätzlich gefragt: Was wäre wichtiger für den Planeten – dass wir uns ausschließlich von Bioprodukten ernähren oder vegan?
JB     Vegan ist das neue Bio.
SW    Moment! Eure Produkte sind wirklich alle biozertifiziert?
JB     Nur die trockenen, im Kühlbereich haben wir auch Nicht-Bio.
SW    Dann kannst du jawohl kaum sagen, vegan sei das neue Bio.
JB     Doch. Für mich steht hinter Bio das Thema Nachhaltigkeit in der Gesamtheit, also Tierschutz, Klima, Flächennutzung, Wasserverbrauch, alles was dazu gehört. In diesem Sinne geht Vegan noch ein Stück weiter als der Biogedanke. Denn all diese Auswirkungen unserer Ernährungsweise sind nun mal bei rein pflanzlichen Produkten weniger stark als bei tierischen – im Übrigen auch bei eingeflogenen oder stark prozessierten.
SW    Aber du kannst doch nicht ernsthaft Produkte promoten, die so künstlich sind!
JB     Meine Güte, du behauptest, dass alles, was vegan ist, auch ein Kunstprodukt ist. Das ist ein Vorurteil!
SW    Dann lass uns doch jetzt einfach mal auf die Zutatenliste eurer veganen Chicken-Nuggets gucken.

Bredack öffnet die Webseite des Veganzshops und reicht ihr sein Handy. (...)

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