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lügendetektor

11. Oktober 2010, 09:46

Michelin: Große Werbung, kleine Wirkung

Das Michelin-Männchen ist eine Ikone der Werbegeschichte: Vor mehr als hundert Jahren, auf der Weltausstellung 1894 in Lyon, soll ein Stapel Reifen in Menschenform den Firmengründer Edouard Michelin auf die Idee für sein Firmenmaskottchen gebracht haben. Seitdem steht ein reifenwülstiges Männchen namens „Bibendum“ für Michelin. Im Laufe der Jahrzehnte wurde es schlanker, und als Rauchen nicht mehr en vogue war, büßte es irgendwann seine Zigarre ein. „Bib“, so sein Kosename, strahle eine „klare, offene und herzliche Persönlichkeit aus“, heißt es auf der Firmenwebsite. Ganz dem Zeitgeist folgend, kämpft das Michelin-Männchen heutzutage gegen Spritverschwendung und fürs Klima: Großformatige Anzeigen im Comic-Stil zeigen einen freundlich lächelnden Bib, der eine grimmig-rote Zapfsäule so richtig vermöbelt.

 

Mit dem Motiv, erschienen beispielsweise in der Zeit, wirbt der Reifenhersteller für sein Modell „Energy Safer“. Durch ein geringeres Gewicht und ausgeklügelte Gummi-Mischungen hat dieser Pneu einen geringeren Rollwiderstand – Autos mit solchen Reifen verbrauchen deshalb weniger Antriebsenergie. Im Anzeigentext heißt es vollmundig:

Achtzig Liter, das macht was her! Doch hinter der Zahl steht ein Sternchen. Und ein Blick in die zugehörige Fußnote im Klitzekleingedruckten der Annonce sorgt dann für ziemliche Ernüchterung. Die achtzig Liter sind nämlich über die durchschnittliche Lebensdauer solcher Reifen kalkuliert, also über

Rechnet man davon ausgehend zurück, ergibt sich: Der Michelin Energy Saver sorgt für eine Verbrauchsminderung von bestenfalls 0,17 Liter pro hundert Kilometer. Und setzt man dies in Relation zum durchschnittlichen Spritverbrauch deutscher Autos von 7,6 Litern, dann sorgt der „echte Kraftstoffsparer“ für eine Ersparnis von höchstens 2,2 Prozent. Michelin schaltet also ziemlich große Anzeigen für einen ziemlich begrenzten Effekt.

 

Natürlich sind jeder unverbrannte Liter Mineralöl und jedes vermiedene Gramm Kohlendioxid eine feine Sache. Doch andere Dinge bringen viel mehr fürs Klima als Michelins Spritsparreifen: Nach Angaben des ADAC kann etwa eine kluge Fahrweise den Kraftstoffverbrauch um zehn bis 20 Prozent drücken, das Abschalten der Autoklimaanlage spart zwischen 0,1 und 2,1 Liter auf hundert Kilometer. Noch mehr brächte es, auf ein kleineres Fahrzeug umzusteigen oder das Auto öfter ganz stehenzulassen. Werbung wie die von Michelin birgt die Gefahr, dass sich Autofahrer einen Satz „Ökoreifen“ kaufen – und dann mit gutem Gewissen umso mehr rasen.




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