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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.17

Karaffe

Wertschätzung nicht vergessen! Diese Vordenker zeigen, wie wir Wasser, Säfte und Öle bewahren und für noch mehr Menschen zugänglich machen

Sortenreiner Saft von der Streuobstwiese nebenan
Ingmar Dalchow schwärmt vom Gravensteiner. Von den mächtigen Apfelbäumen, über hundert Jahre alt und bis zu zwölf Meter hoch. Und vom Cox Orange – nicht von der bekannteren Holsteiner Variante, sondern von der alten, selten gewordenen Sorte, die hier, südlich des Harzes nahe Göttingen, auf den Streuobstwiesen wächst. Ganz andere, viel intensivere Aromen hätten diese Äpfel, sagt er. „Die Säfte daraus sind wie gute Weine, Liebhaber-Produkte.“

Ingmar Dalchow kennt sich aus mit Säften. Er betreibt eine kleine Mosterei – und hat einige Besonderheiten im Angebot: Apfel-Zwetschgensaft gibt es, Apfel-Kirsch-, Apfel-Sanddorn- und in kleineren Mengen auch Birnen- und Quittensaft. 70.000 Flaschen füllt er jedes Jahr ab. „Das A und O ist die Rohware“, sagt Dalchow. Er verarbeitet ausschließlich Äpfel von den Streuobstwiesen der Region, weil dort Obst in bester Qualität wächst, aber auch weil er helfen will, diese einzigartigen Biotope zu erhalten. Da der Anbau aufwendiger ist als auf Obstplantagen, zahlt er seinen Zulieferern, mit denen er schon zusammenarbeitet, seit er 1994 als Student mit dem Saftpressen anfing, 25 Prozent mehr als üblich. Zudem können sie sich über seine Mosterei Bio-zertifizieren lassen. Den Preisaufschlag gibt er an die Kunden weiter: Eine Flasche sortenreiner Gravensteiner, das Liebhaber-Produkt, kostet drei Euro, die meisten Sorten deutlich weniger. „Der Preis spielt aber eigentlich keine Rolle“, sagt Dalchow, der seine Kunden persönlich beliefert und einen Verkaufsstand auf dem Göttinger Wochenmarkt hat, an dem man seine Säfte glasweise kosten kann. „Meine Kunden wollen genau das: hochwertigen Saft, regionale Vermarktung, das Bekenntnis zu biologischer Vielfalt und die traditionelle Arbeitsweise.“

Dalchow nutzt eine alte, schonend arbeitende Packpresse und lässt den Saft, statt ihn direkt abzufüllen, eine Nacht stehen, damit sich grobe Rückstände absetzen. Anders als industrielle Hersteller filtert er den Saft nur durch den eigenen Fruchtbrei und erhitzt ihn nur einmal. Das ist gut fürs Aroma, erhält Vitamine – und spart Energie.

Leitungswasser to go
Eigentlich sollte das selbstverständlich sein: einfach in einen Laden oder ein Restaurant gehen und die Wasserflasche auffüllen lassen, wenn der Durst groß ist. Das findet jedenfalls Stephanie Wiermann aus Horst bei Hamburg. Deshalb startete sie die Kampagne „Refill Hamburg“: Jeder, der einen Laden oder ein Café mit Wasserhahn besitzt, kann sich online registrieren, bekommt einen Aufkleber für die Eingangstür und kann so dazu beitragen, dass weniger Plastikmüll entsteht. Der Gedanke: Wer seine Flasche mit Trinkwasser nachfüllt, kauft keine Plastikflasche. „Es ist ein großes Glück, dass wir so gutes und günstiges Leitungswasser haben“, sagt Wiermann. Vorbild ist das Projekt „Refill Bristol“, bei dem bereits 200 Läden mitmachen. In Hamburg waren es nach sechs Wochen bereits fünfzig. Noch dieses Jahr sollen weitere Städte in Deutschland folgen. refill-hamburg.de

Beim Abfall fällt was ab
Ananasringe, die nicht die ideale Größe haben, Orangen, denen nur ein Stück Filet entnommen wurde, unregelmäßig geformte Karotten – all das sortieren Lebensmittelfabriken meist aus. Dabei ist ein Großteil der Abfälle noch nutzbar: Zum Beispiel lässt sich Saft daraus pressen. „Muda rejuices“ heißt ein Start-up, das Elena Ali und drei ihrer Kommilitonen der Fachhochschule Bern gegründet haben. Für ihren Direktsaft verwenden sie ausschließlich Obst- und Gemüsereste. Die Abfälle werden in den Betrieben sortiert und gekühlt und einmal wöchentlich von den Studenten abgeholt. Rund 200 Liter lassen sich aus einer halben Tonne geretteter Früchte pressen. Die Säfte enthalten keine weiteren Zutaten und sind nicht so süß. Allein deshalb sei ihr Geschmack für manche wohl „etwas gewöhnungsbedürftig“, versichert Elena Ali – und nicht etwa wegen der besonderen Rohstoffe. mudasaft.ch

Wiederbelebtes Kulturdenkmal
Vierzig Jahre lang standen die Zahnräder und Transmissionsriemen der mehr als 150 Jahre alten Ölmühle im saarländischen Illingen still. Industriell gefertigte Speiseöle und Fette hatten den traditionell gepressten Ölen den Rang abgelaufen. Dann, Anfang 2002, beschlossen Helga und Ulrich Krauth, schon im Rentenalter, die Maschinen wieder anzuwerfen. Sie renovierten die seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Familienbesitz befindliche Mühle und die fast hundert Jahre alte Stempelpresse. Auch Sohn Jürgen ließ sich vom Enthusiasmus der Eltern anstecken. Er gab seinen Job auf und presst heute Walnuss- und Haselnusskerne oder Mandeln zu hochwertigen Speiseölen. Das Besondere an der alten Stempelpresse ist der kontinuierlich hohe Pressdruck von bis zu 150 Tonnen. Dadurch wird auch der letzte Tropfen aus den Kernen gequetscht. „Und die Nüsse werden nicht zerrieben, wie in modernen Pressen“, sagt Jürgen Krauth. Die zugekaufte Schneckenpresse eignet sich besser für Lein-, Raps- oder Mohnsamen, die Krauth exklusiv von Biobauern aus der Region bezieht. Wer mag, kann in der Ölmühle auch Walnüsse aus dem eigenen Garten pressen lassen. Zwölf Kilo Nusskerne ergeben knapp acht Liter – für gerade mal 35 Euro. oelmuehle-illingen.de