Alles so schön billig hier! Und so bequem. Amazon lockt mit immerwährender Verfügbarkeit. Und was nicht gefällt? Geht zum Nulltarif zurück. Günstig ist das nur auf den ersten Blick. Denn der Onlinehändler lässt Retouren im großen Stil vernichten. Wir haben eine seiner Anzeigen dahingehend korrigiert.

„Am Amazon Prime Day finden Sie auf Amazon.de wirklich überall Angebote“, lockte der Internetriese Amazon vor einigen Wochen. „Dinge, die Sie schon immer wollten und die Sie wirklich brauchen.“ Wirklich? Zumindest der zweite Satz scheint angesichts der sprunghaft steigenden Bestellwut der Deutschen hochspekulativ.

Nach Erhebungen des Versandhandelsfachverbands BEVH verschickten die hiesigen Onlinehändler im vergangenen Jahr Waren im Wert von mehr als 58 Milliarden Euro, ein Plus von mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr und wiederum dem Jahr davor und so weiter. Während Amazons ursprüngliches Geschäftsfeld, der Buchverkauf, branchenweit schrumpft, bestellen die Leute im Internet immer mehr Kleidung, Computerzubehör, Kaffeevollautomaten, Sofas, Stehlampen, Spielzeug, einen – ganz im Sinne des Gründers Jeff Bezos – niemals abreißenden Amazonas der Dinge eben.

Mehr als drei Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen im Jahr 2016 – Tendenz steigend – schätzte die Unternehmensberatung MRU in einer Studie für die Bundesnetzagentur. Die Lieferwagen der Paketdienste verstopfen nicht nur Straßen und stoßen CO2 aus. Sie beschleunigen auch die Verschrottung fabrikneuer Waren.

Mehr als ein Buch im Regal zu haben, kann von Nutzen sein. Aber wie viele Klamotten, Virtual-Reality-Brillen und Staubsauer braucht der Mensch? Greenpeace-Recherchen zufolge werden beispielsweise achtzig Prozent der im Netz bestellten Schuhe zurückgesandt. Und rund ein Drittel der verschmähten Ware kommt nicht wieder in den Verkauf, sondern wird vernichtet – weil es für den Händler oft am bequemsten und billigsten ist.

Im Juni packten deutsche Amazon-Mitarbeiter aus und beschrieben Reportern der ZDF-Sendung Frontal 21 und der Wirtschaftswoche ihren frustrierenden Alltag an der Schrottpresse. Anonym schätzte eine Mitarbeiterin etwa: „Ich vernichte jeden Tag neuwertige Waren im Wert von 23.000 Euro.“ Im hauseigenen Schredder landen demnach Ladenhüter und funktionstüchtige Produkte mit winzigen Macken – vor allem aber unbenutzte Retouren, zum Teil originalverpackt und noch mit Preisschild.

Zwar spendet Amazon unverkaufte Ware auch, etwa an Innatura, eine Art Amazon für soziale Zwecke. Allerdings ist es aus steuerrechtlichen Gründen meist günstiger, sie zu vernichten – und das gibt oft den Ausschlag. Die Folge: eine gigantische Verschwendung von Arbeit und Ressourcen. Zum Ausmaß des Problems äußert der Konzern sich nicht. Allerdings dementiert er die Vorwürfe auch nicht, er lasse systematisch Güter zerstören.

Selbstverständlich ist Amazon nicht der einzige Kaputtmacher im Handel. Zuletzt wurde bekannt, dass etwa das englische Modehaus Burberry überzählige, nadelneue Kleidung dem Fegefeuer der Eitelkeiten übergibt, damit die Luxusmarke rar bleibt und keinen Schaden nimmt, indem sie am Ende noch an Bedürftige verramscht wird. Doch als gigantischer Universalhändler ist Amazon in der Branche von besonderem Interesse.

Der Amazonas der Waren und Dienstleistungen fließt immer breiter und üppiger. Längst flankieren Angebote wie Amazon Prime, Music, Pay, Vine, Dash, Fresh oder Go den Hauptstrom. Und nun neu – zumindest am Licht der Öffentlichkeit: Amazon Destroy. Mit dem englischen Wort für Zerstören sind – auf heimlich aufgenommenen Fotos – in den Logistikzentren des Konzerns eigens Stellflächen gekennzeichnet. Es ist der Schrottpressenwartebereich – für all den Ausschuss des Hyperkonsums.

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