Amazon droht Mitarbeitern mit Kündigung, weil sie ihren Arbeitgeber öffentlich für mangelnden Klimaschutz kritisieren. Dabei wirbt der Konzern gerade für seine angeblich so hervorragenden Arbeitsbedingungen. Die bittere Ironie in unserer Gegenanzeige.

Es hätte so schön sein können für Amazon: Im September 2019 verkündete der US-Konzern, er wolle bis zum Jahr 2040 klimaneutral wirtschaften – ganze zehn Jahre vor dem im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziel. „Wir wollen bei dieser Thematik nicht nur Mitläufer sein – wir haben uns entschlossen, die Größe und Bandbreite unseres Unternehmens einzusetzen, um den Unterschied zu machen“, sagte Firmenchef Jeff Bezos. Vergessen schienen die Negativschlagzeilen, in die der Konzern durch Berichte über die massenhafte Vernichtung von Retouren geraten war.

Nun also ein ambitioniertes Klimaziel – da jubelten auch engagierte Mitarbeiter von Amazon. Sie hatten sich zuvor als „Amazon Employees for Climate Justice“ zusammengetan und in einem offenen Brief ihren Arbeitgeber zu mehr Engagement im Klimaschutz aufgefordert.

Alles wieder im grünen Bereich also – PR-Schlacht gewonnen? Von wegen. Wenige Wochen nach Bezos Klimaversprechen wurden die Rädelsführer der Initiative zum Rapport bestellt – und mit Kündigung gedroht. Sie hatten es tatsächlich gewagt, Amazon weiterhin zu kritisieren. Für seine Geschäfte etwa mit der Ölindustrie: Die Tochterfirma Amazon Web Services (AWS) arbeitet für Kunden, die alles andere als klimafreundlich sind. Mithilfe der von AWS entwickelten künstlichen Intelligenz können Erdölunternehmen noch produktiver Erdöl fördern. Im Juli 2019 kam zudem heraus, dass Amazon eine Veranstaltung des „Competetive Enterprise Institute“ finanzierte – einer konservativen Denkfabrik, die den Klimawandel leugnet. Wie passte das mit dem Klimaversprechen zusammen?

Über die Einschüchterung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichtete Anfang des Jahres ausgerechnet die „Washington Post“ – die Jeff Bezos selbst gehört. Die Journalisten hielten das hohe Gut der Pressefreiheit hoch und berichteten trotzdem. Den Amazon-Mitarbeitern sei über Anwälte erklärt worden, sie hätten gegen Unternehmensrichtlinien verstoßen, als sie das Unternehmen in einem Zeitungsartikel für den Widerspruch zwischen hehren Worten und den eigenen Geschäftspraktiken kritisierten. Für öffentliche Aussagen über den eigenen Arbeitgeber müsse zunächst eine Erlaubnis eingeholt werden. Weitere Verstöße gegen diese Richtlinien könnten zur Kündigung führen.

Wie Hohn wirkt daher die aktuelle Kampagne von Amazon. Mit schicken Videos und wortreichen Anzeigen preist der Konzern seine Arbeitsbedingungen und seine Sorge um die Mitarbeiter. Deswegen widmen wir – wieder einmal – unsere Rubrik „Keine Anzeige“ dem Onlineriesen.

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