Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr 2021 rast ungebremst auf sein Ende zu – für viele die Zeit für Inventur, Rück- oder Ausblick, gegebenenfalls mit jenen guten Vorsätzen, aus denen angeblich das Straßenpflaster für den Abstieg in die Unterwelt besteht. Den Jahresrückblick überlasse ich den Profis, die in dieser Angelegenheit derzeit auf allen Kanälen unterwegs sind. Corona, Flutkatastrophe, Afghanistan, Bundestagswahl, Klimagipfel, die vergangenen zwölf Monate sind sicher für viele in mancher Hinsicht anders gelaufen als geplant.

Da das Schicksal aber dazu neigt, sich auch über die ambitioniertesten Pläne lustig zu machen und diese zu Kleinholz zu verarbeiten, bin ich mit dem Ausblick lieber auch vorsichtig. Sage nicht, was du alles Tolles tun willst, sondern fang besser mit dem Unterlassen an! Was also werde ich nächstes Jahr (wieder) alles nicht tun?

2022 werde ich, wie all die Jahre davor, kein Auto kaufen oder fahren. Nein, auch kein Elektroauto. Eine sehr leichte Übung, wenn man mitten in der Großstadt wohnt: spart Ärger (Reparaturen, TÜV, Parkplatzsuche), CO2 und Geld, das man anderweitig investieren kann, zum Beispiel in die Gefangenenbefreiung. Da Schwarzfahren hierzulande im Gegensatz zu dubiosen Maskendeals eine Straftat ist, wandern Menschen, die sich kein Ticket für den ÖPNV und erst recht kein Bußgeld leisten können, in den Knast. Der Freiheitsfonds leistet hier Abhilfe und erspart der Gesellschaft, also uns allen, die Kosten für das Wegsperren hinter Gitter. Die komplett entfallen könnten, wenn Schwarzfahren eine Ordnungswidrigkeit wäre und Fahrkarten auch für Menschen mit niedrigem Einkommen erschwinglich.

Da auch der Erwerb eines Eigenheims mit Garten nicht infrage kommt, werden weitere Mittel frei, zum Beispiel für eine von diversen Organisationen und Stiftungen angebotene Moorpatenschaft. Fragen Sie Ihre Suchmaschine. Kreuzfahrten und Flugreisen stehen auch nicht auf meinem Programm, aber das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte organisiert Reisen anderer Art. Zugegeben, es ist ein bisschen schade, dass ich wohl in diesem Leben nicht mehr völlig schwerelos im Weltraum schweben werde – den blauen Planeten vom Orbit aus zu betrachten, das hätte was.    

Aber davon abgesehen gibt es vieles, was ich mit Freude weiterhin bleiben lassen werde: Selfies machen (oder kann mir jemand erklären, wozu die gut sein sollen?); die Bildzeitung kaufen; Grillen; Böller in die Luft jagen; Bergsteigen, Gewichtheben und andere kräftezehrende Sportarten; den Besuch von Volksfesten, Fußballstadien, Karnevalsumzügen und sonstigen Massenveranstaltungen, auch ohne Corona… Weihnachten entfällt auch wieder, samt Baum und Geschenken. Sorry. Früher war auch schon kein Lametta. Und Schenken ist toll, aber nicht nach Saison.  

Wenn Sie nun den Kopf schütteln oder die Hände über demselben zusammenschlagen und sagen: Was führt diese Frau bloß für ein freudloses, langweiliges und unzeitgemäßes Leben, dann tun Sie das ruhig. Es fiele mir nicht ein, jemandem vorzuschreiben, was er oder sie tun oder eben auch lassen soll. Denn: Jeder Jeck ist anders, besagt eine kölsche Weisheit (auch außerhalb des Karnevals anwendbar). Ich selbst wäre aber sehr unglücklich, wenn man mich zu einer der oben aufgeführten, bislang erfolgreich vermiedenen und auch künftig zu vermeidenden Aktivitäten zwänge.

Da jetzt alles abgeräumt ist, was den Blick auf 2022 eventuell hätte verstellen können, bietet sich eine blendende Aussicht auf das frische Jahr. Wir sollen ja angeblich vor einer Zeitenwende stehen. Ob das was wird? Ich bin mal gespannt. Kommen Sie gut rein!

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Kerstin Eitner
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