Liebe Leserinnen und Leser,

da bin ich wieder – nach einer längeren Auszeit meinerseits aus gesundheitlichen Gründen. Es war nicht die erste Vollbremsung dieser Art im sogenannten normalen Leben, aber das macht es nicht besser.

So verbrachte ich im Frühsommer einen Monat in einer Fachklinik im westfälischen Münster, erstmals auch zwei Tage auf der Intensivstation: voll verkabelt, verbunden und verpflastert, umschwirrt und umsorgt von guten Geistern, die auch ohne Corona mit der Krankenpflege mehr als genug zu tun haben und denen man es nicht verdenken kann, wenn sie irgendwann aus Erschöpfung das Handtuch werfen.

Die Patientin hatte also, zumal sie weder essen noch sprechen konnte, Zeit genug, zum einen das tierische Unterhaltungsprogramm rund um die am Waldrand gelegene Klinik zu genießen. Beteiligt waren diverse Singvögel, ein Specht, ein Kauz, ein Hase, Eichhörnchen und einige aus Leibeskräften quakende Frösche in einem kleinen Teich. Zum anderen war der unablässige Anfall von Müll zu beobachten. Da hat ein Krankenhaus so einiges zu bieten, von abgelaufenen Arzneimitteln über Essensreste, Infusionsbeutel und Spritzen bis hin zu Verpackungen aller Art, gern aus Plastik, und vieles mehr.

4,8 Millionen Tonnen Abfall produzierten deutsche Kliniken 2019 pro Jahr, umgerechnet sind das 26 Kilo pro Bett pro Tag. Außerdem verbraucht ein Krankenhaus pro Bett und Jahr etwa so viel Energie wie vier Einfamilienhäuser das entspricht bei 500.000 Betten dem Bedarf von zwei Millionen Eigenheimen. Laut Ärzteblatt stammen 4,4 Prozent der weltweiten Treibhausgase aus dem Gesundheitssektor, der damit Flug- und Schiffsverkehr in Sachen Emissionen abhängt.

Das Problem ist immerhin erkannt. Abfallbeauftragte kämpfen gegen die Müllberge, ein Programm namens KLIK (Klimamanager für Kliniken) kümmert sich um die entsprechende Ausbildung. Es gibt die Idee der „Green Hospitals“ und Ansätze zur Wiedergewinnung von Edelmetallen wie Gold, Platin und anderen wertvollen Rohstoffen, aber derzeit dürfte ein Großteil nach wie vor in der thermischen Verwertung, sprich: Verbrennung landen. Es ist ja auch nicht ganz unkompliziert, schließlich ist das Material teilweise infektiös und müsste vor einer Wiederverwendung gründlich desinfiziert werden.

Landeseigene Krankenhäuser könnten und sollten bei der Nachhaltigkeit mit gutem Beispiel vorangehen, aber, so geht aus einer Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit auf eine Anfrage zweier Grünen-Abgeordneten hervor: Da ist noch reichlich Luft nach oben. Dabei will die Stadt bis 2050 klimaneutral sein, und das gilt ja nicht nur für Berlin. Herr Lauterbach! Sobald Sie zwischen zwei epidemiologischen Studien mal einen Moment Zeit haben, nehmen Sie bitte dringend einen Klimacheck im Gesundheitswesen vor!

Und bitte die Reha-Kliniken nicht vergessen. In einer solchen war ich im September. Auf zwei Wochen nachgelieferten Sommer, teilweise auf einem Liegestuhl in der Sonne verbracht, folgte der Herbsteinbruch mit Nieselwetter und abendlicher Kühle. Also Heizung eingeschaltet. Schnell wird es mollig warm, so warm, dass man den Thermostaten runterdreht. Denkt man jedenfalls. Aber siehe da, in dem aus den Siebzigerjahren stammenden Gebäude gibt es für die Heizkörper nur zwei Einstellungen, nämlich „an“ und „aus“, schwitzen oder frösteln. Was tun? Fenster aufreißen, wie es in den USA oder Russland verbreitet ist? Lieber noch was überziehen und unter die Decke schlüpfen. Auch die Klospülung wird mir unvergessen bleiben, sie hat sich in Sachen Wasserverbrauch und Geräuschentwicklung offenbar die Niagarafälle zum Vorbild genommen.

Diese kleinen Beispiele zeigen: Bis zur Klimaneutralität ist es noch ein weiter Weg. Den deutschen Krankenhäusern kann man, was Umwelt- und Klimaschutz angeht, jedenfalls nur rasche Genesung wünschen.

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Unterschrift

Kerstin Eitner
Redakteurin

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