Liebe Leserinnen und Leser,

die Umfragen sind eindeutig, egal in welchem Land man fragt. Überall sorgt sich die Mehrheit der Menschen um den Planeten, um die Tiere, die Pflanzen, fürchtet die Folgen der Klimakrise und würde Kindern und Kindeskindern gern eine Welt mit sauberer Luft und trinkbarem Wasser hinterlassen. Jedes Land, das sich eine Demokratie nennt, müsste diese Aufgaben daher weit oben ansiedeln. Eigentlich.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass der amerikanische Präsident das mögliche Ende der Demokratie beschwört. Vor allem nicht für das eigene Land. Aber seine Sätze vom vergangenen Mittwoch, die hierzulande im allgemeinen Krisenmodus irgendwie so durchrutschten, verweisen auf eine Bedrohung, die bei den US-Wahlen am kommenden Dienstag Wirklichkeit werden kann: „Wir werden oft nicht vor die Frage gestellt, ob die von uns abgegebene Stimme die Demokratie bewahren wird. Aber dieses Jahr sind wir es.“

Die amerikanische Demokratie steht vor dem Abgrund und ihr rechtes Bein ist schon einen Schritt weiter. Mehr als die Hälfte der Kandidatinnen und Kandidaten, die Republikaner für den Senat, das Repräsentatenhaus oder wichtige Ämter in den Bundesstaaten aufgestellt haben, halten Joe Biden für einen illegitimen Amtsinhaber. Sie klammern sich hartnäckig an der Lüge fest, Donald Trump hätte die Präsidentschaftswahl vor zwei Jahren gewonnen. Die fürchterliche Hammer-Attacke auf den Ehemann von Nancy Pelosi hat es hierzulande kaum in die Nachrichten oder gar auf die Titelseiten der Zeitungen geschafft. Deshalb hier noch einmal zum Mitschreiben für die Geschichtsbücher: Ein rechtsradikaler Trump-Fan ist in das Haus der demokratischen Spitzenpolitikerin eingebrochen, um die Frau zu töten, die als Sprecherin des Repräsentantenhauses hinter dem Präsidenten und seiner Vizepräsidentin das dritthöchste Amt in der amerikanischen Demokratie bekleidet. Weil sie nicht da war („Wo ist Nancy??!!“), schlug der Terrorist auf Pelosis 82-jährigen Ehemann ein und verletzte ihn schwer.

Vor amerikanischen Wahllokalen und Boxen, in denen Briefwahlstimmen abgegeben werden können, patrouillieren bewaffnete rechtsradikale Milizen. Hunderte Wahlhelferinnen und Wahlhelfer haben in den vergangenen Monaten ihr Ehrenamt niedergelegt, weil sie die Morddrohungen gegen sich und ihre Familien nicht länger ertragen. Bei einigen tauchten Trumps militante Fans vor den Schulen auf und bedrohten ihre Kinder.

Nach ihrer landesweiten Wahlniederlage vor zwei Jahren haben republikanische Regierungen in zahlreichen Bundesstaaten die Wahlmöglichkeiten drastisch eingeschränkt. In einigen Teilen Georgias mussten die Menschen bei der Wahl 2020 über zehn Stunden lang anstehen, um ihr Kreuz zu machen. In diesem Jahr werden dort und in anderen demokratischen Hochburgen wie in Texas oder Arizona deutlich weniger Wahllokale geöffnet. Dafür ist es verboten, den Wartenden Wasser zu reichen. Für diese „unzulässige Wahlhilfe“ drohen Haftstrafen.

Auf ihrem mit allen juristischen und politischen Mitteln ausgetragenen Kampf gegen ein faires und demokratisches Wahlrecht werden die Republikaner vor allem von der Öl-, Gas- und Kohleindustrie finanziell massiv unterstützt. Sie finanzieren auch eine bizarre Medienlandschaft, die das Land mit Lügen vergiftet. Lügen, die vor allem in ländlichen Gebieten, wo unabhängige Medien immer öfter fehlen, geglaubt werden, aber offenbar auch von den Superreichen selbst. Elon Musk, der nicht zuletzt durch Steuerverweigerung und staatliche Fördergelder zum Multimilliardär aufgestiegene Rechtslibertäre, postete auf Twitter nach dem Pelosi-Terroranschlag jedenfalls wirre Verschwörungstheorien, für die er anderswo von der Plattform geflogen wäre. Praktisch, wenn einem der Laden gehört.

Der langsame Putsch der Fossilen und Superreichen vollzieht sich systematisch: Mobilisierung des militanten Männerwahns und der religiösen Fanatikerinnen, Medienmacht anhäufen, die Justiz kaufen. Von rechten Milliardären finanzierte Kampagnen für die Nominierungen zum Supreme Court, dem höchsten Gericht des Landes, haben willfährige Ideologen und Ideologinnen in Lebensämter gespült. Ihren Finanziers verschaffen sie rechtssichere Renditen. So urteilte der Supreme Court unlängst, dass die gewählte Regierung und überhaupt staatliche Institutionen kein Recht hätten, den Unternehmen Umweltauflagen vorzuschreiben. Freiheit und so.

Mag der unmittelbare Ausblick auf die kommende Woche diesmal etwas düster geraten sein – der Ausblick auf das kommende Jahr könnte ihnen gefallen. Unsere wunderbaren Kolleginnen vom Warenhaus, die sich vor einigen Wochen bei Ihnen vorstellen durften, haben wieder einmal einen ganz besonderen Kalender produziert, der Ihr 2023 mit viel Herzenswärme erfüllen könnte. Nachdem das Warenhaus mit seinen aufwendig gestalteten Kalendern in der Vergangenheit bereits ungewöhnliche Schweine, charaktervolle Rinder und hinreißende Esel porträtiert hat, widmet sich der für das kommende Jahr insgesamt 28 Tieren, denen das Schicksal übel mitgespielt hat.

Er zeigt auf einfühlsamen Bildern Tiere, die nicht mehr gewollt wurden oder gehalten werden konnten, vernachlässigte und gerettete Tiere sowie Wildtiere, die durch Fehlprägung auf den Menschen nicht wieder ausgewildert werden können. Der Kalender schärft den Blick für die Zwangslagen nicht artgerecht gehaltener Tiere und ermutigt, Partei für diese Lebewesen in Not zu ergreifen. Und er ist eine Hommage an die vielen Ehrenamtlichen, die sich ihnen hingebungsvoll widmen und so mithelfen, unsere Welt ein wenig liebenswerter zu machen, Tier für Tier.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

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Fred Grimm
Redakteur

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