Greenpeace Magazin Ausgabe 6.98

Kritische Fahrradmasse

Einmal im Monat demonstrieren Berliner Radfahrer für eine andere Verkehrspolitik — scheinbar rein zufällig.

„Organisierten Zufall“ nennen die Radfahrer, was an jedem letzten Freitag im Monat vor dem Brandenburger Tor passiert. Um 16 Uhr treffen sich einige hundert Radler und verursachen einen Fahrradstau. Manchmal führt ihre zufällig gemeinsame Route auch an die Verkehrsknotenpunkte Berlins. Dort legen sie gemeinsam den Autoverkehr lahm. Die Aktion der Berliner Radfahrer ist nach dem amerikanischen Vorbild „Critical Mass“ entstanden. In San Francisco trafen sich 1992 erstmals Radfahrer zu einem Fahrradstau, um gegen die Verkehrspolitik, die die Autofahrer bevorzugt, zu demonstrieren. In mittlerweile 63 Städten weltweit versammeln sich Radfahrer zu ihren monatlichen Stau-Happenings. Auch in Marburg und Nürnberg gibt es Radlertreffen. Wissenschaftler sehen in dieser Art Demonstration bereits die Zukunft: Der Protest wird mit Spaß verbunden und mündet in einer Art Freizeitgestaltung. Mehr Informationen über die Berliner Critical-Mass-Radfahrer sind im Internet unter der Adresse http://www.critical-mass.net/ abrufbar.