In der Ausgabe 3.20 des Greenpeace Magazins „Enthüllt“ geht unsere Serie über die Haltbarkeit von Lebensmitteln weiter. Vor vier Monaten waren wir einkaufen und noch immer ist die Mehrheit der Produkte unseres Langzeittests einwandfrei – teils Monate nach dem Haltbarkeitsdatum. In Teil 3 zeigen wir Frischekniffe für alle Lebensmittel

Da kann der Einkaufswagen noch so voll sein mit biodynamischen Lebensmitteln, die im Jutebeutel nach Hause geradelt werden – alles für die Katz angesichts der Tatsache, dass in deutschen Küchen laut einer WWF-Studie knapp ein Drittel der Lebensmittel ohne Not im Müll landen. Das sind rund 22 Millionen Tonnen überflüssige Treibhausgase, 2,6 Millionen Hektar Landwirtschaftsfläche, die unnötig bearbeitet wurden, und grausame fünfzig Millionen umsonst getöteter Tiere.

All das nur wegen falscher Einkaufsplanung und schierem Unwissen darüber, wie man Lebensmittel richtig aufbewahrt. Mit mangelnder Bildung hat das nichts zu tun: Menschen mit hohem Bildungsgrad sind überproportional verantwortlich für die Essensverschwendung, ergab eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung. Das Greenpeace Magazin untersucht seit November 2019 in Zusammenarbeit mit dem KIN Lebensmittelinstitut in einem Langzeittest zwölf Lebensmittel auf ihre tatsächliche Haltbarkeit.

Denn trotz vieler Aufklärungskampagnen ist das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) noch immer einer der Gründe dafür, dass in Haushalten so viele Lebensmittel im Müll landen, oft ungeöffnet. Unser Test zeigt, wie nichtssagend das MHD ist: Alle Produkte haben es drei Wochen über das aufgedruckte Datum hinaus geschafft – mindestens. Die Vollmilch hat es gar auf mehr als siebzig zusätzliche Tage gebracht, bis Keimzahl und Geschmack zum Testabbruch führten.

LANGSTRECKENCHAMPIONS
Vier Monate nach unserem Einkauf sind erst fünf Produkte aus dem Rennen. Da nicht täglich getestet wird, ergibt sich aus dem Datum des Tests, an dem das Produkt zuletzt genießbar war, der Zeitraum, um den das MHD mindestens übertroffen wurde (z.B. +85 Tage). Das Datum des nächsten Tests ergibt den Zeitpunkt „Ungenießbar seit“

LANGSTRECKENCHAMPIONS
Vier Monate nach unserem Einkauf sind erst fünf Produkte aus dem Rennen. Da nicht täglich getestet wird, ergibt sich aus dem Datum des Tests, an dem das Produkt zuletzt genießbar war, der Zeitraum, um den das MHD mindestens übertroffen wurde (z.B. +85 Tage). Das Datum des nächsten Tests ergibt den Zeitpunkt „Ungenießbar seit“

Der Gouda in Scheiben flog dagegen bereits nach 22 Tagen aus dem Test. Die deutlich erhöhte Zahl der Milchsäurebakterien allein wäre noch kein Grund gewesen, doch bei einer der Packungen zeigte sich Schimmel. Möglicherweise war der Käse durch einen mikroskopisch kleinen Riss der Verpackung mit Bakterien in Kontakt gekommen. Das zeigt, wie wichtig der pflegliche Umgang mit Lebensmitteln ist, egal ob sie eine natürliche Schale haben oder eine künstliche. Auf dieser Seite haben wir Tipps zusammengestellt, mit denen Verschwendung zu Hause verringert werden kann. Denn dort wird nicht nur der größte Teil der Lebensmittel weggeworfen – dort kann auch am meisten gerettet werden.

<p>LEBENDIMPFUNG<br />
Auf die Nährlösung der Petrischalen wurden Proben der verdünnten Produkte geträufelt – im Fachjargon: „geimpft“. Nach einigen Tagen zeigt sich, ob und in welchem Maße die Lebensmittel keimbelastet sind</p>

LEBENDIMPFUNG
Auf die Nährlösung der Petrischalen wurden Proben der verdünnten Produkte geträufelt – im Fachjargon: „geimpft“. Nach einigen Tagen zeigt sich, ob und in welchem Maße die Lebensmittel keimbelastet sind

Wo lagern sie denn?
So verlängern Sie die Lebensdauer Ihrer Vorräte deutlich

Schimmel raus...
Oma hat den Schimmel am Brot noch einfach weggeschnitten. Nach heutigem Kenntnisstand sind Lebensmittel, in und an denen sich Schimmel gebildet hat, meist ein Fall für die Tonne. Nur bei wasserarmen Produkten wie Hartkäse und getrocknetem Schinken kann man die Stellen einfach großzügig entfernen.

...Hygiene rein
Den Pilz am Schimmelkäse lässt man naturgemäß dran, er soll ihn aber auch für sich behalten. Daher immer in einer geschlossenen Dose oder einem Schraubglas aufbewahren. Für alle Lebensmittel in (Kühl) schränken gilt: Älteres nach vorne stellen, Frisches hinten verstauen. Den Brotkasten und das Gemüsefach des Kühlschranks regelmäßig mit Essigreiniger auswischen und Bioabfälle möglichst nicht in der Küche lagern.

Jedem Glas sein Löffel
Ob Margarine, Marmelade oder Waldorfsalat – für jedes Produkt ein eigenes Besteck nehmen. Schneidebretter zwischen dem Schnippeln verschiedener Zutaten waschen, ebenso das verwendete Messer. Getränke nur aus der Flasche trinken, wenn man sie leert.

Manche mögens lau
Vieles Grünzeug fühlt sich im Kühlen wohl – bis zu acht Tage halten es etwa Salat und Wurzelgemüse wie Sellerie und Möhren im Gemüsefach aus. Beeren und Steinobst lagern dort ebenfalls gern, Tomaten und Bananen dagegen bevorzugen Temperaturen von mehr als zehn Grad.

Einzelgänger
Obst und Gemüse verderben zusammen gelagert oft schneller, weil Früchte wie Äpfel, Kiwis und Aprikosen Ethylen produzieren, das auf andere wie ein Reifeturbo wirkt.

<p>EIN LÖFFELCHEN FÜR PETRI<br />
Fast vier Jahre jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums – ob dieses Bauernfrühstück und fast zehn Jahre alte Erbsen aus der Dose den Geschmackstest bestanden haben, lesen Sie in der nächsten Folge</p>

EIN LÖFFELCHEN FÜR PETRI
Fast vier Jahre jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums – ob dieses Bauernfrühstück und fast zehn Jahre alte Erbsen aus der Dose den Geschmackstest bestanden haben, lesen Sie in der nächsten Folge

Haufenweise (Erd)äpfel
Vom Obst und Gemüse werden Äpfel und Kartoffeln am meisten weggeworfen. Dem kann abgeholfen werden. Erdäpfel halten sich – klar – mit Erde dran länger, also ungewaschen. Und unterirdisch: Idealerweise lagern sie dunkel im Keller bei vier bis sechs Grad. Äpfel mögen ähnliche Orte, brauchen aber Luftfeuchtigkeit, deshalb eine Schale mit Wasser aufstellen und für ausreichend Belüftung sorgen. Vor dem Einlagern überreife Früchte aussortieren, faule Stellen wegschneiden und zum Beispiel Mus daraus kochen. Triebe älterer Kartoffeln großzügig entfernen – das enthaltene Solanin ist giftig. Sind sie länger als ein Zentimeter, sollten die Kartoffeln nicht mehr gegessen werden. Grundsätzlich halten sich ungewaschenes Obst und Gemüse länger, weil die Schale nicht beim Säubern beschädigt wird.

Am ganzen Laib
Wie auch Obst und Gemüse hält sich Brot im Ganzen länger als geschnitten. Bevorzugter Aufenthaltsort: der dunkle Brotkasten mit Zimmertemperatur, nicht der Kühlschrank. Wenn kalt, dann Gefrierfach – dort auch gern geschnitten, dann kann man einzelne Scheiben toasten. Ein ganzes Brot braucht zum Auftauen etwa fünf Stunden. Wenn Backwaren trotz allem zu trocken geworden sind: Paniermehl draus machen, Croutons, Semmel- und Käseknödel, Brotsuppe...

Reste essen
Zu viel gekocht? Ab damit in die Kühlung – sobald das Essen nicht mehr heiß ist. Nudeln schaffen dann noch zwei Tage, Kartoffeln ebenfalls. Reis nicht länger als einen Tag aufheben. Gekochte Eier dagegen sind noch bis zu zwei Wochen genießbar. Kaltspeisen Reste kann man natürlich auch einfrieren. Nur bei frischem Obst und Gemüse ist das schwierig. Die Kälte macht zum Beispiel aus der Stärke in Kartoffeln Zucker und die Knollen schmecken nicht mehr. Was viel Wasser enthält – etwa Gurken, Radieschen und Salat –, ist nach dem Einfrieren ungenießbar. Äpfel und Birnen kann man aber einfrieren: Zucker in heißem Wasser auflösen, nach dem Abkühlen über die kleingeschnittenen Früchte gießen und ins Gefrierfach stellen. Eine geschälte Banane schmeckt eingefroren – und in kleinen Stücken abgeschnitten – übrigens fast wie Bananeneis.

Achtung beim Auftauen
Der Warnhinweis „Nach dem Auftauen nicht wieder einfrieren“ ist teils berechtigt: Aufgetaute Lebensmittel bilden bei Zimmertemperatur schnell Keime. Deshalb nur solche Gerichte wieder einfrieren, die später vor dem Essen durcherhitzt werden. Sie büßen zwar Nährstoffe und Vitamine ein, sind aber sonst unbedenklich. 

Die anderen Teile unserer Serie zum Mindesthaltbarkeitsdatum finden Sie in unseren Heften oder online: Teil 1 „Kann das weg?“, Teil 2 „Ist das noch gut?“, Teil 3 „Da ist doch was faul“, Teil 4 „Das hält sich ja ewig“

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