Kein Schälen, kein Schnippeln, einfach Deckel auf und trinken: Smoothies gelten als vitamin- und  nährstoffreich und sind bequem zu konsumieren. Da greifen die Menschen gern ins Kühlregal, viele sogar täglich. Wie gut das für Gesundheit und Umwelt ist, klären wir in der Ausgabe 3.22 des Greenpeace Magazins

Smoothies stehen heute so selbstverständlich im Kühlregal wie Milch und Quark. Dabei tauchten sie in Deutschlands Supermärkten Mitte der Nullerjahre im internationalen Vergleich recht spät auf. In den USA und Großbritannien waren die Drinks aus püriertem Obst und Gemüse längst Wegbegleiter wie der morgendliche Coffee to go. Doch viele Medien bezweifelten damals, dass sich flüssige Obstsalate für acht bis zwölf Euro pro Liter bei den preisbewussten Deutschen – bis heute Weltspitze im Safttrinken – durchsetzen würden.

Die Zweifel waren unberechtigt. Der Konsum von Smoothies stieg kontinuierlich, während der von Saft und Nektar eher zurückging. Heute gönnen sich mehr als 800.000 Menschen hierzulande mindestens einen Smoothie am Tag. Das bedeutet allerdings 292 Millionen Verpackungen im Jahr, die aneinandergereiht locker um den Äquator reichen würden. Und auf die man verzichten könnte, wenn man stattdessen in einen Apfel bisse.

In einer Studie des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung gaben 2015 fast zwei Drittel der Befragten an, Smoothies zu trinken, weil sie gesund seien. Genauso viele Menschen tranken sie in dem Glauben, sie seien frisch hergestellt. Noch öfter wurde nur ein Argument genannt: Knapp siebzig Prozent schmeckten Smoothies einfach. Fruchtig eben – aber es dürfte auch mit ihrem Zuckergehalt zusammenhängen. Man könnte von einer Süßigkeit sprechen.

Das Magazin „Öko-Test“ hat kürzlich Smoothies unter anderem auf Nährwerte und Vitamine untersucht und in allen Produkten teils sogar deutlich mehr als zehn Gramm Zucker pro hundert Milliliter gefunden. Mit nur einem Fläschchen hat man da schnell das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Tagesmaximum von 25 Gramm überschritten. Und Fruchtzucker ist kein gesundes Süßungsmittel. In großen Mengen kann er die Leber schädigen, und für die Zähne ist er genauso schlecht wie Haushaltszucker.

„Ein täglicher Konsum ist aus unserer Sicht nicht empfehlenswert“, sagt Astrid Donalies von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) über Smoothies. Zwar empfehle die DGE für eine ausgewogene Ernährung mindestens fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag (400 Gramm Gemüse, 250 Gramm Obst), allerdings sollte man seinen Obstbedarf nicht über Püriertes decken: „Als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sind sie eigentlich überflüssig.“

<p class="text-align-center">MOGELPACKUNG<br />
Smoothies gelten als gesund, enthalten aber viel Zucker. Obst unpüriert zu essen, ist allemal gesünder</p>

MOGELPACKUNG
Smoothies gelten als gesund, enthalten aber viel Zucker. Obst unpüriert zu essen, ist allemal gesünder

Besser pur als püriert

Smoothies enthielten nicht das identische Spektrum an Inhaltsstoffen wie das entsprechende Obst, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Donalies. Bei der Verarbeitung gehen besonders gesunde Anteile verloren, darunter Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Carotinoide. Weil püriertes Obst und Gemüse zum Trinken zu fest ist, wird es außerdem oft mit Wasser oder Saft verdünnt. „Wenn dabei Säfte überwiegen, sind Smoothies ernährungsphysiologisch wie Saft zu bewerten“, sagt die Expertin. Der sei nicht per se ungesund, aber bei höherer Energiedichte nährstoffärmer und weniger sättigend als Obst am Stück.

Schlecht sind Smoothies übrigens auch fürs Portemonnaie: Ein Viertelliter kostet oft zwischen zwei und drei Euro. „Wenn dann bei der Zutatenliste Wasser oder Apfelsaft an erster Stelle steht, dann weiß man, dass man gerade sehr viel Geld vor allem für Wasser oder Saft ausgibt“, sagt Astrid Donalies. Je weiter vorn in der Liste eine Zutat steht, desto mehr davon ist im Produkt enthalten.

Lebensmittelrechtlich existiert keine genaue Definition, was in einen Smoothie gehört – die Hersteller haben entsprechend viel Spielraum. Die Konsistenz der Produkte reicht von breiig bis saftähnlich, und neben den klassischen Fruchtmischungen findet man heute immer öfter Smoothies, die noch mehr beinhalten: Joghurt, Milch, Kokosmilch, Soja, Getreide, Saaten und Gewürze. Einige Zusätze versprechen dabei einen zweifelhaften Mehrwert – wer nicht aufpasst, hat Koffein, ätherisches Öl oder Aktivkohle im Getränk.

Selbst wenn es sich bei den Zutaten zu hundert Prozent um Gemüse und Obst handelt, ist ein genauer Blick auf die Rezeptur ratsam, besonders, wenn man Medikamente einnehmen muss. Grapefruits etwa sollte nicht essen – oder trinken –, wer Cholesterinsenker nimmt. Die Zitrusfrucht, aber auch die Sternfrucht, hemmt laut den Verbraucherzentralen Enzyme, die viele Wirkstoffe inaktivieren – was den Effekt von Medikamenten deutlich verstärken könne. Und zwar auch dann, wenn zwischen der Grapefruit zum Frühstück und der Einnahme der Arznei ein großer zeitlicher Abstand liegt. Auch anderes Obst und Gemüse kann die Verstoffwechselung von Medikamenten in der Leber beeinflussen und ihre Wirkung verstärken oder herabsenken. Wer sich unsicher ist, kann in der „Gelben Liste Pharmaindex“ (bit.ly/gelbeliste) nachschauen.

Acht der zwanzig Smoothies, die „Öko-Test“ untersucht hatte, wiesen Rückstände chemischer Pflanzenschutzmittel auf – eine Problematik, die Mikko Hofsommer gut kennt. In seinem Labor stehen Smoothies und Säfte täglich auf dem Arbeitstisch. Hofsommer ist Geschäftsführer der Gesellschaft für Lebensmittelforschung in Berlin, die darauf spezialisiert ist, die Qualität von Obst- und Fruchtsaftprodukten zu kontrollieren. Das Pestizid Chlorpyrifos etwa, das in der Europäischen Union verboten ist, findet er immer wieder, denn in einigen Drittstaaten wird es noch verwendet.

„Die Pestizide sitzen vor allem auf der Schale“, sagt Hofsommer. Hier sind Saft und Smoothie also im Vorteil: Für das Püree werden Obst und Gemüse geschält, und beim Entsaften bleibt die Schale neben Kernen und anderen Bestandteilen als Pressrückstand übrig. Allerdings stecken genau dort, in der natürlichen Verpackung der Früchte, eben auch die besonders wertvollen sekundären Pflanzenstoffe, die sie so gesund machen. Wer eine Pestizidbelastung ausschließen möchte, muss zu Bioprodukten greifen.

Selber smoothen!

Nicht ins Kühlregal, sondern lieber zum Pürierstab greifen – das sollte man bei einem Do-it-yourself-Smoothie beachten:

Frisches Obst und Gemüse so bald wie möglich verarbeiten, denn Vitamine und Nährstoffe nehmen mit der Zeit ab

Gemüsesmoothies sind gesünder als Obstsmoothies. Grünes Gemüse ist besonders reich an Vitaminen, Nähr- und Ballaststoffen, Antioxidantien und Carotinoiden

Karotten am besten vorher kochen, weil dann sekundäre Pflanzenstoffe wie Beta-Carotin besser verwertet werden können

Unbedingt Bio-Zutaten verwenden, möglichst auch saisonal und regional einkaufen. Damit fallen Bananen zwar raus, aber nachsüßen kann man auch mit Apfelmark oder Honig

Beeren eignen sich gut, weil sie viel Magnesium, Eisen und Folsäure und vergleichsweise wenig Zucker enthalten

Wertvolle Nähr- und Ballaststoffe befinden sich oft in den Randschichten von Obst und Gemüse. Deshalb nicht schälen, sofern man die Schale essen kann. Dann aber Obst und Gemüse gut waschen – auch Bioprodukte können schmutzig sein

Lieber stückig als smooth: Je mehr es zu kauen gibt, desto sättigender ist die Portion. Smoothies besser mit Wasser verdünnen als mit Apfelsaft

Ab in den Saft

Ob ökologisch oder konventionell angebaut – die Verpackungen der Smoothies belasten Klima und Umwelt. Zwar sind die kleinen Flaschen seit Jahresbeginn pfandpflichtig, aber das ändert nichts daran, dass ihr Konsum durch die gängigen kleinen Portionen unnötig viel Müll verursacht. Einige Hersteller setzen auf Glas, andere auf PET, auch Karton gibt es vereinzelt. Jede Verpackungsart hat ihre Vor- und Nachteile. „Kartons halten die Produkte lichtgeschützt und bewahren so Nährstoffe und Vitamine vergleichsweise gut. Aber die Packung ist innen aluminiumbeschichtet – sortenreines Recyling ist da schwierig“, sagt Mikko Hofsommer. Bei Glas führt das hohe Gewicht zu einer negativen Ökobilanz – der Transport ist CO2-intensiver.

Nachhaltigkeit und Smoothies, das scheint sich kaum auf einen Nenner bringen zu lassen. Mikko Hofsommer verweist aber auf einen Aspekt, der aus seiner Sicht oft vergessen wird: „Die Saftindustrie ist ein wichtiger Hebel bei der Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung.“ Der aktuelle Verschwendungsbericht des World Wildlife Fund (WWF) gibt an, dass mehr als ein Viertel der weltweiten Obst- und Gemüseproduktion im Müll landet.

Beim deutschen Bioobst und -gemüse schaffen es dreißig bis vierzig Prozent gar nicht erst in den Handel, weil sie nicht nach Norm geformt oder verfärbt sind. Jede Karotte, jeder Apfel und jede Erdbeere, die es nicht in Handelsklasse I oder wenigstens II schafft, kann noch Verwendung in Saft und Mus finden. Bei witterungsbedingten Ernteschäden sind Versafter wichtige Abnehmer. Im vergangenen Jahr wurde gut ein Fünftel der Apfelernte in Deutschland von Saft- und Konservenherstellern verarbeitet, im Jahr davor war es sogar mehr als ein Viertel. Allein der Marktführer für Biosäfte, Voelkel, kauft jedes Jahr 3000 bis 5000 Tonnen Äpfel auf, die vom Handel wegen Sonnenbrand, Schorf, Über- oder Untergröße und Hagelschäden ausgemustert werden.

Fruchtbrei in Kleinstportionen ist natürlich nicht nur ein Produkt für Erwachsene. Wer kleine Kinder hat, kennt sie sicher, die „Quetschies“. Kleine Tüten, aus denen die Jüngsten das Fruchtpüree nuckeln – in der elterlichen Hoffnung, dass das gesund sei, schließlich steht ja „ohne Zuckerzusatz“ drauf. Bei den Quetschies verdichtet sich alles, was schon beim Smoothie zu kritisieren ist: Sie enthalten zu viel Fruchtzucker, befördern Karies und die Degeneration der Kaumuskulatur, und die Verpackung ist ein Verbund aus Aluminium und Plastik, der kaum recycelt werden kann. Gekrönt wird das Ganze von einem riesigen Schraubdeckel. Eltern-Blogs im Netz beschäftigen sich mit der Frage, was man daraus Hübsches basteln kann – vorausgesetzt, man hat genug davon gesammelt. Und das haben wohl einige. 

Diesen Beitrag finden Sie in der Ausgabe 3.22 „Ich bin raus!" des Greenpeace Magazins. Im Schwerpunkt dreht sich hier alles um Menschen, die das Gefühl antreibt, dass es mehr geben muss als Eigennutz und eine Wirtschaft, die auf Ausbeutung basiert. Um diese Menschen kennenzulernen, haben wir das ganze Land bereist und dabei viel Optimismus erlebt, der Sie hoffentlich genauso inspiriert wie uns. Das Greenpeace Magazin erhalten Sie als Einzelheft in unserem Warenhaus oder im Bahnhofsbuchhandel. Alles über unsere vielfältigen Abonnements inklusive Prämienangeboten erfahren Sie in unserem Abo-Shop. Sie können alle Inhalte auch in digitaler Form lesen, optimiert für Tablet und Smartphone. Viel Inspiration beim Schmökern, Schauen und Teilen!

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