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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.09

Lügendetektor - Die Öko-Spritsäufer

Um die Wirtschaft anzukurbeln, spendiert die Bundesregierung Autokäufern viel Geld. Sie nennt das „Umweltprämie“ – doch in Wahrheit werden auch CO2-Schleudern belohnt.

VOLKER KAUDER (CDU)
Geschenke für VW & CO.

Die Bundesregierung beschloss Anfang des Jahres ihr zweites Konjunkturpaket, aber statt die Erhöhung der Staatsausgaben für einen ökologischen Umbau des Landes zu nutzen, verteilt sie das Geld mit der Gießkanne – und da bekommt natürlich auch die mächtige Autoindustrie etwas ab. Aber klar, in Zeiten des Klimawandels wird das mit einem dünnen Öko-Mäntelchen bedeckt.

Und so präsentierte Volker Kauder, Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, im ZDF-Morgenmagazin die „Umweltprämie“ für das „Abwracken“ alter Autos: „Eine Umweltprämie ist schon richtig, weil wir sagen, wenn jemand ein neun Jahre altes Auto (...) aufgibt und es abgewrackt wird, aber dafür ein umweltverträgliches Auto kauft, kann er (...) 2009 diese Umweltprämie bekommen.“

Kurz darauf wurde bekannt, welche Voraussetzungen ein Fahrzeug erfüllen muss, um das Prädikat „umweltfreundlich“ zu erhalten: Gar keine. Einzig die Abgasnorm Euro 4 sollen die neuen Wagen erfüllen – die aber ist schon seit Jahren gesetzlicher Standard. Für den Klimaschutz gibt es dagegen keinerlei Vorgabe. Wenn man dann bedenkt, dass ein Gutteil des Energieverbrauchs eines Autos bei der Produktion entsteht – und deshalb eine Nachrüstung mit Abgasreinigungssystemen sinnvoller als ein Neubau sein kann – wird endgültig klar, worum es wirklich geht: Eine reine Verkaufsförderung für Haldenautos und ein Geschenk an die Autoindustrie auf Kosten des Weltklimas.

Ein wenig Sinn hätte diese „Abwrackprämie“, würde damit der Umstieg von CO2-Schleudern auf Klimaschoner gefördert. Aber nein, folgt man der Bundesregierung, kann der 3-Liter-Lupo, Baujahr 1999, gerne durch einen fabrikneuen VW Touareg mit viermal so hohen CO2-Emissionen ersetzt werden – der schafft ja wenigstens die Euro-4-Norm!

Passenderweise illustrierten die ZDF-Kollegen den Klimaflop denn auch mit einem Playmobil-Auto, das unverkennbar einen dieser spritschluckenden Sport-Geländewagen darstellt.

ANGELA MERKEL (CDU)
Das Klima-Chamäleon

Zur Abwechslung mal ein kleines Quiz: Welches der drei folgenden Zitate stammt von Angela Merkel? Und zwar nicht aus ihrer Zeit als Bundesumweltministerin oder CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende, sondern als amtierende Bundeskanzlerin.
a) Der Kampf gegen die Erderwärmung ist eine „Überlebensfrage der Menschheit“.
b) Klimaschutz ist ein „wesentlicher Wachstumsmotor“ für die Wirtschaft in der EU.
c) Die EU darf „keine Klimaschutz-Beschlüsse fassen, die in Deutschland Arbeitsplätze oder Investitionen gefährden. Dafür werde ich sorgen.“

Richtig! Alle drei Aussagen sind von Angela Merkel. Nur stammen die ersten beiden aus dem Jahr 2007, die letzte ist aktuell. Darüber, welches Zitat die wahre Überzeugung der Kanzlerin ausdrückt (und ob sie eine solche hat), möchten wir nicht spekulieren.

TUIFLY
Fliegen ist prima fürs Klima

Auf der TUIfly-Internetseite kann man jetzt mit der Flugbuchung die Umwelt schützen! Super, was? Die Fluggesellschaft kooperiert mit „My Climate“, einem Schweizer Anbieter von Klimakompensations-Maßnahmen. Das Prinzip: Den Schaden, den der Flug anrichtet, lässt man an anderer Stelle ausgleichen. Kri­­tiker nennen das mo­­­­dernen Ab­­lass­han­del, weil man sich bequem von seinen Sünden freikaufen könne. Besser sei es, gar nicht erst zu fliegen!

Dies findet TUIfly natürlich keine so tolle Idee. So ruft die Firma ihre Kunden zu einer „freiwilligen Spende“ auf – von dem Geld sollen Familien in Eritrea brennstoffsparende Kocher erhalten. Wählt man zum Beispiel einen Hin- und Rückflug Hannover-Las Palmas, weist TUIfly einen überraschend günstigen Spendenbeitrag von zehn Euro aus.

Seltsam: Will man denselben Flug direkt bei MyClimate kompensieren, werden 61 Schweizer Franken (40 Euro) fällig. Des Rätsels Lösung: TUIfly berücksichtigt nur den CO2-Ausstoß. Der Klimaschaden durchs Fliegen aber ist viel größer, weil Jets noch andere Schadstoffe emittieren – und das in besonders sensiblen Luftschichten. Deshalb muss der CO2-Wert von Flugzeugen laut Umweltbundesamt mit dem Faktor 4 multipliziert werden, um die Klimawirkung zu errechnen. Dies verschweigt TUI – und bietet umweltbewussten Kunden ein Schnäppchen zur Gewissensberuhigung.

LUFTHANSA
Das 3-Liter-Verwirrspiel

Derzeit läuft eine Imagekampagne der Lufthansa. Den Auftakt bildeten Anzeigen unter anderem in Spiegel und Süddeutscher Zeitung. Darin wird versucht, als ökologischer Musterschüler zu erscheinen und zugleich Stimmung gegen die von der EU geplante Beteiligung der Luftfahrt am Emissionshandel zu machen. Ergebnis ist ein wirrer Mix aus Eigenlob, Ablenkungsmanövern und Gejammer.
So stand in der ersten Annonce:

Doch, peng, schon vier Tage später gibt es das 3-Liter-Flugzeug. Denn in Teil 2 der Anzeigenserie steht an gleicher Stelle:

Hä? Luft­­han­­­sa fordert Hilfe für etwas, das es schon gibt? Bekanntlich ist der A380 bereits Realität, wenn auch (noch) nicht in der Lufthansa-Flotte. Weiter unten steht dann noch, der A380 verbrauche „nur noch rund 3,4 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer“. Ja, wie viel schluckt er denn nun?

Der Begriff „3-Liter-Flugzeug“ soll suggerieren, Fliegen schade dem Klima weniger als Autofahren. Doch der Blick bloß auf den Spritverbrauch täuscht (siehe Text links). Der Klimaschaden durch Jets ist etwa viermal größer, entspricht beim A380 also 13,6 Litern Sprit. Und: „3 Liter pro Kopf“ bezieht sich auf ein vollbesetztes Flugzeug (obwohl kaum ein Linienflug ausgelastet ist). Ein 4-Liter-Auto mit vier Insassen würde demnach zum 1-Liter-Auto.

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