Greenpeace Magazin Ausgabe null

Mahlzeit!

Zahlen, Fakten, Infos - eine kritische Bestandsaufnahme zu Landwirtschaft, Ernährung und Lebensmittelindustrie

Lektüre fürs leibliche Wohl
TV-Kochshows mit Starköchen haben Hochkonjunktur – 
und sorgen auch bei Kochbüchern und Schlankheitsratgebern 
für einen Boom. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz 
mit solchen Titeln 2009 um 2,8 Prozent. Zu den Verkaufsschlagern gehören Themen- sowie Promikochbücher. Ob die hohen Einschaltquoten und Kochbuchstapel aber auch fruchten und 
die Deutschen sich tatsächlich wieder öfter an den Herd stellen, 
ist fraglich – denn sie kaufen auch immer mehr Fertigkost.
 
Faules Obst
Für den Plan, Schüler gratis mit Obst zu versorgen, gab es viel Beifall. Dennoch setzen bislang nur sechs Bundesländer das EU-Schulobstprogramm um: Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen. Sachsen-Anhalt will im nächsten Schuljahr nachziehen. Den anderen Ländern ist die Verteilung der Früchte zu aufwendig und zu teuer.
Eine weniger rühmliche Rolle spielt die EU beim Obstanbau: Eine neue Richtlinie gefährdet den Bestand tausender alter Sorten. Ab 2012 müssen sämtliche 
Sorten registriert und zugelassen werden. 
Der Pomologen-Verein befürchtet das Verschwinden vieler alter Raritäten, da sich 
das teure Zulassungsverfahren nur kommerzielle Züchter leisten können.
 
Frostiges heiß begehrt
Ob Gemüse, Backwaren oder Süßes – die Deutschen greifen immer öfter 
in die Gefriertruhe. Im vergangenen Jahr kauften sie 3,2 Millionen Tonnen Tiefkühlkost; der Pro-Kopf-Verbrauch lag bei 39,3 Kilogramm. Absoluter Gewinner der frostigen Kost sind Fertiggerichte, vor allem Tiefkühlpizzen. Davon verzehrten die Bundesbürger 2009 rund 767,7 Millionen Stück – 
aneinandergelegt würden sie die Fläche der Stadt Frankfurt bedecken.

Massentierhaltung
Die Massentierhaltung in Deutschland boomt: Seit dem Jahr 2000 ist die erzeugte Fleischmenge um 25 Prozent gestiegen. Wofür eigentlich? Jedenfalls nicht, um eine wachsende Nachfrage zu bedienen: Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch ging nämlich in dieser 
Zeit um 2,5 Prozent zurück. Der Grund für den immer länger werdenden „Fleisch-Zug“ sind die zunehmenden Exporte – zwischen 2000 und 2008 haben sie sich mehr als verdoppelt. „Die industrielle Tiermast zielt allein auf den Export von Billigprodukten“, kritisieren die Grünen im Bundestag. „Die negativen Auswirkungen auf Umwelt, Tierschutz und die ländlichen Regionen werden dabei billigend 
in Kauf genommen.“
 
Honig aus der Stadt
In den letzten Jahren sterben immer mehr Bienenvölker – ein möglicher Grund ist, dass die Tiere auf dem Land nicht mehr genügend Nahrung finden. „Auf den Feldern gedeihen meist nur noch Monokulturen“, sagt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund. Sind sie abgeerntet, liegen die Felder brach. Blühende Wiesen oder Streifen werden abgemäht – die Bienen finden keinen Nektar und keine Pollen mehr und hungern. Fast schon paradiesisch ist dagegen die Situation in den Städten. Friedrich: „Da gibt es Parks, Alleen und Kleingärten mit vielen Blumen.“ Tatsächlich werden immer mehr Bienenvölker in Stadtgebieten gehalten – vor allem in Berlin gibt es eine wachsende Zahl von Hobbyimkern. 


Buchtipp: Alison Benjamin, Brian McCallum: Welt ohne Bienen – Wie das Sterben einer Art unsere Zivilisation bedroht. Fackelträger Verlag, Köln 2009, 290 Seiten, 19,95 Euro

Knappe Ressource Phosphor
Alle Welt redet vom Öl – und niemand vom Phosphor. Dabei wird der wichtige Bestandteil von Mineraldünger knapp, und ist unersetzbar. Experten schätzen, dass die Weltvorräte in wenigen 
Jahrzehnten erschöpft sind, für die konventionelle Intensiv-Landwirtschaft ist das eine ernste Bedrohung. Durch Überdüngung und Bodenerosion gelangt der wertvolle Stoff nach und nach in die Meere, wo er Algenblüten und „Todeszonen“ erzeugt. Die Zunahme düngerintensiver Viehwirtschaft sowie die Produktion von Biokraftstoffen verschärfen das Problem. 
So steigen die Preise für Phosphor 
stetig. Kostete in den 50er-Jahren eine Tonne noch fünf Dollar, schnellte 
der Preis 2008 kurzzeitig auf über 
400 Dollar. Nur wenige Länder verfügen über natürliche Phosphor-Reserven, der größte Teil liegt in Marokko und China. Felix Ekardt, Professor 
für Umweltrecht in Rostock, fordert 
einen Zertifikatehandel, um die Verschwendung von Phosphor zu stoppen.
 
Essen oder Autofahren?
Um Agrosprit zu erzeugen, werden enorme Anbauflächen benötigt – schon heute geschieht dies auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion. Doch die Branche will die Energiepflanzen-Ackerfläche bis 2045 auf 480 Millionen Hektar ausdehnen – mehr als die Fläche der EU. In der Folge befürchtet 
die Menschenrechtsorganisation FIAN eine „massive Zunahme von 
Landkonflikten, bei denen die Ärmsten als Verlierer hervorgehen.“

Knappe Ressource Boden
Keine Nahrung ohne fruchtbaren 
Boden – doch der geht weltweit zunehmend verloren. Erosion ist ein 
massiv unterschätztes Problem, warnt Hans-Rudolf Bork vom Ökologie-Zentrum der Universität Kiel. Der Grund: „Sie vollzieht sich sehr schleichend. 
Es ist ein Prozess, der Jahrzehnte und Jahrhunderte dauert.“ Neben Wind 
und Regen ist es vor allem der Mensch, der den Bodenschwund befördert – indem er schützende Vegetation beseitigt, den Boden mit Teer und Beton 
versiegelt, ihn durch falsche Bewässerung versalzt und Schadstoffe in die Luft pustet, die dann im Boden landen. „Vor allem in Regionen mit hohem Bevölkerungswachstum ist der Bodenschwund dramatisch“, sagt Bork. In 
China und Äthiopien hat er sich seit 
den 50er-Jahren vervielfacht. Aber auch in Europa ist Erosion ein Problem. 
Wie kann man den bedrohlichen 
Verlust stoppen? Bork fordert Zwischenfruchtanbau, um die Äcker 
zu schützen. Und: „Bildung. Nur, wenn die Bauern die Erosionsprozesse 
verstehen, können sie auch etwas 
dagegen unternehmen.“
 
Landwirtschaft auf 
Treibhausgas-Diät
Mit rund einem Viertel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen trägt die 
Landwirtschaft maßgeblich zum Klimawandel bei. Der britische Wissenschaftler Pete Smith hat im Greenpeace-Report „Cool Farming“ untersucht, wie man sie klimafreundlicher machen kann. Erster und wichtigster Ansatzpunkt: die Landnutzung. Ackerböden speichern nur sehr wenig CO2, aber immer mehr Land – 
zum Beispiel Moore oder Wiesen – wird in Acker umgewandelt. Besonders schlimm ist es, wenn dafür Wälder abgeholzt werden. Smith fordert: Rodungen müssen gestoppt werden und Ackerflächen sollen nicht länger brachliegen. Zweiter Ansatzpunkt: die Viehwirtschaft. Sie braucht riesige Landflächen, Kühe stoßen klimaschädliches Methan aus, und um Tierfutter zu erzeugen wird viel Dünger eingesetzt – wobei noch mehr Klimagase frei werden. Smith fordert: esst weniger Fleisch!
Die Studie finden Sie hier:
www.greenpeace.at/coolfarming.html
 
Einkaufen mit CO2-Etikett
Noch gibt es hierzulande keine Kennzeichnung, wie viel CO2 die Herstellung eines Produktes verursacht. Nun gehen einige Konzerne voran: Tchibo, Frosta, Henkel und dm haben sich mit dem 
Öko-Institut, dem WWF und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zum Product Carbon Footprint-Projekt (PCF) zusammengetan. Für 15 Produkte – darunter Früherdbeeren, Freilandeier und Wildlachs-Tagliatelle – haben sie CO2-Fußabdrücke errechnet. In anderen Ländern ist man da schon weiter: Englands größte Supermarktkette Tesco hat bereits hunderte Produkte mit einem CO2-Etikett versehen. Die CO2-Grammzahlen für wichtige Lebensmittel findet man online im Nabu-Klimaladen.

www.pcf-projekt.de 
www.nabu-klimaladen.de
 

Monsanto 
beantragt neue Schweinepatente
Der US-Saatgutkonzern Monsanto versucht erneut, mit Patenten auf Schweine sein Monopol auszubauen und Verbraucher zur Kasse zu bitten. Dieses Mal beansprucht Monsanto das Patent auf Fleisch von Schweinen, die mit Gen-Soja des Konzerns gefüttert wurden. 
Monsantos Begründung: 
Die Schweine besäßen durch die spezielle Ernährung erhöhte Konzentrationen ungesättigter Fettsäuren – alle daraus hergestellten Fleisch- und Wurstprodukte seien somit eine Neuerfindung Monsantos. Christoph Then, Patentberater für Greenpeace, fordert: „Der Ausverkauf von Lebensgrundlagen muss endlich eingedämmt werden!“ Bundeslandwirtschaftsministerin 
Ilse Aigner (CSU) lehnt Patente auf Nutztiere und Pflanzen ab. „Sie muss nun in Brüssel die Neuverhandlung der 
EU-Patentgesetze einfordern“, sagt Then. Ob Monsanto Erfolg haben wird, ist schwer abzuschätzen. Die EU-Patentgesetze sind schwammig, 
die Patentvergabe ist Auslegungssache der Ämter.
 
Darf Klonfleisch auf den Teller?
Noch darf in Europa Fleisch von geklonten Tieren – genetischen Kopien bereits existierender Artgenossen – nicht auf den Teller. Klonen von Lebewesen ist nur zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. Dennoch 
sollen nach dem Willen der EU-Agrarminister Milch und Fleisch von Klontieren unter strengen Auflagen zum Verzehr zugelassen werden. Dagegen fordert das EU-Parlament ein umfassendes Import- und 
Handelsverbot. Während hierzulande noch über Ethik und Risiken von Klonfleisch gestritten wird, 
ist das Thema in den USA längst entschieden: Anfang 2008 hat die Lebensmittelbehörde den Verzehr 
von Fleisch und Milch geklonter Tiere als unbedenklich eingestuft.

17 KOST-VARIANTEN
Was essen Freeganer? Wie werden streng vegan lebende Frutarier satt? Und was nehmen Trennköstler zu sich? Es gibt viele Arten, 
sich zu ernähren – einige stellen wir hier vor

Anthroposophische Ernährung
Basiert auf den Lehren von Rudolf Steiner, der ein Leben im Einklang mit der Natur anstrebte. Hieraus entstand 
die biologisch-dynamische Landwirtschaft, deren Produkte mit dem „demeter“-Siegel verkauft werden können. 
Vegetarische Lebensmittel stehen im Vordergrund.

Ayurvedische Ernährung
Ayurveda ist eine alte indische Heilkunst, zu der auch 
eine spezielle Ernährungslehre gehört. Ausgangspunkt sind die drei Lebensenergien, die in jedem Organismus unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Für jeden Menschen gibt es daher individuelle Ernährungsempfehlungen.

Freeganisus
Abgeleitet von den Worten „free“ und „vegan“, wollen 
sich Freeganer von kapitalistischen Zwängen befreien. 
Sie sammeln Lebensmittel aus dem Abfall, zum Beispiel abgelaufene Ware aus Müllcontainern vor Supermärkten. Nicht alle Freeganer ernähren sich aber vegan.

Frutarische Ernährung
Frutarier sind strenge Veganer: Sie verschmähen nicht nur Fleisch und tierische Produkte. Auch sind alle Produkte verboten, für deren Gewinnung Pflanzen zerstört werden müssen. Das bedeutet: Obst, Nüsse und Samen sind erlaubt, Blätter, Wurzeln und Getreide verboten.

Halal-Kost
Für 1,3 Milliarden Muslime weltweit gelten die Ernährungsregeln des Islam: Nicht alle Speisen sind halal 
(rein, erlaubt). Verboten sind der Verzehr von Schweinefleisch, Alkohol und Blut. Nach islamischer Lehre darf nur Fleisch von Tieren verzehrt werden, die geschächtet, 
also ohne Betäubung ausgeblutet wurden. Manche Muslime halten eine Betäubung der Tiere jedoch für zulässig.

Koschere Kost
Nach den jüdischen Speisegesetzen werden Lebensmittel 
in koscher und treife eingestuft. Nur koschere Kost ist erlaubt, darunter fällt Rindfleisch und Geflügel, ebenso die meisten Fische. Schweinefleisch ist treif, also nicht erlaubt. Wichtig ist auch die richtige Speisen-Kombination: Fleischige dürfen nicht zusammen mit milchigen Lebensmitteln gegessen werden. Tiere müssen geschächtet werden.

Makrobiotische Ernährung
Diese Ernährungsweise basiert auf ganzem, gekochtem Getreide – vor allem Reis und Hirse – sowie auf Gemüse, Hülsenfrüchten und Algen. Wichtig ist es, die Zubereitung der Lebensmittel zu erlernen und ihre Wirkung zu kennen.

Mittelmeer-Diät
Sie besteht aus Lebensmitteln aus dem Mittelmeerraum: Obst, Gemüse, Knoblauch, Fisch und ein wenig rotes Fleisch. Außerdem darf man sich täglich ein Glas Rotwein gönnen.

Nahesser (Locavores)
Sie essen nur, was aus einem Umkreis von maximal 200 Kilometern stammt. Der Vorteil: Die Lebensmittel sind frisch und die kurzen Transportwege schonen das Klima.

Rohkost
Pflanzliche und tierische Lebensmittel sind erlaubt, doch sollte möglichst nichts gekocht, gebraten oder gebacken werden. So sollen hitzeempfindliche Spurenelemente, Enzyme und Vitamine erhalten bleiben.

Schonkost
Nichts Fettes, nichts Scharfes, keine Milch, kein Zucker. Schonkost soll den Magen-Darm-Trakt entlasten. 
Deshalb sind nur leicht verdauliche Speisen erlaubt.

Slow Food
Dieser Gegentrend zu Fast Food ist in Italien entstanden. Die Menschen sollen wieder bewusst und genussvoll essen. Die Zutaten sollen außerdem regional erzeugt 
und von guter Qualität sein.

Trennkost
Hier ist die Kombination der Lebensmittel wichtig: Proteine sollen nicht zusammen mit Kohlenhydraten gegessen werden, um Übersäuerung und Verstopfung zu vermeiden.

Vegane Ernährung
Bei dieser rein pflanzlichen Ernährung ist der Konsum 
von Fleisch sowie aller tierischer Produkte wie Milch, Eier und Honig verboten.

Vegetarische Ernährung
Vegetarier essen kein Fleisch und keinen Fisch, aber 
tierische Produkte wie Milch, Käse, Eier und Honig.

Vollwertkost
Hier sollen die Nahrungsmittel möglichst naturbelassen sein: Obst und Gemüse werden roh gegessen, Milchprodukte müssen frisch sein. Der Begriff „vollwertige Ernährung“ ist weiter gefasst: Er beschreibt eine ausgewogene, gesunde Ernährungsweise, die den Bedarf aller Nährstoffe abdeckt.

Zen-Ernährung
Ähnlich wie Makrobiotik. Wichtig ist auch die Zubereitung und wie man das Essen zu sich nimmt.

Einkaufen pur
Bei „Unpackaged“ ist der Name Programm: Der urige kleine Laden im Londoner Stadtteil Islington bietet sämtliche Waren ohne Verpackung an. Als einfacher Marktstand gestartet, hat 
er inzwischen eine treue Stammkundschaft. Egal ob Müsli oder Zucker, Erbsen oder Haushaltsreiniger: Alles füllen 
sich die Kunden hier in mitgebrachte Behältnisse. Außerdem stammen die angebotenen Produkte aus fairem 
Handel und ökologischer Produktion – bevorzugt aus der Region. Und wer 
seine Dose oder Flasche mal vergessen hat, kann für einen geringen Aufpreis wiederverwendbare Gefäße erstehen.

Das Schnitzel für Milchbubis
Es gibt viele Fleischersatzprodukte, aber nur wenige kommen ans Original heran. Für die perfekte Illusion mangelt es oft an der richtigen Konsistenz. Tofu 
kaut sich einfach anders als Schwein, Rind und Co. Die knusprig panierten Milchschnitzel der niederländischen Firma Friesland–Campina kann man dagegen auch hartgesottenen Fleischessern unterjubeln, so echt fühlen sie sich zwischen den Zähnen an. Der Geschmack geht in Richtung mageres Schwein oder Pute. Veganer wird diese Erfindung zwar kalt lassen. Aber vielleicht 
ist dem Neu-Vegetarier das Milchsteak ja schon bald 
das, was dem Ex-Raucher sein Nikotinpflaster ist? 
Entschuldigung, liebe Metzger! Aber: Die Milch macht‘s.

Geheime Gaststätten
Die Speisekarte kommt per E-Mail und statt Leuchtreklame gibt es nur ein Klingelschild mit einem dezenten Hinweis auf das „Restaurant“. Nein, hier ist nicht etwa James Bond zum Dinner verabredet – hier treffen 
sich wildfremde Leute in Privatwohnungen zum gemeinsamen Speisen. Über Online-Netzwerke bieten Hobbyköche Termin und Menü an. „Reservieren“ können die Interessenten ebenfalls im Internet. Meist finden sich dann 15 bis 20 Gäste im umgestalteten Wohnzimmer ein, um den Abend gemeinsam zu verbringen und sich 
in unbekannter Umgebung doch ganz wie zu Hause zu fühlen. Die Menüpreise liegen zwischen 25 und 40 Euro. Im Vordergrund steht aber die Lust am Ungewöhnlichen, an fantasievollen Kreationen und der verschwimmenden Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre. 
Während der Trend zum Guerilla-Restaurant in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, hat das Konzept in anderen Teilen der Welt – wie Argentinien, Kuba 
oder Hongkong – teilweise jahrzehntelange Tradition.
http://palisadensupperclub.blogspot.com

Plastik-Obst von Schwartau
Der Konfitürenhersteller bietet das Produkt „Fruit2day“ an – kleine mit Saft und Fruchtmark gefüllte Plastikfläschchen. Auf der Verpackung ist das Logo der Gesundheitskampagne „5 am Tag“ abgebildet, die mit staatlicher Unterstützung dafür wirbt, täglich drei 
Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst zu essen. „Diese Flasche Fruit2day enthält diese zwei Portionen Obst“, heißt es. Wie bitte? Ging es nicht um frische Früchte – zum Beispiel erhältlich in den guten alten Papiertüten mit dem Aufdruck „Esst mehr Obst!“ 
Würden alle Deutschen ihr Obst auf die von Schwartau empfohlene Weise zu sich nehmen, könnte man aus den Fläschchen jedes Jahr zehn Türme bauen, die bis zum Mond reichen. Der Plastikberg wäre so schwer wie 2000 Riesenflugzeuge des Typs A380. Zweifelhaft ist auch der Inhalt. Die „knackigen“ Fruchtstückchen sind in Wahrheit eher knurpselig, und das „natürliche Aroma“ ist nicht näher definiert. Solche Stoffe werden meist aus Bakterien oder Holzpilzen gewonnen.

Zu viele Fangschiffe
Die Meere sind überfischt, drei Viertel aller Fischbestände sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen gefährdet. Werden die Ozeane weiter geplündert wie bisher, droht nicht nur ein ökologischer Kollaps, sondern auch enormer wirtschaftlicher Schaden: Bis 2050 könnte die Fischerei nahezu komplett zusammenbrechen, befürchten Experten. Damit es nicht so weit kommt, müssen drastische Maßnahmen ergriffen werden. Greenpeace fordert großflächige Meeresschutzgebiete, ein Verbot zerstörerischer Fangmethoden und deutlich weniger Fischerei. Zudem gebe es in Europa große Überkapazitäten – laut EU-Berechnungen sind 40 Prozent aller Kutter und Trawler unnötig. Der Präsident des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth forderte daher kürzlich auf einem 
Meeresumwelt-Symposium, dass „die Hälfte der Fischereifahrzeuge stillgelegt werden müsste“.

Harpunenjagd auf 
Greenpeace-Aktivisten
Der Rote Thun ist ein stolzer Fisch: Er wird bis zu drei Meter lang und 300 Kilogramm schwer. Ein ausgewachsenes Exemplar des begehrten Sushi-Fischs bringt auf Auktionen 
in Japan über 100.000 Euro ein. Doch im Mittelmeer, einem der wichtigsten Laichgründe, ist der Bestand bereits um 85 Prozent geschrumpft – die Art könnte in wenigen Jahren ausgerottet sein. Greenpeace fordert daher einen sofortigen Fangstopp. Bei einer Protestaktion der Umweltschützer kam es nun zu einem schweren Zwischenfall: Als Aktivisten Anfang Juni Thunfische aus den Netzen des französischen Trawlers Jean Marie Christian 6 befreien wollten, wurden sie angegriffen. 
Mit Messern versenkten die Fischer zwei Schlauchboote, eine Harpune durchbohrte das Bein eines Aktivisten. Erst kürzlich scheiterte die Artenschutz-Konferenz (CITES) damit, ein Handelsverbot für den Roten Thun zu erlassen – sehr 
zur Freude Japans, das seine Esskultur bedroht sah.

Hackepeter aus der Petrischale
Fleisch muss in Zukunft nichts mehr mit totem Tier zu tun haben. Daran arbeiten Wissenschaftler der holländischen Universitäten Eindhoven, Utrecht und Amsterdam. Aus den Stammzellen von Schweinen züchten sie seit mehr als vier Jahren künstliches Muskelfleisch. Noch wächst 
das Gewebe in der Nährlösung aber viel zu langsam und ist mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Auch die Nachahmung des Geschmacks von Huhn, Rind oder Lamm bleibt eine Herausforderung. Die Kritik, Laborfleisch sei unnatürlich, lässt der Biomediziner Mark Post von der Technischen Universität Eindhoven nicht gelten: „Etwa unnatürlicher als Formschinken, Surimi und Massentierhaltung?“ Bis das Laborfleisch auf den Teller kommt, wird es aber noch zehn Jahre dauern. Mindestens.

BAUERNHÖFE VON MORGEN
Laut UN-Prognose werden bis zum Jahr 2050 rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in 
Städten wohnen. Wie all diese Menschen ernährt werden können, ohne dadurch erhebliche Umweltschäden zu verursachen, darüber machen sich schon heute Architekten und 
Designer Gedanken. Vertikale Landwirtschaft (vertical farming) könnte durch ressourcenschonende Nutzung und Kreislaufwirtschaft dieser Herausforderung gewachsen sein – 
glauben zumindest ihre Erfinder. Wir stellen einige Zukunftsvisionen vor:

Oogst 1000 Wonderland
Das Ernte-Wunderland des Amsterdamer Büros Tjep soll in Zukunft 1000 Menschen am Tag versorgen. Es besteht aus einem 
autarken Hightech-Bauernhof mit Kühen, Schweinen, Feldern sowie Restaurant, Hotel und Freizeitpark. Die Vision der Designer von Oogst 1000 Wonderland: Alles, was 
im Restaurant serviert wird, wächst im 
Mittelbau des Gebäudes oder wird auf nahen Feldern angebaut. Hotelgäste, die beim 
Säen, Jäten, Ernten und beim Füttern der Tiere mithelfen, dürfen gratis übernachten. Außerdem sind die Toiletten an ein Biogasenergiesystem angeschlossen. Wer 
dieses WC benutzt, muss nicht zahlen, 
sondern bekommt 50 Cent pro Besuch.

Pigcity
Ist artgerechte Schweinezucht im großen Stil machbar? Diese Frage beschäftigte das niederländische Architekturbüro MVRDV. Heraus kam der Entwurf einer Öko-Schweinestadt: In stadtnahen sogenannten Versorgungstürmen sollen die Tiere auf mehreren Ebenen gehalten werden. Aus ihrem Dung wird Biogas erzeugt, um das Gebäude mit Energie zu versorgen. Mit einer Bauernhofidylle hat Pigcity aber nichts zu tun: Die Abläufe sind automatisiert, und auf dem Dach werden Fische gezüchtet – als Futter für die Schweine.

Aberrant Agriculture
Das aerodynamische „Aberrant agriculture“-Modell ist das Masterprokjekt des Architekturstudenten Scott Johnson von der Universität Kansas. Unter einem Dach vereint er Vertical Farming, Wohnen, Hotel, Märkte und Läden. Transporte sind überflüssig, denn die Nahrung wird direkt im Gebäude angepflanzt, geerntet und verkauft. Mit seiner Baukonzeption versucht Johnson, den anatomischen Aufbau einer Seegurke nachzuahmen. Der äußere Aufbau schützt vor widrigen Umweltbedingungen, die Innenstruktur sorgt für die Lebenserhaltung.

The Living Tower
Arbeiten, Wohnen und landwirtschaftliche Produktion in ein und demselben Gebäude unterzubringen – diese Idee haben Augustin Rosenstiehl und Pierre Sartoux, Architekten des Pariser Ateliers SOA, im Modell Living Tower umgesetzt. Er gewinnt seinen Strom komplett aus erneuerbaren Energien, an den Fassaden sind Solarzellen und auf dem 
Dach Windräder installiert. Die landwirtschaftliche Produktion im Herzen des Turms fungiert als eine Art grüne Lunge und regelt den Temperaturausgleich. Regenwasser wird aufgefangen, mit dem Abwasser werden Pflanzen bewässert.