Guten Abend,

das Virus hat es in mein Mailarchiv geschafft. Da gibt es jetzt einen Eingangs-, einen Ausgangs- und einen Corona-Ordner (der wiederum in verschiedene Bereiche unterteilt ist). Als ich ihn einrichtete, dachte ich kurz an die Atomkatastrophe von Tschernobyl. Sie wissen schon: schönstes Maiwetter, Kinder müssen drinnen spielen, Sandkiste verstrahlt. Frisches Gemüse – bloß nicht, lieber Dosenfutter kaufen. Ein mir bekannter Physiker erzählte von seinem kleinen Sohn, der gerade sprechen lernte. Dessen drei ersten Worte waren Mama, Papa, Cäsium.

Science-Fiction, dachte man damals und denkt es jetzt wieder, wenn man liest, dass sich offenbar allerhand Wildtiere auf dem Vormarsch in die menschenleeren Städte befinden – Rehe, Waschbären, Kojoten. Angesichts der Bilder von verlassenen Straßenschluchten und Plätzen fällt einem unweigerlich der eine oder andere Film oder Roman ein, in dem sich die Hauptperson plötzlich als (vermeintlich) letzter Mensch auf Erden wiederfindet.

In New York wie Will Smith, der in „I Am Legend“ von 2007 – nach dem bereits früher verfilmten gleichnamigen Roman von Richard Matheson aus dem Jahr 1954 – einen Virologen (!) spielt und natürlich die Welt retten muss, was ihm selbst allerdings nicht viel nützt. In Wien wie ein Mann namens Jonas in dem sehr gespenstischen Roman „Die Arbeit der Nacht“ von Thomas Glavinic. Oder irgendwo in einer idyllisch scheinenden Alpenlandschaft wie die namenlose Erzählerin in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“, die durch ein unsichtbares Hindernis unbekannten Ursprungs vom Rest der Menschheit abgeschnitten ist. Nur ein paar Tiere leisten ihr Gesellschaft und helfen ihr beim Überleben, bis…Lesen Sie selbst (und bestellen Sie das Werk bei einer Buchhandlung in Ihrer Nachbarschaft!).

Da ist es doch tröstlich, dass wir nicht allein sind. Wir müssen ja nur eine gewisse Zeit physisch Abstand voneinander halten, können aber über Telefon, Skype, E-Mail oder soziale Medien miteinander kommunizieren. Das tat unlängst auch Madonna. Sie philosophierte über das Virus als großen Gleichmacher, das jeden treffen könne, ob arm oder reich. Mit geschätzten 800 Millionen Dollar im Kreuz und zwecks Instagramability in einer mit Rosenblättern bestreuten Wanne plantschend, lässt sich sowas leicht sagen. Aber ach, die Menschen wollten ihr nicht followen. Für den losbrechenden Shitstorm hätte sich das Hamstern von Klopapier gelohnt.

Gleichmacher? Eher nicht. Die Ärmsten trifft es wieder mal am heftigsten. Die mit den prekären Jobs, nicht nur in der Kulturbranche. Die zu sechst auf 45 Quadratmetern ohne Balkon zusammengepferchten Familien in den weniger gehobenen Vierteln der Städte, die nicht auf ihren Landsitz flüchten, ja noch nicht mal Lebensmittel auf Vorrat kaufen können. Die Obdachlosen. Die indischen Tagelöhner, von einem Tag auf den anderen ohne Arbeit und Einkommen, zu Fuß unterwegs aus den Städten in ihre Heimatprovinzen, weil kaum noch Busse fahren. Die Menschen in den Townships Südafrikas, die einen Kilometer bis zum nächsten Wasserhahn laufen müssen. Oder in Venezuela, wo oft überhaupt kein Wasser mehr aus den Hähnen kommt. In katastrophal überfüllten Flüchtlingsunterkünften auf griechischen Inseln. In Syrien. Im Jemen…Und die waren es nicht, nicht mal unabsichtlich. Sie haben weder beim Karneval geschunkelt noch beim Après-Ski gefeiert, im Fußballstadion gejubelt oder eine Fernreise gemacht und fleißig Viren verbreitet. Nur ausbaden dürfen sie es, ganz ohne Rosenblätter.

Schnell, schnell soll alles wieder werden wie gehabt, drängeln jetzt schon manche. Alles? Wirklich? „Die Coronakrise ist menschengemacht“, schreibt meine Kollegin Svenja Beller (siehe unten). Und die Schriftstellerin Judith Schalansky fragt: „Ist der Mensch lernfähig?“ Diese Frage muss vorläufig offen bleiben.

Ostern naht. Hoffentlich investieren viele, die nun nicht verreisen können, das gesparte Geld, um kleine Läden, Kinos, Bars, Restaurants und Kulturstätten in der Umgebung mit Bestellungen oder Gutscheinen zu unterstützen. Auch die Obdachlosenhilfe, Tafeln oder andere soziale Einrichtungen können Spenden gebrauchen. Einer meiner Favoriten derzeit: Das für den 12. Mai in Hamburg geplante Nicht-Festival „Keiner kommt, alle machen mit“. Das Line-up kann sich sehen lassen. Die Beatles, Abba, die Foo Fighters, Deichkind, Die Ärzte – alle nicht dabei. Wir lesen uns dann in zwei Wochen wieder. Bleiben Sie gesund!

Mama, Papa, Corona

Kerstin Eitner
Redakteurin

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