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Manche mögen wir tot

Greenpeace Magazin Ausgabe 2.18

Manche mögen wir tot

Text: Svenja Beller Foto: Tristan Spinski

Die einen lieben wir wie unsere eigenen Kinder, andere essen wir so hemmungslos, als wüchsen sie auf Bäumen, manchen ziehen wir das Fell ab und fühlen uns darin pudelwohl. Und dann gibt es noch die, die sich einige Menschen ins Wohnzimmer stellen. Manche als Ganzes, von manchen nur einen Fuß, ein Bein, den Kopf. Das sind dann oft die exotischen Exemplare, von denen es nicht mehr so viele gibt, die aber besonders interessant aussehen. Löwen mit zum Brüllen geweiteten Mäulern, gestreifte Zebrabeine, Stoßzähne, Hörner, kuschelige Leopardenfelle. Weil internationale Artenschutzabkommen das eigentlich verbieten, zieht der Zoll tonnenweise solcher Asservate aus dem Verkehr, mitgebracht von naiven Touristen und kriminellen Schmugglerbanden. Deutsche Zollbehörden beschlagnahmten 2016 aus Gründen des Artenschutzes mehr als 50.000 Tier- und Pflanzenprodukte, darunter zum Beispiel 2471 Korallen, 63 Jagdtrophäen und elf Schildkrötenpanzer. Das amerikanische „National Wildlife Property Repository“ bei Denver in Colorado bewahrt rund 1,3 Millionen solcher illegalen Wildtierprodukte auf und ist damit weltweit einzigartig. Der US-Fotograf Tristan Spinski streifte eine Woche lang mit seiner Kamera durch die Regalreihen – durch einen „stillen, dunklen, leblosen Ort“. Unter dem Titel „The Reliquary“ („Das Reliquiar“) hielt er die makabren Präparate in schlichten Stillleben fest, als Sinnbilder für den menschlichen Mangel an Respekt für andere Lebewesen. „Die Gegenstände verkörpern ein Wertesystem, das ich nicht verstehe“, sagt der 39-Jährige. Und: „Es ist leicht, an diesem Ort enttäuscht von der ganzen Menschheit zu sein, es ist leicht, wütend zu sein.“ Aber er sei auch dankbar, das Verwahrte dokumentiert haben zu können, „weil es ein zweckdienlicher, visueller und wirkungsvoller Weg ist, um unseren Platz in der Welt zum Thema zu machen – und unsere kollektive Verantwortung, das zu schützen, was noch übrig ist“.