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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.18

Martin Diwald keltert vegan

Wegweiser: Martin Diwald, 31, stellt seit zwölf Jahren veganen Wein her. Önologische Revolutionen haben in der Familie Diwald Tradition. Martin Diwalds Vater wagte in den Achtzigerjahren eine erste, als er begann, auf seinem Gut Biowein herzustellen. In einer Zeit, in der das verpönt war und als qualitätsschädigend galt, der Reinheit und den Aromen abträglich. Sein Sohn Martin traf vor einigen Jahren eine weitere gewagte Richtungsentscheidung für das Familienunternehmen: Alle seine Weine sind jetzt vegan – und werden auch offensiv so vermarktet. Auch wenn das noch immer zu irritierten Nachfragen führt: Denn welcher Rebensaft ist denn bitteschön nicht frei von tierischen Produkten? Von dem einen oder anderen Fitzel Reblaus, der irgendwie in die Presse geraten ist, vielleicht mal abgesehen.

Martin Diwald freut sich über solche Fragen, denn es geht ihm auch darum, ein Bewusstsein zu schaffen. „Ich wollte, dass sich Menschen damit auseinandersetzen, warum einige Weine vegan sind und andere nicht“, sagt der 31-Jährige aus dem österreichischen Großriedenthal. Winzer nutzen häufig tierische Klär- und Schönungsmittel wie Gelatine, Fischblasen oder Hühnereiweiß. Kleine „Helferlein“, wie Diwald sie nennt. Martin Diwald lässt – und das erzählt er auch skeptischen Kollegen ganz freimütig – lieber die Zeit wirken. Schwebstoffe setzen sich bei seinen Weinen durch die Schwerkraft auf dem Boden der Fässer ab. Statt einen halben Tag für die Klärung anzusetzen, braucht Diwald bis zu zwei Tage. „Veganen Wein herzustellen dauert länger“, sagt er. „Aber es lohnt sich.“ Immer mehr Kunden fragten im Laden explizit nach seinen veganen Flaschen.

Dass die vegane Herstellung zwingend zu einem besseren Aroma führe, behauptet Martin Diwald nicht. Schade sei es aber in jedem Fall, dass herkömmliche Weine so viel Natur unterdrückten. Um sie von diesen zu unterscheiden, trägt das Etikett seiner Flaschen das V-Label der Veganen Gesellschaft Österreichs. Diwald selbst isst zu einer Flasche veganen Rotweins jedoch auch gern mal eine frisch gefangene Forelle.
weingut-diwald.at

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