Guten Abend,

dieses Wochenende ist auf Berlins Straßen wieder mit erhöhtem Traktoraufkommen zu rechnen: Heute rücken die Bauern von „Land schafft Verbindung“ an, morgen findet die alljährliche „Wir haben es satt“-Demo statt, ebenfalls mit Traktorbeteiligung. Sehr schlau, diese beiden Aufmärsche zeitlich zu trennen, sonst könnte es irgendwann so zugehen wie in einem Asterix-Comic, wenn die römischen Legionen auf die renitenten Gallier treffen: ein einziges Kuddelmuddel. Die Oberhand behält, wer als Kind in ein Fass mit Zaubertrank gefallen ist.

Es sind schon zwei sehr unterschiedliche Lager, die sich da angekündigt haben. Die Landwirte, die am heutigen Freitag anrücken werden – Ende November waren sie schon mal da –, fühlen sich missverstanden. Sie beklagen die fehlende Wertschätzung für ihre Arbeit, und das Agrarpaket der Bundesregierung lehnen sie ab. Das bunt gescheckte Bündnis von über hundert Organisationen aus Landwirtschaft und Gesellschaft am Samstag protestiert, weil es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit der Agrarreform zu langsam geht und ihnen Klimawandel, Insektensterben und Pestizid-, Antibiotika- und Düngereinsatz sauer aufstoßen.

Konkreter Anlass für beide Demos ist die Eröffnung der Internationalen Grünen Woche (IGW), ausgerichtet von der Messe Berlin und getragen vom Deutschen Bauernverband (DBV) und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Eine traditionsreiche Veranstaltung, ausgerichtet erstmals 1933 (die historische Aufarbeitung der Jahre 1933-1939 steht noch aus), die den jeweiligen Bundeslandwirtschaftsministern der Nachkriegszeit – mehrheitlich Herren aus CDU oder CSU, gern beleibt und mit gesunder Gesichtsfarbe – die Gelegenheit bot, dies und jenes zu verkosten und sich lobend über Landwirtschaft und Lebensmittel zu äußern.

Für den DBV war die Grüne Woche eigentlich immer ein Heimspiel. Noch 2014 schwärmte Verbandspräsident Joachim Rukwied von der „agrarpolitischen Leitmesse“, versprach einen „Genusstempel“ und versicherte, in Deutschland gebe es keine Massentierhaltung. Den Tieren gehe es gut, und er verbitte sich Diffamierungen. Für Lebensmittelskandale und gruselige Zustände in Schweine-, Rinder- und Geflügelställen galt: Wir müssen draußen bleiben.

Doch die Zeiten, da man sich auf der Grünen Woche nur fröhlich zuprostete, mit vollen Backen kaute und sonst alles wurscht war, sind dahin. Es werden zwar auch dieses Jahr wieder 400.000 Besucher sowie 1800 Aussteller und reichlich Minister aus 72 Ländern erwartet, und Häppchen gibt es natürlich auch, darunter trendgerecht Algen als Proteinersatz und zum Runterspülen aus altem Brot gebrautes Zero-Waste-Bier. Für die Veranstalter steht die Grüne Woche diesmal im Zeichen der Klimadebatte, auch Fridays for Future hat dort einen Stand. Selbst Joachim Rukwied schlägt mittlerweile andere Töne an. Die Landwirte seien zu Veränderungen bereit, sagte er bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Grünen Woche und sprach von Umbau der Tierhaltung, Biodiversität und Artenvielfalt.

Schön, aber wer macht nun den Anfang? Das Ei oder die Henne? Die Wutbauern, denen Umweltauflagen ein Graus sind? Der Lebensmittelhandel, dem Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) vorwirft, Profite auf Kosten der Bauern in armen Ländern zu machen? Die EU, indem sie ihre Subventionen künftig nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip verteilt, sondern ökologisches Wirtschaften belohnt? Die Landwirtschaftsministerin, indem sie eventuell hier und da mal auf das Freiwilligkeitsprinzip verzichtet? Oder bleibt der Schwarze Peter letztlich bei Verbraucherinnen und Verbrauchern hängen, die, wie die Ministerin fordert, mehr für Lebensmittel ausgeben sollen? Teuer heißt allerdings nicht automatisch gut, und man wüsste ganz gern, was man denn da kauft, wie das Tier gehalten und das Gemüse angebaut wurde – idealerweise, ohne vorher umfangreiche Ratgeber gewälzt, sich durch einen Dschungel von Apps und Labeln geforstet oder den Kopf über das Kleingedruckte auf der Packung zerbrochen zu haben.

Wenigstens eins scheint klar zu sein: So, wie es ist, kann es nicht weitergehen. Wo ist der Messestand des Druiden mit dem innovativen Zaubertrank, dessen Genuss alle Kontrahenten zu tatkräftigem Handeln inspiriert?

Miraculix, bitte umgehend in Berlin melden!

Kerstin Eitner
Redakteurin

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