Klimawandel
09.Aug 2016

Durch die Schmelze in Grönland taucht eine geheime US-Militärbasis aus dem Eis auf

Zweihundert Kilometer von der Nordwestküste Grönlands landeinwärts liegt unter einer 35 Meter dicken Eisschicht versteckt das „Camp Century“. Den militärischen Stützpunkt errichtete das US-Militär 1959 im Zuge des Kalten Krieges. Offiziell diente der Standort dazu, Klimadaten zu erheben und Polarforschung zu betreiben. Tatsächlich aber wurden in dem insgesamt drei Kilometer langen Tunnelsystem Abschussrampen für Atomraketen unter arktischen Bedingungen geheim getestet. Versorgt wurde der Stützpunkt durch einen Atomreaktor. Dieser wurde 1967 zwar mit der Stilllegung der Basis rückgebaut, doch sämtlicher Abfall blieb in der Station liegen. Das US-Militär wähnte ihn unter dem Eis für ewig begraben.

Doch die durch den Klimawandel zunehmende Eisschmelze könnte den chemischen und radioaktiven Müll im „Camp Century“ schon innerhalb des nächsten Jahrhunderts freilegen. Das zeigt eine aktuelle Studie der kanadischen Universität York. Anhand verschiedener Kombinationen aus nationalen Klimamodellen untersuchten die Wissenschaftler, wie sich das Eis in der Region rund um das Camp verändern wird.

Auch die US-amerikanische Militärbasis „Old Ikateq“ im Osten Grönlands wurde verlassen, aber nicht gesäubert. Dort verrosten zahlreiche Kerosinfässer.  Foto: picture alliance / dpa-Zentralbild

„Die Klimaszenarien deuten nicht darauf hin, dass der Schneefall unendlich lange über die Schmelze dominieren wird“, so der Mitautor der Studie Horst Machguth vom Geographischen Institut der Universität Zürich in einer Pressemitteilung. „Vielmehr könnten wir es schon im Jahr 2090 mit einer Netto-Schmelze zu tun bekommen.“ Dann würde das Eis um die Basis innerhalb von 90 Jahren komplett abtauen. Jedoch könnten sich bereits vorher schon Ausläufer des Schmelzwassers mit dem Treibstoff oder den Abwässern vermischen und diese ins marine Ökosystem spülen, warnt der Wissenschaftler.

Die Forscher vermuten im „Camp Century“ etwa 200.000 Liter Dieseltreibstoff sowie 240.000 Liter Abwasser, darunter auch schwach radioaktiv belastetes Kühlwasser. Die verwendeten Baustoffe aus den 50er-Jahren könnten zudem die umweltschädliche und krebserregende Chemikalie Polychlorbiphenyl (PCB) enthalten.

Den Müll zum jetzigen Zeitpunkt auszugraben, wäre allerdings viel zu aufwändig und zu teuer. Die Autoren der Studie empfehlen deshalb, ihn zu entfernen, wenn er sich kurz unter der Oberfläche befindet.

Anica Beuerbach

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