Pestizide
23.Nov 2016

EuGH-Urteil: Glyphosat-Akten müssen offengelegt werden

Schluss mit der Geheimniskrämerei: Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat entschieden, dass für die Sicherheitsbewertung von Pestiziden alle wichtigen Informationen auf den Tisch müssen. Umweltschützer feiern das Urteil als Sieg für mehr Transparenz.​

Die höchste gerichtliche Instanz in der EU stuft Pestizide und deren Ausbringung als „Emissionen in die Umwelt" ein. Genauso wie bei Industrieanlagen oder Kernkraftwerken müssen deshalb vom Hersteller beziehungsweise Betreiber „Angaben über Art, Zusammensetzung, Menge, Zeitpunkt und Ort der Emission“ gemacht werden. „Damit hat das Gericht den Schutz von Umwelt und Gesundheit als wichtiger anerkannt als die angeblichen Geschäftsinteressen der Chemiebranche, die keine Veröffentlichung ihrer Studien zuließen", sagt Christiane Huxdorff, Pestizid-Expertin bei Greenpeace. „Das Urteil ist ein Sieg für mehr Transparenz.“ 

Greenpeace und Pesticide Action Network Europe hatten die EU-Kommission auf die Herausgabe von Dokumenten zur Genehmigung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat verklagt. Dieser Forderung ist der EuGH nun nachgekommen. Die Öffentlichkeit müsse nachprüfen können, ob die Bewertung der Zulassungsbehörden zu den langfristigen Umweltfolgen eines Agrargiftes zufreffend ist, heißt es aus Luxemburg. Die Offenlegung betreffe auch Studien der Hersteller zu Rückständen der Giftstoffe in der Umwelt.

Im Kern geht es um die Frage, ob das umstrittene Glyphosat krebserregend ist oder nicht. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation das Pflanzengift als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hat und die Zulassung für Glyphosat schon seit vier Jahren offiziell ausgelaufen ist, wird es weiterhin eingesetzt. Greenpeace hofft, dass die Offenlegung aller wichtigen Informationen zu einer neuen Bewertung des Wirkstoffes führen wird. "Für die weiteren Beratungen dürfte das heutige Urteil immens wichtig sein“, sagt die Landwirtschaftsexpertin Huxdorff.

Andrea Hösch

Das hat Sie interessiert?
Dann sollten Sie erst mal unser Magazin sehen!
Das Greenpeace Magazin gibt es nicht nur im Netz, sondern auch gedruckt und auf dem Tablet für iOS und Android. Es erscheint alle zwei Monate und widmet sich den Nachrichten, die wirklich zählen: Das Thema heißt Zukunft und gesucht wird nach neuen Lösungen, kreativen Auswegen und positiven Signalen. Jetzt neu am Kiosk, im App Store und im Abo.