Klimaproteste30.Jul 2019

Mitmachen erwünscht: Wo die Klimaschutzbewegung in diesem Sommer protestiert

Mitmachen erwünscht: Wo die Klimaschutzbewegung in diesem Sommer protestiert

Europaweit trifft sich auch dieses Jahr wieder eine bunte Bewegung von Klimaschützerinnen und -schützern, nicht trotz sondern wegen der Hitze. Wir zeigen wo – eine kleine Terminvorschau

Bereits vor Wochen war öffentlich über das Ende der Fridays-for-Future-Bewegung spekuliert worden. „Es spricht leider sehr viel dafür, dass dieser Protest in der Ferienzeit verkümmert. Und es ist sehr zweifelhaft, ob er danach wieder auferstehen wird“, sagte etwa der Protestforscher Peter Grottian im Juni gegenüber dem Spiegel. Doch Totgesagte leben länger: Die Freitagsdemos laufen weiter und vom 31. Juli bis zum 4. August 2019 findet im Revierpark in Dortmund der „Fridays for Future“-Sommerkongress statt. Die junge Bewegung möchte dort ihr weiteres Vorgehen planen, Workshops veranstalten und mit Menschen in Entscheidungspositionen diskutieren. „Es gibt viele gute Gründe sich tagelang mit dem Thema Klima auseinanderzusetzen“, heißt es aus der Bewegung. Die Politik reagiere bisher kaum auf die Klimakrise. Das wollen die Schülerinnen und Schüler ändern – Sommerferien hin, Hitze her.

Sie sind längst nicht die einzigen, die diesen Sommer zum aktiven Klimaschutz aufrufen. In Deutschland und in ganz Europa verteilt versammeln sich Klimaschützerinnen und -schützer zu Protesten, öffentlichen Diskussionen und Strategietreffen. Im Leipziger Land findet zwischen dem 3. und 12. August 2019 das diesjährige Klimacamp statt, ein zentrales Informations- und Vernetzungstreffen der Klimaschutz-Szene. Das Dorf Pödelwitz, das dem Braunkohle-Tagebau „Vereinigtes Schleenhain“ weichen soll, ist zum zweiten Mal Gastgeber für die Aktivistinnen und Aktivisten.

Vertreten sind hier unter anderem die Gruppen „Extinction Rebellion“ und „Ende Gelände“, ebenfalls das Bündnis "gerechte eins komma fünf". Auch findet dort ein bundesweites Treffen des Bündnisses „Alle Dörfer bleiben“ mit Menschen aus den drei deutschen Braunkohlegebieten statt sowie Gespräche mit Anwohnerinnen und Anwohnern von Pödelwitz und die fünfte Degrowth-Sommerschule, auf der mehrtägige Kurse zu nicht-wachstumsorientierten Wirtschafts- und Gesellschaftssystemen angeboten werden.

Bis zu tausend Besucherinnen und Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus werden erneut auf dem Klimacamp erwartet. Sie können sich auf Podiumsveranstaltungen, in Workshops und bei Vorträgen zu Fragen rund um Klimagerechtigkeit austauschen: Wie baue ich ein Lastenfahrrad? Wie gehe ich argumentativ mit Klimawandelleugnern um? Kann man mit lokalen Ernährungsräten die Agrarwende anstoßen? Wie klimaschädlich sind Atomkraftwerke? Und wie startet man eine Kampagne und begeistert andere dafür, sich anzuschließen?

Ein besonderer Fokus des Programms liegt in diesem Jahr auf dem Rechtsruck des öffentlichen Diskurses und dem strukturellem Rassismus. „Wir wollen zeigen, dass es beim Klimaschutz um mehr als um CO2-Grenzwerte geht“, erklärt Nina Beck, Sprecherin des diesjährigen Klimacamps. Klimagerechtigkeit, das Ziel der Aktivistinnen und Aktivisten, nehme die Verantwortung der Länder des globalen Nordens für die Klimakrise besonders in den Blick und hinterfrage koloniale Kontinuitäten im globalen Wirtschaftssystem kritisch. „Es ist wichtig, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit zusammen zu denken“, sagt Beck.

Neben den Treffen in Dortmund und rundum Leipzig gibt es noch eine ganze Reihe von Möglichkeiten, sich für den Klimaschutz einzusetzen. Hier eine Auswahl von Terminen:

  • Bis Mitte August (31. Juli bis 11. August) findet ein Klimacamp im französischen Kingersheim bei Mulhouse statt.
  • Auf der Ostsee segeln Aktivistinnen und Aktivisten für den Klimaschutz: Zwischen dem 31. August und 14. September hält der Zweimaster "Lovis" unter anderem in den Häfen von Travemünde, Kopenhagen und Malmö und veranstaltet dort Aktionen, die auf Steinkohle- und Gastransporte auf dem Seeweg aufmerksam macht und für Klimagerechtigkeit wirbt.
  • Anfang September (4. bis 8. September) findet ein Klimacamp in Venedig statt, in einer Küstenstadt also, die besonders von der Erderhitzung und dem steigenden Meeresspiegel betroffen sein wird. Klimaschützerinnen und -schützer aus Italien und ganz Europa wollen diesen Ort zu einem Symbol für den Kampf gegen den Klimawandel machen und das gleichzeitig stattfindende Internationale Filmfestival als Bühne nutzen, um weltweit gehört und gesehen zu werden.
  • Fast zeitgleich (6. bis 8. September) wird in Gothenburg, Schweden, im größten skandinavischen Hafen protestiert: Das Unternehmen Swedegas baut dort einen speziellen Terminal für den Import von Erdgas – Klimaschützerinnen und -schützer wollen gegen den weiteren Ausbau der Nutzung der fossilen Energien demonstrieren.
  • Und Ende September soll es ein weiteres Klimacamp in Deutschland geben: Am Chiemsee soll zwischen dem 25. und 29. September ein Sammelpunkt der Klimagerechtigkeitsbewegung entstehen.
  • Für diese Zeit ist außerdem ein globaler Klimastreik angekündigt: Zum 20. September mobilisiert die Fridays-for-Future-Bewegung für einen globalen Klimastreik. Kurz vor dem UN-Notfall-Klimagipfel in New York wollen sie für ihre Forderungen auf die Straße gehen. Am 27. September können Klimaschützerinnen und -schützer dann erneut protestieren, wenn zum weltweiten „Earth Strike“ aufgerufen wird.

Angesichts der Klimakrise drängt die Zeit. Wo andere hitzefrei machen, mobilisiert die Klimaschutzbewegung weiter gegen die Hitze der Zukunft.

Julia Lauter

Aufmacherbild: Im Leipziger Land findet zum zweiten mal ein Klimacamp statt. Ab dem 3. August kommen hier Klimaschützerinnen und Klimaschützer aus ganz Deutschland und Europa zusammen, um sich auszutauschen und kommende Aktionen und Proteste zu planen. Foto: Klimacamp Leipziger Land (CC BY_NC-SA 2.0)

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Klimaanpassung – 5.19
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