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Naschwerk

Greenpeace Magazin Ausgabe 4.17

Naschwerk

Süßigkeiten können verzücken, die Fantasie anregen und glücklich machen. Wir zeigen, dass das auch nachhaltig und ökologisch geht

Im Tal der feinen Bonbonkräuter
Rosa und blaue Kornblumen, Ringelblumen mit orange leuchtenden Blütenköpfen, duftende Felder voller weiß-gelber Kamillepflanzen. Diese blühende Landschaft ist das Reich von Reto Raselli, in der Schweiz auch als „Kräuterkönig“ bekannt. Sein duftender Hain liegt im kleinen Ort Le Prese im Tal Poschiavo. Hier, im hintersten Zipfel von Graubünden, umgeben von italienischem Staatsgebiet und mit Blick auf malerische Gipfel, betreiben die Einheimischen in den Höhenlagen Alpwirtschaft. Und im Tal werden Tee- und Gewürzkräuter angebaut.

Dort liegen auch Rasellis Wiesen und Felder. Seine Kräuter verarbeitet er zu aromatischen Bio-Teemischungen oder verkauft sie an Bonbonfabriken. Schon seit den Achtzigerjahren setzt er auf ökologischen Anbau, der Einsatz von Chemie ist für ihn Tabu. Vom Frühjahr bis zum Herbst muss zwischen den duftenden Kräuterpflanzen Unkraut gejätet werden – das ist auf Rasellis Hof Handarbeit. Alle zehn Mitarbeiter packen in der Hochsaison mit an.

Einer der wichtigsten Kunden des Kräuterhofs ist seit Langem der Bonbonhersteller Ricola, die Bio-Tees und Kräutermischungen stehen unter anderem in den Regalen der schweizerischen Coop-Supermärkte. Raselli ist also ein „Big Player“ unter den Kräuterbauern und ein Vorreiter der Biobewegung in der Schweiz. Für ihn ist der Verzicht auf Ackergifte nicht nur eine Rückbesinnung auf althergebrachte Anbauweisen, sondern der einzig mögliche Weg für die Zukunft: „Wir haben hier vor über dreißig Jahren damit begonnen, den Boden ökologisch zu bewirtschaften“, sagt Reto Raselli. Das macht der „Kräuterkönig“ nicht nur für sich, sondern besonders für die nachfolgenden Generationen: „Tradition bedeutet für mich, den Boden und das Vieh zu pflegen und zu hüten.“

Mit den Jahren konnte Raselli viele ortsansässige Landwirte für seine Philosophie begeistern – mittlerweile werden 87 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen im Tal Bio-zertifiziert bewirtschaftet. Damit steht das Poschiavo-Tal schweizweit an der Spitze, die Einheimischen sagen sogar, es gebe weltweit keinen vergleichbaren Ort. „Für mich ist das hier das Paradies“, sagt auch Reto Raselli. Eines, das er selbst mitgeformt hat.
bioraselli.ch

Süße Würze aus dem Süden
Die meisten Menschen süßen ihre Speisen und ihr Gebäck, ohne zu wissen, woher der Zucker für die Pfannkuchen oder die Vanille für das Kompott stammen. Das will die Firma „Soul Spice“ ändern: Sie vertreibt feine, fair gehandelte Bio-Gewürze im Internet und auf dem Spezialitätenbasar der Markthalle Neun in Berlin. Zum Beispiel Vanillezucker, der aus Bio-Zuckerrüben aus Süddeutschland und Vanille aus dem Gewürzmekka Sansibar hergestellt wird: Die Kleinbauern im Nordosten der tansanischen Insel pflanzen ihre Gewürzpflanzen in ökologisch nachhaltigen Mischkulturen. Faire Preise sichern ihnen ein gutes Auskommen. Zusätzlich spendet „Soul Spice“ 50 Prozent ihrer Gewinne für kleinbäuerliche Projekte. Das Ergebnis ist eine würzige Süße, die allen Beteiligten schmeckt.
soul-spice.com

Zweite Chance für Bananen
Trotz ihrer fernen Anbaugebiete in Zentralamerika, Afrika oder Asien sind sie doch Teil unseres Alltags: Zwölf Kilo Bananen essen die Menschen in Deutschland jährlich. Von ihrer langen Reise tragen die Früchte oft Macken und Dellen davon. Obwohl das ihrem Geschmack keinen Abbruch tut, werden die nicht ganz perfekten Bananen aussortiert. Genau hier setzt die Idee von Lars Peters und Tim Gudelj an. Zweimal die Woche kaufen die Düsseldorfer den Großhändlern aussortierte Bananen ab, etwa 10.000 Stück retten sie so monatlich vor der Tonne. Daraus lassen sie Bananenbrote backen und verkaufen sie – pur, garniert mit Nüssen, Früchten oder Beeren, online, in Cafés und Bäckereien. Die Kunden bekommen leckeres Gebäck und die Bananen eine zweite Chance.
bananenbrot.com

Honigernte in der Hauptstadt
Wer durch die Straßenschluchten von Berlin läuft, der wird es kaum glauben: Die Millionenmetropole bietet vielen Bienen eine Heimat, die Stadt gilt gar als Zufluchtsort für die fleißigen Bestäuber. Denn: In ländlichen Gebieten machen Monokulturen und Pestizideinsatz den Bienen das Leben schwer. In den Städten finden sie dagegen in Parks, Gärten und auf Balkonen einen reich gedeckten Tisch. In Berlin wachsen außerdem besonders viele Straßenbäume wie Kastanien, Ahorne, Robinien und Linden, deren Blütezeiten aufeinander folgen und den Stadtbienen ein durchgängiges Sommerbuffet bescheren. Nun wollen Berliner Bienenliebhaber noch mehr Menschen für den Erhalt der Honiglieferanten und der städtischen Grünflächenvielfalt begeistern: 41 Imker verkaufen unter dem Label „Berliner Honig“ Stadthonig, in ihrem Onlineshop und in vielen Supermärkten und Läden der Stadt. Im Sortiment finden sich Frühlings- und Sommerernten sowie der besonders aromatische Honig der „Hauptstadtlinde“. Erst kommt der Honig aufs Brot, dann wärmt die Süße das Herz, und dann – so die Hoffnung der Imker – steigt auch das Interesse für die Umwelt.
berlinerhonig.de