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Papageien am Limit

Greenpeace Magazin Ausgabe 5.18

Papageien am Limit

Text: Bastian Henrichs Foto: Monika Keiler

Sieht so der Artenschutz der Zukunft aus? Tiere werden in reichen Ländern gezüchtet, damit sie in ihren Heimatregionen nicht aussterben. Ein Verein in Brandenburg kämpft um den Fortbestand brasilianischer Spix-Aras und karibischer Kaiseramazonen. Ein nicht unumstrittener Rettungsversuch

Die Kaiseramazone hat Stress. Vladislaw Marcuk, Biologe und Papageienforscher, hält den grünbraun gefiederten und knapp fünfzig Zentimeter großen Papagei fest im Griff. Seine rechte Hand umfasst von hinten den Hals, sein Zeigefinger liegt wie ein Hahnenkamm über dem Kopf. Die linke hat Marcuk von vorne zwischen die Schenkel des Vogels geschoben, um die scharfen Krallen zu fixieren, die blutige Kratzer an Armen und Händen verursachen können. Das mag der Vogel, der erst vor wenigen Wochen aus der Karibik nach Deutschland gekommen ist, gar nicht. Er kreischt, schrill und laut wie eine Metallsäge.

„Komm, mach schnell“, ruft der Tierarzt Marcellus Bürkle seinem Kollegen zu. Vor der Kaiseramazone hat er schon einige Blaumasken- und Königsamazonen untersucht, Routine. Doch jetzt steigt auch bei dem erfahrenen Veterinär die Anspannung. Es darf nichts schiefgehen. Die Kaiseramazone gehört zur derzeit wohl seltensten Papageienart der Welt. Wie viele Tiere es auf der Antilleninsel Dominica, dem einzigen Ort, an dem Kaiseramazonen in freier Wildbahn leben, noch gibt, ist derzeit ungewiss. Hurrikan Maria hat im vergangenen Jahr große Teile des Bestandes vernichtet. Bei dem Paar, das hier im brandenburgischen Rüdersdorf nahe Berlin im Käfig sitzt, handelt es sich um die weltweit einzigen Exemplare in menschlicher Obhut.

Bürkle, 49, und Marcuk, 25, arbeiten für den Verein ACTP (Association for the Conservation of Threatened Parrots), der sich dem Schutz und der Erhaltungszucht bedrohter Papageien verschrieben hat. Weltweit gibt es etwa 350 Papageienarten, 94 davon stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten, 15 sind akut „vom Aussterben bedroht“, vor allem durch den Verlust ihres Lebensraumes. In Rüdersdorf, mehrere tausend Kilometer von ihren natürlichen Habitaten entfernt, sitzen in 114 Volieren mehr als 300 Aras, Amazonen und Kakadus, vom Aussterben bedrohte und weniger gefährdete Arten. Zwölf Mitarbeiter betreuen sie, erforschen ihr Verhalten und ihre Kommunikation.

Sieht so der Artenschutz der Zukunft aus? Tiere, die in Deutschland oder anderen Ländern der westlichen Welt gezüchtet werden, damit sie in ihren Heimatländern nicht aussterben, weil der Artenschutz dort nicht dieselbe Rolle spielt oder die finanziellen Mittel und das Know-how fehlen? Es ist eine uralte Diskussion: Wäre es nicht wichtiger, die natürlichen Habitate der Tiere zu erhalten oder wiederherzustellen und ihre Überlebenschancen in freier Wildbahn zu verbessern? Und ist es ethisch überhaupt vertretbar, Tiere, die keinen Lebensraum mehr haben, im Käfig zu halten? (...)

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