Liebe Leserinnen und Leser,

zu schmal, gerne mal zugeparkt und mitunter abrupt endend: Fahrradwege werden in vielen Städten Deutschlands laut einer regelmäßig durchgeführten Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) bei Weitem nicht den Ansprüchen ihrer Benutzer gerecht. Anlässlich des heutigen Weltfahrradtags – ausgerufen 2018 von den Vereinten Nationen – lohnt es sich deshalb, einen Blick nach Kopenhagen zu werfen.

Wie Utopia berichtet, können wir in Sachen nachhaltige Mobilität nämlich noch einiges von unseren dänischen Nachbarn lernen: Dort erkannte man bereits vor Jahrzehnten, dass ihre damals auf das Auto ausgerichtete Hauptstadt ein Auslaufmodell war. Heute machen unter anderem baulich getrennte Radwege und die kostenfreie Mitnahme im ÖPNV das Radeln attraktiv. Acht Radschnellwege verbinden außerdem auf insgesamt 167 Kilometern die Vororte mit der Kopenhagener Innenstadt. Sicherer Radverkehr ist allerdings keineswegs ein dänisches Phänomen, erklärt Jesper Pørksen, Direktor des Fahrradtourismusverbands „Dansk Cykelturisme“ – sondern schlicht eines von geschickter Städteplanung.

Mit diesem Lesetipp starten wir in die freitägliche Presseschau und wünschen außerdem ein angenehmes Pfingstwochenende. Vielleicht ja sogar mit einer kleinen Fahrradtour ins Grüne. Los geht’s!

Die Alpen ergrünen

Bericht, 2 Minuten Lesezeit

Der Klimawandel macht die Alpen grüner – eine Veränderung, die sogar aus dem Weltraum zu sehen ist. Das berichten Forscherinnen und Forscher um Sabine Rumpf von der Universität Basel. Sie haben nachgewiesen, dass in den zurückliegenden vier Jahrzehnten die Schneedecke in den Alpen geschrumpft ist und dort stattdessen mehr Pflanzen wachsen. Das habe weitreichende Folgen für Mensch und Natur, schreibt die Arbeitsgruppe in der Fachzeitschrift „Science“. Rumpf und ihr Team werteten Daten der „Landsat“-Satelliten aus, die seit 50 Jahren die Erde beobachten. Die „Landsat“-Bilder der Alpenregion zeigen: Auf 77 Prozent jener Gebiete, die oberhalb der Baumgrenze liegen, ist die Vegetation in den vergangenen 40 Jahren dichter geworden. Zugleich schwand auf 10 Prozent der dortigen Flächen die Schneedecke. Das Spektrum Magazin hat die Details

Hightech-Metalle gehen am schnellsten verloren

Hintergrund, 3 Minuten Lesezeit

Ausgerechnet die am dringendsten gebrauchten Hightech-Metalle haben die kürzeste Nutzungsdauer und die niedrigste Recyclingquote, enthüllt eine neue Studie. Demnach werden knappe Metall-Rohstoffe wie Kobalt, Indium oder Seltene Erden nur wenige Jahre genutzt, bevor sie entsorgt werden. Schon beim Bergbau geht zudem ein großer Teil dieser Metalle ungenutzt im Abraum verloren. „Es liegt daher im dringenden Interesse der Weltbevölkerung, die Nutzungsdauer von Metallen zu verlängern und möglichst geschlossene Wirtschaftskreisläufe anzustreben, die ohne signifikante Verluste auskommen“, konstatiert Koautor Christoph Helbig von der Universität Bayreuth laut scinexx. Wichtig wäre dies sowohl für die Sicherung der Rohstoffversorgung als auch für die Umwelt: Je mehr Metalle dem Wirtschaftskreislauf im Laufe der Zeit verloren gehen, desto mehr Bergbau ist nötig, um Nachschub zu beschaffen – und das schadet Klima und Umwelt

Glyphosat kann für Hummeln gefährlich werden

Hintergrund, 4 Minuten Lesezeit

Wissenschaftlich ist noch immer unklar, ob und in welchem Umfang Glyphosat eine schädliche Wirkung hat, die über die gewollte Dezimierung von Unkraut, Pilzen und Mikroorganismen hinausgeht. Eine neue Studie liefert ein weiteres wichtiges Puzzleteil für das komplexe Problem: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Pflanzenschutzmittel unter bestimmten Umständen schädlich für Hummeln sein kann. Wie im Fachjournal „Science“ berichtet, lautet das Ergebnis kurz zusammengefasst folgendermaßen: Hummeln haben eher Probleme, die Temperatur in ihrem Nest beizubehalten, wenn sie Glyphosat zu sich nehmen und zusätzlich an Nahrungsmangel leiden. Die richtige Temperatur im Hummelnest kann überlebenswichtig sein. Wenn eine Hummelkönigin nach dem einsamen Überwintern alljährlich eine komplett neue Kolonie heranzüchten muss, sind die richtigen Brutbedingungen bereits vor dem Winter essenziell. Hintergründe gibt es beim Standard

„Alle werden ärmer, aber Energiefirmen machen das Geschäft ihres Lebens“

Interview, 2 Minuten Lesezeit

Christian Görke ist finanzpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag. Er fordert eine Steuer nach dem Vorbild Italiens, um „außerordentliche Krisengewinne von Energiekonzernen“ abzuschöpfen – denn die Europäische Kommission hat für dieses Jahr Gewinne der Energieunternehmen von über 200 Milliarden veranschlagt. Total, Esso oder Shell haben im ersten Quartal – schon vor dem Krieg in der Ukraine – Gewinnsteigerungen von bis zu 187 Prozent verzeichnet. Im Interview mit dem Freitag führt Görke aus: „Übergewinne sind Gewinne, die über den „normalen“ Gewinn hinausgehen: In Italien, dessen Übergewinnsteuer wir uns zum Vorbild genommen haben, ist das als jener Gewinn definiert, der mehr als fünf Millionen Euro und mindestens zehn Prozent über den Gewinn des Vorjahres hinausgeht. Nur das, was über diese Grenzen hinausgeht, wird dann zusätzlich mit 25 Prozent besteuert“

Giraffenhals als Ergebnis sexueller Selektion?

Hintergrund, 3 Minuten Lesezeit

Warum haben Giraffen lange Hälse? Bislang ging man davon aus, dass ein langer Hals evolutionär begünstigt wurde, da die Tiere damit höher wachsende Blätter erreichen können. Ein Fossilfund einer ausgestorbenen Giraffenart legt nun jedoch eine andere Erklärung nahe: Demnach könnte ein langer Hals bei Balzkämpfen der Männchen hilfreich gewesen sein, bei denen sie sich gegenseitig mit dem Kopf stoßen. Demnach wäre die Entwicklung dieses außergewöhnlichen anatomischen Merkmals nicht nur auf Vorteile bei der Nahrungssuche, sondern auch auf sexuelle Selektion zurückzuführen. „Der Kampf zwischen Männchen war wahrscheinlich die Hauptantriebskraft für die Entwicklung des langen Halses der Giraffen“, schreibt das Team um Shi-Qi Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking. „Die daraus entstehende Fähigkeit, Nahrung in größeren Höhen erreichen zu können, war wahrscheinlich ein zusätzlicher Vorteil dieser Entwicklung.“ Mehr zum Thema hat wissenschaft.de

Warum Klimaaktivismus alles darf

Kommentar, 3 Minuten Lesezeit

„Klimakrise ist keine Meinung“ – das kommentiert Josa Zeitlinger, Jahrgang 1998, bei taz.de und schreibt weiter: „Eine Gesellschaft, die schon durch ein paar Millionen Geflüchtete oder teures Benzin zu zerbrechen droht, sollte sich nicht die Illusion machen, mit einem Vielfachen davon umgehen zu können. Wir werden unsere Ansprüche, lebensqualitativ wie moralisch, noch sehr weit nach unten anpassen müssen. (…) Das Problem liegt, wie Luisa Neubauer es formuliert, darin, dass viele die Klimakrise nicht wahrhaben wollen. Und darum geht es bei Klimaaktivismus: Dass anerkannt wird, wie tief wir alle gemeinsam in der Tinte sitzen. Erst dann kann objektiv über die richtigen Mittel und Wege zu mehr Klimaschutz diskutiert werden. Dass wir seit den 90ern keine vernünftige Klimapolitik betreiben, ist der klarste Beweis dafür, dass das bislang nicht geschehen ist. Und weil das so ist, darf Klimaaktivismus auch alles. Er muss sich nicht hinten anstellen, denn er vertritt keine Meinung unter vielen, sondern eine objektive und lebensbedrohliche Wahrheit“