Liebe Leserinnen und Leser,

während in Deutschland bereits die ersten Weihnachtsmärkte geöffnet haben (und mancherorts coronabedingt schon wieder geschlossen), gilt in den USA ein ungeschriebenes Gesetz: keine Deko oder Tanne vor Thanksgiving. Heute feiern viele Amerikaner ihr Erntedankfest, das nicht nur aufgrund seiner kolonialen Ursprungsgeschichte immer häufiger in die Kritik gerät. Auch die Haltungsbedingungen der millionenfach zum Fest verspeisten Truthähne rufen landesweit Tierschützer auf den Plan.

Abseits jeglicher Thanksgiving-Romantik findet Nahrungsmittelproduktion in dieser Größenordnung nämlich nicht in einer idyllischen Farmumgebung statt, sondern in sogenannten „Concentrated Animal Feeding Operations“. Das US-Umweltministerium beschränkt „kleine“ Betriebe auf 16.500 Truthähne; in größeren dürfen schon mal 55.000 Tiere oder mehr gehalten werden. Das Resultat fasst Aktivistin Karen Davis in der Huffington Post so zusammen: „Tierquälerei, Krankheit, Dreck“ – und empfiehlt vegetarische Alternativen auf der Festtafel.

Dem Tod noch mal knapp von der Schippe geflattert sind übrigens zwei Truthähne namens Peanutbutter und Jelly. Am vergangenen Freitag begnadigte US-Präsident Joe Biden sie traditionsgemäß im Rosengarten des Weißen Hauses, wie unter anderem CNN berichtet. Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Donnerstag, an dem Sie trotz allem für etwas dankbar sein können. Wir sind es ganz bestimmt: für Ihre Lektüre unserer Presseschau!

Erreger-Reservoir in Europa

Hintergrund, 4 Minuten Lesezeit

Globale Transportwege sorgen nicht nur für eine rasche Verbreitung von Krankheitserregern, etwa im Zuge der Covid-19-Pandemie. Sie bringen ganz allgemein Arten an Orte, an denen sie noch nie waren. Je nachdem, wie die dortigen Ökosysteme bestellt sind und welche Voraussetzungen die Lebewesen mitbringen, können es sich die neuen Siedler gemütlich machen. Das kann die etablierten Arten allerdings auch erheblichem Stress aussetzen – dank superinvasiven Pflanzen wie Robinien, die lokale Arten in Europa stark zurückdrängen. Bei Tieren ist auf diesem Kontinent künftig vor allem mit Neobiota (also neu eingewanderten Arten) zu rechnen, die in die Kategorien Insekten, Krebstiere und Weichtiere fallen, wie eine Studie im vergangenen Jahr feststellte. Sie werden vor allem über Schiffe, aber auch über LKW- und Flugverkehr über den Globus verteilt. Der Standard hat die Details

Schwarzes Loch für unsere Vögel

Hintergrund, 6 Minuten Lesezeit

Der illegale Handel mit einheimischen Vögeln blüht auch in Deutschland: Es gibt viele Fälle von Wilderei und Hehlerei. Wie viele es genau sind, wisse jedoch niemand, sagt Franz Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz. Zwar gebe es beim Bundeskriminalamt ein Meldesystem zur Umweltkriminalität. „Dort wird illegaler Vogelhandel nach unserer Kenntnis aber nicht in vollem Umfang erfasst.“ Viele Fälle gelangten außerdem nicht als Artenschutzverstoß, sondern als Tierschutzverstoß in das Register. Hinzu kommt, dass Polizei, Staatsanwaltschaft und die zuständigen Behörden zu oft zu wenig Ahnung davon haben, welche Gesetze die Natur wie schützen und für welche Vergehen welche Strafen drohen. Dabei sind die geltenden Schutzbestimmungen bereits seit Einführung der Europäischen Vogelschutzrichtlinie 1979 in Kraft, erklärt das Spektrum Magazin

Darmkeim als Treibstoff-Produzent

Hintergrund, 2 Minuten Lesezeit

Forscher haben einen weiteren Weg gefunden, um Mikroben als Helfer für die Produktion nachhaltigerer Treibstoffe einzuspannen. Dafür rüsteten sie Bakterien der Art Escherichia coli mit den Genen für vier zusätzliche Enzyme aus. Dies befähigte die Mikroben dazu, aus Zucker große Mengen sogenannter Hydroxy-Fettsäuren zu produzieren. Diese wiederum lassen sich durch chemische Katalyse in Olefine umwanden – Kohlenwasserstoffketten, wie sie unter anderem in Plastik und Kraftstoffen vorkommen. „Biokraftstoffe aus erneuerbaren Rohstoffen wie pflanzlichen Zuckern herzustellen, hat das Potenzial, grüne Technologien voranzubringen“, sagt Zhen Wang von der University of California in Berkeley. Das gilt vor allem dann, wenn Pflanzenabfälle dafür verwendet werden. Bisher allerdings steht die mikrobielle Olefin-Synthese von Wang und ihren Kollegen noch ganz am Anfang, heißt es bei scinexx

Sesam ist Trumpf

Kolumne, 3 Minuten Lesezeit

Aus der orientalischen Küche ist Sesam beziehungsweise dessen Paste nicht wegzudenken. Aber was ist das eigentlich für eine Pflanze? Mit dieser Frage beschäftigt sich Sonja Kastilan in der faz.net-Kolumne „Ab in die Botanik“ und erklärt: „Auf dem indischen Subkontinent ist Sesam seit mehr als 5.000 Jahren in Gebrauch, als Nahrungsmittel, Öl und zu religiösen oder therapeutischen Zwecken, und die ältesten Spuren fanden sich in Stätten der bronzezeitlichen Indus-Kultur Harappa. Im fernöstlichen China kam das Sesamkorn zur Zeit der Han-Dynastie an, und wann es Mesopotamien im Westen verführte, lässt sich schwer sagen, weil sich eine Verwechslung mit Leinsamen in alten Schriftquellen nicht immer ausschließen lässt. Neuerdings kann aber Zahnstein als Beleg dienen: Proben aus den Fundstätten Megiddo und Tel Erani im heutigen Israel lassen annehmen, dass Sesam im 2. Jahrtausend v. Chr. bereits zu den Grundnahrungsmitteln in der Levante gehörte. Nur die Urrezeptur, die bleibt vorerst geheim“

Ans Gehen und Klettern angepasst

Hintergrund, 2 Minuten Lesezeit

Ein bisschen Affe, ein bisschen Mensch – der rätselhafte Australopithecus sediba war ein Mosaik-Wesen, verdeutlichen neue Funde von Wirbelknochen. In ihren Merkmalen spiegelt sich wider, dass diese Vormenschen vor etwa zwei Millionen Jahren bereits ähnlich gingen wie wir, aber auch noch so gut klettern konnten wie Affen. Demnach besaß ihre Wirbelsäule bereits die für uns typische Krümmung, die als eine Anpassung an den aufrechten Gang gilt. Weitere Merkmale der Wirbel und zuvor entdeckter Skelettteile sind hingegen noch eher affenartig und ermöglichten A. sediba eine gute Fortbewegung in den Bäumen, berichten Forscher um Lee Berger von der Universität von Witwatersrand. Hintergründe gibt es bei wissenschaft.de

Hightech-Fasern aus Mist

Radiobeitrag, 6 Minuten Laufzeit

Alexander Bismarck und Kathrin Weiland sind Fachleute für Tierexkremente. Der Professor und die Doktorandin von der Universität Wien erkennen sofort, ob ein Kothaufen von einer Kuh, einem Pferd oder einem Elefanten stammt – nicht nur optisch, sondern auch am Geruch. „Pferdemist ist trockener, riecht vielleicht noch streng nach Ammoniak, aber das war's dann eigentlich schon“, sagt Bismarck. Kuhgülle sei dagegen nicht ganz so nett, ganz zu schweigen von Elefantendung. Es sei denn, man sterilisiert ihn, erklärt Weiland: „Wir benutzen praktisch einen Dampfdruckkochtopf – es riecht dann einfach nach Kräutertee danach.“ Das ist auch im Labor von Vorteil und ein Grund, warum das Team begann, mit Elefantendung zu experimentieren – als Modell für andere Mistarten. Die Idee: die Zellulosefasern aus anverdautem Heu und Stroh zur Produktion von Nanozellulose zu nutzen. Nanozellulosefasern sind biologisch abbaubar, etwa tausendmal dünner als menschliche Haare und dabei so fest wie Stahl. Sie eignen sich unter anderem als Rohstoff für Membranen, Verpackungen und feinporige Filterpapiere, die etwa Schwermetalle oder Viren zurückhalten. Der Deutschlandfunk berichtet

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