Liebe Leserinnen und Leser,

Friedhöfe sind per se nicht unbedingt ein Ort, an dem Besucher an neues Leben denken. Dabei zeigen Studien von Berlin bis Brooklyn immer wieder, dass die oft reichlich begrünten Ruhestätten vor allem in urbanen Gebieten eine wichtige Funktion für den Artenreichtum erfüllen. So auch in Österreich: Auf dem Wiener Zentralfriedhof – mit 240 Hektar der zweitgrößte Friedhof in Europa – ruhen nicht nur rund drei Millionen Menschen. Neben Rehen und Hasen finden sich dort auch seltene und gefährdete Arten, wie etwa der Feldhamster oder das Wiener Nachtpfauenauge.

Eine umfassende Untersuchung gab es allerdings noch nicht, weshalb das Institut für Paläontologie der Universität Wien im Rahmen eines Citizen Science-Projekts die Friedhofsbesucher in Österreichs Hauptstadt dazu aufruft, Sichtungen von Tieren zu melden. Wie der Standard berichtet, ist außerdem eine Kooperation mit dem Botanischen Garten geplant, um die dort vorkommenden Pflanzen fachkundig zu dokumentieren.

Mit diesem Lesetipp und natürlich mit unserer Presseschau entlassen wir Sie in die neue Woche. Angenehme Lektüre!

USA dürfen kein CO₂ mehr ausstoßen

Bericht, 3 Minuten Lesezeit

Für die USA ist die Zeit für effektiven Klimaschutz laut einer aktuellen Rechnung bereits abgelaufen: Als erstes großes Industrieland haben die Vereinigen Staaten ihr Pro-Kopf-Budget für klimaschädliche Emissionen erschöpft, das mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit eine weltweite Erwärmung um 1,5 Grad Celsius gegenüber 1850 verhindern würde. Das geht aus dem CO₂-Rechner der wissenschaftlich betreuten Webseite „showyourbudgets“ hervor, die Daten rund um die staatlichen CO₂-Budgets zusammenträgt. 2021 lagen die gesamten US-Emissionen demnach bei etwa 5,5 Milliarden Tonnen CO₂ – doch ab Ende 2021 müssten sie bei null sein: Der historisch größte CO₂-Verschmutzer hätte damit rechnerisch ab 1. Januar 2022 alle seine klimaschädlichen Emissionen einstellen müssen, um seinen Beitrag zum Klimaziel von 1,5 Grad zu leisten. Spiegel Online hat mehr zum Thema

Wirtschaftliche Schäden durch invasive Krebstiere

Bericht, 2 Minuten Lesezeit

Invasive Tiere können immense ökologische Schäden hervorrufen. Dass die lokale Ausbreitung gebietsfremder Tiere nicht nur schlecht für die Artenvielfalt, sondern auch für die Wirtschaft ist, zeigt nun eine Studie. Dafür rechneten Wissenschaftler alle weltweit bekannten ökonomischen Schäden durch invasive Krebstiere zusammen und kamen auf eine stattliche Summe: 236 Millionen Euro an Kosten sollen sie bereits verursacht haben – die Liste ist allerdings lange nicht vollständig. Leider gibt es bei der Erfassung der invasiven Krebstiere und der entstehenden Kosten große Datenlücken: Das fängt bei der Abwesenheit ganzer Kontinente wie Afrika oder Australien an und geht mit fehlenden Daten zu Zeiträumen und Arten weiter. Wir gehen daher davon aus, dass die gemeldeten monetären Kosten stark unterschätzt werden“, erklärt Plilip Haubrock vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt gegenüber natur.de

Klimaneutrale Schifffahrt: Möglich, aber teuer

Hintergrund, 3 Minuten Lesezeit

Um die Pariser Klimaziele zu erreichen und den Klimawandel auf ein annehmbares Maß zu begrenzen, muss auch die Schifffahrt dekarbonisiert werden. Wissenschaftler haben deshalb modelliert, inwiefern sich in der Frachtschifffahrt Antriebe auf Basis klimaneutraler Kraftstoffe realisieren lassen. Dem Ergebnis nach sind fossiler Diesel und Schweröl bei über 90 Prozent der Massengutfrachter-Transporte problemlos durch Ammoniak, Methan oder Methanol ersetzbar – nur Wasserstoff scheint als Öko-Kraftstoff ungeeignet, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature Energy“ berichten. Inwieweit die Ergebnisse auch auf Containerschiffe übertragbar sind, ist allerdings unklar. Näher mit dem Thema beschäftigt hat sich scinexx

Worauf Sie bei der Eichhörnchen-Zufütterung achten müssen

Hintergrund, 3 Minuten Lesezeit

Eichhörnchen waren im Mittelalter schlecht beleumundet, doch inzwischen öffnen sie viele Herzen und können eine große Nähe zum Menschen entwickeln. Manch eine Hilfsorganisation ruft dazu auf, die possierlichen Nager zu füttern. Das sieht man beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) eher kritisch – es besteht keine Gefahr für den Bestand und Eichhörnchen stehen auch nicht unter Naturschutz. Wer es mit der Fütterung zu gut meint, kann schnell Fehler machen: Zuckerhaltige Lebensmittel, auch Brot, sind beispielsweise tabu. Die Tiere können bei Überfütterung verfetten und an Diabetes erkranken. Lebensmittel, die von Eichhörnchen als Wintervorrat gehortet werden und schimmeln, sind ebenfalls ein „No Go“, genauso wie Mandeln oder Erdnüsse. Haselnüsse, Walnüsse, getrockneter Mais, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Rosinen oder Karotten sind dagegen geeignet. Details liefert das Redaktionsnetzwerk Deutschland

Wie gefährlich ist Afrikas explosiver See?

Hintergrund, 13 Minuten Lesezeit

Die dicht besiedelte Stadt Goma liegt am Ufer des Kivu-Sees, der eine geologische Besonderheit darstellt: Er enthält 300 Kubikkilometer gelöstes Kohlendioxid, 60 Kubikkilometer Methan und dazu noch giftigen Schwefelwasserstoff. Der zwischen der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) und Ruanda liegende, malerische See könnte diese Gase in einer sogenannten limnischen Eruption, einem seltenen Phänomen, explosionsartig freisetzen. Dadurch würde schlagartig eine riesige Menge an Treibhausgasen in die Atmosphäre gelangen: Der See enthält umgerechnet 2,6 Gigatonnen CO2, was in etwa fünf Prozent der jährlichen globalen Treibhausgasemissionen entspricht. Doch es droht direkt ein noch größeres Unglück: Wird das Tal der Umgebung mit den erstickenden, giftigen Gasen geflutet, könnten dadurch Millionen von Menschen sterben. Momentan ist nicht klar, ob das Risiko steigt. Hintergründe gibt es beim Spektrum Magazin

Wie Kolonialmächte den Weg für „Wasserkriege“ bereiteten

Hintergrund, 3 Minuten Lesezeit

In Bezug auf die Wasserversorgung ist Afrika extrem verwundbar – zwar verfügt der Kontinent über beträchtliche, bisher nicht genutzte Reserven, aber sie sind sehr ungleich verteilt. Mehr als ein Drittel der Afrikaner lebt in Regionen, die von Dürren bedroht sind. Vor dem Hintergrund der Aussicht auf „Wasserkriege“ ist eine interdisziplinäre Forschungslandschaft zum Thema Wassersicherheit in Afrika entstanden, die jetzt in der Fachzeitschrift „Daedalus“ vorgestellt wird. Wie die Historiker Allen Isaacman und Muchaparara Musemwa einleitend darlegen, hebt die Forschung vier Aspekte der Wasserkrise hervor: die zunehmende Knappheit, Privatisierung sowie Kommodifizierung von Wasser in urbanen Zentren; die Auswirkungen großer Staudämme auf ländliche Regionen; die gesundheitlichen Folgen von Wasserknappheit und schließlich Wasserbewirtschaftung und Wasserpolitik auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Es berichtet faz.net

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