Guten Abend,

wussten Sie, dass am Mittwoch schon zum 22. Mal der Tag gegen Lärm stattfand, eine Aktion der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA e.V? Wenn Sie das nicht mitbekommen haben, waren die vermutlich nicht laut genug. Aber Scherz lass nach: Dass Lärm nicht nur nervt, sondern Gehör- und sonstige Schäden verursachen kann, ist eine Binsenweisheit. Verkehrslärm etwa stört mehr als die Hälfte aller Deutschen, Fluglärm ein Drittel und Schienenverkehr immerhin knapp ein Viertel. Dauerlärm im mittleren Bereich ist übrigens ebenso schädlich wie die wesentlich kürzere Beschallung im Heavy-Metal-Konzert.

„Musik wird oft nicht schön empfunden / weil sie stets mit Geräusch verbunden“, wusste schon Wilhelm Busch, doch selbst wer sie liebt, kann ihren Nebenwirkungen kaum entgehen. Unter Musikern ist Schwerhörigkeit die häufigste Berufskrankheit. Und wer mit Musik aus Kopfhörern den Straßenlärm zu übertönen versucht, tut seinem Gehör auch nichts Gutes. Da landet man schnell im Bereich Motorsäge oder Autohupe, so um die 110 Dezibel. Gewitterdonner kann über 120, Düsentriebwerke 140 Dezibel erreichen. Die Schmerzgrenze soll bei 130 liegen.

Als Innenstadtbewohnerin in der Einflugschneise der ziemlich berühmten Reeperbahn weiß ich natürlich, dass es neben Musik und Motoren (haben wir reichlich) eine erstaunliche Menge von Lautäußerungen gibt, die kleinere und größere Menschengruppen hervorbringen. Streit, Geschrei, schrilles Lachen, alles dabei und Bestandteil praktisch jeden Sommerwochenendes. Und natürlich Gesang oder wenigstens sowas Ähnliches, gern vor oder nach Fußballspielen des Zweitligisten FC St. Pauli. Zu vorgerückter Stunde und mit steigendem Alkoholpegel verhalten sich dessen Schönheit und Lautstärke umgekehrt proportional. Erstere nimmt eher ab, Letztere zu. Es braucht nicht immer 130 Dezibel, um die Schmerzgrenze zu erreichen.

Aber all das wird von ein paar Großevents in den Schatten gestellt. Den Auftakt macht Mitte Mai der ESC, der Eurovision Song Contest, mitsamt Live-Programm. Das ist aber eher ein Warmlaufen für die wirklichen Härtetests. Wie zum Beispiel die Harley Days. An einem Wochenende Ende Juni holen Tausende (im Rekordjahr 2017: 50.000, letztes Jahr „nur“ halb so viele) gutsituierte, meist beleibte ältere Herren (und wenige Damen) aus dem In- und Ausland ihre sogenannten Kultmotorräder aus der Garage und düsen nach Hamburg. Dort blubbern sie dann von Donnerstagnachmittag bis Sonntagabend ununterbrochen zwischen Reeperbahn und Hafenrand hin und her, am liebsten im Verband. Für die Biker selbst die Erfüllung aller Easy-Rider-Träume, für Gastronomie, Hotellerie und Harley-Händler traumhafte Umsätze, für alle Nichtmotorradfans ein Albtraum. Eine seit 2016 geltende Lärmobergrenze gilt s nur für neue Motorräder, die anderen genießen Bestandsschutz. Dieser mehrtägigen Lärmfolter, die wir dem ehemaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) verdanken, entziehen wir uns alle Jahre wieder durch Urlaub.

Kaum sind wir wieder zurück, steigt der Schlagermove. Dabei drehen um die 40 Trucks, begleitet von sonderbar kostümierten Menschen jeden Alters, im Schritttempo eine Runde durch, genau, Hafenrand und Reeperbahn. Aus jedem dröhnt ein anderer deutscher Schlager. Wer nicht so auf „Fiesta Mexicana“ oder „Schöne Maid“ steht, verlässt besser vorübergehend den Stadtteil. Der Spuk ist zum Glück nach ein paar Stunden vorbei, die Stadtreinigung nimmt sich der Müllberge an und die Dixie-Klos werden wieder abtransportiert. Jetzt haben wir das Schlimmste überstanden. Noch ein paar Konzerte und Festivals, dann beginnt ab Herbst die ruhigere Zeit, von Silvester mal abgesehen.

Beim normalen Straßenverkehr immerhin dürfte sich infolge der Elektrifizierung auch lärmtechnisch was tun. Viele Städte rüsten ihre Busflotte um auf E-Mobilität und/oder Wasserstoff, so auch Hamburg: 2030 soll der letzte Dieselbus von den Straßen der Stadt verschwunden sein. Gerade wurde ein nagelneuer E-Bus-Betriebsbahnhof in Betrieb genommen. Ob es wohl die Harley Days 2030 noch gibt? Es wäre das 28. Mal. Harley Davidson klagt über Absatzprobleme bei der jüngeren Generation. Strafzölle als Reaktion auf Trump tun ein Übriges. Aus lauter Verzweiflung hat die Firma aus Milwaukee jetzt begonnen, Elektromotorräder zu bauen. Kostenpunkt des Modells LiveWire: 30.000 US-Dollar. Ein Klacks für die betuchte Kundschaft. Aber für deren Geschmack wahrscheinlich viel zu leise.   

Pssst! // Unsere Leseempfehlung zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

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