Greenpeace Magazin Ausgabe 1.98

Rostfraß an Giftgasmunition

Unterwasser-Stromkabel in der Ostsee hat ungeahnte Nebenwirkungen.

Rapide rostende Straßenbahnschienen zwangen die schwedische „Sydkraft“ zum Geständnis: Die Korrosion durch das mit dem deutschen Stromgiganten „PreussenElektra“ betriebene „Baltic Cable“ sei wesentlich schlimmer als vorhergesagt. Bis zu 22 Kilometer vom Kabel entfernte Bahngleise und Rohrleitungen, Kaianlagen und sogar Schiffe sind von forciertem Rostfraß befallen. Weil den Konzernen ein zweiadriges Kabel zu teuer war, verläuft nur eine einadrige Leitung durch die Ostsee. Physikalische Folge: Durch Elektrolyse werden hochgiftige Chlorverbindungen und aggressive Laugen freigesetzt. Besondere Sorge bereitet Umweltschützern das beschleunigte Rosten von Giftgasmunition, die nach dem 2. Weltkrieg in der Ostsee versenkt wurde und ohnehin in schlechtem Zustand ist. Die Trasse eines Kabels zwischen Schweden und Polen soll direkt an Giftgaslagern vorbei führen. Von derlei Besorgnissen zeigen sich die Stromfürsten wenig beeindruckt. PreussenElektra plant vielmehr ein weiteres Kabel. Dies soll dann norwegischen Strom durch das deutsche Wattenmeer leiten.