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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.11

SERVICE – regional einkaufen

Produkte aus der Umgebung sucht man im Supermarkt wie die Nadel im Heuhaufen. Deshalb haben sich viele Menschen darüber Gedanken­ gemacht, wie man an regionale­ Lebensmittel kommen kann. Gemeinschaftlich organisiert­, direkt nach Hause geliefert, frisch vom Feld oder professionell vermarktet – wir zeigen Ihnen, wie viel Spaß regionales Einkaufen machen kann.

FOODCOOP
www.foodcoops.de
www.coops.bombina.net/wiki/Foodcoop

Der Sinn einer Lebensmittel-Kooperative ist es, gemeinsam einzukaufen. Zusammen bestellen die Mitglieder große Mengen bei Erzeugern, Großhändlern oder Läden. Weil die Kosten von Handelswegen entfallen, wird der Einkauf günstiger. Die Einkaufsgemeinschaft hat auch eine politische Dimension, denn mit der gebündelten Nachfrage können die Mitglieder etwa ökologische, regionale oder faire Produktion fördern. Es gibt unterschiedliche Arten von Foodcoops: von Bestellgemeinschaften über Kooperativen mit eigenen Lagerräumen bis zu Vereinen mit eigenen Angestellten. Jeder muss sich in die Gemeinschaft einbringen, dadurch findet man aber auch Kontakt zu gleichgesinnten Besser-Essern. Der Preis variiert je nach Verbrauch und Kooperative.

KOMMTESSEN
www.kommtessen.de

Wie wäre es, wenn jemand Ihren Speiseplan für die nächsten Tage plant, alle Zutaten einkauft und Ihnen die Tüte mit Rezepten an die Haustür bringt? Genau das macht „KommtEssen“. Beim Einkauf achten die Macher auf Regionalität, Bio und CO2-Bilanz. Die Produkte kommen vom örtlichen Großmarkt, wenn möglich wählen sie dort Erzeugnisse aus der Umgebung aus, Flugware ist ausgeschlossen. Fünf Mahlzeiten für vier Personen kosten 87 Euro, für Neukunden gibt es das 49-Euro-Testangebot.

KUHAKTIE
www.kattendorfer-hof.de/kuhaktie
www.gemeinschaft-altenschlirf.de/19.html#

Die Kuh als Geldanlage – auf dem Kattendorfer Hof bei Hamburg ist das möglich. Mit einer 500-Euro-Kuhaktie kauft man sich dort einen Teil der Herde und sorgt damit für deren Fortbestand und Aufbau. Der Aktieninhaber entscheidet, ob er die Dividende in bar oder in Naturalien – also Fleisch, Milchprodukte oder Gemüse – ausgezahlt bekommt. Für Kuhfreunde mit kleinerem Geldbeutel bietet der Demeter-Hof die Kalbaktie für 100 Euro. Die Gemeinschaft Altenschlirf bei Fulda hat ein ähnliches Konzept.

DIREKTVERMARKTER
www.gutesvomland.de
www.mensa-regio.de


„Gutes vom Land“ bringt Interessenten und Anbieter zusammen. Hier findet sich eine Datenbank von Direktvermarktern. Über Postleitzahl und Produktwunsch gelangen Sie zum Bauern, Gärtner oder anderen Betrieben aus Ihrer Umgebung, die ihre Produkte selbst vermarkten.

DER PAKT MIT DEN BAUERN
Verbraucher und Landwirt versorgen sich gegenseitig

Der Name ist kompliziert: Community Supported Agriculture (CSA), zu Deutsch Landwirtschaftsgemeinschaft. Das Prinzip ist simpel: Der Bauer versorgt mich, und ich versorge den Bauern.

Verbraucher können sich in Gruppen zusammenschließen und ihren Partner-Hof monatlich finanziell unterstützen. Der beliefert seine Geldgeber im Gegenzug wöchentlich mit frischen Produkten. Für beide Seiten bringt das System enorme Vorteile: Der Bauer hat einen gesicherten Abnehmer zu einem gemeinsam ausgehandelten Preis. Er kann eine große Vielfalt anbauen, die sich für einen konventionellen Bauern nicht rechnen würde. Und er kann seinen Hof nachhaltig betreiben – viele Landwirtschaftsgemeinschaften sind Ökohöfe. Auf der anderen Seite bekommt der Verbraucher wöchentlich frische Lebensmittel direkt vom Feld. Das Verhältnis zwischen Produzent und Konsument ist eng, oft beschließen sie gemeinsam, was eingepflanzt werden soll. Allerdings trägt jeder auch das Risiko einer Missernte mit.
Die Abholung unterscheidet sich je nach Hofgemeinschaft: Manche fahren direkt zum Hof, viele mieten sich ein kleines Depot in der Stadt, aus dem sich jedes Mitglied individuell bedienen kann. Das Sortiment reicht von Obst und Gemüse bis zu Eiern, Fleisch und Käse – je nach Angebot des Hofes. Die Kosten belaufen sich auf 120 bis 150 Euro im Monat, in der Regel verpflichtet man sich für ein Jahr. In Deutschland und der Schweiz arbeiten jeweils schon mehr als 20 Bauern mit dem CSA-Modell, in Österreich stellt der erste gerade um. Weit verbreitet ist das Konzept in den USA und in Japan.
www.solidarische-landwirtschaft.org
www.solidarische-oekonomie.de (Suchwort „Solidarhof“)
www.sofar-d.de/files/665&de

SELBSTBEDIENUNG AM FELD
Am leckersten ist Obst oder Gemüse direkt vom Feld – wenn man also die Erdbeeren, Radieschen oder Kürbisse selbst aussucht und vom Dreck befreit. Viele Bauern bieten Selbstbedienung auf ihren Feldern an, bezahlt wird auf Vertrauensbasis am unbemannten Kassenhäuschen. Ein schönes Relikt aus vergangenen Zeiten, in denen noch nicht „Geiz ist geil“ regierte – zu finden nur mit wachen Augen und zu nutzen nur mit ehrlicher Haut.

FRISCHES FLEISCH
www.slowfood.de/slow_food_vor_ort

Die hochwertige Alternative zu Hybridschwein, Masthuhn und Hochleistungsrind: Fleisch direkt vom Kleinerzeuger. Einige Bauern haben sich auf längst vergessene alte Rassen spezialisiert, die für die Massenzucht nicht geeignet sind. Sattelschweine, Heidschnucken oder Galloway-Rinder halten und schlachten sie artgerecht. Das Fleisch ist zwar nur zu Schlachtzeiten verfügbar, dafür wird es aber häufig frei Haus geliefert. Größere Mengen reichen eingefroren für ein ganzes Jahr. Informieren Sie sich bei der nächsten Slow-Food-Gruppe über das Angebot in Ihrer Nähe.

REGIONALINITIATIVEN
www.reginet.de
www.regionalbewegung.de

Im Supermarkt sind Produkte aus der Umgebung schlecht bis gar nicht zu finden. Hilfreich bei der Suche sind die Datenbanken der Regionalinitiativen. Neben Lebensmitteln aus der Region gibt es dort auch viele andere Angebote, wie Pflanzen, Restaurants oder Anbieter von erneuerbaren Energien.

FAHRRAD-LIEFERSERVICE
www.thijl.nl

Junge Nachahmer willkommen: Der Amsterdamer Thijl Klerkx hat einen kleinen Lieferservice für biologische Lebensmittel gegründet. Mit einem quietschgrünen Kastenfahrrad liefert der 17-Jährige seinen Kunden den Einkauf bis an die Haustür. Die bestellen online und können unter mehr als 1500 Produkten wählen.

GEMÜSEKISTE IM ABO
Praktisch und umweltschonend

Frisches vom Feld im Abo: Die Gemüsekiste liefert der Landwirt vor die Haustür. Sie lässt sich flexibel bestellen und bestücken. Zudem schont sie die Umwelt, denn sie spart Einkaufswege und Verpackungsmüll. Je nach Größe und Bestückung liegt der Preis zwischen zehn und 20 Euro. Netter Nebeneffekt: Man lernt neue Gemüsesorten kennen, und häufig liegen Rezeptideen bei. Das Gemüsekisten-Abo gibt es in ganz Deutschland. Unter den Internetadressen können Sie den nächsten Anbieter in Ihrer Umgebung finden.
www.gemuesekiste.de
www.bioland.de/kunden/einkauf.html

GEMEINSAME MARKE
www.unserland.info

Landwirtschaftliche Betriebe rund um München haben sich unter der Marke „Unser Land“ zusammengeschlossen. Ihre Produkte werden in mehr als 600 Läden verkauft – das sichert den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft, der Kulturlandschaft, Arbeitsplätze und kurze Transportwege. Langfristig strebt die bayrische Initiative zudem eine komplette Umstellung auf ökologischen Landbau an.

HEIMATFREUNDE
www.heimat-braucht-freun.de

Der BUND-Landesverband Niedersachsen führt eine Datenbank über regionale Erzeuger und Dienstleister. Ob Fleischspezialitäten, Obst, Milchprodukte oder Ferien auf dem Bauernhof – klicken Sie sich durch das reichhaltige Angebot des zweitgrößten deutschen Bundeslandes.

WOCHENMARKT
www.gemeinsam-handeln.de
www.marktgilde.de/markt/content.php

Was hier angeboten wird, ist frisch und kommt größtenteils aus der Umgebung. Marktschreier, die lautstark ihre Ware anpreisen, sorgen außerdem für eine einzigartige Atmosphäre. Im Gegensatz zum anonymen hektischen Supermarkt ist der Wochenmarkt ein sozialer Treffpunkt. Freunde treffen sich hier zum Plausch, und der eigentliche Einkauf wird fast zur Nebensache. 3000 bis 5000 solcher Märkte gibt es in Deutschland. Ihr großer Vorteil ist die Nachvollziehbarkeit der Produktionskette: Die Händler können Auskunft über Art und Herkunft ihrer Ware geben. Aber nicht alles, was auf dem Wochenmarkt verkauft wird, kommt aus der Region. Viele Stände kaufen fremde Lebensmittel zu – auch aus dem Ausland. Nachfragen lohnt sich also.