Guten Abend,

Schluss mit lustig! Jetzt wird gefastet. „Sieben Wochen ohne“ lautet die Devise. Ohne was darf’s denn sein? Wenn es nach der evangelischen Kirche geht: ohne Zukunftsangst und Misstrauen. „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“, lautet ihr Motto in diesem Jahr.

Pessimismus lasse sich doch nicht einfach abstellen, sagte der Philosoph und Autor Alexander Grau im Deutschlandfunk. Aussagen à la „Wir kriegen das schon hin“, wie es im Vorwort des Fastenkalenders heißt, geißelte er als „dümmliches Life-Coach-Gequatsche, das man an jeder Ecke bekommt von irgendwelchen Lebensberatern“.

Im Christentum, so der Philosoph, sei Hoffnung traditionell im Jenseits verortet gewesen. Fasten bedeute Verzicht und Askese. Ob und wie gut das Programm der katholischen Kirche mit dem Motto „Gib Frieden – knüpfe Verbindungen“ oder eine Aktion wie das „Klimafasten“ mit Stromsparen und plastikfreiem Alltag diese Anforderungen erfüllt, stand nicht zur Debatte.

Verzicht und Askese, dazu fällt den meisten eher Naheliegendes ein. In einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der DAK, worauf sie am ehesten verzichten würden, nannten 73 Prozent der Befragten Alkohol, 67 Prozent Süßigkeiten und 46 Prozent Fleisch, gefolgt von Fernsehen (39 Prozent), Rauchen (38 Prozent), Handy/Computer (29 Prozent) und Auto (immerhin 20 Prozent).  

Moment mal. Ein knappes Drittel glaubt also, sieben Wochen lang auf Handy oder Computer verzichten zu können? Nehmen wir mal an, es geht um die Privatnutzung, denn der Computer im Büro dürfte eher nicht gemeint sein. PC daheim nicht hochfahren, das klappt ja vielleicht noch. Aber 65 Millionen Deutsche haben praktisch ihr ganzes Leben in ihrem Smartphone gespeichert, das als Kontakt- und Infobörse, Adressbuch, Fotoarchiv und Bibliothek to go fungiert, und da könnte es schwierig werden mit der Abstinenz.

Eine Studie von 2016 im Auftrag der Softwarefirma Dscout aus Chicago ergab, dass Smartphones durchschnittlich 2617-mal pro Tag berührt wurden, sicher öfter als alles andere in Reich- oder Sichtweite, Mensch, Tier, Pflanze, Mineral oder was auch immer. Schwerstabhängige bringen es übrigens auf mehr als doppelt so viele Berührungen. Macht für den Durchschnittsmenschen knapp zweieinhalb, für Härtefälle drei Stunden 45 Minuten Kontakt mit dem digitalen Liebling.

Ohne E-Mail im Café, twitterlos im Zug, kein Whatsapp in der Kassenschlange und nicht chatten an der Bushaltestelle? Das dürfte so enden wie Mark Twains Versuche, vom blauen Dunst loszukommen. „Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft“, soll der amerikanische Schriftsteller gesagt haben. Als Entzugskrücke haben Google und Apple allerlei trickreiche Apps (!) und andere Funktionen ersonnen, damit nicht zu viel Lebenszeit auf Nimmerwiedersehen im digitalen Orkus verschwindet. Klingt wie ein Abstinenzschnäpschen vom Spirituosenhersteller, aber vielleicht wirkt es ja.

Falls nicht, Google bietet auch analoge Bastelarbeiten in Form von Papierumschlägen an, die man selbst ausdrucken, ausschneiden und zusammenkleben muss, um das Smartphone darin einzutüten. Vor der Nutzung muss erst der Umschlag zerrissen werden. Eine Firma namens Yondr stellt Taschen mit Magnetverschluss her, die sich nur mithilfe eines anderen Magneten wieder öffnen lassen. Unverbesserlichen Rückfalltätern bleibt als letztes Mittel eine Box mit Zeitschaltuhr, die eigentlich den unbefugten Zugriff von Kindern auf Kekse oder Schokolade verhindern soll.

Oder man legt sich, Gipfel der Askese, zusätzlich zum Smartphone ein Zweitgerät zu, das gerade mal so viel kann, dass man nicht ganz von der Außenwelt abgeschnitten ist. Wie die Klappdinger aus der Handysteinzeit, wissen Sie noch? Ganz unter uns: Ich habe so eins als Erstgerät und bin damit vollauf zufrieden. So wie der legendäre Investor Warren Buffett, bis ihn irgendwer überzeugte, sich im zarten Alter von 89 doch endlich ein Smartphone zuzulegen. Hat er gemacht. Und was tut er damit? Sie werden es nicht glauben. Er telefoniert.

Smart fasten

Kerstin Eitner
Redakteurin

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