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Stadt, Land, Flut

Greenpeace Magazin Ausgabe 6.17

Stadt, Land, Flut

Text: Michael Kimmelmann Foto: Josh Haner

Die Niederlande betrachten den Klimawandel weder als rein hypothetisch noch als wirtschaftliche Belastung, sondern als Chance. Wie das Land der Herausforderung des steigenden Meeresspiegels begegnet, lässt sich in Rotterdam besonders gut beobachten

Der Wind über dem Kanal wirbelt kleine schaumgekrönte Wellen auf und rüttelt an den Sonnenschirmen der Cafés. Ruderer legen sich kräftig in die Riemen, um die Ziellinie zu erreichen, die Küste ist von Zuschauern gesäumt. Henk Ovink, Raubvogelprofil, drahtig, rasierter Kopf, schaut von einem VIP-Deck aus zu, ein Auge auf die Ruderboote, das andere, wie üblich, auf sein Telefon gerichtet.

Ovink ist als Handelsvertreter der Niederlande in Sachen Meeresspiegelanstieg und Klimawandel in der ganzen Welt unterwegs und vermarktet die Kompetenz seines Landes. Wie Käse in Frankreich oder Autos in Deutschland ist der Klimawandel in den Niederlanden ein Geschäft. Allmonatlich drehen Delegationen aus so weit entfernten Städten wie Jakarta, Ho-Chi-Minh-Stadt, New York und New Orleans ihre Runden in der Hafenstadt Rotterdam. Häufig engagieren sie anschließend niederländische Firmen, die den globalen Markt des High-Tech-Ingenieurwesens und des Wassermanagements beherrschen.

Weil schon die ersten Siedler damit begannen, Wasser abzupumpen, um Land für Bauernhöfe und Wohnhäuser zu gewinnen, war Wasser stets der zentrale und existenzielle Faktor des täglichen Lebens in den Niederlanden, eine Frage des Überlebens und der nationalen Identität. Nirgendwo in Europa ist die Bedrohung größer als in diesem wassergesättigten Land am Rand des Kontinents. Zu einem großen Teil liegt es unter dem Meeresspiegel und sinkt allmählich ab. Jetzt bringt der Klimawandel auch noch die Aussicht auf steigende Fluten und heftigere Stürme mit sich.

Nach der niederländischen Denkweise ist Klimawandel nichts Hypothetisches und auch kein Klotz am Bein der Wirtschaft, sondern eine Gelegenheit. Während die Regierung Trump sich aus der Klimavereinbarung von Paris zurückzieht, leisten die Niederländer einzigartige Pionierarbeit. (...)

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