Guten Abend,

„Stadtluft macht frei“, hieß es im Mittelalter, denn selbst Leibeigene konnten hier im Gewühl untertauchen und ihren Grundherren entkommen. Die Stadt ist zugleich ein Sehnsuchtsort, der die Menschen magisch anzieht, und ein Moloch, in dem der Einzelne unbemerkt untergehen kann. Wie sang doch Frank Sinatra in „New York, New York“: „If I can make it there/I’ll make it anywhere“ – wenn ich es dort schaffe, werde ich es überall schaffen.

Ob man das Stadtleben nun mag oder verabscheut, heute lebt schon mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten, 2050 könnten es knapp 70 Prozent sein. Hier blühen gesellschaftliches Leben, Wohlstand, Bildung, Kultur und Innovationen ebenso wie Korruption, Verbrechen, Bausünden, Müll- und andere Umweltprobleme. Aber wo sich die Probleme bündeln, wird auch eifrig an Lösungen gewerkelt. Zum Beispiel beim Klimawandel, denn schließlich tragen Städte mehr als 70 Prozent zum Ausstoß an Treibhausgasen bei.

Immer mehr Stadtoberhäupter und -verwaltungen merkten Anfang des 21. Jahrhunderts, dass ihre jeweiligen Regierungen nicht so recht vorankamen mit Umwelt- und Klimaschutz. 2005 ergriff der damalige Londoner Bürgermeister Ken Livingstone die Initiative und gründete das Städtenetzwerk C20 – C wie Cities. Schon bald wurde es wegen steigender Mitgliedszahlen in C40 umbenannt.

Es müsste sich eigentlich wieder umbenennen, denn heute hat es bereits 94 Mitglieder weltweit, nicht nur Megastädte wie London und Berlin (na ja, verglichen mit Tokio, Delhi oder Shanghai ist Berlin eine Kleinstadt), sondern auch Heidelberg mit seinen gut 160.000 Einwohnern, das vor allem bei der nachhaltigen Mobilität als Klimavorreiter gilt. Wer das Ganze jetzt für Pillepalle hält, führe sich vor Augen: Das Netzwerk repräsentiert insgesamt mehr als 650 Millionen Menschen und ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung, verbunden mit 2,4 Milliarden Tonnen CO2-Ausstoß.

Vom 9. bis 12. Oktober haben die C40 in Kopenhagen einen Kongress abgehalten. Sie kamen überein, in Zukunft den Klimaschutz zur Priorität bei allen stadtplanerischen Entscheidungen zu machen, um das Ziel von maximal 1,5 Grad Erderwärmung einzuhalten. Über zwei Dutzend von ihnen wollen bis 2050 klimaneutral sein. Emissionsfreies Bauen, kompletter Umstieg auf E-Busse, Verzicht auf Plastik, Ausrufung des Klimanotstands, Luftreinhaltung – allerhand Maßnahmen sind in Planung oder Umsetzung. 30 Städte können übrigens bereits auf sinkende CO2-Emissionen gegenüber ihrem jeweiligen Höchststand verweisen, darunter London, Berlin, Madrid, Austin (Texas), Athen, Lissabon, Venedig – und Heidelberg. An der Spitze liegt, wen wundert’s, Gastgeber Kopenhagen, das seine Emissionen gegenüber 1991 um 61 Prozent gesenkt hat.

Zum neuen Vorsitzenden und Nachfolger der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo wählten die C40 Eric Garcetti, Bürgermeister von Los Angeles. Der hat sich vorgenommen, bei UN-Chef Antonio Guterres für mehr Mitspracherechte der Städte bei den Klimaverhandlungen zu werben. Man würde ja gern mit den nationalen Regierungen an einem Strang ziehen, so Garcetti, könnte sich im Konfliktfall aber durchaus eigenständig für Klimaschutz einsetzen. Da meinte er wohl sein eigenes Land. Präsident Trump hat 2017 den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt. Als Reaktion darauf haben Städte, Bundesstaaten, Bezirke und Stämme, Schulen, Universitäten, Unternehmen, Religionsgemeinschaften und Investoren in den USA übrigens auch eine nationale Klimakoalition gegründet. „We are still in“ (Wir sind immer noch dabei) hat, Stand heute, 3.807 Mitglieder.

Ob die USA wirklich aus dem Abkommen aussteigen, wird sich zeigen. Denn die Sache hat einen klitzekleinen formalen Haken: Der Schritt kann erst 2020 vollzogen werden, und zwar einen Tag nach der nächsten Präsidentschaftswahl. Ein neuer Präsident oder eine neue Präsidentin könnte ihn dann umgehend wieder rückgängig machen. Egal, wie es ausgeht, das Zeitfenster zum Handeln schließt sich. Je mehr Städte also mit gutem Beispiel vorangehen, desto besser.

Stadtzukunft, Zukunftsstadt

Kerstin Eitner
Redakteurin

PS: Ein mahnendes Beispiel, wie wir uns die Zukunft der Städte nicht vorstellen, zeigt unser Titelplakat Klimaanpassung.

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