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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.10

Stark ohne Steak

Text: Jennifer Giwi

Vegane Ernährung und Bodybuilding – unmöglich! Ein weit verbreitetes Vorurteil, das aber Quatsch ist“, sagt Alexander Dargatz, Arzt und Bodybuilder. Er zeigt, dass Kraftsport auch ohne tierisches Eiweiß möglich ist

Seit seiner Kindheit ist Batman sein Vorbild. Weil er kein typischer Superheld ist, dem wie Spiderman übermenschliche Kräfte in den Schoß gefallen sind. Und weil er sich seinen Erfolg erarbeitet hat, durch hartes Training, Willenskraft und Intelligenz. So war es auch bei Alexander Dargatz. Er hatte nicht die körperliche Veranlagung fürs Bodybuilding – aber die mentale.

Wenn man den jungen, muskulösen Arzt so sieht, mag man kaum glauben, dass der 33-Jährige seit zehn Jahren ganz und gar auf Fleisch, Fisch, Käse und Eier verzichtet. Der vegan lebende Bodybuilder beweist, dass harte Männer kein Fleisch essen müssen: Sie können auch ohne Steaks stark sein.

Dabei war Alexander Dargatz im Schulsport lange Jahre eine Niete: „Ich konnte nicht gut mit Bällen umgehen, und laufen konnte ich auch nicht, weil ich scheppe Knie habe“. Dargatz lebt in Kalkar-Wissel am Niederrhein. Ein Naturidyll. Viele sind hier ein bisschen anders, essen bio, haben Solaranlagen auf dem Dach. Auch Dargatz ist ein bisschen anders, einer, der nachdenkt – und der andere zum Nachdenken bringen will: Auf seinem T-Shirt steht „Think“. Darunter ist das Bild einer dicken Frau zu sehen, die vor einem Fernseher sitzt und in die Röhre stiert.

Dargatz’ Tag beginnt mit Obst, Proteinpulver und Kokosfett. Der vegane Speiseplan sei gar nicht so eingeschränkt, sagt er. „Veganismus ist keine Sekte, keine Religion, es gibt keinen Oberveganer, der einem sagt, was man zu essen hat.“ Alles eine Frage der Einstellung. Man dürfe sich eben kein gängiges deutsches Gericht vorstellen: „Nach dem Motto: kein Fleisch – Schnitzel weg, keine Milch – Kartoffelbrei weg, bleiben also nur die Erbsen übrig.“

Mit 16 nahm sein Leben die entscheidende Wendung: Im Judoverein hatte er erste Erfolgserlebnisse, schaffte 100 Liegestütze am Tag. Mit 18 dann beschloss er, Bodybuilder zu werden. Danach ging alles Schlag auf Schlag. Mit 21 holte er seine ersten Titel beim Großen Preis von Hessen und Rheinland-Pfalz. Mit 28 war er Weltmeister im Bodybuilding.

Zum Veganismus kam er früh: Mit 22 Jahren las er das Buch „Ernährung für ein neues Jahrtausend“ von John Robbins. Dargatz befand sich damals mitten in seinem Medizinstudium, büffelte fürs Physikum. Nebenbei – „Think!“ – beschäftigten ihn viele ethische Fragen: „Schon bevor ich das Buch las, erkannte ich, dass alles, was ich tue, nicht nur persönliche Konsequenzen hat“, sagt er. Er beschloss, dass fortan keine Tiere mehr sterben sollten, um ihn zu ernähren. Mit dem Kraftsport machte er weiter, investierte 30 Stunden pro Woche in sein Training.

Für das Bodybuilding sei seine vegane Ernährungsweise unerheblich, sagt Dargatz. Mangelerscheinungen habe er keine, viermal hat er sein Blutbild untersuchen lassen, alles ist in Ordnung. Sicherheitshalber nimmt er aber doch Vitamin-Ergänzungspräparate, der Mann ist schließlich Arzt.

Apropos Arzt – ist es kein Gewissenskonflikt für ihn, dass er Medikamente verschreibt, für deren Entwicklung Tiere gestorben sind? Dargatz wirkt gereizt. Er selbst unterstütze den Verein „Ärzte gegen Tierversuche“, sagt er, gehe aber nicht so weit, ein Medikament deswegen nicht einzusetzen, weil es an Tieren getestet wurde. „Dennoch kann ich Tierversuche nicht gutheißen.“ Überhaupt, immer diese Klischees! Veganer müssten doch nicht automatisch Mitglied bei Tierschutzorganisationen sein, entgegnet er. „Genauso könnte jemand, der zu McDonald’s geht, sich doch auch für Menschenrechte engagieren!“

Link
www.veganstrength.de
Dargatz´ Seite zu veganer Ernährung und Kraftsport