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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.18

Thomas Klefoth verwandelt Seen

Wegweiser: Thomas Klefoth belebt Baggerseen.
Früher wurde hier Kies, Lehm oder Ton abgebaut, später klafften Löcher in der Landschaft. Heute befindet sich an solchen Stellen einer der häufigsten Gewässertypen Deutschlands: der Baggersee. Für Laien ist er zum Baden gut, für Thomas Klefoth eine echte Herausforderung. „Die Baggerseen sind oft tief und haben steile Ufer. Es dringt nur wenig Licht bis zum Boden, für Fische und Pflanzen gibt es darum wenig Lebensraum“, erklärt der Biologe. Klefoth arbeitet für den Anglerverband Niedersachsen, er will gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und der TU Berlin die Artenvielfalt in Baggerseen fördern.

Und zwar vor allem so: Angler und Forscher werfen tonnenweise totes Holz in die Seen. „Wir befestigen Bündel aus kleinen Ästen in Ufernähe, das bringt Leben in den See“, sagt Klefoth. Unter Wasser – so der Plan – finden dort Fische, Libellenlarven und Krebstiere Nahrung und Schutz, an der Oberfläche können Insekten und Vögel das Totholz als Lebensraum nutzen. Seit März 2018 gibt es zwanzig Testseen. In den nächsten vier Jahren wird erforscht, was sich in den Gewässern tut. „Ein artenreicher Baggersee ist nicht so einfach zu erkennen“, sagt Klefoth, „aber wenn Biberburgen zu sehen sind, wenn man seltene Vögel wie die Rohrdommel hört und Libellen herumfliegen sieht, dann sind das gute Zeichen: Solche Seen brauchen wir!“

Der Einsatz der Angler sei natürlich nicht uneigennützig, sagt Klefoth. Er selbst angelt seit Kindheitstagen. Angler nutzten die Natur zwar, seien aber auch diejenigen, die sich am meisten mit der heimischen Fischwelt beschäftigten. „Wer einmal die Fischperspektive eingenommen hat, sieht Gewässer mit anderen Augen“, sagt der 39-Jährige. Hunderte Angler halfen tatkräftig bei der Umsetzung des Vorhabens mit – auch wenn das heißt, dass sie in 16 der zwanzig Seen bis 2022 nicht angeln dürfen. Hier heißt es zunächst: Abwarten. Aber darin sind Angler ja Experten.
bit.ly/bagger_see