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Ai Weiwei und Aktivisten fordern mehr Engagement für Hongkong

Berlin (dpa) - Im Kampf um Freiheit und Menschenrechte in Hongkong haben die Aktivisten Joshua Wong und Nathan Law sowie der chinesische Künstler Ai Weiwei mehr Engagement von Deutschland gefordert. «Es ist Zeit, dass Deutschland und die EU die Maßregelungen gegen Hongkong nicht mehr hinnehmen», sagte der per Video zugeschaltete Wong bei einer Podiumsdiskussion der Cinema for Peace Foundation am Dienstag in Berlin. Der Regierungskritiker war am vergangenen Donnerstag von der Hongkonger Polizei vorübergehend festgenommen worden. Erst nach mehreren Stunden kam der 23-Jährige wieder auf freien Fuß.

Wong forderte zudem, dass Vertreter des deutschen Konsulats in Hongkong seine Gerichtsverhandlung an diesem Mittwoch (Ortszeit) beobachten sollen. «Ich kann für bis zu fünf Jahre ins Gefängnis kommen wegen einer nicht genehmigten Versammlung und für ein Jahr wegen Tragens einer Maske», schrieb Wong auf Twitter.

Der für die Debatte nach Berlin zurückgekehrte chinesische Künstler und Dissident Ai Weiwei, der inzwischen in Großbritannien lebt, warf Deutschland unterdessen ein blamables Verhalten im Umgang mit Hongkong vor und forderte, die Menschenrechte und -würde wieder zu beherzigen. «Wenn wir diese Werte opfern, um einen kurzzeitigen finanziellen Profit zu bekommen, wäre das eine Tragödie», mahnte der 63-Jährige mit Blick auf die wirtschaftlichen Verbindungen Deutschlands und der EU zur Volksrepublik. China sei ein irrationaler und unberechenbarer Partner. Das könne ein Desaster in der Zukunft zur Folge haben.

Der im Exil in Großbritannien lebende Hongkong-Aktivist Nathan Law warnte davor, China als einen strategischen Partner zu sehen. «Es ist ein autoritäres System», sagte der per Video zugeschaltete 27-Jährige. Die Wirtschaftsinitiative Neue Seidenstraße habe immer gezeigt, dass China der König der Welt werden wolle, erklärte er weiter. Law hatte unter anderem von anderen Ländern gefordert, die Winter-Olympiade 2022 in Peking zu boykottieren.

Im Zusammenhang mit dem Kampf um Menschen- und Freiheitsrechte in Hongkong steht ein hoch umstrittenes Sicherheitsgesetz. China hatte dies Ende Juni verabschiedet. Es richtet sich gegen Aktivitäten, die China als subversiv, separatistisch oder terroristisch ansieht. Es ist der bisher weitestgehende Eingriff in Hongkongs Autonomie und gibt Chinas Staatssicherheit weitreichende Vollmachten. Hongkongs demokratische Opposition geht davon aus, dass das Gesetz auf sie abzielt.

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