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Dutzende junge Flüchtlinge fliegen von Athen nach Deutschland

Die Rettung von Minderjährigen aus den berüchtigten Migrantenlagern im Osten der Ägäis kommt ein Stück voran. Diesmal nimmt Deutschland Dutzende Minderjährige auf, die auf eine bessere Zukunft hoffen. Athen (dpa) - Gut 50 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus den überfüllten Camps in Griechenland werden am Samstag nach Deutschland ausgeflogen. Die Kinder aus den Lagern der Inseln Samos, Chios und Lesbos sollen am Vormittag von Athen ins niedersächsische Hannover gebracht werden. Den Transfer haben das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR), die EU sowie die Regierungen in Athen und Berlin organisiert, wie das Migrationsministerium in Athen weiter mitteilte. Es ist bereits die zweite Umsiedlung von Minderjährigen: Am Mittwoch waren zwölf Jugendliche von den Inseln nach Luxemburg gebracht worden. Insgesamt sollen in den kommenden Wochen 1600 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Griechenland in andere EU-Staaten gebracht werden. «Deutschland hält Wort und zeigt Solidarität», sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) der «Bild am Sonntag». «Ich gehe davon aus, dass unsere europäischen Partner damit beginnen, ihre Zusagen nun ebenfalls sobald wie möglich umzusetzen», fügte er hinzu. Das Verfahren ist kompliziert, weil es sich um Minderjährige handelt. Zahlreiche Behörden und Organisationen sind an der Verteilung beteiligt. «Wir haben mit diesen ersten Umsiedlungen Erfahrung gesammelt und können nun das Verfahren beschleunigen», sagte der stellvertretende griechische Migrationsminister Giorgos Koumoutsakos am Freitagabend der Deutschen Presse-Agentur. «So sollte europäische Solidarität funktionieren», sagte EU-Migrationskommissarin Ylva Johansson der «Welt». Sie ergänzte: «Ich bin stolz darauf, wie schnell sich die Dinge bewegt haben. Am 12. März war ich in Athen und habe versprochen, dass acht Länder bereit wären, unbegleitete Minderjährige von den griechischen Inseln aufzunehmen. Jetzt, einen Monat später, können wir dieses Versprechen einlösen - trotz der Herausforderungen durch Covid-19.» Die Organisation Pro Asyl und die Landesflüchtlingsräte nannten die Aufnahme der rund 50 Minderjährigen dagegen «lächerlich gering». «Die Aktion droht zu einem Feigenblatt zu verkommen für die Nicht-Aufnahme Tausender Geflüchteter, die in den Insellagern in Griechenland sich selbst überlassen sind.» Schutzsuchender mit Angehörigen in Deutschland etwa, die Pro Asyl zufolge einen Anspruch auf Überstellung hätten, könnten ohne weitere komplizierte Verfahren aufgenommen werden. Das Bundesinnenministerium, die Bundesländer und die EU müssten hier «schnell und pragmatisch» handeln, so Pro Asyl. Deutschland plant, insgesamt 350 bis 500 Minderjährige aus den Lagern aufzunehmen - bevorzugt Kinder im Alter unter 14 Jahren, kranke Kinder und Mädchen. Demnächst sollen Minderjährige auch in die Schweiz gebracht werden, wie Koumoutsakos mitteilte. In und um die Lager im Osten der Ägäis harren zurzeit rund 39 000 Menschen aus. Die Aufnahmekapazität dieser Lager liegt eigentlich nur bei rund 7000 Menschen. Etwa 36 Prozent sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks Minderjährige. Gut 90 Prozent der unbegleiteten Minderjährigen sind nach UNHCR-Informationen Jungen. Neben den miserablen Zuständen in und um die Lager besteht dort auch die Gefahr eines Coronavirus-Ausbruchs. Noch sind keine Corona-Infektionen in Camps im Osten der Ägäis festgestellt worden. Dies sei aber nur eine Frage der Zeit, sagen Ärzte immer wieder. Aus diesem Grund sollen neben den unbegleiteten Minderjährigen in den kommenden Tagen auch rund 2400 ältere und kranke Menschen aus den Inseln zum griechischen Festland gebracht werden.

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