Sa, 2017-05-27 14:48Berlin (dpa)

Schulz: Schlechtere Bezahlung von Frauen ist eine «Schande»

Bei einer großen Konferenz schwört SPD-Kanzlerkandidat Schulz die Funktionäre seiner Partei darauf ein, trotz der jüngsten Pleiten mutig in den Bundestagswahlkampf zu ziehen. Störfeuer kommt vom 2013 gescheiterten Merkel-Herausforderer Steinbrück.

Berlin (dpa) - SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz will bei einem Wahlsieg unmittelbar etwas gegen die schlechtere Bezahlung von Frauen tun. «Eine SPD-geführte Bundesregierung wird in den ersten 100 Tagen alle notwendigen Initiativen ergreifen (...), um sicherzustellen, dass diese Schande, dass Frauen immer noch schlechter bezahlt werden als Männer, aufgelöst wird», sagte Schulz am Samstag bei einer Wahlkampf-Konferenz vor rund 500 SPD-Funktionären in Berlin. 

In kaum einem EU-Land ist die Lohnlücke so groß wie in Deutschland. Frauen verdienen durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer - auch weil sie wegen der Kinderbetreuung länger in Teilzeit sind. 

Schulz ging bei der Veranstaltung direkt auf die Kritik ein, er sei vor den verlorenen Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen öffentlich auf Tauchstation gewesen - während Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei diversen Gipfeltreffen Weltpolitik gemacht habe.

Er tingele über die Dörfer, um aufzunehmen, was in diesem Land los sei. «Die Bundestagswahl wird weder in Washington noch in Moskau entschieden, aber auf diesen Dörfern, wo ich tingele», sagte Schulz. Ebenso wies er Vorwürfe aus sozialen Medien zurück, wo er wahlweise als «Schulden-Schulz», «Schizo-Schulz» oder «Lügen-Schulz» bezeichnet werde: «Macht, was Ihr wollt, mich werdet Ihr nicht ändern, ich bin so wie ich bin.» 

In seiner 70-minütigen Rede machte Schulz deutlich, dass die soziale Gerechtigkeit sein zentrales Wahlkampfmotiv bleibt. Die Lohnungleichheit sei für ihn ein Beispiel, dass es trotz Wohlstands und Wachstums nicht gerecht zugehe. Für Frauen sei es eine der schlimmsten Demütigungen, dass sie für gleiche Arbeit oft viel weniger Geld bekämen als männliche Kollegen. Die Bundestagswahl am 24. September werde deshalb eine Richtungsentscheidung: «Ich möchte, dass es in diesem superreichen Land gerechter zugeht.»

Widerspruch kommt von Peer Steinbrück. Der 2013 gescheiterte SPD-Kanzlerkandidat warnte Schulz, allein auf Gerechtigkeit zu setzen. «Die SPD wird auf diesen Code nicht verzichten können», sagte der frühere Bundesfinanzminister der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Ich gebe aber allen recht, die sagen: Die Konzentration auf die Gerechtigkeit reicht nicht, es muss etwas dazu kommen, das Fortschritt, Zukunftsoptionen verdeutlicht.» Zugleich riet Steinbrück der SPD nach der Wahl von einem Bündnis mit Linken und Grünen ab. 

Zu Schulz sagte Steinbrück, das 100-Prozent-Ergebnis bei dessen Wahl zum Parteivorsitzenden im März sei «vergiftet» gewesen. «Die Partei saß plötzlich auf Wolke sieben, es hat sich ein Realitätsverlust eingestellt und das Publikum hat sich gewundert: Steht da jetzt Erich Schulz-Honecker?» Die SPD sollte lockerer werden. «Der Begriff der Heulsusen trifft gelegentlich den Gemütszustand der SPD. Nur wehe, Sie sprechen ihn aus.»

Die SPD-Spitze hatte zu Wochenanfang Eckpunkte ihres Wahlprogramms auf den Weg gebracht. Die Konzepte für Steuern und Rente fehlen noch. Schulz kritisierte die Ankündigung von CSU-Chef Horst Seehofer, der den Wählern «wuchtige» Steuersenkungen in Aussicht gestellt hat. «Ich weiß nicht, was bei dem wuchtig ist. Nein, ich bin für wuchtige Investitionen», sagte er. Bei den Kommunen gebe es einen Investitionsstau von 140 Milliarden Euro. 

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Sa, 2017-05-27 14:32Taormina (dpa)

Trump will nächste Woche über Klimaschutzabkommen entscheiden

Taormina (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat für die kommende Woche eine Entscheidung zum Verbleib der USA im Klimaschutzabkommen von Paris angekündigt. Das schrieb er am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter. Die anderen G7-Länder hatten auf ihrem Spitzentreffen auf Sizilien an den Republikaner appelliert, nicht aus dem Abkommen auszusteigen.

Der Präsident wollte ursprünglich noch vor dem G7-Gipfel eine Entscheidung diesbezüglich treffen, verschob diese aber. Trump hat wiederholt erklärt, er tendiere dazu, die Mitgliedschaft zu beenden. Er hatte im Wahlkampf mehrmals angezweifelt, dass es eine von Menschen verursachte Klimaerwärmung gibt.

Im März unterschrieb er ein Dekret, mit dem zentrale Bestimmungen zum Klimaschutz aufgeweicht, abgebaut oder abgeschafft werden.

In dem Abkommen hatten sich die 195 Staaten im Dezember 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung durch den Treibhauseffekt auf «deutlich unter zwei Grad» im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

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Sa, 2017-05-27 14:30Taormina (dpa)

Merkel spielt zum G7-Abschluss Streit über Flüchtlinge herunter

Taormina (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Streit der sieben großen Industriestaaten (G7) über die Flüchtlingspolitik heruntergespielt. Zum Abschluss des G7-Gipfels in Taormina auf Sizilien bedauerte Merkel zwar, dass das Thema nicht den Raum eingenommen habe, den Gastgeber Italien gewünscht hatte. Doch sei die Vereinbarung im Abschlusskommuniqué aus ihrer Sicht «vernünftig».

Der Text zeige, «dass Flüchtlinge genauso Menschenrechte haben wie alle anderen und dass wir natürlich unsere Grenzen schützen müssen». Auch werde festgehalten, «dass wir natürlich gegen illegale Migration kämpfen müssen, aber dass wir auch die Interessen und Rechte dieser Menschen ernst nehmen müssen.» Italien als G7-Präsident hätte sich hier mehr gewünscht. «Wir hätten sie dabei auch unterstützt.»

Das italienische Vorhaben, eine gemeinsame Vereinbarung für eine «geordnete Zuwanderung» zu verabschieden und die positiven Aspekte hervorzuheben, war schon im Vorfeld am Widerstand der USA gescheitert, die vor allem auf Sicherheitsaspekte abhoben.

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Sa, 2017-05-27 14:28Taormina (dpa)

Merkel will beim Klimaschutz keine Kompromisse eingehen

Taormina (dpa) - Im Klimaschutz will Kanzlerin Angela Merkel «keine Kompromisse» eingehen. Die Diskussionen mit den USA auf dem G7-Gipfel sei «sehr schwierig, um nicht zu sagen sehr unzufriedenstellend» gewesen, sagte Merkel zum Abschluss des zweitägigen Treffens am Samstag in Taormina auf Sizilien. Hier stünden sechs Staaten und die Europäische Union gegen die USA, die einen Ausstieg aus dem Abkommen erwägen, das zu einer Verringerung der Treibhausgase verpflichtet.

«Es gibt keinerlei Anzeichen bis jetzt, ob die Vereinigten Staaten von Amerika im Pariser Abkommen verbleiben werden oder nicht.» Die anderen sechs Staaten und die EU hätten aber «sehr deutlich gemacht», dass sie sich weiter zu den Zielen bekennen. «Wir haben sehr deutlich gemacht, dass wir von unserer Position hier nicht abrücken.»

Da mit den USA aber kein Fortschritt erzielt worden sei, könne das wichtige internationale Abkommen von Paris «im Augenblick hier nicht einvernehmlich unterstützt werden». US-Präsident Donald Trump kündigte auf Twitter an, nächste Woche eine Entscheidung zu treffen.

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Sa, 2017-05-27 13:44Taormina (dpa)

Umweltschützer begrüßen: Abschwächung des Klimaabkommens verhindert

Taormina (dpa) - Zum Ende des Gipfels der sieben großen Industrienationen auf Sizilien haben Umweltschützer begrüßt, dass die Verpflichtungen zum Klimaschutz nicht aufgeweicht werden sollen. «US-Präsident Donald Trump ist auf sechs Regierungschefs gestoßen, die allesamt ihre Entschlossenheit zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens bekräftigt haben», sagte Christoph Bals von Germanwatch. «Es gibt auch keine Abschwächung oder Neuinterpretation der Verpflichtungen im Abkommen.»

Es sei ein wichtiges Signal aus Taormina, dass sechs der sieben Staaten ihre Verpflichtungen umsetzen wollten - mit oder ohne Trump. Germanwatch hätte sich allerdings eine deutlichere Aussage zur Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung in den Entwicklungsländern mit jährlich 100 Milliarden US-Dollar gewünscht. Der Hamburger G20-Gipfel im Juli sei durch diesen Ausgang in Italien noch wichtiger für die internationale Klimapolitik geworden.

«Trump hat sich beim Klimaschutz selbst ins Aus geschossen», sagte Sweelin Heuss von Greenpeace. Die anderen G7-Staaten müssten jetzt geschlossen vorangehen. Kanzlerin Angela Merkel müsse aber auch mit dem Kohleausstieg in Deutschland beginnen, um Glaubwürdigkeit für den Klimaschutz auf dem G20-Gipfel zu genießen.

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Sa, 2017-05-27 12:59Taormina (dpa)

Wegen G7-Gipfels: Odyssee für Flüchtlinge und Retter auf See

Taormina (dpa) - Wegen des G7-Gipfels auf Sizilien mussten überladene Schiffe mit geretteten Migranten tagelang auf See bleiben. Das berichteten die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen (MsF) und MOAS am Samstag.

MsF hatte am Donnerstag fast 1500 Menschen auf einem Schiff geborgen, das nach Angaben der Seenotretter eigentlich nur für 600 Platz hat. Unter ihnen waren 45 Kinder. Da Boote mit Flüchtlingen während des Gipfels der 7 großen Industriestaaten aus Sicherheitsgründen nicht in Sizilien anlegen durften, musste das Schiff bis nach Neapel fahren. Dort wurde es am Sonntag erwartet, wie eine Sprecherin der Hilfsorganisation sagte.

Unter den Geretteten war auch ein nur eine Woche altes Baby. Es sei inakzeptabel, dass wegen des Treffens der Politiker das Leben so vieler Menschen gefährdet werde, heißt es in einer Mitteilung.

Auch ein Schiff der Hilfsorganisation MOAS musste mit rund 560 Menschen an Bord einen Umweg fahren. Das Schiff sei so voll wie selten gewesen, twitterte MOAS. Es sei in Crotone in Kalabrien gelandet - mit 34 Leichen an Bord, die bei einem Unglück letzter Woche aus dem Meer geborgen worden waren.

Italien hatte Sizilien für den G7-Gipfel ausgewählt, um auf das Flüchtlingselend aufmerksam zu machen. Jedoch gab es bei dem Treffen nur minimalen Konsens in der Frage.

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Sa, 2017-05-27 12:34Taormina (dpa)

Das Pariser Klimaabkommen - USA isoliert

Taormina (dpa) - US-Präsident Donald Trump empfindet das Pariser Klimaabkommen als unfair und schädlich für die wirtschaftliche Entwicklung der USA. Er droht mit einem Ausstieg. Eine Entscheidung darüber schob Trump aber bis nach dem G7-Gipfel in Taormina auf Sizilien auf. Die Ende 2015 beschlossene Pariser Vereinbarung gilt als Meilenstein im Kampf gegen die Klimaerwärmung. Ein Überblick:

ZIEL: Die Erderwärmung soll auf klar unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Die Vertragsstaaten sollten sich aber anstrengen, sie bei 1,5 Grad zu stoppen.

WEGE ZUM ZIEL: Die Staaten wollen den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf Null bringen. Sie dürfen dann nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie etwa mit Waldanpflanzungen aus der Atmosphäre gezogen wird. Dafür müsste die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas von 2050 bis 2070 enden.

GELD FÜR KLIMASCHUTZ UND ANPASSUNG: Von 2020 bis 2025 sollen die Industriestaaten jährlich 100 Milliarden Dollar (ca. 90 Milliarden Euro) für Entwicklungsländer bereitstellen. Für die Jahre danach soll es ein neues, höheres Ziel geben.

VERLUSTE UND SCHÄDEN: Die Vertragsstaaten erkennen die Notwendigkeit an, ärmeren Staaten bei Verlusten und Schäden durch den Klimawandel zu helfen. Es soll ein Versicherungssystem aufgebaut werden.

VERBINDLICHKEIT: Entscheidende Teile der Vereinbarung sind völkerrechtlich verbindlich. Es gibt jedoch keine Strafen bei Nichterfüllung der Zusagen.

USA: Nach China sind die USA der zweitgrößte Klimasünder. Trump stellt die Klimapolitik seines Vorgängers auf den Kopf. Im März hob er behördliche Vorschriften zum Klimaschutz auf. Er will den «Clean Power Plan» zum Abbau der Treibhausgase bis 2030 um 32 Prozent gegenüber 2005 überarbeiten lassen. Ob die USA ihre Verpflichtungen so noch erreichen können, ist fraglich. Einige US-Bundesstaaten wollen aber selbst bei einem Rückzug aus dem Klimaabkommen durch Trump ihre Verpflichtungen weiter erfüllen.

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Sa, 2017-05-27 12:27Taormina (dpa)

Trump: Terrorismus ist wichtigstes Thema bei G7

Taormina (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat den Kampf gegen den Terrorismus als das wichtigste Thema des G7-Gipfels auf Sizilien dargestellt. Bei den Diskussionen gehe es um viele sehr wichtige Themen, schrieb Trump am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter. «Der Terrorismus steht ganz oben auf der Liste.»

Die Europäer unter den G7-Mitgliedern halten dagegen den Klimaschutz und die Migration für die dringendsten Anliegen. In diesen Punkten gibt es aber schwere Differenzen mit den USA, die sich bei dem Gipfel nicht überbrücken ließen. In der Abschlusserklärung des Spitzentreffens wurde laut Diplomatenkreisen deutlich gemacht, dass sich die US-Regierung nicht klar zum Pariser Klimaabkommen bekennen.

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Sa, 2017-05-27 11:58Taormina (dpa)

G7-Gipfel endet im Streit mit USA beim Klimaschutz

Selten gab es so viel Streit auf einem G7-Gipfel. Die Differenzen mit Trump überschatteten die Beratungen. Im Klimaschutz sind die USA völlig isoliert. Streit gibt es auch über Handel und Flüchtlinge.

Taormina (dpa) - Die großen Industriestaaten haben auf ihrem Gipfel die Differenzen mit den USA im Klimaschutz nicht überbrücken können. In der Abschlusserklärung wurde deutlich gemacht, dass sich die USA nicht klar zum Pariser Klimaabkommen bekennen, hieß es am Samstag auf dem G7-Gipfel in Taormina aus diplomatischen Kreisen. Die anderen G7-Staaten bekräftigen hingegen, die Verpflichtungen zur Verringerung der Treibhausgase schnell umsetzen zu wollen.

Die Unterhändler saßen bis tief in die Nacht zusammen und setzten ihre Verhandlungen am Vormittag fort. Schwere Differenzen bestanden auch im Freihandel und Umgang mit der Flüchtlingskrise, wo sich US-Präsident Donald Trump ebenfalls sperrte. Die G7 wollten am Nachmittag auch über die Sanktionen gegen Russland beraten, das wegen der Annexion der Krim seit 2014 nicht mehr bei den Treffen dabei ist.

Die Staats- und Regierungschefs kamen am letzten Tag des zweitägigen Gipfels mit Vertretern aus Äthiopien, Kenia, Niger, Nigeria, Tunesien und Guinea zusammen, um über Flüchtlinge und Hungersnöte in Afrika zu sprechen.

Entwicklungsorganisationen appellierten eindringlich an die G7, mehr Finanzmittel für den aktuellen Kampf gegen Hunger bereit zu stellen. «Die Kinder sterben jetzt», sagte Silvia Holten von World Vision. Die großen Industrienationen könnten nicht länger warten. «Es ist ein Desaster.» Die Hilfsorganisationen fordern, dass der UN-Appell für den Kampf gegen die Hungersnöte in Höhe von 6,9 Milliarden US-Dollar auch erfüllt wird. Bisher liegen nur Zusagen über 30 Prozent vor.

Aktivisten kritisierten die G7 wegen Untätigkeit in der Flüchtlingskrise. «Der Skandal des Gipfels ist, dass die G7-Führer direkt hier nach Sizilien ans Meer kommen, wo 1400 Menschen allein seit Jahresanfang ertrunken sind, und nichts ernsthaft dagegen tun», sagte Edmund Cairns von Oxfam. Es müsse mehr Hilfe für Flüchtlinge und mehr Unterstützung für Entwicklungsländer geben, die allein 90 Prozent von ihnen beherbergten.

Auch müssten sichere Wege für Zuwanderer geschaffen werden, forderte Cairns. Es sei «eine der größten Enttäuschungen des Gipfels», dass Italien mit seinem Plan für einen geordneten Umgang mit den Flüchtlingen am Widerstand der USA gescheitert sei. Der Gastgeber habe die Welt daran erinnern wollen, dass Zuwanderer auch Vorteile für die Länder brächten, die sie aufnehmen. «Das scheint völlig vergessen worden zu sein.» Die USA bestanden schon im Vorfeld des Gipfels darauf, dass die Initiative der Italiener gekippt wird.

Trump zeigte am Samstag auch kein Interesse, dem italienischen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni zuzuhören. Während der Ansprache des Gipfelgastgebers bei dem Treffen mit den afrikanischen Ländern trug Trump keine Kopfhörer für eine Simultanübersetzung. Gentiloni sprach auf Italienisch. Trump war schon mit einer satten Verspätung zu der Sitzung erschienen. Italiens Ministerpräsident sprach sich dabei dafür aus, beim G20-Gipfel in Hamburg die Beziehungen mit Afrika ins Zentrum zu stellen.

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Sa, 2017-05-27 11:49Taormina (dpa)

G7-Gipfel: USA bei Klimaschutz isoliert

Taormina (dpa) - Die großen westlichen Industriestaaten haben bei ihrem G7-Gipfel in Sizilien ihre Differenzen in der Klimapolitik nicht überbrücken können. In der Abschlusserklärung werde deutlich gemacht, dass sich die USA im Gegensatz zu den sechs anderen Ländern nicht klar zum Pariser Klimaabkommen bekennen wollen, hieß es am Samstag in Diplomatenkreisen.

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Sa, 2017-05-27 11:10Berlin (dpa)

Bericht: Asylentscheidungen sollen genauer überprüft werden

Berlin (dpa) - Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lässt laut «Spiegel» Asylentscheidungen schärfer kontrollieren, bei denen die Antragsteller Syrien als Herkunftsland angegeben haben. Damit würden weitere Konsequenzen aus der Affäre um den rechtsradikalen und terrorverdächtigen Bundeswehr-Soldaten Franco A. gezogen, der sich als syrischer Flüchtling ausgegeben hatte, schreibt das Nachrichtenmagazin.

Das BAMF habe seine Mitarbeiter angewiesen, bei solchen Asylbewerbern stichprobenartig mindestens jede 20. Entscheidung zusätzlich zu kontrollieren. Bevor ein Bescheid verschickt werde, solle geprüft werden, ob alle Qualitätsstandards eingehalten wurden. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise sei nur jede 100. Entscheidung auf mögliche Fehler untersucht worden.

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Sa, 2017-05-27 11:00Nördlingen (dpa)

Wie Jäger mit Drohnen Rehkitze vor dem Tod retten Von Fabian Nitschmann und Matthias Balk, dpa

Wenn die Bauern ihre Wiesen mähen, sind viele Rehkitze in Gefahr. Zwei Jäger aus Schwaben wollen das mit einer Drohne samt Wärmebildkamera ändern. Dass ihre Idee Leben retten kann, zeigen die vergangenen Wochen. Auch Tierschützer sind überzeugt.

Nördlingen (dpa) - Seit zwei Wochen klingelt der Wecker von Rupprecht Walch und Dieter Hampel bereits um drei Uhr in der Früh. Spätestens um vier stehen die beiden auf den Feldern rund um Nördlingen in Bayerisch-Schwaben, 50 Meter über ihnen surrt eine Drohne. Vier Stunden sind die beiden täglich auf der Suche nach Rehkitzen - um sie vor dem sicheren Tod durch den Mähdrescher zu retten.

Denn die Zeit der Wiesenmahd ist für die jungen Tiere sehr gefährlich. Die Mähdrescher auf den Feldern werden immer größer, die Maschinen immer schneller. Doch die Rehkitze lassen sich davon nicht aus ihren gemütlichen Plätzen im hohen Gras verscheuchen. «Die Kitze haben von der ersten bis zur vierten Woche keinen Fluchtinstinkt», erklärt Walch, der als Berufsjäger im Nördlinger Ries arbeitet. Statt vor den gefährlichen Maschinen wegzulaufen, ducken sich die Tiere nur und verharren an Ort und Stelle.

Die Folge: Jährlich sterben zahlreiche Rehkitze auf den Feldern. Die Drohne, ausgestattet mit einer Wärmebildkamera, soll das zumindest im Norden Schwabens in diesem Jahr verhindern.

Je kälter es draußen ist, desto besser können Walch und der ehrenamtliche Jäger Hampel die Rehkitze in ihren Verstecken finden. «Die Kitze strahlen eine Temperatur von etwa 25 Grad ab. In der Früh sind sie also am besten zu sehen», sagt Walch. Mit Funkgeräten lotst der Drohnenpilot seinen Begleiter dann an die richtige Stelle, um das Rehkitz aus dem Feld zu holen.

Dass die Aktion Erfolg hat, haben die vergangenen Tage gezeigt. Innerhalb von zwei Wochen haben Walch und Hampel rund 80 Jungtiere aus den Feldern gerettet. «Wir tragen die Kitze mit Gummihandschuhen und Gras drumherum aus den Feldern», sagt Walch. So habe es bisher auch keine Probleme mit den Geißen gegeben, die ihren Nachwuchs wieder aufnehmen.

Initiiert wurde die Tierschutz-Offensive vom Verein für Deutsche Wachtelhunde Baden-Württemberg Nord, der gleich zwei Drohnen mit Wärmebildkamera für jeweils rund 12 500 Euro angeschafft hat. «Wir stellen dem Verein die Reviere im Nördlinger Ries zur Verfügung, damit die Hunde ausgebildet werden können», sagt Walch. Im Gegenzug leiht der Verein den Jägern die Drohne für die Rehrettung.

Innerhalb von rund fünf Minuten können Walch und Hampel damit einen Hektar Wiesenfläche absuchen. Je nach Beschaffenheit der Felder schaffen sie jeden Morgen 20 bis 30 Hektar, ehe es gegen acht Uhr zu warm wird und sie die Kitze nicht mehr genau erkennen können. Ein großer Zeitaufwand, der für die einzelnen Landwirte zu groß wäre.

Dem Bayerischen Bauernverband ist dementsprechend nur eine Handvoll Landwirte bekannt, die bei ihrer Arbeit Drohnen einsetzen. «Die Drohnen- und Kameratechnik hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich weiterentwickelt. Die Nutzung ist aber noch nicht flächendeckend», sagt Verbands-Sprecher Markus Peters. Die Rehrettung sei dabei nicht das einzige Einsatzfeld, Drohnen seien auch bei Themen wie der Optimierung des Nährstoffeinsatzes hilfreich.

Für die Vertreibung von Rehen aus den Feldern sei zuletzt vor allem der sogenannte Rehkitz-Retter eine erfolgreiche Innovation gewesen. Das mit einem Akku betriebene Gerät vertreibe Rehe wenige Tage vor dem Mähen mit Lichtblitzen und akustischen Signalen in einem Umkreis von 100 Metern.

Der Einsatz von Drohnen könnte nun zu einer neuen, vielversprechenderen Methode werden. Der Verein Rehrettung Hegau-Bodensee beobachtet bereits einen deutlich steigenden Einsatz von Drohnen bei der Rehrettung, ohne genaue Zahlen nennen zu können. Der Verein führt das vor allem auf sinkende Preise für Drohnen zurück. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat sich bereits mit dem Thema Wildrettung beschäftigt und dabei ebenfalls eine mit Sensoren ausgestattete Drohne entwickelt.

«Es kann nicht sein, dass Rehkitze hier auf der Strecke bleiben, obwohl es mittlerweile so viele technische Möglichkeiten gibt», sagt Jäger Hampel. Ziel sei es daher, so viele Jungtiere zu retten wie irgendwie möglich. «Das ist Antrieb genug, sich jeden Morgen aus dem Bett zu quälen.»

Die Tierschützer in Bayern jedenfalls freut es, dass mit Hilfe der Drohne derzeit so viele Rehkitze gerettet werden können. «Das ist grundsätzlich ein sehr lobenswerter Ansatz», heißt es vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern.

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Sa, 2017-05-27 10:49Taormina (dpa)

Scharfe Kritik an Untätigkeit der G7 in Flüchtlingskrise: «Skandal»

Taormina (dpa) - Entwicklungsorganisationen haben die Staats- und Regierungschefs der sieben reichen Industrienationen wegen Untätigkeit in der Flüchtlingskrise scharf kritisiert. «Der Skandal des Gipfels ist, dass die G7-Führer direkt hier nach Sizilien ans Meer kommen, wo 1400 Menschen allein seit Jahresanfang ertrunken sind, und nichts ernsthaft dagegen tun», sagte Edmund Cairns von Oxfam am Samstag in Taormina auf Sizilien der Deutschen Presse-Agentur.

Es müsse mehr Hilfe für Flüchtlinge geben und mehr Unterstützung für Entwicklungsländer, die allein 90 Prozent von ihnen beherbergten. Auch müsse es sichere Wege für Zuwanderer geben. Es sei «eine der größten Enttäuschungen des Gipfels», dass Italien mit seinem Plan für einen geordneten Umgang mit den Flüchtlingen am Widerstand der USA gescheitert sei. Der Gastgeber habe die Welt daran erinnern wollen, dass Zuwanderer auch Vorteile für die Länder brächten, die sie aufnehmen. «Das scheint völlig vergessen worden zu sein.»

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Sa, 2017-05-27 10:11München (dpa)

CSU fordert Zugriff auf WhatsApp-Kommunikation

München (dpa) - Die CSU will in einer neuen Bundesregierung den Zugriff der Polizei auf WhatsApp-Kommunikation gesetzlich ermöglichen. «Wir wissen, dass die Terroristen WhatsApp nutzen, deshalb müssen wir die gesetzliche Kontrollmöglichkeit nach der Wahl sofort angehen», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann der «Rheinischen Post» (Samstag).

Herrmann, der Spitzenkandidat der CSU für die Bundestagswahl ist, verwies in diesem Zusammenhang auf den Terroranschlag in Ansbach im vergangenen Juli. Damals habe der Täter bis zum Schluss Anweisungen über den Kommunikationsdienst aus dem Nahen Osten erhalten. Der Attentäter, ein syrischer Flüchtling, hatte bei einem Musikfestival in der mittelfränkischen Stadt eine Bombe in seinem Rucksack gezündet. 15 Menschen wurden verletzt, der 27-Jährige starb.

Zugleich mahnte Herrmann mehr Vereinbarungen nach dem Muster des EU-Türkei-Abkommens an, um Mittelmeerflüchtlinge zurück nach Afrika bringen zu können. «Es kann nicht sein, dass jeder Afrikaner, der mit einem Gummiboot in See sticht, automatisch in der Europäischen Union aufgenommen wird», sagte der Innenminister.

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