So, 2017-07-23 04:56Tirschenreuth (dpa)

Die Rückkehr des Habichtskauzes

In Deutschland soll es wieder freilebende Habichtskäuze geben. Die jungen Eulenvögel werden behutsam an ihr Leben ohne menschliche Hilfe gewöhnt. Ganz oben auf dem Kauz-Lehrplan steht: die Mäusejagd.

Tirschenreuth (dpa) - Nach fast 100 Jahren soll es in Deutschland wieder Habichtskäuze außerhalb eines Nationalparks geben. Im Steinwald in der Oberpfalz (Bayern) wird in der kommenden Woche eine Gruppe junger Tiere ausgewildert. Zuvor wurden die kleinen Eulenvögel einige Wochen lang in einem Freilandgehege an das Klima und die Mäusejagd gewöhnt, wie Johannes Bradtka, Vorsitzender des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB), erläutert.

Der letzte freilebende Habichtskauz war den Erkenntnissen zufolge 1926 im Böhmerwald geschossen worden. Die kleinen Habichtskäuze, die jetzt ausgewildert werden sollen, stammen aus dem Nationalpark Bayerischer Wald. Nur dort und in Zoos gibt es noch diese Vögel.

Der Habichtskauz sei eine sogenannte Leitart, in deren Umfeld sich auch andere Lebewesen wie Amphibien, Molche, Spechte, Insekten und Moose ausbreiten, sagt Bradtka.

Der Habichtskauz fühlt sich in Mischwäldern besonders wohl, die auch mit Waldwiesenflächen durchsetzt sind. Dort könne er auf Mäusejagd gehen. Die Nager sind seine Hauptbeute. Mit einer Spannweite von bis zu 125 Zentimetern ist er der größte Kauz Mitteleuropas.

Die Auswilderung dauere in etwa bis zu drei Wochen. Dafür werde das Gehege geöffnet, so dass die Käuze hinaus und hinein fliegen könnten. Anfangs würden die Tiere zudem in der Dämmerung noch gefüttert, um zu lernen, dass sie eben in der Dämmerung auf Mäusejagd gehen müssten. Die Jungvögel sollen sich möglichst schon im kommenden Frühjahr vermehren.

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So, 2017-07-23 04:30Berlin (dpa)

SPD-Chef Schulz warnt vor neuer Flüchtlingskrise

Berlin (dpa) - Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz hat vor einer Wiederholung der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 gewarnt. Mit Blick auf die steigende Zahl von Flüchtlingen, die derzeit über das Mittelmeer nach Europa kommen, nannte er die Situation «hochbrisant». In der «Bild am Sonntag» sagte er: «Wenn wir jetzt nicht handeln, droht sich die Situation zu wiederholen.»

Der SPD-Kanzlerkandidat will am kommenden Donnerstag mit Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni über das Problem sprechen, das er auch zum Thema im Bundestagswahlkampf machen will: «Wer auf Zeit spielt und versucht, das Thema bis zur Bundestagswahl zu ignorieren, verhält sich zynisch.»

Schulz forderte, gegen finanzielle Unterstützung seitens der EU-Kommission sollten andere EU-Staaten Italien Flüchtlinge abnehmen. «Jetzt sind die anderen EU-Mitgliedsstaaten dran.»

Auch aus Sicht des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer ist das Flüchtlingsproblem noch lange nicht gelöst. «Im Moment ist die Lage beruhigt. Aber wir wissen alle: Die Migrationswelle wird weitergehen», sagte er der «Welt am Sontag».

Der bayerische Ministerpräsident gab Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrer Grenzöffnung für Flüchtlinge 2015 die Verantwortung dafür, dass eine absolute Mehrheit der Union bei der Bundestagswahl derzeit nicht absehbar sei. Der 4. September 2015 sei «ein Schlüsseldatum, wenn es um die absolute Mehrheit für die Union geht», sagte er.

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So, 2017-07-23 04:05Kolkata (dpa)

Schlangenhaut durch «Teufelswasser»: Indiens arsenverseuchte Brunnen Von Nick Kaiser, dpa

Vergiftung auf Zeit: Unzählige Menschen leiden in Indien und Bangladesch noch heute, weil sie vor Jahrzehnten mit Arsen verseuchtes Wasser getrunken haben. Es fing mit einer gut gemeinten Idee an.

Kolkata (dpa) - Afruja ist erst Mitte zwanzig und schon seit vier Jahren Witwe. Der Mann, mit dem sie als Jugendliche verheiratet wurde, hatte wie viele andere Bewohner des ostindischen Dorfes Kalyani jahrelang unbewusst Arsen-belastetes Wasser getrunken. Er bekam schließlich Krebs. Als sie in ihrer Hochzeitsnacht zum ersten Mal seinen mit dunklen Flecken übersäten Oberkörper sah, habe sie sich erschrocken und ihn für eine Schlange gehalten, erzählt Afruja.

Kalyani gehört mit mehreren anderen Dörfern zur Gemeinde Deganga, rund 60 Kilometer nördlich von Kolkata (früher Kalkutta), der Hauptstadt des Bundesstaates Westbengalen. Ein Großteil der 17 000 Bewohner lebt von der Landwirtschaft. In den vergangenen 22 Jahren sind nach Angaben des Bewohners Shankar Prasad Dey 1200 Menschen hier krank geworden und 300 gestorben. Fast jede Familie sei betroffen.

Dey hilft dem Forscher Dipankar Chakraborti bei dessen Arbeit in Deganga. Chakraborti erforscht seit fast 30 Jahren den gefährlich hohen Arsengehalt des Grundwassers in Teilen Indiens und dem benachbarten Bangladesch sowie dessen Auswirkungen auf die vielen betroffenen Menschen. Mit zahlreichen Studien hat der Leiter des Instituts für Umweltforschung der Jadavpur Universität in Kolkata maßgeblich dazu beigetragen, das Problem bekannt zu machen.

Es gibt keine genauen Statistiken darüber, wie viele Menschen in Indien und Bangladesch Arsenvergiftungen erlitten haben. Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge sterben aber jedes Jahr Tausende Menschen in der Region an den Folgen der Arsenbelastung.

Das Grundwasser kommt aus dem Himalaya und enthält natürlich vorkommendes Arsen. Die Vereinten Nationen schätzten bereits vor 15 Jahren, dass in Bangladesch bis zu 77 Millionen Menschen Wasser mit einem Arsengehalt von mehr als 0,05 Milligramm pro Liter tranken. Der von der WHO empfohlene Höchstwert liegt bei 0,01 Milligramm. Chakraborti hat nach eigenen Angaben in Indien schon das 40-fache gemessen, in Bangladesch sogar das 700-fache. In Indien sind laut dem Nationalen Hydrologie-Institut rund 50 Millionen Menschen betroffen.

Die Menschen in der Region hatten in den 1970er Jahren angefangen, das Grundwasser zu trinken, weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk Unicef das Bohren sogenannter Rammbrunnen als saubere Wasserquelle und Alternative zum Oberflächenwasser gefördert hatten. Letzteres hatte Cholera und andere Erkrankungen verursacht. Vom Arsen im Grundwasser wusste damals niemand.

«Als der erste Rammbrunnen in Westbengalen gebohrt wurde, sind die Leute aus ihren Dörfern geflüchtet und haben «Teufelswassser» gerufen», erzählt Chakraborti. Sie hätten Angst gehabt, weil das Wasser von unter der Erde stammte. Ihnen sei aber versichert worden, dass es sich zum Trinken und Bewässern ihrer Felder wunderbar eigne. «Letztlich hat sich gezeigt, dass es tatsächlich Teufelswasser war», meint Chakraborti.

Eine Arsenvergiftung äußert sich meist zuerst durch eine schmerzhafte, juckende Hornhaut an den Handflächen und Fußsohlen. Hinzu kommt danach oft eine Hyperpigmentierung der Haut - die dunklen Flecken am Oberkörper von Afrujas Mann. Es kann zu Krebserkrankungen der Haut und anderer Organe kommen - je nach Dauer und Menge des Arsenkonsums manchmal erst Jahrzehnte danach.

Auch Nervenkrankheiten können eine Folge sein, wie der Neurologe Subhash Chandra Mukherjee erklärt. Er gehört zu einer Gruppe von Medizinern, die auf eigene Kosten mit dem Forscher Chakraborti in die Dörfer fahren, um die Kranken zu behandeln und Tests durchzuführen.

Hilfe leisteten dort nur Freiwillige wie sie und Nichtregierungsorganisationen, erzählt der pensionierte Neurologie-Chef des Krankenhauses Medical College in Kolkata. «Es gab nie ein ernsthaftes Bemühen irgendeiner Regierung.» Es gebe viele andere Probleme in Indien, zudem seien die meisten Betroffenen arm, sagt Mukherjee. «Solange keine wichtige Person eine solche Krankheit bekommt, kümmert es keinen.»

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So, 2017-07-23 04:04Kolkata (dpa)

«Teufelswasser»: Arsen tötet Tausende Menschen in Indien Von Nick Kaiser, dpa

Hornhaut, dunkle Flecken, Krebs - Unzählige Menschen leiden in Indien und Bangladesch, weil sie vor Jahrzehnten unbewusst mit Arsen verseuchtes Wasser getrunken haben. Ein engagierter Forscher und eine kleine Gruppe Mediziner versuchen, ihnen zu helfen.

Kolkata (dpa) - Als Afruja in ihrer Hochzeitsnacht zum ersten Mal den nackten Oberkörper ihres Mannes sah, erschrak sie. «Hilfe, eine Schlange», sei es ihr entfahren, erzählt die Mittzwanzigerin von dem Abend vor zwölf Jahren. Der Mann, an den die damalige Jugendliche verheiratet wurde, hatte lauter dunkle Flecken auf der Haut. Er war nicht der einzige im ostindischen Dorf Kalyani, der so aussah. Und als er acht Jahre später mit Mitte 30 an Krebs starb, war das ebenfalls nichts Ungewöhnliches.

«Ich habe den Menschen in den Dörfern beigebracht, dass sie durch das Trinken von Arsen-verseuchtem Wasser unheilbar krank geworden waren», erzählt der Chemiker Dipankar Chakraborti, der das Institut für Umweltforschung an der Jadavpur Universität in Kolkata (früher Kalkutta) leitet. «Vorher hatten viele gedacht, sie würden für etwas bestraft, was sie im vorherigen Leben getan hatten.»

Es gibt keine genauen Statistiken darüber, wie viele Menschen in Indien und dem benachbarten Bangladesch Arsenvergiftungen erlitten haben - auch weil die Ursache einer Krebserkrankung schwer nachweisbar ist. Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge sterben aber jedes Jahr Tausende Menschen in der Region an den Folgen des Arsenkonsums.

Das Grundwasser kommt aus dem Himalaya und enthält natürlich vorkommendes Arsen. Die Vereinten Nationen schätzten schon vor 15 Jahren, dass in Bangladesch bis zu 77 Millionen Menschen Wasser mit einem Arsengehalt von mehr als 0,05 Milligramm pro Liter trinken. Der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) genannte Höchstwert liegt bei 0,01 Milligramm. Chakraborti hat nach eigenen Angaben in Indien schon das 40-fache gemessen, in Bangladesch sogar das 700-fache.

In Indien sind laut Nationalem Hydrologie-Institut rund 50 Millionen Menschen betroffen - die meisten im Bundesstaat Westbengalen. Rund 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kolkata lebt Afruja heute mit ihrem zehnjährigen Sohn bei der Familie ihres toten Ehemannes. Auch ihr Schwiegervater ist an Krebs gestorben, die Schwiegermutter und fünf weitere Verwandte sind krank.

Der Ort liegt in der Gemeinde Deganga, zu der etliche Dörfer gehören. Ein Großteil der Bewohner lebt von der Landwirtschaft. Schlammige Straßen führen an grünen Feldern vorbei; Hühner, Kühe, Ziegen und Enten laufen herum. Rund 17 000 Menschen leben hier in meist einfachen Backsteinhäusern. Davon sind nach Angaben des Bewohners Shankar Prasad Dey, der mit dem Forscher Chakraborti zusammenarbeitet, in den vergangenen 22 Jahren 1200 krank geworden und 300 gestorben. Fast jede Familie sei betroffen.

Die Brüder Adaitwo und Sribas Pal, die ihr Alter auf etwa 60 und 55 Jahre schätzen, haben sieben ihrer 20 Familienmitglieder verloren. Auch ihnen geht es schlecht. Adaitwo musste der rechte Fuß amputiert werden. Der Oberkörper von Sribas ist mit Flecken übersät, und er hat Schwierigkeiten beim Atmen. Sein Zustand ist offensichtlich ernst.

Die Medikamente für Sribas müssen in Kolkata - zwei bis drei Autostunden entfernt - gekauft werden und kosten etwa 1500 Rupien (rund 20 Euro) im Monat. Die Familie muss sich dafür von Kredithaien Geld leihen. Arbeiten kann der Obstverkäufer Sribas längst nicht mehr. Von den Behörden komme keine Hilfe, klagen die Brüder.

Mittlerweile gibt es in vielen Dörfern aufbereitetes Flusswasser zu trinken. Das verseuchte Wasser wird allerdings immer noch genutzt - zum Baden, Waschen von Kleidung und zur Bewässern von Kartoffeln, Reis, Blumenkohl und anderem Anbaugemüse. So gelangt das Arsen laut Chakraborti in ganz Westbengalen ins Essen. Welche Folgen das noch haben wird, bleibe abzuwarten. Der Bundesstaat hat mehr Einwohner als Deutschland.

Chakraborti war 1988 nach 13 Jahren an Hochschulen in verschiedenen Ländern nach Kolkata zurückgekehrt, als er von dem Arsen-verseuchten Wasser in seiner Heimat erfuhr. Im Laufe der Jahre hat er überall in Westbengalen sowie in anderen Bundesstaaten und in Bangladesch Wasser untersucht und den betroffenen Menschen Haar-, Nagel- und Urinproben entnommen. Auch in Teilen der 15-Millionen-Metropole Kolkata hat der Forscher hohe Arsenwerte im Trinkwasser gemessen.

Der Arsengehalt des Grundwassers war in Indien erstmals 1983 festgestellt worden, aber erst Jahre später wurde das Problem durch Chakraborti weitläufig bekannt: Er veröffentlichte zahlreiche Studien und organisierte zwei internationale Konferenzen in den 1990er Jahren. Er legte sich zudem häufig mit der westbengalischen Regierung an, der er vorwirft, ihn mundtot machen zu wollen, weil er ihre Fahrlässigkeit enthülle.

Der drahtige, kleine Mann mit graumeliertem Bart ist 76 Jahre alt. Er komme für 17 Kinder aus den Dörfern finanziell auf, erzählt er. Die überwiegende Mehrheit der Zeit verbringt er in seinem Büro, mit zu einem halben Schneidersitz angewinkeltem Bein vor dem Laptop.

Dort hat er eine Powerpoint-Präsentation mit 150 Folien erstellt. Eine davon enthält den Text einer E-Mail, die laut Chakraborti ein damaliger WHO-Berater für Umweltgesundheit in Südasien ihm Anfang des Jahres 2000 geschrieben hat. «Viel Glück mit dem Arsen-Thema. Ich werde es zum Glück bald los sein», steht dort. Der Berater habe sich für eine Frührente entschieden, heißt es weiter. «Ich bin es satt, für etwas zu kämpfen, das niemanden interessiert.»

Die Menschen in der Region hatten in den 1970er Jahren angefangen, Grundwasser zu trinken, weil die WHO und Unicef das Bohren sogenannter Rammbrunnen als saubere Wasserquelle und Alternative zum Oberflächenwasser gefördert hatten. Dieses hatte Cholera und andere Krankheiten verursacht. Vom Arsen im Grundwasser wusste damals niemand.

Eine Anfrage zu der E-Mail beantwortet die WHO nicht. Eine Unicef-Sprecherin in Indien will sich ebenso wenig zur Rolle des UN-Kinderhilfswerks bei der Entstehung der Arsen-Krise äußern. Sie betont aber, dass Unicef viel Arbeit leiste, um den Betroffenen zu helfen - etwa durch Wasseranalysen, die Entwicklung von Technologien zum Filtern des Arsens und das Ausarbeiten von Strategien für sauberes Trinkwasser.

Eine Arsenvergiftung äußert sich meist zuerst durch sogenannte Keratose - eine schmerzhafte, juckende Hornhaut - an den Handflächen und Fußsohlen, die sich in der Folge ausbreitet. Hinzu kommt danach oft eine Hyperpigmentierung der Haut - die dunklen Flecken, die Afruja an eine Schlange erinnerten. Es kann zu Krebserkrankungen der Haut und anderer Organe kommen - manchmal erst Jahrzehnte nach der Vergiftung, je nachdem, wie viel Arsen wie lange getrunken wurde.

Auch Nervenkrankheiten können eine Folge sein, wie der Neurologe Subhash Chandra Mukherjee erklärt. Zu den Symptomen gehörten Kribbeln und Taubheitsgefühl in Händen und Füßen, brennender Schmerz in den Beinen bis hin zu Muskelschwund. «Manche Patienten können im Winter wegen des brennenden Gefühls keine Kleidung an den Beinen tragen», sagt er. Andere seien extrem lichtempfindlich und könnten ihre Häuser bei Tag nicht verlassen.

Mukherjee gehört zu einer Gruppe von Medizinern, die hin und wieder auf eigene Kosten mit Chakraborti in die Dörfer fährt, um die Kranken zu behandeln und Tests durchzuführen. Hilfe leisteten dort nur Freiwillige wie sie und Nichtregierungsorganisationen, erzählt der pensionierte Neurologie-Chef des Krankenhauses Medical College in Kolkata. «Es gab nie ein ernsthaftes Bemühen irgendeiner Regierung.» Es gebe viele andere Probleme in Indien, zudem seien die meisten Betroffenen arm, sagt Mukherjee. «Solange keine wichtige Person eine solche Krankheit bekommt, kümmert es keinen.»

Chakraborti erzählt, was passierte, als die Rammbrunnen erstmals nach Westbengalen kamen: «Die Leute sind aus ihren Dörfern geflüchtet und haben «Teufelswassser» gerufen.» Sie hätten Angst gehabt, weil das Wasser von unter der Erde stammte. «Aber Unicef, die WHO und die indische Regierung haben ihnen gesagt: Ihr bekommt wunderbares Wasser und könnt das ganze Jahr über ernten.» So hätten sich die Rammbrunnen durchgesetzt, bis es Millionen waren, erklärt Chakraborti. «Letztlich hat sich gezeigt, dass es tatsächlich Teufelswasser war.»

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So, 2017-07-23 00:02Stuttgart/Ingolstadt (dpa)

Porsche-Betriebsratschef keilt gegen Audi: «Fühlen uns betrogen»

Stuttgart/Ingolstadt (dpa) - Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sieht sein Unternehmen wegen der Abgas-Affäre hintergangen und fordert die Entlassung von Vorständen bei der VW-Konzernschwester Audi. «Ich werde es nicht zulassen, dass Porsche durch Tricksereien von Audi in Gefahr gerät», sagte der oberste Belegschaftsvertreter des Stuttgarter Sport- und Geländewagenbauers der «Bild am Sonntag». «Eigentlich muss der Audi-Aufsichtsrat die Vorstände freistellen.»

Bei der Ingolstädter Oberklasse-Marke sollen Teile des Skandals ihren Ursprung haben. «Dieselgate» war im September 2015 bekanntgeworden, nachdem US-Behörden und Forscher einen höheren Ausstoß gefährlicher Stickoxide von VW-Dieselautos im Straßenbetrieb aufgedeckt hatten. Der Konzern räumte daraufhin ein, eine Software («defeat device») eingesetzt zu haben, die nur bei Tests die Reinigung voll aktivierte.

Von Audi gingen später auch große 3,0-Liter-Dieselantriebe, deren Betrieb zumindest in den USA nicht vorschriftsgemäß war, an Porsche und VW. Dies seien «kranke Motoren» gewesen, sagte Hück: «Wir fühlen uns von Audi betrogen.» Er könne nun «diese ganzen Lügen nicht mehr ertragen». Seine Betriebsratskollegen Bernd Osterloh (VW) und Peter Mosch (Audi) hatten das Management bisher nicht so scharf kritisiert.

Inzwischen laufen auch gegen Porsche-Mitarbeiter Betrugsermittlungen der Staatsanwaltschaft. Hück sagte mit Blick auf die Audi-Chefetage: «Immer und immer wieder haben sie uns versichert, dass die Motoren in Ordnung sind, sogar schriftlich. Nichts davon stimmte, ich glaube denen gar nichts mehr.» Namentlich nannte er keine einzelnen Vorstände. Audi-Chef Rupert Stadler und dessen Kollegen sind derzeit unter Beschuss, auch die Absatzzahlen steigen nicht mehr so schnell wie in früheren Jahren. Berichten zufolge könnte im September ein größerer Umbau der Führungsriege anstehen. Betriebsratschef Mosch hatte der Leitung jüngst eine «fehlende Strategie» vorgeworfen.

Hück sagte zu der manipulativen Abgas-Software: «Dieses Krebsgeschwür muss jetzt endlich richtig behandelt werden, und zwar nicht mit Puder, sondern mit Chemotherapie.» Er wünsche sich, «dass die Herren Vorstände für den Schaden zahlen müssen, den sie angerichtet haben».

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Sa, 2017-07-22 19:15Brüssel (dpa)

Europäische Kommission prüft Kartellvorwürfe gegen Autohersteller

Brüssel (dpa) - Die Europäische Kommission prüft Kartellvorwürfe gegen deutsche Autobauer. Das teilte die oberste Wettbewerbsbehörde im europäischen Binnenmarkt am Samstag der Deutschen Presse-Agentur mit. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» sollen sich Vertreter von Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler schon seit den 90er Jahren gemeinsam über Technik, Kosten und Zulieferer verständigt haben. Trifft dies zu, steht illegales Kartellverhalten im Raum.

«Die Europäische Kommission und das Bundeskartellamt haben diesbezüglich Informationen erhalten, welche zur Zeit von der Kommission geprüft werden», hieß es in Brüssel. Die Kommission und die nationalen Wettbewerbsbehörden kooperierten bei solchen Themen eng miteinander. Es sei aber zu diesem Zeitpunkt verfrüht, weiter zu spekulieren.

Deutsche Autobauer stehen dem Bericht zufolge unter dem Verdacht jahrelanger illegaler Absprachen zu Lasten von Verbrauchern und Zulieferern. Das Magazin berief sich dabei auf einen Schriftsatz, den VW auch für Audi und Porsche bei den Wettbewerbsbehörden eingereicht haben soll. Auch Daimler habe eine «Art Selbstanzeige» hinterlegt.

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Sa, 2017-07-22 19:00München (dpa)

Obergrenze, Mütterrente, Volksentscheide: CSU will Bayernplan feiern

München (dpa) - Knapp eine Woche nach der Verabschiedung des Bayernplans im Parteivorstand will die CSU am Sonntag in München mit einem Bürgerfest ihre Programm für die Bundestagswahl feiern. Parteichef Horst Seehofer und der Spitzenkandidat, Innenminister Joachim Herrmann, wollen die Inhalte im Olympiapark (15.00 Uhr) präsentieren. Am Montag hatte der CSU-Vorstand einstimmig das Papier mit den politischen Zielen beschlossen, auf die sich CSU und CDU im gemeinsamen Wahlprogramm nicht einigen konnten. Dazu zählen neben einer Obergrenze für Flüchtlinge auch der Ausbau der Mütterrente und die Forderung nach bundesweiten Volksentscheiden.

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Sa, 2017-07-22 18:12Wien (dpa)

Rüge des Kanzlers für Kurz: Kern will Diplomatie statt Wahlkampf

Wien (dpa) - Österreichs Kanzler Christian Kern (SPÖ) hat die jüngsten Äußerungen seines Außenministers Sebastian Kurz (ÖVP) zur Migrationskrise scharf kritisiert. «So geht es einfach nicht. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht gegen Italien positionieren», sagte Kern der «Presse am Sonntag». Der Regierungschef forderte mehr Sensibilität gegenüber dem südlichen Nachbarland. Kurz hatte Italien jüngst aufgefordert, den Fährverkehr von italienischen Inseln wie Lampedusa zum Festland für Migranten einzustellen. Dafür war Kurz von italienischen Politikern scharf kritisiert worden. 

Generell rügte Kern das Auftreten von Kurz in der Migrationsfrage, das er für wahltaktisch hält. «Wir müssen sehr aufpassen, dass wir uns außenpolitisch nicht in einer Gruppe mit Viktor Orban und der Lega Nord wiederfinden», sagte Kern dem Blatt weiter. Es gehe nicht an, aus Wahlkampfgründen das Ansehen Österreichs zu gefährden. «Die Außenpolitik Österreichs muss seriös hinter verschlossenen Türen und durch Diplomatie geführt werden - und nicht im Wahlkampf», forderte der Regierungschef. 

Kern und Kurz treten bei den Nationalratswahlen in Österreich am 15. Oktober als Spitzenkandidaten von SPÖ und ÖVP gegeneinander an. Kurz liegt in Umfragen weit vorn.  

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Sa, 2017-07-22 17:14Washington (dpa)

Trump setzt auf neues Kommunikationsteam - Sanders als Sprecherin

Donald Trump liegt im ständigen Clinch mit den Medien. Jetzt geht sein Sprecher Spicer, und der Präsident hat ein neues Kommunikationsteam.

Washington (dpa) - Nach turbulenten sechs Monaten im Weißen Haus setzt US-Präsident Donald Trump auf ein neues Kommunikationsteam. Die 34-jährige Sarah Huckabee Sanders soll zum 1. September den bisherigen Sprecher Sean Spicer ablösen, dessen Stellvertreterin sie bisher war. Sie habe in dieser Rolle eine hervorragende Arbeit geleistet», bescheinigte ihr Trump am Freitagabend (Ortszeit) in einer schriftlichen Erklärung.

Sanders ist erst die dritte Frau in der US-Geschichte, die auf den Sprecherposten rückt. Sie äußerte sich «begeistert über diese Gelegenheit, weiter für die Agenda des Präsidenten zu werben, Amerika wieder groß zu machen». Die Tochter des früheren Gouverneurs von Arkansas, Mike Huckabee, ist dem neuen Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci unterstellt, dessen Berufung ebenfalls am Freitag bekannt gegeben worden war.

Spicer hatte am selben Tag seinen Rücktritt erklärt. Hintergrund war die Entscheidung Trumps für Scaramucci gewesen, der Spicers Vorgesetzter gewesen wäre. Der scheidende Sprecher soll gegenüber Trump erklärt haben, dass er Scaramuccis Berufung für einen Fehler halte. Dem Sender Fox News sagte Spicer, der Präsident habe seinen Rücktritt nicht gewollt, aber er selber habe es für besser gehalten, nicht «zu viele Köche in der Küche zu haben» und «Anthony und Sarah einen reinen Tisch zu geben».

Das Verhältnis zwischen Spicer und Scaramucci gilt als belastet. Scaramucci wird auch als Gegenspieler von Trumps Stabschef Reince Priebus betrachtet. Spicer und Priebus kommen aus dem Parteigefüge der Republikaner, der Investor Scaramucci ist wie Trump ein Außenseiter und entstammt dem Dunstkreis der Wall Street.

Scaramucci ist ein wohlhabender ehemaliger Finanzier. Er war früher für das Investmenthaus Goldman Sachs tätig, dem zahlreiche führende Figuren in Trumps Administration entstammen, etwa Wirtschaftsberater Gary Cohn und Finanzminister Steven Mnuchin.

Der Posten des Kommunikationsdirektors im Weißen Haus war seit Mai dieses Jahres nicht mehr besetzt. Zuvor hatte ihn Michael Dubke inne.

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Sa, 2017-07-22 16:57 (dpa)

Beide Atomreaktoren in Fessenheim stehen still

Straßburg (dpa) - Im umstrittenen elsässischen Atomkraftwerk Fessenheim an der Grenze zu Deutschland stehen wieder beide Reaktoren still. Der Reaktor 1 sei am Samstag für einige Wochen angehalten worden, um einen Teil der Brennstäbe auszutauschen und die Anlage zu warten und zu kontrollieren. Das teilte der Betreiber EDF auf Anfrage in Paris mit und bestätigte damit Berichte der französischen Regionalzeitung «Les Dernières Nouvelles d'Alsace» (DNA) und anderer Medien.

Deutschland und Umweltschützer sehen das älteste französische Atomkraftwerk schon lange als Sicherheitsrisiko. Im April hatte die französische Regierung nach langem Hin und Her die Schließung von Fessenheim offiziell besiegelt. Die damalige Umweltministerin Ségolène Royal koppelte diese jedoch an die Inbetriebnahme eines neuen Meilers in Flamanville am Ärmelkanal - ein ebenfalls umstrittenes Projekt.

Während der Wartungsarbeiten in Fessenheim könnten sich Dampfwolken über dem Kraftwerk bilden, die nicht radioaktiv seien, so EDF. Der zweite Reaktor steht nach früheren Angaben bereits seit Mitte Juni 2016 still, weil die Atomaufsicht ein Prüfzertifikat entzogen hatte. Schon im April war der Reaktor 1 nach einer Störung im nicht-nuklearen Teil der Anlage angehalten worden.

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Sa, 2017-07-22 16:41Hannover/Berlin (dpa)

Autobauer unter Kartellverdacht - VW für bundesweite Diesel-Lösung Von Jan Petermann und Felix Frieler, dpa

In der Autoindustrie könnte sich der nächste Skandal anbahnen. Laut «Spiegel» haben Konzerne über Jahre hinweg Absprachen im Geheimen getroffen und Kunden geschädigt. Die Firmen hüllen sich in Schweigen. Was bedeutet das nun für die Bewältigung der Dieselkrise?

Hannover/Berlin (dpa) - Der Verdacht geheimer Absprachen deutscher Autobauer zum Schaden von Verbrauchern und Zulieferern überschattet die Debatte über die Zukunft des Diesels. Politiker und Branchenbeobachter reagierten am Wochenende alarmiert auf einen «Spiegel»-Bericht, demzufolge Vertreter von Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler sich schon seit den 90er Jahren gemeinsam über Technik, Kosten und Zulieferer verständigt haben sollen.

Trifft dies zu, steht illegales Kartellverhalten im Raum. So könnten etwa Preise künstlich hoch gehalten werden. VW-Chef Matthias Müller forderte derweil eine bundesweite Lösung im Streit um Diesel-Fahrverbote. Hierzu ist am 2. August eine Spitzenrunde in Berlin geplant.

Die Unternehmen wollten sich zu den Vorwürfen bisher nicht näher äußern, Daimler und BMW sprachen von «Spekulationen». Der «Spiegel» stützte seine Darstellung auf einen Schriftsatz, den Volkswagen auch für Audi und Porsche bei den Wettbewerbshütern eingereicht haben soll. Daimler habe ebenfalls eine «Art Selbstanzeige» hinterlegt.

Das Bundeskartellamt erklärte mit Blick auf den Bericht: «Details laufender Verfahren können wir nicht kommentieren.» Die EU-Kommission in Brüssel sagte der Deutschen Presse-Agentur zu dem angeblichen VW-Schriftsatz: «Zu diesem Thema geben wir keine Stellungnahme ab.»

Der Vorwurf wiegt schwer. Mehr als 200 Mitarbeiter der Autobauer sollen sich seit den 90er Jahren in geheimen Arbeitskreisen abgestimmt und auf diese Weise den Wettbewerb behindert haben.

Auch für die weitere Aufarbeitung des Abgas-Skandals bei VW und die Debatte um die Zukunft des Diesels allgemein drohen die Recherchen zu einer Belastung zu werden. Denn bei den angeblichen Absprachen soll es unter anderem um die Technik zur Reinigung von Diesel-Abgasen gegangen sein - und um die Festlegung auf kleinere, aber billigere Tanks für das Mittel AdBlue. Dies ist eine Substanz, mit deren Hilfe gefährliche Stickoxide in Wasser und Stickstoff aufgespalten werden.

Unabhängig von der noch fehlenden Bestätigung für den genauen Inhalt der Ermittlungen gab es bereits heftige Kritik an den Autobauern. Der Linken-Politiker und Ex-Leiter des Abgas-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Herbert Behrens, sagte: «Sollten sich die Meldungen zu Absprachen bestätigen, hätten die betreffenden Konzerne damit nicht nur die Zulieferer geschädigt, sondern auch ihre Kunden und vor allem die Gesundheit der in Innenstädten lebenden Menschen.» Er bekräftigte seine Kritik an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), dem auch die Grünen einen zu laschen Umgang mit der Industrie vorwerfen.

Dobrindt meinte zu dem Verdacht: «Kartellrechtliche Absprachen wären eine zusätzliche Belastung für die Thematik, die wir gerade mit der Automobilindustrie haben. Die Kartellbehörden müssen ermitteln, die Vorwürfe detailliert untersuchen und gegebenenfalls notwendige Konsequenzen ziehen.» Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte schnellstmögliche Aufklärung. «Was schiefgelaufen ist, muss aufgeklärt werden», sagte er am Samstag. Das Thema erschwere die Gespräche mit der Autoindustrie zur Reduzierung von Dieselabgasen.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält den Kartellverdacht für eine bedrohliche Entwicklung. «Es ist so, dass sich Autobauer und Ingenieure natürlich immer austauschen über Technologien», sagte der Professor der Universität Duisburg-Essen der dpa. Wenn aber etwa vereinbart werde, das Verhalten bei Grenzwerten zu Umweltauflagen abzustimmen, wäre das für die deutsche Autoindustrie, «aber auch für die Politik in Berlin und in Brüssel der Super-GAU, ein Erdrutsch».

Laut «Handelsblatt» findet sich unter den von der Staatsanwaltschaft München II bei Durchsuchungen im VW-Konzern, in Wohnungen und bei der US-Kanzlei Jones Day beschlagnahmten Unterlagen eine Präsentation von Audi namens «Clean Diesel Strategie». Darin sei 2010 von einem «Commitment der deutschen Automobilhersteller auf Vorstandsebene» die Rede. Es betreffe den Einbau kleinerer AdBlue-Tanks.

Konkreter Hintergrund der neuen Vorwürfe sind dem «Spiegel» zufolge Ermittlungen wegen des Verdachts auf Absprachen von Stahlpreisen. Das Kartellamt hatte im Sommer 2016 Büros von Autobauern und Zulieferern durchsucht.

Kartellverfahren haben zu Millionenstrafen in verschiedenen Branchen geführt. Zementhersteller, Brauereien oder Wurstfabrikanten wurden zur Kasse gebeten. Auch die Autobranche stand schon im Fokus. Der Ex-Chef der Monopolkomission, Justus Haucap, erwartet für den Fall eines großen Autokartells hohe Bußen. Der «Welt» sagte er, damit sei «auch wegen des sehr langen Zeitraums von rund 20 Jahren» zu rechnen.

VW-Konzernchef Müller räumte in der «Rheinischen Post» (Samstag) ein, dass beim Diesel große Verunsicherung herrsche. «Das spüren wir auch an den Diesel-Bestellungen, die merklich zurückgegangen sind.» Er erwarte, «dass es auf Bundesebene eine Lösung gibt, die für unsere Kunden Verbindlichkeit herstellt». Bislang liegt die Zuständigkeit für Fahrverbote bei den Kommunen. Beim «Diesel-Gipfel» übernächste Woche wollen Bund und mehrere Länder mit der Branche Nachrüstungen für Diesel der Emissionsklassen Euro 5 und 6 vereinbaren.

Bundesverbraucherminister Heiko Maas sieht hier die Autobauer in der Pflicht. «Die Kosten dürfen nicht an den Autokäufern hängenbleiben», sagte der SPD-Politiker der dpa. «Sie haben es nicht zu verantworten, wenn eine zweifelhafte oder manipulierte Software in ihrem Auto ist.»

Der Greenpeace-Verkehrsexperte Tobias Austrup forderte die Bundesregierung auf, dem «Auslaufmodell Verbrennungsmotor» ein klares Enddatum zu setzen. Grünen-Parteichef Cem Özdemir sagte: «Wenn sich der Kartellverdacht gegen VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler bewahrheitet, wäre dies nach den Betrügereien rund um den Diesel ein weiterer Tiefpunkt für die traditionsreiche deutsche Autobranche.»

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Sa, 2017-07-22 16:28Berlin (dpa)

Schulz für «Koalition der Willigen» zur Unterstützung Italiens

Berlin (dpa) - SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat angesichts der vielen über das Mittelmeer kommenden Flüchtlinge stärkere europäische Solidarität mit Italien angemahnt. Gebraucht werde in diesem Fall eine «Koalition der Willigen», sagte Schulz dem Deutschlandfunk. Man könne Italien auch damit helfen, «dass jetzt endlich mal die Länder, die bereit sind, Flüchtlinge aufzunehmen, (...) sich erklären, wie viele sie aufnehmen». Aufnahmebereite Länder sollten dann auch Geld aus dem EU-Haushalt bekommen. Schulz kündigte für die neue Woche eine Reise nach Italien an. Generell sollten Deutschland und Frankreich das Land bei europäischen Initiativen stärker mit einbeziehen.

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Sa, 2017-07-22 16:27Berlin (dpa)

Schulz: «Wahlen entscheiden sich im Schlussspurt»

Berlin (dpa) - SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz setzt trotz des deutlichen Rückstands auf die Union in den Umfragen noch auf eine Aufholjagd bis zur Bundestagswahl. «Wahlen entscheiden sich im Schlussspurt», sagte der SPD-Chef im Deutschlandfunk. Ziel bleibe, stärkste Partei zu werden, auch wenn dies nach derzeitigen Umfragen «ein schwieriger Weg» sei. «Aber es ist immer noch möglich.» Viele, die zu Jahresbeginn mit der SPD sympathisiert hätten, seien nach den verlorenen Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen enttäuscht gewesen. «Aber die haben wir nicht verloren.» Zudem gehe es um die vielen noch unentschlossenen Wähler.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde nicht auf Dauer die Botschaft aussenden können: «Ihr habt mich, das muss genügen», sagte Schulz dem Südwestrundfunk. «Sie hat Verdienste, aber keinen Plan für die Zukunft. Es ist schon so, dass wir Deutschland erneuern müssen.»

Mit Blick auf eine mögliche Koalition mit Beteiligung der Linkspartei legte sich der SPD-Chef weiterhin nicht kategorisch fest. «Wer nach der Wahl mit mir koalieren will, ist herzlich eingeladen auf mich zuzukommen», sagte er im Deutschlandfunk. Wer den Euro, die Nato und die europäische Zusammenarbeit infrage stelle, könne aber «sicher nicht in einer Regierung arbeiten, die von mir geführt wird».

Schulz räumte ein, dass ihn das abrupte Ende des SPD-Höhenflugs in den Umfragen vom Jahresbeginn belastet habe. «Aber ich habe eine innere Mitte.» Er hätte «vielleicht zu einem früheren Zeitpunkt viel intensiver auch Europa thematisieren müssen». Der Kanzlerkandidat verteidigte erneut die Entscheidung, sich nicht als Minister eine bessere Plattform verschafft zu haben. «Ministerien werden nicht für den Wahlkampf vergeben, sondern für das Regieren des Landes.»

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Sa, 2017-07-22 16:23Washington (dpa)

Anthony Scaramucci - glatt, gesprächig und reich

Washington (dpa) - Als Anthony Scaramucci am Freitag sein Debüt als Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses gab, bekundete er gleich 20 mal seine «Liebe» zu Donald Trump und dessen Regierung. Und das sagt schon viel über den 53-jährigen multimillionenschweren New Yorker Ex-Finanzier. Scaramucci ist gesprächig, überschwänglich, er gilt als glatt, ein Mann, der gern verkauft.

Bevor der telegene Harvard-Absolvent seinen neuen Posten erhielt, war er bereits einer der eloquentesten und entschiedensten Fürsprecher von Donald Trump in diversen Fernsehsendungen. Wie es heißt, mag der Präsident «theMooch», wie Scaramucci in Manhattan genannt wird, sehr, weil er ihm in vielen Punkten ähnlich sei - von seinem exaltierten New Yorker Stil bis hin zu seinen Erfolgen als Geschäftsmann.

Scaramucchi kam als Sohn eines italienischen Immigranten zur Welt, der im Sand-Tagebau arbeitete. Er selber war früher unter anderem bei Goldman Sachs tätig und hob dann eine eigene Investment-Firma aus der Taufe. 2005 gründete er Sky Bridge Capital, das er Anfang des Jahres verkaufte. Er hatte auch eine eigene Fernsehshow, «Wall Street Week».

Der verheiratete Scaramucci war nicht immer ein Trump-Anhänger. So hatte er im vergangenen Vorwahlkampf zunächst die republikanischen Bewerber Scott Walker und dann Jeb Bush unterstützt. 2015 nannte er Trump in einer TV-Sendung unter anderem einen «politischen Nichtsnutz», was er am Freitag als «einen meiner größten Fehler» bezeichnete. Jetzt nennt er Trump einen «wunderbaren Menschen».

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Sa, 2017-07-22 16:11Berlin (dpa)

Schulz: «Wahlen entscheiden sich im Schlussspurt»

Berlin (dpa) - SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz setzt trotz des deutlichen Rückstands auf die Union in den Umfragen noch auf eine Aufholjagd bis zur Bundestagswahl. «Wahlen entscheiden sich im Schlussspurt», sagte der SPD-Chef im Deutschlandfunk. Ziel bleibe, stärkste Partei zu werden, auch wenn dies nach derzeitigen Umfragen «ein schwieriger Weg» sei. «Aber es ist immer noch möglich.» Viele, die zu Jahresbeginn mit der SPD sympathisiert hätten, seien nach den verlorenen Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen enttäuscht gewesen. «Aber die haben wir nicht verloren.» Zudem gehe es um die vielen noch unentschlossenen Wähler.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde auf nicht Dauer die Botschaft aussenden können: «Ihr habt mich, das muss genügen», sagte Schulz dem Südwestrundfunk. «Sie hat Verdienste, aber keinen Plan für die Zukunft. Es ist schon so, dass wir Deutschland erneuern müssen.»

Mit Blick auf eine mögliche Koalition mit Beteiligung der Linkspartei legte sich der SPD-Chef weiterhin nicht kategorisch fest. «Wer nach der Wahl mit mir koalieren will, ist herzlich eingeladen auf mich zuzukommen», sagte er im Deutschlandfunk. Wer den Euro, die Nato und die europäische Zusammenarbeit infrage stelle, könne aber «sicher nicht in einer Regierung arbeiten, die von mir geführt wird».

Schulz räumte ein, dass ihn das abrupte Ende des SPD-Höhenflugs in den Umfragen vom Jahresbeginn belastet habe. «Aber ich habe eine innere Mitte.» Er hätte «vielleicht zu einem früheren Zeitpunkt viel intensiver auch Europa thematisieren müssen». Der Kanzlerkandidat verteidigte erneut die Entscheidung, sich nicht als Minister eine bessere Plattform verschafft zu haben. «Ministerien werden nicht für den Wahlkampf vergeben, sondern für das Regieren des Landes.»

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