Fr, 2018-05-25 12:00München (dpa)

Siemens wird Partner bei Northvolt-Batteriefabrik

München (dpa) - Siemens beteiligt sich als Technologiepartner des schwedischen Batteriespezialisten Northvolt beim Aufbau einer Batteriefabrik in Europa. Der Münchner Elektrokonzern investiere 10 Millionen Euro und unterstütze Northvolt beim Bau einer Fertigung für Batteriezellen, sagte Siemens-Digital-Factory-Chef Jan Mrosik am Freitag in München. Wenn die Fabrik im Jahr 2020 in Betrieb gehe, werde Siemens Northvolt zu einem bevorzugten Batterie-Lieferanten machen.

Northvolt will in Schweden die europaweit größte und modernste Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien bauen und damit die Autoindustrie beliefern. Das Unternehmen hatte im September bereits eine Liefer- und Technologiepartnerschaft mit dem Elektrokonzern ABB geschlossen. Northvolt-Chef Peter Carlsson sagte in München: «Europa ist neben China der wichtigste Treiber» beim Übergang zur E-Mobilitität. In den nächsten Jahren werde es ein Unterangebot an Batterien geben.

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Fr, 2018-05-25 12:00Bergen (dpa)

Wildtierstation: Känguru Viggo geht es gut

Bergen (dpa) - Känguru Viggo hat sich in seinem neuen Zuhause in einer niedersächsischen Wildtierstation nach Beobachtung seiner Pfleger gut eingelebt. Das Tier hatte jahrelang bei einer Familie in Bergen bei Celle gelebt und war dort durch den Garten gehopst. In dieser Woche hatten die Behörden der Familie das Känguru aber seinen Besitzern weggenommen. Die Familie habe gegen Haltungsbedingungen verstoßen und monatelang nicht nachgebessert, hieß es zur Begründung.

Nun lebt das Känguru in der Wildtierstation Sachsenhagen. Stationsleiter Florian Brandes sagte am Freitag: «Das Tier verhält sich arttypisch und völlig unauffällig, hat Appetit und sitzt im hohen Gras seines neuen Geheges.» Brandes sagte: «Wir lassen das Tier jetzt zunächst zur Ruhe kommen.» Sollte die Familie in den kommenden Wochen die Anforderungen der Behörden erfüllen, werde das Amt das Tier wieder zurückgeben.

Das Veterinäramt fordert, dass die Familie das Känguru in einem mindestens 200 Quadratmeter großen Gehege hält und einen Artgenossen für Viggo findet. Zurzeit lebt die Familie nach eigenen Angaben auf einem etwa 150 Quadratmeter großen Gelände, will aber bald in ein Haus mit einem ausreichend großen Grundstück umziehen.

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Fr, 2018-05-25 11:34Shenzhen (dpa)

Kanzlerin in China: Mehr Datensicherheit in Kooperation nötig

Mit Hochdruck wird in China an neuen Technologien gearbeitet. Deutsche Unternehmen wollen mitmischen, fürchten aber um ihre Daten. Ihre China-Reise verbindet die Kanzlerin auch mit einem Weckruf.

Shenzhen (dpa) - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mehr Datensicherheit bei der Kooperation mit China in Zukunftstechnologien gefordert. Zum Abschluss ihres zweitägigen China-Besuches in der Innovationshochburg Shenzhen sprach sich Merkel auch für größere Anstrengungen deutscher Unternehmen aus, sich in mehr Felder einen technologischen Vorsprung zu erarbeiten und diesen auch zu halten. Deutschland müsse sich strategisch auf die Digitalisierung und die daraus erwachsenden Veränderungen des Arbeitsmarktes einstellen.

An den High-Tech-Firmen und Startups in der südchinesischen Metropole lasse sich sehen, dass es sehr gute Möglichkeiten der Kooperation gebe, sagte Merkel vor dem Rückflug vor Journalisten. Aber Deutschland sei auch gefordert, mehr zu tun. «Wir sind da nicht in allen Feldern vorneweg, aber man sieht auch an deutschen Unternehmen, dass wir durchaus Weltmarktführer in einigen Bereichen sind», sagte Merkel. «Aber das muss Tag für Tag wieder erarbeitet werden.»

Die Krisen um Nordkorea und den Iran hatten Merkels elften Besuch in China überschattet. Es war der erste seit der Regierungsbildung in Berlin. Die Kanzlerin war am Vortag in Peking mit Chinas Regierungschef Li Keqiang und Staats- und Parteichef Xi Jinping zusammengetroffen. Zur Absage des Gipfeltreffens von Donald Trump mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un durch den US-Präsidenten äußerte sich die Kanzlerin auch auf Nachfragen nicht.

Neben den Menschenrechten und dem mangelnden Schutz des geistigen Eigentums hat Chinas Cybersicherheitsgesetz nach ihren Angaben zu den Themen gehört, die sie in Peking «kritisch» angesprochen habe. «Daten sind der entscheidende Faktor, und Datensicherheit damit für die Unternehmen natürlich auch das A und O», sagte Merkel.

Das neue chinesische Gesetz für Cybersicherheit ist umstritten, weil deutsche Unternehmen in China gesammelte Daten auf Servern vor Ort speichern müssen und deswegen jetzt um deren Sicherheit fürchten. Auch der grenzüberschreitende Datentransfer ist streng und bürokratisch reglementiert. So sehen sich deutsche Autobauer bei der Erhebung von Daten für das autonome Fahren beeinträchtigt.

«Die Kooperation mit China muss jetzt auf ganz neue Füße gestellt werden, natürlich auch mit Blick auf die Digitalisierung», sagte Merkel. Sie hoffe, in den nächsten Monaten mit China beispielhaft in der Autoindustrie eine Absichtserklärung für das autonome Fahren unterzeichnen zu können, die mehr Sicherheit und neue Möglichkeiten einräumen könne. Am 9. Juli finden in Berlin deutsch-chinesische Regierungskonsultationen statt, zu denen Premier Li Keqiang kommt.

VW-Chef Herbert Diess setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit China bei der Entwicklung mobiler Zukunftsthemen. «China hat viel erreicht, aber hat auch noch viel vor. Da können wir mithelfen», sagte Diess am Rande des Besuches der Kanzlerin dem ZDF. «Wir können davon partizipieren und auch natürlich für Deutschland Arbeitsplätze schaffen und auch Gewinne erwirtschaften.»

In Shenzhen nahm Merkel an der Eröffnung einer Innovationsplattform der deutschen Außenhandelskammer teil und besichtigte ein Siemens-Werk, in dem bildgebende Geräte zur Gesundheitsdiagnostik produziert werden. Auch besuchte sie das chinesische Biotech-Startup iCarbonX. Es arbeitet seit 2015 an einer auf künstlicher Intelligenz und der Auswertung großer Datenmengen basierenden Plattform zur Gesundheitsförderung und -vorsorge. Dazu sollen in den nächsten fünf Jahren Gesundheitsdaten wie Herzschlag, Schlafmuster, Blutwerte und die Erbsubstanz von bis zu einer Million Menschen analysiert werden.

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Fr, 2018-05-25 11:18Berlin (dpa)

Bamf-Affäre: Josefa Schmid wies auf 200 weitere Verdachtsfälle hin

Berlin (dpa) - Die gegen ihren Willen versetzte Beamtin Josefa Schmid hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in der Affäre um unrechtmäßig ausgestellte Asylbescheide auf rund 200 weitere Fälle aufmerksam gemacht. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Frage des AfD-Abgeordneten Götz Frömming zu einem von Schmid verfassten Bericht hervor.

Darin heißt es: «Von den Fällen, die in der eigeninitiativ verfassten schriftlichen Darstellung der interimsweise eingesetzten Außenstellenleiterin aufgeführt wurden, waren bereits rund 90 Prozent in die Prüfung einbezogen, die im Herbst 2017 durch die Interne Revision des BAMF begonnen wurde. Die übrigen rund 200 Fälle befinden sich aktuell in der Überprüfung.»

In Bremen sollen Bamf-Mitarbeiter nach Angaben der ermittelnden Staatsanwaltschaft zwischen 2013 und 2016 mindestens 1200 Menschen ohne ausreichende Grundlage Asyl gewährt haben.

Josefa Schmid war im vergangenen Januar als neue Leiterin der Außenstelle nach Bremen geschickt worden. Sie listete in den folgenden Wochen Unregelmäßigkeiten bei der Bearbeitung früherer Asylanträge in Bremen auf. Das Ergebnis ihrer Recherche stellte sie erst der Bamf-Leitung in Nürnberg und dann dem Bundesinnenministerium zur Verfügung. Das Bamf zog Schmid nach vier Monaten aus Bremen ab.

Die Bamf-Mitarbeiterin, die im bayerischen Kollnburg ehrenamtliche Bürgermeisterin und FDP-Mitglied ist, wehrt sich bislang ohne Erfolg gegen ihre Versetzung.

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Fr, 2018-05-25 11:15Frankfurt/Main (dpa)

Warane im Postpaket, Schildkröten im Koffer

Frankfurt/Main (dpa) - Seltene Tiere im Internet bestellt und im Paket verschickt: Beim Hauptzollamt Frankfurt sind im vergangenen Jahr fast 1700 lebend transportierte Kreaturen sichergestellt worden. Das teilte das Amt am Freitag mit. «Zwei grüne Baumwarane kamen im Postpaket aus Indonesien am Flughafen an. Ein Waran war bereits vertrocknet, das andere Tier war in so schlechter Verfassung, dass es kurz darauf ebenfalls verendete», sagte eine Sprecherin. Im Handkoffer eines Reisenden aus Algerien waren vier lebende Maurische Landschildkröten eingepfercht.

Im Jahr 2017 kam es beim Hauptzollamt zu 372 Sicherstellungen von mehr als 13 300 artengeschützten Einzelexemplaren. Darunter waren neben Tieren auch mehr als 2000 lebende Pflanzen. «Der illegale Handel mit exotischen Tier- und Pflanzenarten ist ein profitträchtiges Geschäft, die Folgen für die Umwelt dramatisch», heißt es beim Zoll. Verstöße gegen das Artenschutzübereinkommen können Geldbußen bis 50 000 Euro oder sogar Haft nach sich ziehen.

«Mit Schlangenhäuten überzogene Geigen oder Gitarren werden häufig per Internet geordert», berichtete der Zoll. Ein Paket aus China enthielt eine Weste aus dem Fell des artengeschützten Polarfuchses. Und Musikinstrumente bestehen zum Teil aus artengeschützten Hölzern. Zwischen Januar und Mai 2018 wurden 50 Gitarren oder Griffbretter beschlagnahmt, die zum Teil aus Palisanderholz bestanden.

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Fr, 2018-05-25 10:13Shenzhen (dpa)

Kanzlerin fordert mehr Datensicherheit in Kooperation mit China

Shenzhen (dpa) - Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich für bessere Datensicherheit bei der Kooperation mit China bei Zukunftstechnologien ausgesprochen. Auf der zweiten Station ihrer China-Reise in der südchinesischen Innovationshochburg Shenzhen sagte Merkel am Freitag: «Daten sind der entscheidende Faktor und Datensicherheit damit für die Unternehmen natürlich auch das A und O.»

Chinas Cybersicherheitsgesetz hat nach ihren Angaben neben den Menschenrechten und dem mangelnden Schutz des geistigen Eigentums zu den Themen gehört, die sie am Vortag in Peking mit der chinesischen Führung «kritisch» angesprochen hat.

Das Gesetz für Cybersicherheit ist höchst umstritten, weil deutsche Unternehmen in China gesammelte Daten auf Servern vor Ort speichern müssen und deswegen jetzt um deren Sicherheit fürchten. Auch der grenzüberschreitende Datentransfer ist streng und höchst bürokratisch reglementiert, was beispielsweise deutsche Autobauer bei der Erhebung von Daten für das autonome Fahren beeinträchtigt.

Merkel hofft, in den nächsten Monaten mit China beispielhaft in der Autoindustrie eine Absichtserklärung für das autonome Fahren unterzeichnen zu können, das mehr Sicherheit und neue Möglichkeiten einräumen kann.

In der Metropole Shenzhen mit ihren High-Tech-Firmen und Startups lasse sich sehen, dass es sehr gute Möglichkeiten der Kooperation gebe, «aber auch dass wir aufgefordert sind, uns eben auch strategisch mit der Digitalisierung und den daraus erwachsenden Veränderungen des Arbeitsmarktes zu befassen», sagte Merkel.

«Wir sind da nicht in allen Feldern vorneweg, aber man sieht auch an deutschen Unternehmen, dass wir durchaus Weltmarktführer in einigen Bereichen sind», sagte die Kanzlerin. «Aber das muss Tag für Tag wieder erarbeitet werden.»

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Fr, 2018-05-25 09:18Cheyenne (dpa)

Wyoming erlaubt wieder Grizzlyjagd

Grizzlys sind Nordamerikas ikonische Bären. Lange standen sie unter US-weitem Schutz. Jetzt, unter bundesstaatlicher Aufsicht, geht es ihnen wieder an den Kragen.

Cheyenne (dpa) - Erstmals seit 44 Jahren erlaubt der US-Bundesstaat Wyoming im Herbst wieder die Jagd auf Grizzly-Bären. Vor wenigen Tagen gab die zuständige Wildnisbehörde den Abschuss von bis zu 22 Bären frei - ein Jahr, nachdem die Grizzlys in und um den riesigen Yellowstone Nationalpark im Nordwesten der USA von der Liste der gefährdeten Arten genommen worden waren. Die US-Regierung hatte das Management der Bären damit in die Hände der Bundesstaaten gelegt. Im Park selbst dürfen die Bären jedoch nicht geschossen werden.

Während Jäger und viele ansässige Rancher sich über die Jagderlaubnis freuen, protestieren Tierschützer und amerikanische Ureinwohner, denen der mächtige Bär heilig ist. Eine Online-Petition sammelte in den ersten Tagen schon über 200 000 Unterschriften. Auch mehrere Gerichtsverfahren, deren Urteile die Jagderlaubnis in den nächsten Monaten noch stoppen könnten, laufen. Biologen der Wildnisbehörde sind jedoch der Auffassung, limitiertes Jagen gefährde den Bestand der Yellowstone-Grizzlys nicht.

«Die Trophäenjagd auf diese majestätischen Tiere zu erlauben ... so kurz nachdem sie ihren Schutzstatus verloren haben, hilft nicht das Vertrauen in das bundesstaatliche Management der Bären zu stärken», monierte Tierschützerin Bonnie Rice vom Sierra Club in der «Washington Post».

Grizzlys, die sich sehr langsam fortpflanzen, waren in den 1970er Jahren fast ausgerottet. Durch ein US-weites Abschussverbot hatten sich die Bestände in Kontinentalamerika auf wieder rund 2000 Bären erholt. Das hatte aber auch Probleme mit sich gebracht, weil sie auf Futtersuche auch Menschen nahe kamen. Durch Zusammenstöße mit Autos oder Konfrontationen mit Menschen, die dann aus Selbstschutz zur Waffe greifen, sterben jährlich viele Dutzend Grizzlys.

Die im Glacier National Park (Montana) entlang der kanadischen Grenze lebenden Grizzlys stehen derzeit noch unter Schutz. Viele weitere leben in Kanada und in Alaska, wo die Jagd erlaubt ist. Idaho, das ebenso wie Montana vom Yellowstone Park touchiert wird, hat vor kurzem den Abschuss eines männlichen Bären erlaubt.

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Fr, 2018-05-25 09:07Cheyenne (dpa)

Wyoming erlaubt wieder Grizzlyjagd

Cheyenne (dpa) - Erstmals seit 44 Jahren will der US-Bundesstaat Wyoming im Herbst wieder die Jagd auf Grizzly-Bären erlauben. Die Ankündigung der Wildnisbehörde, bis zu 22 Bären zum Abschuss freizugeben, kam nur ein Jahr, nachdem die Grizzlys in und um den riesigen Yellowstone Nationalpark von der Liste der gefährdeten Arten genommen worden waren. Der Park liegt weitestgehend in Wyoming. Amerikanische Ureinwohner und Tierschützer protestierten gegen die Pläne. Grizzlys sind in Nordamerika ikonische Tiere. In den 70er Jahren waren sie fast ausgerottet. Durch ein US-weites Abschussverbot hatten sich die Bestände auf wieder rund 2000 Bären erholt. Viele weitere Grizzlys leben in Kanada und Alaska, wo die Jagd erlaubt ist.

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Fr, 2018-05-25 08:53Bratislava (dpa)

Slowakei: Ministerin übersteht Misstrauensvotum nach Journalistenmord

Bratislava (dpa) - Drei Monate nach dem Mord an einem slowakischen Enthüllungsjournalisten hat die slowakische Landwirtschaftsministerin Gabriela Matecna ein Misstrauensvotum im Parlament überstanden. Drei Oppositionsparteien hatten ihr vorgeworfen, für mutmaßliche EU-Förderungsbetrügereien im Agrarsektor mitverantwortlich zu sein, über die der ermordete Jan Kuciak recherchiert hatte.

Matecna habe davor aber auch schon in früheren Führungsfunktionen bei zwei wichtigen staatlichen Agrarbehörden wesentlich dazu beigetragen, dass das System der Agrarförderungen in der Slowakei intransparent und korruptionsanfällig geworden sei, begründeten die Oppositionspolitiker ihren Misstrauensantrag.

Nach mehr als zehnstündiger Debatte stimmten am Donnerstagabend nur 60 der 134 anwesenden Abgeordneten für die Abberufung der parteilosen, von der rechtspopulistischen Nationalpartei SNS nominierten Ministerin. 70 Parlamentarier des Regierungslagers stimmten dagegen und vier Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Zum Sturz Matecnas, die zugleich eine von vier stellvertretenden Regierungschefs ist, wäre die absolute Mehrheit von 76 der 150 gewählten Parlamentarier notwendig gewesen.

Der 27 Jahre alte Journalist Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren am 21. Februar in ihrem Haus im westslowakischen Dorf Velka Maca im Stil einer Hinrichtung erschossen worden. Kuciak hatte über die Verfilzung von Politik und Geschäftemacherei recherchiert. Insbesondere ging es dabei um EU-Agrarförderungen, die sich mutmaßliche italienische Mafia-Angehörige mithilfe ihrer Kontakte zur Politik erschlichen haben sollen. Die nach seinem Tod veröffentlichten Enthüllungen stürzten die Slowakei in eine innenpolitische Krise.

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Fr, 2018-05-25 07:55Frankfurt/Singapur (dpa)

Ölpreise geben weiter nach

Frankfurt/Singapur (dpa) - Die Ölpreise sind am Freitag erneut etwas gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juli kostete am Morgen 78,65 US-Dollar. Das waren 14 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um zehn Cent auf 70,61 Dollar.

Auf Wochensicht ist der US-Ölpreis um fast drei Prozent und der Brentpreis um etwa einen Prozent gefallen. Damit ist der jüngste Höhenflug der Ölpreise vorerst beendet. Zuvor hatte unter anderem die Sorge vor neuen Sanktionen der USA gegen das wichtige Förderland Iran die Ölpreise beflügelt. Der US-Ölpreis hatte am Dienstag den höchsten Stand seit November 2014 erreicht.

Als Gründe für das vorläufige Ende des Höhenflugs der Ölpreise werden jüngste Aussagen aus Saudi-Arabien und Russland genannt. Vertreter der beiden wichtigen Ölstaaten wollen auf dem Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) im Juni über eine Lockerung der Förderbeschränkungen reden. Eine Änderung sei aber abhängig von der Lage der Märkte, hatte zuletzt der russische Energieminister Alexander Novak gesagt. Russische Ölförderunternehmen hätten um mehr Flexibilität gebeten.

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Fr, 2018-05-25 05:30Bremen (dpa)

Krisentreffen in Bremen mit Bamf-Chefin Cordt

Die in die Kritik geratene Präsidentin des Flüchtlingsbundesamtes will bei einem Treffen über offene Fragen in der Bamf-Affäre sprechen. Von allen Seiten wird Aufklärung gefordert. Ergebnisse des Treffens werden aber wohl zunächst nicht bekannt.

Bremen (dpa) - In der Affäre um unrechtmäßige Asylbescheide nimmt die in die Kritik geratene Präsidentin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Jutta Cordt, am Freitag (12.00 Uhr) an einem Krisentreffen in Bremen teil. Bei der Zusammenkunft soll es um offene Fragen zu den Vorgängen in der dortigen Bamf-Außenstelle gehen. Auch eine Delegation des Bundesinnenministeriums reist in die Hansestadt. Pressestatements nach dem Treffen sind nach Angaben des Bremer Innenressorts nicht geplant.

Das Bremer Flüchtlingsamt soll zwischen 2013 und 2016 mindestens 1200 Menschen ohne ausreichende Grundlage Asyl gewährt haben. Gegen die ehemalige Leiterin der Außenstelle ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Bamf-Standort in Bremen darf bis zum Abschluss der Ermittlungen keine weiteren Asylentscheide mehr erstellen. Dieses Verbot hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ausgesprochen, zudem sollen Tausende Asylbescheide der Bremer Behörde überprüft werden.

Forderungen nach einer Abberufung Cordts wies das Ministerium am Donnerstag zurück. Am Dienstag sollen Seehofer und Cordt im Innenausschuss des Bundestages befragt werden. Ob die Bamf-Affäre auch in einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss münden wird, ist noch unklar.

CSU-Generalsekretär Markus Blume wies Kritik seines SPD-Kollegen Lars Klingbeil an Seehofer zurück. «Ist der SPD-Generalsekretär noch ganz bei Trost?» Seehofer habe drei Jahre lang vor den Auswirkungen der Flüchtlingskrise gewarnt. «Es ist geradezu absurd, ihm nun mangelnden Aufklärungswillen vorzuwerfen», sagte Blume der «Passauer Neuen Presse» (Freitag). Klingbeil hatte gesagt, die Öffentlichkeit habe ein Interesse daran zu erfahren, wie es zu solchen Zuständen kommen konnte. «Seehofer hat diese Antworten bisher nicht gegeben.»

Die Grünen würden sich gegen einen zuerst von der FDP geforderten Untersuchungsausschuss zu den Unregelmäßigkeiten beim Bamf nicht sperren. In der Linkspartei besteht noch keine Einigkeit. Die AfD hätte gerne einen Ausschuss, der die aus ihrer Sicht unrechtmäßige Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) insgesamt durchleuchtet. Seehofer hatte sich offen für einen Ausschuss gezeigt, der wohl in erster Linie Vorkommnisse aus der Amtszeit seines Amtsvorgängers Thomas de Maizière (CDU) in den Blick nehmen würde.

Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor wies Forderungen aus der Opposition nach der Einrichtung eines solchen Gremiums zurück. Die Union wolle «eine sachliche und schnelle Lösung, während die Opposition eine langfristige Verknüpfung mit der Bayern-Wahl zu ihren Gunsten will», sagte Amthor «Focus Online». «Das wird aber dem Bamf, seinen Mitarbeitern und den bestehenden Problemen nicht gerecht, die kurzfristig gelöst werden müssen.»

Auch Bertold Reetz von der Inneren Mission in Bremen, die neun Flüchtlingsunterkünfte im kleinsten Bundesland betreibt, forderte eine Aufklärung der Affäre. «Es ist wichtig, dass es beim Bamf korrekt zugeht», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Reetz mahnte aber auch, die Affäre dürfe nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen werden. Marc Millies vom Bremer Flüchtlingsrat berichtete, der Skandal verunsichere viele Geflüchtete. «Sie haben Angst davor, dass sich ihr Aufenthaltsstatus ändert oder ihnen eine Abschiebung droht.»

Dass die Bremer Bamf-Außenstelle auf Anordnung des Innenministeriums bis auf weiteres keine Asylbescheide mehr ausstellen darf, bezeichnete Reetz als «Irrsinn». «Die Verfahren werden sich erheblich verzögern.» Die Asylsuchenden in Bremen müssen in der nächsten Zeit nach Angaben des Bamf in das etwa 80 Kilometer entfernte Ankunftszentrum in Bad Fallingbostel fahren. Busse sollen sie dorthin bringen.

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Fr, 2018-05-25 05:25Seoul/Washington (dpa)

Nordkorea zeigt sich nach Trumps Absage weiter zu Gipfel bereit

Heute Hüh, morgen Hott. US-Präsident Trump sagt den Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim ab, Pjöngjang zeigt sich plötzlich weiter zum Treffen bereit.

Seoul/Washington (dpa) - Nach der abrupten Absage des Gipfeltreffens mit den USA durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat Nordkorea weitere Gesprächsbereitschaft signalisiert. «Wir wollen die USA wissen lassen, dass wir die Absicht haben, uns mit den USA jederzeit und egal auf welche Weise zusammenzusetzen», erklärte der Erste Vizeaußenminister Kim Kye Gwan am Freitag. Zugleich warf er den USA erneut vor, auf Nordkorea vor dem geplanten Gipfel lange Zeit Druck ausgeübt zu haben, damit es einseitig sein Atomprogramm aufgebe. Trump hatte den als historisch angekündigten Gipfel am Donnerstag in einem später veröffentlichten Brief an den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un abgesagt. Das Weiße Haus machte die nordkoreanische Seite verantwortlich.

Bei dem für den 12. Juni in Singapur geplanten Treffen sollte es um eine friedliche Lösung des langjährigen Konflikts um das nordkoreanische Atomprogramm gehen. Die USA bestanden auf einer sofortigen, nachhaltigen und überprüfbaren Vernichtung der Atomwaffen Nordkoreas. Zuletzt hatte Trump erkennen lassen, dass auch ein Abbau in Phasen möglich sei.

Trumps einseitige Absage sei unerwartet gewesen, wurde Nordkoreas Vizeaußenminister, der in der vergangenen Woche selber noch mit einer Absage des Gipfels gedroht hatte, von den Staatsmedien zitiert. «Wir bedauern das sehr», sagte der langjährige Atomunterhändler. Die Entscheidung Washingtons stimme nicht mit dem Wunsch der Menschheit nach Frieden und Stabilität in der Welt, ganz zu schweigen von der koreanischen Halbinsel, überein. Nordkorea sei willens, der US-Seite «Zeit und Gelegenheit» zu geben. Er warnte zugleich, die Absage könnte die Führung in Pjöngjang dazu veranlassen, ihre «Wahl für einen neuen Weg» zu überdenken.

Der versöhnlichere Ton aus Pjöngjang steht im Gegensatz zu der verschärften Rhetorik der vergangenen Tage. Kurz vor der Gipfel-Absage hatte die kommunistische Regierung US-Vizepräsident Mike Pence als «ignorant und dumm» bezeichnet. Die nordkoreanische Vizeaußenministerin Choe Son Hui hatte erklärt, Nordkorea sei zu einer atomaren Machtprobe ebenso bereit wie zu Verhandlungen.

Wenige Stunden später verkündete das Weiße Haus die Entscheidung Trumps. Gleich eine ganze Reihe von Zusagen seien nicht eingehalten worden. Es gebe jedoch noch die Chance, das auch wieder zu ändern, sagte Trump. «Zögern Sie nicht, mich anzurufen oder schreiben Sie», forderte Trump den Machthaber in Pjöngjang in einer im diplomatischen Verfahren ungewöhnlichen Wortwahl auf.

Der US-Präsident machte deutlich, dass die US-Streitkräfte bereitstünden, sollte es nun militärische Aggressionen seitens Nordkorea geben oder das Land «töricht handeln». Trump drohte Nordkorea in seinem Brief mit den Atomwaffen der USA. «Sie reden über Ihre nukleare Bewaffnung», schrieb er. «Aber unsere sind so massiv und so mächtig, dass ich zu Gott bete, dass sie nie angewendet werden müssen.»

Südkoreas Präsident Moon Jae In, der sich sehr für das Treffen zwischen Trump und Kim Jong Un eingesetzt hatte, reagierte noch in der Nacht zum Freitag enttäuscht auf die Gipfel-Absage. Er rief die politischen Führer Nordkoreas sowie der verbündeten USA zu direkten Gesprächen auf.

Am Freitag sagte Vereinigungsminister Cho Myoung Gyun in Seoul, der allgemeine Hintergrund der Entscheidung für die Absage müsse noch analysiert werden. Südkorea wolle zugleich seine Anstrengungen für die Umsetzung der Erklärung des innerkoreanischen Gipfels vom 27. April fortsetzen, wurde Cho von südkoreanischen Sendern zitiert. Nordkorea scheine sich nach wie vor ernsthaft um eine «Denuklearisierung» bemühen zu wollen.

Die Absage per Brief kam nur wenige Stunden, nachdem Nordkorea eigenen Angaben zufolge sein Atomtestgelände Punggye-ri gesprengt hatte. Die Schließung des in einer Bergregion liegenden Testkomplexes war als ein symbolischer Schritt gewertet worden, mit dem das abgeschottete Land seine Bereitschaft zur Denuklearisierung demonstrieren wollte. Das Weiße Haus kritisierte, dass keine internationalen Experten, sondern nur Reporter als Zeugen zu den Sprengungen der Testtunnel zugelassen wurden.

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Fr, 2018-05-25 05:00Wolfsburg (dpa)

Wie aus Hitlers Autofabrik ein Weltkonzern wurde Von Thomas Strünkelnberg, dpa

Unter 1000 Mark sollte er kosten, der erste Volkswagen, der das Auto massentauglich machen sollte. Das schaffte der spätere «Käfer» nie. Aber aus Volkswagen wurde trotz aller Krisen - nicht nur «Dieselgate» - in 80 Jahren die Nummer eins der Autobauer.

Wolfsburg (dpa) - Die Idee: Autofahren für alle erschwinglich machen. Das Problem: Auch die Nationalsozialisten erkannten einst die Strahlkraft dieser populären Idee und instrumentalisierten sie für ihre Zwecke. Das Ergebnis: Am 26. Mai 1938, einem sonnigen Himmelfahrtstag, legte Adolf Hitler den Grundstein für das Herz des heutigen Autogiganten Volkswagen - das Werk in Wolfsburg.

Bis der erste «Käfer» vom Band lief - eine automobile Legende, die den Aufstieg von Volkswagen erst ermöglichte - sollte noch viel Zeit vergehen. 80 Jahre später und trotz aller Krisen, darunter der milliardenteure Abgasskandal, ist der Riesen-Konzern der weltgrößte Autobauer.

Dabei entpuppte sich das hehre Ziel, möglichst allen Menschen das Autofahren nahezubringen und bezahlbar zu machen, in der Nazi-Zeit schnell als Lüge und Utopie - die Stunde des ersten Volkswagens, des später liebevoll «Käfer» genannten Typs 1, schlug erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Und für 990 Reichsmark, wie die Nazis warben, war er nie zu haben. Andere preisgünstige Autos waren mindestens um ein Drittel teurer, wie VW-Sprecher Dieter Landenberger sagte. Doch selbst die 990 Reichsmark der NS-Propaganda seien für viele Menschen unerschwinglich gewesen.

Statt des von Ferdinand Porsche konstruierten «Käfers» rollten zunächst Kübel- und Schwimmwagen aus den Wolfsburger Werkshallen an die Fronten, auch Flugzeugteile oder Panzerfäuste wurden hergestellt. Ein düsteres Kapitel: Die VW-Geburt hängt zusammen mit dem Schicksal von Zwangsarbeitern, die in den Kriegsjahren 1943/44 zeitweise etwa 80 Prozent der Belegschaft stellten, wie Landenberger sagte.

Insgesamt seien es nahezu 20 000 Zwangsarbeiter gewesen. Im deutschen Durchschnitt habe der Anteil der Zwangsarbeiter an den Belegschaften bei etwa 30 Prozent gelegen - der höhere Anteil bei Volkswagen erkläre sich mit der Entstehung des Werks «auf der grünen Wiese»: Es habe schlicht zu wenig Arbeitskräfte gegeben.

Volkswagen gab 1986 den Auftrag, die eigene NS-Geschichte zu untersuchen, der Konzern beteiligte sich zudem an der im Jahr 2000 gegründeten Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ), die nach eigenen Angaben insgesamt etwa 4,4 Milliarden Euro an fast 1,7 Millionen ehemalige Zwangsarbeiter der NS-Diktatur auszahlte.

Hitler, der Porsche bewunderte, nahm zwischenzeitlich selbst regen Anteil an der Entwicklung des Volkswagens, des damals sogenannten Kdf-Wagens - nach dem Namen der NS-Organisation Kraft durch Freude (KdF). Nach «Verwertung der Kriegserfahrungen mit diesem Fahrzeug» werde dem deutschen Volk ein Automobil beschert, das «unübertreffbar» sei, sagte der Diktator einst in seinen Tischgesprächen. Doch an zivilen Fahrzeugen verließen bis Kriegsende laut Landenberger nur rund 600 Stück die Werkshallen - vor allem für Staatsstellen und Privilegierte, die dem Regime nahestanden.

Dass schon die Nazis in Wolfsburg - auch die Stadt entstand damals - von Anfang an groß gedacht hatten, zeigen die Ausmaße der noch heute einschüchternd wirkenden Fabrik am Mittellandkanal, deren mit enteignetem Gewerkschaftsvermögen finanzierter Bau schon kurz vor der Grundsteinlegung begonnen hatte. Eigentlich begann die VW-Geschichte aber noch früher: Am 28. Mai 1937 wurde die «Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH» gegründet, und schon 1934 hatte der Reichsverband der Automobilindustrie Ferdinand Porsche damit beauftragt, den ersten Volkswagen zu konstruieren.

Landenberger betonte, bei der Grundsteinlegung habe es sich weder um den Gründungsakt des Unternehmens noch der Stadt Wolfsburg gehandelt. Dass die Grundsteinlegung aber als moderner Mythos in der kollektiven Erinnerung bis heute eine große Rolle spiele, sei der Tatsache geschuldet, dass sie mit etwa 50 000 Teilnehmern als Großereignis von der Nazi-Propaganda inszeniert worden sei.

Vorgesehen war für das Volkswagen-Werk nach Vorstellungen der Nazis eine theoretische Jahresproduktion von bis zu 1,5 Millionen Autos - zu einer Zeit, als die gesamte deutsche Autobranche pro Jahr 380 000 Wagen fertigte. Dass VW dereinst noch wesentlich größer werden sollte - das war Zukunftsmusik.

Und nach dem Krieg sah zunächst auch wenig nach Größe aus: Die Briten stellten die Weichen für den Aufstieg von Volkswagen, und mit ganzen 55 Fahrzeugen startete im Dezember 1945 die Produktion des Typs 1. 1947 begann der Export. Genau genommen handelte es sich um 5 Fahrzeuge für die Niederlande.

Aber damit begann es, das Wirtschaftswunder rund um Volkswagen und den beliebten «Käfer». Von Anfang an war Volkswagen ein besonderer Konzern mit besonders starkem Einfluss der Arbeitnehmerseite und des Landes Niedersachsen - das umstrittene VW-Gesetz, das den Sonderstatus des Landes und seine Sperrminorität bei einem Stimmrechtsanteil von 20 Prozent sichert.

Was dann folgte, war ein Aufstieg ohnegleichen: In den acht Jahrzehnten seit der Grundsteinlegung entwickelte sich Volkswagen zum größten Autobauer der Welt. Der Konzern umfasst heute zwölf Marken - darunter die Stammmarke VW, aber auch Audi, Porsche oder Skoda. Die Unternehmensgruppe beschäftigt mehr als 640 000 Mitarbeiter und liefert jährlich mehr als 10 Millionen Fahrzeuge aus.

Außerdem ist die Geschichte des Weltkonzerns reich an Affären und Konflikten: die existenzbedrohende Krise Anfang der 1990er Jahre, der Skandal um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten, die Übernahmeschlacht mit Porsche, der Machtkampf des schließlich doch entthronten Ex-Konzernchefs Martin Winterkorn mit dem langjährigen Mentor und Chefaufseher Ferdinand Piëch. Alles in den Schatten stellte aber «Dieselgate».

Denn im September 2015 rutschte Volkswagen in die wohl tiefste und gefährlichste Krise seiner Geschichte. Damals gab VW zu, in großem Stil bei Abgastests von Diesel-Fahrzeugen getrickst zu haben - und ringt nach zahlreichen Klagen und milliardenschweren Vergleichen in den USA noch immer um Vertrauen. Immer wieder schien es zwischenzeitlich, als sei die Krise ausgestanden, aber immer wieder holte der Skandal den Autobauer ein.

Zuletzt Anfang Mai: Kaum hatte der neue Konzernchef Herbert Diess auf der Hauptversammlung gefordert, Volkswagen müsse «anständiger werden», da platzte die Nachricht wie eine Bombe: Die US-Justiz will Ex-Chef Winterkorn im Abgasskandal vor Gericht bringen. Die Affäre dürfte Volkswagen noch lange beschäftigen.

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Fr, 2018-05-25 04:00Heidelberg (dpa)

Rauchen ohne Reue? - Diskussion über E-Zigaretten und Tabakerhitzer Von Wolfgang Jung, dpa

Zum Weltnichtrauchertag könnte der Streit wieder aufflammen: Sind Tabakerhitzer und E-Zigaretten ein guter Ersatz für herkömmliche Glimmstängel? Auch in Deutschland sind die Dampfgeräte beliebt. Krebsforscher sind skeptisch.

Heidelberg (dpa) - Es ist für Krebsforscher ein eher trauriges Jubiläum: Seit genau 30 Jahren ist der 31. Mai Weltnichtrauchertag. Wissenschaftler sehen keinen Grund zum Feiern. «Herkömmliche Zigaretten verursachen allein in Deutschland jährlich rund 120 000 Todesfälle, aber rund ein Viertel der Erwachsenenbevölkerung raucht weiter», klagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Doch der Markt hat sich verändert, längst preist die Tabakindustrie E-Zigaretten und Tabakerhitzer als Alternativen an. Wie ungefährlich sind aber die vermeintlichen «Lebensretter»?

Wissenschaftler um David Levy von der Georgetown University in Washington berechneten im vergangenen Jahr in zwei Szenarien, wie sich der Wechsel eines Großteils der Raucher zu E-Zigaretten in den USA auf die Gesundheit auswirken könnte. In einem optimistischen Fall kalkulierte das Team im Fachblatt «Tobacco Control», dass innerhalb von 10 Jahren 6,6 Millionen vorzeitige Todesfälle vermieden würden.

Sogar bei einem pessimistischen Verlauf - in dem E-Zigaretten schädlicher wären als damals bekannt - gab es noch 1,6 Millionen weniger Todesfälle als ohne Umstieg aufs Dampfen.

Also eine gute Nachricht zum Weltnichtrauchertag? Ute Mons sieht solche Prognosen skeptisch. Zwar könne der Umstieg auf E-Zigaretten durchaus eine weniger schädliche Alternative für jene sein, die einen Rauchstopp mit herkömmlichen Methoden nicht schaffen oder wollen. «Bei der Diskussion wird aber der eigentliche Hauptschauplatz oft aus dem Blick verloren. Es muss viel mehr getan werden, um Raucher zu einem Rauchstopp zu motivieren», sagt die DKFZ-Abteilungsleiterin.

Grundsätzlich, das betonen auch Forscher, fehlen abschließende Analysen zu den Folgen. Für eine eindeutige, verlässliche Bilanz seien E-Zigaretten noch nicht lange genug auf dem Markt, heißt es oft. Viele, die der E-Zigarette positiv gegenüberstehen, sehen sie als Chance zum Ausstieg aus der Tabakabhängigkeit, um damit das Gesundheitsrisiko zu reduzieren. «Elektrische Zigaretten und Liquids werden immer beliebter, viele Raucher sind von der Tabak-Zigarette schon auf das Dampfen umgestiegen und inhalieren nur noch Liquid aus dem Verdampfer ihrer E-Zigarette», heißt es etwa in einer Werbung.

Skeptiker hingegen fürchten, dass zum Beispiel Jugendliche über die oft als «hip» präsentierte E-Zigarette in den Tabakkonsum einsteigen könnten. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die 1988 den Weltnichtrauchertag auf den 31. Mai festlegte, sieht darin ein potenzielles Einfallstor für Nikotinsucht. «Wir hätten uns gewünscht, dass über die Zulassung der E-Zigarette erst mit Hilfe einer ausreichenden Erforschung entschieden worden wäre», meint ein WHO-Mitarbeiter.

Die Zigarettenindustrie ist ständig im Wandel - einer der jüngsten Trends heißt Iqos. Dem Hersteller zufolge soll das elektronische Gerät, in das ein Tabakstick gesteckt wird, weniger schädlich sein als eine «klassische» Zigarette. Als «innovatives Tabakheizsystem, das Tabak erhitzt, ohne ihn zu verbrennen, um Ihnen den Geschmack von Tabak ohne Feuer und Asche zu bieten», preist der Entwickler das Gerät.

Einrichtungen wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigen, dass ausgewählte Hauptschadstoffe des Rauchs - darunter krebserzeugende Substanzen - deutlich reduziert sind. Das bedeutet Experten zufolge aber nicht, dass Tabakerhitzer harmlos sind, denn es würden weiterhin krebserzeugende Substanzen aufgenommen.

«E-Zigaretten und Tabakerhitzer dürfen nicht in einen Topf geworfen werden», sagt Ute Mons. «E-Zigaretten erhitzen eine meist nikotinhaltige Flüssigkeit, und das entstehende Aerosol enthält bei sachgemäßem Gebrauch kaum krebserzeugende Substanzen.» Hingegen führe das Erhitzen von Tabak zwar zu reduziertem Schadstoff, aber die Nutzer seien dennoch nicht unerheblichen Mengen davon ausgesetzt.

«Auch wenn nicht alle Fragen beantwortet sind: Experten gehen davon aus, dass E-Zigaretten wahrscheinlich deutlich weniger schädlich sind als herkömmliche Zigaretten - und wahrscheinlich auch weniger schädlich als Tabakerhitzer», meint die Expertin vom DKFZ.

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Fr, 2018-05-25 04:00Düsseldorf/Köln (dpa)

Und plötzlich Multiple Sklerose - «Fuck, MS» Von Antonia Hofmann, dpa

Patrick Arendt hat MS. Seine Leidenschaft - das Klippenspringen - lässt er sich davon nicht kaputt machen. Weil er auch anderen Mut machen will, zeigt der 30-Jährige auf Youtube: Das Leben geht weiter. Über den Umgang mit einer «Hätte-Wäre-Konjunktiv-Krankheit.»

Düsseldorf/Köln (dpa) - In mehr als sieben Metern Höhe und mit dem Rücken zum Wasser macht sich Patrick bereit. Nur seine Fußballen berühren noch den Beton des Sprungturms in der Kölner Sporthochschule. Der 30-Jährige hebt die Arme. Manchmal blockiert in diesem Moment etwas in Patricks Kopf: Was wäre wenn? Durch seine Krankheit sind solche Momente häufiger geworden. Heute springt Patrick dennoch, macht einen Rückwärtssalto und taucht Sekunden später unter - trotz seiner Multiplen Sklerose.

Vor knapp zwei Jahren bekam Patrick Arendt, Hobby-Wasserspringer aus Düsseldorf, die Diagnose. Er fuhr gerade Rad, als plötzlich Nummernschilder und Straßennamen auf seinem rechten Auge verschwammen. Nach mehreren Arztbesuchen und Untersuchungen kam dann der Schlag ins Gesicht: «Fuck, MS», dachte Patrick. «Habe ich jetzt die Doppelsichtigkeit-Augen-Scheiße für den Rest meines Lebens?»

Patricks erster sogenannter Schub wurde mit Cortison behandelt und dauerte drei Monate. Solche neurologischen Ausfälle sind typisch für Multiple Sklerose, eine nicht heilbare chronisch entzündliche Erkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise das Zentrale Nervensystem angreift. In Deutschland leben laut einer aktuellen Studie immer mehr gesetzlich Versicherte mit der Diagnose. Ihr Anteil an der Untersuchungsgruppe wuchs demnach innerhalb von sechs Jahren von rund 0,25 Prozent (2009) auf knapp 0,32 Prozent (2015).

«Studien aus anderen westlichen Ländern haben gezeigt, dass die Lebenserwartung von MS-Patienten zugenommen hat und wir gehen davon aus, dass das auch in Deutschland der Fall ist», begründet einer der Autoren, Jakob Holstiege vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, einen Teil der Zunahme.

Zudem erkrankten heute in unseren Breitengraden tatsächlich mehr Menschen neu an MS. Die genauen Gründe kennen Wissenschaftler nicht. «Über die Erkrankungsursachen der MS weiß man manches, aber man hat kein vollständiges Bild davon», sagte Holstiege im Vorfeld des Welt-MS-Tages am 30. Mai. Die Krankheit gilt als genetisch beeinflusst, soll aber auch mit Umweltfaktoren wie Rauchen, Vitamin-D-Mangel oder Übergewicht in der Jugend zusammenhängen.

Patricks zweiter und bisher letzter Schub kam im November 2016: ein anfangs sehr starkes und bis heute andauerndes Kribbeln im linken Arm und Bein. Im Training habe es einmal so doll gekribbelt, dass er unsicher wurde: «Irgendwas hat mir gesagt, spring nicht, sonst landest du auf der Fresse.» Aber Patrick arbeitet daran. «Ich gehe es im Kopf durch», sagt er. «Meine Leidenschaft lasse ich mir nicht durch meine Krankheit kaputt machen.»

Ob und wann ein nächster Schub kommt, weiß niemand. Patrick nimmt täglich Tabletten, die den Krankheitsverlauf eindämmen sollen. «Dann schießt minutenlang Blut in meinen Kopf und ich sehe aus wie ein Tomate», erzählt der Kameramann und Oberbeleuchter von den Nebenwirkungen. «Solche Tabletten sind halt keine Kopfschmerztabletten.» Er fragte sich früher oft, ob die Medikamente überhaupt anschlügen. Aber hätte er sie die vergangenen zwei Jahre nicht genommen, wäre die Krankheit heute vielleicht weiter fortgeschritten. «Die MS ist eine Hätte-Wäre-Konjunktiv-Krankheit.»

Patrick kommt mit dem bisherigen Krankheitsverlauf gut klar. «Ich musste in meinem Leben nichts ändern», sagt er. «Es dauert eine Weile, bis man das realisiert.» Denn anfangs belastete ihn die Ungewissheit. «Das Unbekannte macht den Brainfuck aus.» Nach dem zweiten Schub ging es in den Keller. «Depressionsartige Zustände», sagt Patrick. «Ich habe mich sozial abgekapselt und bin nicht mehr zum Sport gegangen.» Jeden Tag kämpfte er damit, aufzustehen oder zur Arbeit zu gehen. «Das hat mich so lange kaputt gemacht, wie ich mir Gedanken darüber gemacht habe.» Irgendwann akzeptierte er die Ungewissheit, wurde entspannter: «Niemand weiß, wie es in fünf Jahren, zehn Jahren oder zwei Wochen ist.»

MS-Kranke landeten heute nicht mehr zwingend im Rollstuhl, sagt auch Heinz Wiendl, Direktor der neurologischen Klinik Münster und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Kompetenznetzes Multiple Sklerose. Früher sei davon ausgegangenen worden, dass es etwa der Hälfte aller MS-Patienten nach fünf bis zehn Jahren dauerhaft schlecht ginge und sie nicht mehr arbeiten könnten. «Das hat sich dank neuerer Therapien deutlich gebessert»: 80 bis 90 Prozent der konsequent Therapierten befänden sich heute nach diesem Zeitraum in einem identisch neurologischen Zustand wie zu Therapie-Beginn. «Es gibt nach wie vor schwierige und desaströse Fälle», sagt Wiendl. «Aber die Kontrolle der Krankheit hat sich deutlich gebessert.»

Mit der MS kam bei Patrick auch die Idee zum eigenen Youtube-Channel. Denn was seiner Meinung nach auf Fachseiten oder in Internetforen fehlte, war die Message: «Es ist halt kacke, aber das Leben geht trotzdem weiter». In einem Interview mit einem Mediziner geht er beispielsweise der Frage nach: «Einen Tauchschein mit MS machen - geht das?» Eine Frau habe sich bei ihm bedankt, weil sie durch das Video wieder Hoffnung schöpfen konnte, erzählt Patrick. «Ich möchte anderen helfen, damit es ihnen besser geht.»

Ihm selbst hilft auch sein Humor: Kurz nach der Diagnose reiste Patrick trotz Doppelsichtigkeit zum Showspringen in die Schweiz. «Ich stand auf 20 Metern: Als ich nach rechts schaute, standen da doppelt so viele Zuschauer - anstatt 40 000 plötzlich 80 000», erzählt er. «Wer kann schon von sich behaupten, mal vor 80 000 Menschen gestanden zu haben?»

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