Mo, 2017-12-18 06:01Berlin (dpa)

Verschiedene Methoden zur Gewinnung von Stammzellen

Berlin (dpa) - Vor 15 Jahren tobte in Deutschland eine Art Kulturkampf um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen. Inzwischen gibt es auch andere Möglichkeiten zur Gewinnung ähnlicher Stammzellen. Ein Überblick:

Was sind pluripotente Stammzellen?

Eine pluripotente Stammzelle ist eine Art Ursprungszelle, die sich unbegrenzt vermehren und alle Zelltypen des Körpers bilden kann, zum Beispiel Muskelzellen, Nervenzellen oder Blutzellen. Diese Fähigkeit der Stammzellen bezeichnet man als Pluripotenz.

Wie entstehen embryonale Stammzellen?

Embryonale Stammzellen (ES) werden aus dem Inneren von wenige Tage alten Embryonen, also nach der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, entnommen. Dieser Zellverband heißt Blastozyste. Embryonale Stammzellen können zum Beispiel aus einer Blastozyste entnommen werden, die im Reagenzglas bei einer künstlichen Befruchtung gewonnen wurde, aber nicht mehr für eine Schwangerschaft benötigt wird. Der wenige Tage alte Embryo wird allerdings bei der Gewinnung der Stammzellen zerstört. ES haben den Vorteil, dass sie sich in jede beliebige Köperzelle entwickeln können - mit unbegrenzter Vermehrungsfähigkeit. Es gibt unter anderem die Hoffnung, damit gezielt defekte Zellen im Körper ersetzen zu können.

Was sind induzierte pluripotente Stammzellen?

Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) ähneln den Zellen eines wenige Tage alten Embryos, doch sie entstehen völlig anders. Für ihre Gewinnung werden spezialisierte Zellen wie zum Beispiel Hautzellen im Labor in einen quasi embryonalen Ursprungszustand rückprogrammiert. Der Vorteil ist, dass dafür keine Embryonen zerstört werden müssen. Der Nachteil ist, dass «erwachsene» Zellen sich im Laufe der Zeit verändert haben können, also beispielsweise Mutationen ansammeln. Das lässt sich beim Rückprogrammieren nicht aufheben.

Große Hoffnung machen iPS in der personalisieren Medizin - wenn also Menschen bei einer Stammzell-Therapie mit körpereigenen rückprogrammierten Zellen behandelt werden könnten. Das würde ihnen Medikamente ersparen, die das eigene Immunsystem unterdrücken und damit die Abstoßung der transplantierten Zellen verhindern. Ob das Verfahren praktikabel ist, ist aber noch nicht klar. Mutationen könnten dieses Konzept erschweren - und die Technik zu ihrer Gewinnung ist vielleicht zu kostspielig, um sie jedes Mal neu und individuell für Patienten finanzieren zu können.

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Mo, 2017-12-18 06:00dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Hoffnung und Hürden - 15 Jahre Stammzellforschung in Deutschland Von Ulrike von Leszczynski, dpa

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen in Deutschland eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier der Forschung mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das strenge Stammzellgesetz Nachteile für Deutschland.

Berlin (dpa)- Drohanrufe gibt es nicht mehr und auch der Polizeischutz für den Bonner Wissenschaftler Oliver Brüstle gehört lange der Vergangenheit an. Vor 15 Jahren, am 19. Dezember 2002, erhielt der Mediziner die erste deutsche Genehmigung für die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen. Für entschiedene Gegner klang das wie ein Freibrief für Frankenstein-Forschung. Für begeisterte Befürworter rückte mit der Stammzellforschung die Hoffnung auf eine schnelle Heilung von Krankheiten wie Parkinson in greifbare Nähe. Heute ist Pionier Brüstle 55 Jahre alt. Was ist vom Hype geblieben - und wo steht Deutschland mit seinem strengen Stammzellgesetz in der internationalen Forschung?

Oliver Brüstle hat keine schnellen Wunder erwartet, schon damals nicht, kurz vor Weihnachten 2002. Der Neuropathologe suchte neue Wege, um zugrunde gegangene Zellen im Nervensystem zu ersetzen - durch im Labor aus embryonalen Stammzellen erzeugte Gehirnzellen. Embryonale Stammzellen werden aus wenige Tage alten Embryonen gewonnen, die etwa bei künstlichen Befruchtungen übrig bleiben. Die aus wenigen Zellen bestehenden Embryonen werden dabei zerstört.

In 15 Jahren hat die Gewinnung von Ersatzzellen aus menschlichen Stammzellen eine rasante Entwicklung erlebt. Brüstle und seine internationalen Kollegen können heute mit großer Präzision verschiedenste Gehirnzellen - und andere Körperzellen auch - aus Stammzellen herstellen. Am Tierexperiment lassen sie sich bereits erfolgreich einsetzen.

132 Genehmigungen zur Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen haben Wissenschaftler in Deutschland seit 2002 erhalten. In einem aufwendigen Verfahren werden die Anträge zunächst von einer Kommission aus Naturwissenschaftlern, Medizinern und Ethikern geprüft, anschließend noch einmal vom Robert Koch-Institut (RKI) für die endgültige Genehmigung. «Da kommt keiner, der sich kurzfristig überlegt hat, dass er jetzt auch mal embryonale Stammzellen braucht», resümiert Zellbiologe Peter Löser, der die Anträge beim RKI prüft. «Das ist alles wohlüberlegt.»

Pionier Oliver Brüstle ist bei seiner Stammzell-Forschung einer Übertragung auf den Menschen inzwischen näher gerückt. Doch er warnt vor Euphorie. «Noch sind Schwierigkeiten zu überwinden.»

Bereits 2006 hat die Forschung einen weiteren Weg für die Stammzell-Gewinnung gefunden. Der Japaner Shinya Yamanaka entwickelte eine revolutionäre Technologie, bei der Stammzellen zum Beispiel aus Haut- und Blutzellen von Patienten rückprogrammiert weren. Es entstehen so genannte induziert pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen), die embryonalen Stammzellen (ES) sehr ähnlich sind. Der große Vorteil: Es werden dabei keine Embryonen benötigt. Bereits 2012 gab es für diese Entdeckung den Medizin-Nobelpreis.

Für die meisten Studien nutzt Brüstle nun nicht allein ES-, sondern auch iPS-Zellen. Mittlerweile setzt sein Labor sogar einen dritten Weg ein: die direkte Umwandlung von Blutzellen in Gehirnzellen ohne den Umweg über iPS-Zellen. «Es gibt nicht die eine ideale Stammzelle. ES-Zellen, iPS-Zellen und die direkte Zellumwandlung werden je nach Erfordernissen parallel für verschiedene biomedizinische Zwecke eingesetzt werden», prognostiziert er. Auch in Deutschland?

Hier wird Brüstle vorsichtiger. «Die restriktive Gesetzeslage hat dazu geführt, dass hierzulande vergleichsweise wenige Wissenschaftler an einem therapeutischen Einsatz von ES-Zellen arbeiten.» Und da viele Methoden von ES- auf iPS-Zellen übertragbar seien, hätten deutsche Teams im Vergleich zu Ländern wie den USA, Großbritannien, Frankreich und Schweden auch einen schwereren Start in die therapeutisch ausgerichtete iPS-Zell-Forschung. Obwohl es viel leichter ist, dafür Genehmigungen zu bekommen. «Heute kooperieren wir mit internationalen Teams in europäischen Verbünden, aber die ersten klinischen Studien werden nicht in Deutschland stattfinden», berichtet Brüstle.

An Patienten in den USA, Großbritannien und Japan werden bereits Studien zur Behandlung einer altersbedingten Augenerkrankung (Makuladegeneration) mit ES- und iPS-Zellen durchgeführt. Auch bei der Parkinson-Krankheit sei der Ersatz von Nervenzellen durch Stammzellen bereits bis zum Experiment an Primaten durchexerziert worden, sagt Brüstle. In den USA, Japan, Großbritannien und Schweden stehe das Verfahren nun kurz vor der ersten Erprobung an Patienten. Deutsche Wissenschaftler hätten wichtige Grundlagen beigesteuert. Doch nun würden sie in die zweite Reihe gedrängt.

Peter Löser sieht eine der Hauptursachen hierfür im deutschen Stammzellgesetz. Denn embryonale Stammzellen dürfen einzig für Forschungszwecke verwendet werden. Eine Nutzung der Zellen, beispielsweise für die Erzeugung von Zellprodukten für die Therapie schwerer Erkrankungen, ist in Deutschland derzeit nicht erlaubt.

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Mo, 2017-12-18 06:00dpa - Deutsche Presseagentur GmbH

Hoffnung und Hürden - 15 Jahre Stammzellforschung in Deutschland Von Ulrike von Leszczynski, dpa

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen in Deutschland eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier unter den Wissenschaftlern mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das strenge Stammzellgesetz Nachteile für Deutschland.

Berlin (dpa)- Drohanrufe gibt es nicht mehr und auch der Polizeischutz für den Bonner Wissenschaftler Oliver Brüstle gehört lange der Vergangenheit an. Vor 15 Jahren, am 19. Dezember 2002, erhielt der Mediziner die erste deutsche Genehmigung für die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen. Für entschiedene Gegner klang das wie ein Freibrief für Frankenstein-Forschung. Für begeisterte Befürworter rückte mit der Stammzellforschung die Hoffnung auf eine schnelle Heilung von Krankheiten wie Parkinson in greifbare Nähe. Heute ist Pionier Brüstle 55 Jahre alt. Was ist vom Hype geblieben - und wo steht Deutschland mit seinem strengen Stammzellgesetz in der internationalen Forschung?

Oliver Brüstle hat keine schnellen Wunder erwartet, schon damals nicht, kurz vor Weihnachten 2002. Der Neuropathologe suchte neue Wege, um zugrunde gegangene Zellen im Nervensystem zu ersetzen - durch im Labor aus embryonalen Stammzellen erzeugte Gehirnzellen. Embryonale Stammzellen werden aus wenige Tage alten Embryonen gewonnen, die etwa bei künstlichen Befruchtungen übrig bleiben. Die aus wenigen Zellen bestehenden Embryonen werden dabei zerstört. Gedacht war Brüstles Idee für angeborene Erkrankungen, bei denen die Isolierschicht um die Nervenfasern defekt ist. Das führt zu Störungen in der Signalübertragung und damit zu schweren Ausfällen im Nervensystem der Patienten.

In 15 Jahren hat die Gewinnung von Ersatzzellen aus menschlichen Stammzellen eine rasante Entwicklung erlebt. Brüstle und seine internationalen Kollegen können heute mit großer Präzision verschiedenste Gehirnzellen - und andere Körperzellen auch - aus Stammzellen herstellen. Am Tierexperiment lassen sie sich bereits erfolgreich einsetzen. Nicht nur, um verloren gegangene Zellen zu ersetzen, sondern auch, um Gendefekte zu reparieren.

132 Genehmigungen zur Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen haben Wissenschaftler in Deutschland seit 2002 erhalten. In einem aufwendigen Verfahren werden die Anträge zunächst von einer Kommission aus Naturwissenschaftlern, Medizinern und Ethikern geprüft, anschließend noch einmal vom Robert Koch-Institut (RKI) für die endgültige Genehmigung.

«Da kommt keiner, der sich kurzfristig überlegt hat, dass er jetzt auch mal embryonale Stammzellen braucht», resümiert Zellbiologe Peter Löser, der die Anträge beim RKI prüft. «Das ist alles wohlüberlegt.» In 15 Jahren habe mit der Kommission auch immer Einigkeit bestanden. Nur zwei Anträge habe das RKI bisher abgelehnt, wenige andere seien von den Wissenschaftlern selbst aus Mangel an Erfolgsaussicht oder wegen fehlender Forschungsfinanzierung zurückgezogen worden.

132 Genehmigungen sind nicht gleichbedeutend mit 132 ausgereiften Stammzell-Therapien. Diese Forschung braucht Zeit und viele zunächst hoffnungsvolle Ideen zerschlagen sich im Laufe der Experimentierphase. Die bisher publizierten Ergebnisse könnten sich - gemessen an der Häufigkeit, in der sie in der Fachwelt zitiert werden - aber durchaus sehen lassen, urteilt Löser.

Pionier Oliver Brüstle ist bei seiner Stammzell-Forschung einer Übertragung auf den Menschen inzwischen näher gerückt. Doch auch hier warnt er vor Euphorie. «Noch sind Schwierigkeiten zu überwinden. Eine Frage ist, wie es zu einer ausreichenden Ausbreitung transplantierter Stammzellen über große Abschnitte des Gehirns kommt.» Denn die Gehirne von Versuchstieren sind kleiner - allein das ist eine Hürde für die Übertragbarkeit. 

Bereits 2006 hat die Forschung einen weiteren Weg für die Stammzell-Gewinnung gefunden. Der Japaner Shinya Yamanaka entwickelte eine revolutionäre Technologie, bei der Stammzellen zum Beispiel aus Haut- und Blutzellen von Patienten rückprogrammiert weren. Es entstehen so genannte induziert pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen), die embryonalen Stammzellen (ES) sehr ähnlich sind. Der große Vorteil: Es werden dabei keine Embryonen benötigt. Bereits 2012 gab es für diese Entdeckung den Medizin-Nobelpreis.

Für die meisten Studien nutzt Brüstle nun nicht allein ES-, sondern auch iPS-Zellen. Mittlerweile setzt sein Labor sogar einen dritten Weg ein: die direkte Umwandlung von Blutzellen in Gehirnzellen ohne den Umweg über iPS-Zellen. Für den Forscher hat jede dieser Methoden Vor- und Nachteile. «Es gibt nicht die eine ideale Stammzelle. ES-Zellen, iPS-Zellen und die direkte Zellumwandlung werden je nach Erfordernissen parallel für verschiedene biomedizinische Zwecke eingesetzt werden», prognostiziert er. Auch in Deutschland?

Hier wird Brüstle vorsichtiger. «Die restriktive Gesetzeslage hat dazu geführt, dass hierzulande vergleichsweise wenige Wissenschaftler an einem therapeutischen Einsatz von ES-Zellen arbeiten.» Und da viele Methoden von ES- auf iPS-Zellen übertragbar seien, hätten deutsche Teams im Vergleich zu Ländern wie den USA, Großbritannien, Frankreich und Schweden auch einen schwereren Start in die therapeutisch ausgerichtete iPS-Zell-Forschung. Obwohl es viel leichter ist, dafür Genehmigungen zu bekommen. «Heute kooperieren wir mit internationalen Teams in europäischen Verbünden, aber die ersten klinischen Studien werden nicht in Deutschland stattfinden», berichtet Brüstle.

An Patienten in den USA, Großbritannien und Japan werden bereits Studien zur Behandlung einer altersbedingten Augenerkrankung (Makuladegeneration) mit ES- und iPS-Zellen durchgeführt. Sie ist häufig Ursache für eine Erblindung. Auch der Ersatz von Nervenzellen bei der Parkinson-Krankheit sei mit Hilfe solcher Stammzellen bereits bis zum Experiment an Primaten durchexerziert worden, sagt Brüstle. In den USA, Japan, Großbritannien und Schweden stehe es nun kurz vor der ersten Erprobung an Patienten. Deutsche Wissenschaftler hätten hier wichtige Grundlagen beigesteuert. Doch nun würden sie in die zweite Reihe gedrängt.

Peter Löser sieht eine der Hauptursachen hierfür im deutschen Stammzellgesetz. Die Regelungen verhindern, dass Wissenschaftler hierzulande ihre Forschungsergebnisse auch umsetzen können. Denn embryonale Stammzellen dürfen einzig für Forschungszwecke verwendet werden. Eine Nutzung der Zellen, beispielsweise für die Erzeugung von Zellprodukten für die Therapie schwerer Erkrankungen, ist in Deutschland derzeit nicht erlaubt. Das sei kein Anreiz für private Geldgeber, in diese Forschung zu investieren, sagt Löser. Die öffentliche Hand hält sich seit der emotionalen Diskussion um das Gesetz ohnehin zurück. Deshalb gilt der ES-Bereich in Deutschland als chronisch unterfinanziert.

Doch die Forschung mit Stammzellen hat inzwischen auch Wege eröffnet, die vor 15 Jahren kaum im Fokus waren. Es geht nicht mehr nur um Zell-Transplantation. Stammzellen - ES wie iPS - werden vermehrt genutzt, um Krankheitsprozesse zu studieren. Mithilfe von körpereigenen iPS-Zellen und einer Genschere als molekularem Skalpell zur Veränderung des Erbguts (Genomeditierung) lassen sich heute Krankheitsmechanismen direkt in betroffenen menschlichen Gehirnzellen im Labor studieren.

«Die Möglichkeit an reprogrammierten, aus Patienten gewonnenen Gehirnzellen zu arbeiten, eröffnet völlig neue Ansätze in der Wirkstoffforschung», sagt Brüstle. Die medizinische Bedeutung werde die der Stammzell-Transplantation möglicherweise weit übersteigen. «Erstmals lässt sich an von der Erkrankung betroffenen menschlichen Zellen untersuchen, ob ein Medikament wirkt und auch für welche Patienten welches Medikament am besten geeignet ist», ergänzt er. Auch Peter Löser am RKI sieht diesen Vorteil von ES und iPS-Zellen. «Es gibt in Deutschland Arbeiten zur Entwicklung von Infektionsmodellen für das Hepatitis-C-Virus oder das Zika-Virus. Das ist öffentlich nicht sehr bekannt.»

Beide Experten glauben, dass der Druck auf eine Reform des deutschen Stammzellgesetzes wachsen wird, je größer die Erfolge im Ausland werden. Denn die Beschränkung auf reine Forschung könne hier irgendwann zu einer absurden Situation führen: In Deutschland oder in internationalen Kooperationen entwickelte therapeutische Produkte würden allein im Ausland hergestellt. Das führe nicht allein dazu, dass die Arbeitsplätze anderswo entstünden und die Gewinne auch dort gemacht würden. Deutschland müsse diese Therapien dann auch teuer einkaufen - weil man sie Patienten hier ja schlecht vorenthalten könne.

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Mo, 2017-12-18 05:40Hamburg (dpa)

Viele Rohstoffe deutlich teurer - Weltkonjunktur treibt die Preise

Nicht nur das Rohöl und damit auch das Benzin an der Tankstelle sind in diesem Jahr teurer geworden. Auch die Preise für viele andere Industrierohstoffe sind gestiegen. Das ist ein Anzeichen für die gut laufende Weltwirtschaft.

Hamburg (dpa) - Die gute Weltkonjunktur hat die Preise für Rohstoffe in diesem Jahr in die Höhe getrieben. Nach dem Rohstoffindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) verteuerten sich vor allem Energie wie Öl und Gas sowie Rohstoffe, die von der Industrie für die Fertigung benötigt werden wie etwa Metalle.

Damit steigen nicht nur die Preise für Benzin und Diesel an der Tankstelle sowie Heizöl. Tendenziell werden auch Industriegüter eher teurer, wobei die Rohstoffkosten hier meist keine dominierende Rolle gegenüber anderen Kosten spielen. Die gute Nachricht für den Verbraucher: Die Preise für Agrargüter sind stabil geblieben, teilweise gesunken. Die Ernten waren gut.

«Wir beobachten einen Preisanstieg in der zweiten Jahreshälfte, der vor allem auf die Nachfrage aus China zurückzuführen ist», sagte die HWWI-Expertin Katrin Knauf. Zum Jahresende beschleunigte sich der Preisauftrieb. Im November erhöhte sich der HWWI-Index zum fünften Mal in Folge und mit der höchsten Wachstumsrate in diesem Jahr. Der Index für alle Rohstoffe stieg um 7,4 Prozent auf 116,5 Punkte (in Dollar), wobei der größte Teil des Anstiegs auf Energierohstoffe wie Öl und Gas zurückzuführen war. Insgesamt liegt der Index um 18,6 Prozent über dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Nichteisen-Metall wie Kupfer, Zinn oder Nickel wurden im Verlauf von zwölf Monaten um 22 Prozent teurer. Dabei spielen auch spekulative Elemente eine Rolle. Im November stieg zum Beispiel der Preis für Nickel am Anfang des Monats sprunghaft an, beruhigt sich dann aber wieder und landete am Ende bei plus 5,9 Prozent. Hintergrund: Nickel ist ein wesentlicher Rohstoff in der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos. Und der rasante Preisanstieg basierte auf einem optimistischen Ausblick für die Entwicklung der E-Mobilität.

Nahrungs- und Genussmittel verbilligten sich innerhalb von zwölf Monaten um 8,3 Prozent. Sie sind mit einem Indexwert von 96,7 sogar noch günstiger als 2015. «Gute Ernten, zum Beispiel bei Kakao, Kaffee und Zucker, ließen die weltweiten Preise für diese Rohstoffgruppe das gesamte Jahr über sinken», sagte Knauf. Selbst eine starke chinesische Nachfrage nach Kakao und Schokolade trieb den Preis nicht signifikant in die Höhe.

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Mo, 2017-12-18 05:00 (dpa)

Der Sisyphos von Macapá Von Georg Ismar, dpa

Er soll ein Gebiet fast so groß wie die Niederlande schützen. Der aus Deutschland stammende Förster Christoph Jaster ist in Brasilien Herr über eines der größten Regenwald-Schutzgebiete der Welt.

Macapá (dpa) - Was bleibt Christoph Jaster anderes übrig, als zu «priorisieren». Er ist zuständig für ein Gebiet, das knapp 40 000 Quadratkilometer groß ist - fast so groß wie die Niederlande. In Zeiten, in denen die Waldrodung und die Zahl illegaler Goldminen in den Weiten des brasilianischen Regenwaldes rasant zunehmen, wird die Aufgabe, ein Schutzgebiet wie den Tumucumaque zu schützen, immer mehr zur Sisyphos-Aufgabe.

Geboren ist Jaster in Cochem an der Mosel, die Familie verschlug es wegen eines Entwicklungshilfe-Jobs des Vaters nach Südbrasilien. In Curitiba studierte Jaster Forstwirtschaft. Er erwarb die brasilianische Staatsbürgerschaft, bestand die Aufnahmeprüfung bei der Umweltbehörde Ibama und kam 2003 hier in das nordbrasilianische Macapá, wo er im Auftrag des Umweltministeriums für den Schutz des Amazonas-Nationalparks Tumucumaque zuständig ist.

Das war zunächst nicht seine erste Wahl - hier liegt ziemlich der Hund begraben. Aber Jasters Revier ist auch einzigartig und eines der größten Regenwaldschutzgebiete der Welt. Mittendrin - nach mehreren Tagen Reise - kann man ein altes Kreuz finden, mit Hakenkreuz und der Inschrift: «Joseph Greiner starb hier am 2.1.36 den Fiebertod in Dienste deutscher Forschungsarbeit.»

Der Biologe Otto Schulz-Kampfhenkel hatte entlang des Jary-Flusses im Auftrag des Deutschen Reichs zwischen 1935 und 1937 eine geheimnisumwitterte Expedition geleitet und ein Buch darüber verfasst («Rätsel der Urwaldhölle»). Angeblich sollte im Urwald nach Möglichkeiten für eine Nazi-Invasion im unbewohnten Amazonasgebiet, eine Art Brückenkopf, gesucht werden.

«Die geografischen Angaben der Expedition sind sehr exakt und interessant», sagt Jaster, 53 Jahre alt. In seinem Büro breitet er eine große Karte aus, ein Geflecht aus vielen Flüssen und nur wenigen Straßen ist zu sehen. Der Tumucumaque erstreckt sich entlang der Grenze Brasiliens mit Französisch-Guayana und der früheren niederländischen Kolonie Suriname, 360 Kilometer breit und 320 Kilometer lang.

«Wir sind total unterbesetzt», sagt Jaster. Eigentlich sind sie nur zu zweit. Eigentlich sind Jagen, Fischen und Abholzen verboten. Aber das Gebiet ist nach diversen Sparrunden im Land immer schwerer zu kontrollieren. Weltweit steht die Regierung von Präsident Michel Temer in der Kritik, weil sie Schutzgebiete aufweicht, Wirtschaftsinteressen Vorrang gibt und bei Verstößen wegschaut. Zuletzt kam es wiederholt auch zu Massakern an Ureinwohnern im Amazonasgebiet.

Expeditionen in das Gebiet dauern gern mal mehrere Wochen. Derzeit steht ein Bio-Monitoring mit 15 Helfern an, um zu untersuchen, wie sich die Zahl der Säugetiere, bestimmter Schmetterlinge und von Indigenas gejagter Vögel entwickelt hat. Immer wieder müssen die Boote wegen Stromschnellen und Niedrigwasser getragen werden. In den Weiten des Amazonasgebiets entscheidet sich auch mit, ob die Umsetzung des Klimaabkommens von Paris gelingt. Mit seiner Funktion als Kohlenstoffspeicher ist der Regenwald ein großer Mosaikstein im globalen Klimageschehen.

Doch vielerorts schreitet die Abholzung voran - auch, um den Fleischhunger anderer Länder zu stillen. In großem Stil weichen Waldflächen Soja-Anbauflächen für Tierfutter. Der Unkrautvernichter Glyphosat wird fast nirgendwo so intensiv eingesetzt wie in Brasilien. Rund um die Sojafelder sind kaum noch Vögel zu hören oder Insekten zu sehen.

Im Bundesstaat Amapá, wo Urwaldförster Jaster tätig ist, ist das Problem noch nicht so akut, da die Gegend für den Abtransport edler Tropenhölzer und den Sojaanbau zu abgelegen ist. Zudem gibt es keine großen Häfen in der Nähe. «Aber es ist im Kommen», sagt er.

Noch sind 90 Prozent der Fläche mit Wald bedeckt - der höchste Anteil in ganz Brasilien. Aber auch im Tumucumaque nehmen die illegalen Tätigkeiten zu. Goldminen werden errichtet. Auch dafür müssen Bäume weichen. Das bei der Förderung eingesetzte Quecksilber vergiftet die Flüsse. Indigenas sprechen bereits vom «Peixe mercurio», vom «Quecksilber-Fisch».

Jaster zeigt auf der Karte Lourenço am Rande des Nationalparks, es gilt als das älteste Goldgräberdorf Amazoniens. «Das ist quasi eine Mondlandschaft.» Dort, wo es illegale Siedlungen gibt, kann man vorbeischauen, aber ändern tut sich nichts. Es fehlt an Strafverfolgungsdruck. Und dann ist da noch die Bürokratie.

Eine Aufgabe von Jaster ist auch, Besuchergruppen zu begleiten. Es ist ein einmaliges Erlebnis in fast noch unberührter Natur. Nur 1000 bis 2000 Leute leben in dem Gebiet. Wo sonst viele den Tourismus kritisch sehen, hätte Jaster gern mehr davon. Die kleinen Flussgemeinden könnten profitieren - und würden dank der Einnahmen womöglich zu Umweltschützern. Sie könnten in der Folge den Druck auf Goldgräber erhöhen, zu verschwinden, so Jasters Hoffnung.

Wenn es gut läuft, ist der Forstwirtschaftler von einem Monat eine Woche im Wald statt im Büro in Macapá. Trotz Widrigkeiten, Sparzwängen und Rückschlägen sagt er darum: «Eigentlich ist es ein Traumjob».

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Mo, 2017-12-18 04:45Freiburg (dpa)

Im Freiburger Mordprozess gegen Flüchtling ist die Altersfrage offen Von Jürgen Ruf, dpa

Der Freiburger Mordprozess gegen einen jungen Flüchtling müht sich mit der Frage, wie alt der Angeklagte ist. Es ist der entscheidende Punkt für ein Urteil im kommenden Jahr. Letzte Gewissheit fehlt noch.

Freiburg (dpa) - Der Mordprozess gegen Hussein K. in Freiburg wirft ein Licht auf Deutschland in Zeiten der Flüchtlingskrise 2015/16. Er beleuchtet mögliches Behördenversagen im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Er ringt um Wahrheit, Schuld und Verantwortung - und wirft dabei immer neue Fragen auf.

Es ist ein ungewöhnlicher und überregional beachteter Prozess mit widersprüchlichen Aussagen und vielen Facetten. Der angeklagte Flüchtling Hussein K. schweigt dazu. Von diesem Donnerstag (21. Dezember) an geht der Anfang September begonnene Prozess in eine rund zweieinhalb Wochen dauernde Winterpause. Mit einem baldigen Urteil ist nicht zu rechnen.

An das Bild haben sich Prozessbeteiligte und Zuhörer im Saal IV des Freiburger Landgerichts längst gewöhnt: Hussein K. wird streng bewacht in Handschellen und Fußfesseln an seinen Platz geführt. Dort nimmt er, meist ohne äußerliche Regung, an dem Verfahren teil. Zur Last gelegt werden ihm Mord und besonders schwere Vergewaltigung.

K. hat zugegeben, im Oktober 2016 in Freiburg eine 19 Jahre alte Studentin vergewaltigt und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt zu haben. Die Frau ertrank im Wasser des Flusses Dreisam. Rund sieben Wochen nach der Tat wurde der Flüchtling festgenommen. Spuren von ihm waren am Tatort gefunden worden.

Das Verbrechen löste - noch vor dem Terroranschlag von Anis Amri auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz vor einem Jahr - eine Debatte über die deutsche Flüchtlingspolitik aus. Im Prozess geht es nun vor allem um die Frage, wie alt Hussein K. ist. Davon hängt ab, ob für den vor der Jugendkammer stehenden Mann Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht gilt. Dies hat Auswirkungen auf die Höhe der Strafe.

Doch die Suche nach Antworten erweist sich als schwierig - und zeitintensiv. Plante das Gericht anfangs rund zwei Monate und 13 Verhandlungstage, sind nun mindestens 24 Prozesstage bis Mitte März 2018 vorgesehen, sagt die Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk. Das Gericht will besonders sorgfältig und präzise vorgehen. Das zeigt die Bilanz nach den bisher 15 Verhandlungstagen.

Hussein K. war im November 2015 ohne Papiere nach Deutschland gekommen und galt als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling. Er kam in Freiburg zu einer Pflegefamilie. Er sagte, er stamme aus Afghanistan und sei 16 oder 17 Jahre alt. Konkreter wurde er nicht. Von den Behörden überprüft wurde die Angaben nicht, wie Mitarbeiter der beiden beteiligten Jugendämter vor Gericht einräumen mussten. Dafür seien es damals schlicht zu viele Flüchtlinge gewesen. Amtliche Dokumente habe fast keiner von ihnen gehabt.

Zum Prozessauftakt gab K. zu, beim Alter gelogen zu haben und älter zu sein. Mehr sagt er dazu nicht. Die Staatsanwaltschaft hält Hussein K. für mindestens 22 Jahre alt, wie Oberstaatsanwalt Eckart Berger betont. Entsprechende Gutachten sowie mehrere Zeugenaussagen in dem Prozess untermauern das.

Eines der beiden Gutachten hat einen Eckzahn des Angeklagten untersucht und so ein Alter von 25,8 Jahren errechnet. Das Verfahren der Zahnuntersuchung liefert Experten zufolge vergleichsweise verlässliche Zahlen. Ein zweites Gutachten basiert auf Röntgenaufnahmen von Knochen und Gebiss sowie medizinischen Untersuchungen. Das Resultat: Das wahrscheinliche Alter von Hussein K. betrage 22 oder 23 Jahre. Das absolute Mindestalter sei 19. Dieses sei zwar sehr unwahrscheinlich, aber auch nicht auszuschließen.

Hinzu kam zuletzt, völlig überraschend, eine Aussage des vermeintlich toten Vater des Angeklagten. In einem Telefonat mit der Richterin und anderen Prozessbeteiligten sagte er, es gebe ein amtliches Dokument. Dort stehe als Geburtsdatum der 29. Januar 1984. Hussein K. wäre demnach 33 und zur Tatzeit 32 Jahre alt gewesen - und damit etwa doppelt so alt wie von ihm selbst angegeben. Dies trug der im Iran lebende Vater, der nach Angaben des Angeklagten vor Jahren gestorben war, am Telefon vor. Er sagte außerdem, er sei Analphabet.

Dem Gericht liegt das ins Gespräch gebrachte Dokument bislang nicht vor, wie ein Justizsprecher sagt. Zudem gibt es laut Verteidiger Sebastian Glathe Zweifel an der Aussage. Die Angaben des Vaters müssten erst noch geprüft werden. Ob der Mann in Freiburg vor Gericht aussagen wird und ob für den Prozess möglicherweise weitere Altersgutachten eingeholt werden, ist derzeit noch unklar.

Für das Gericht liegen die bisherigen Altersangaben teilweise im rechtlichen Grenzbereich, Gewissheit gibt es nicht. Das Gesetz macht für die juristische Bewertung in Strafprozessen Vorgaben: Ist ein Angeklagter zur Tatzeit 22 Jahre oder älter, gilt stets Erwachsenenstrafrecht. Ist er junger, wird in der Regel Jugendstrafrecht angewandt.

Daran bemessen sich auch die Strafen. Lebenslange Haft bei Mord, wie sie die Staatsanwaltschaft anstrebt, sowie mögliche anschließende Sicherungsverwahrung ist nur im Erwachsenenstrafrecht möglich.

Nächstes Jahr will das Gericht weitere Zeugen hören. Darunter sind auch Polizisten aus Griechenland. Wegen einer schweren Gewalttat an einer jungen Frau im Jahr 2013 war Hussein K. dort zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Oktober 2015 aber vorzeitig entlassen worden. Danach tauchte er unter und kam nach Deutschland. Zur Tat in Griechenland hat er sich hier bislang nicht geäußert.

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Mo, 2017-12-18 04:35Hamburg (dpa)

Viele Rohstoffe deutlich teurer - Weltkonjunktur treibt die Preise

Nicht nur das Rohöl und damit auch das Benzin an der Tankstelle sind in diesem Jahr teurer geworden. Auch die Preise für viele andere Industrierohstoffe sind gestiegen. Das ist ein Anzeichen für die gut laufende Weltwirtschaft.

Hamburg (dpa) - Die gute Weltkonjunktur hat die Preise für Rohstoffe in diesem Jahr in die Höhe getrieben. Nach dem Rohstoffindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) verteuerten sich vor allem Energie wie Öl und Gas sowie Rohstoffe, die von der Industrie für die Fertigung benötigt werden wie etwa Metalle.

Damit steigen nicht nur die Preise für Benzin und Diesel an der Tankstelle sowie Heizöl. Tendenziell werden auch Industriegüter eher teurer, wobei die Rohstoffkosten hier meist keine dominierende Rolle gegenüber anderen Kosten spielen. Die gute Nachricht für den Verbraucher: Die Preise für Agrargüter sind stabil geblieben, teilweise gesunken. Die Ernten waren gut.

«Wir beobachten einen Preisanstieg in der zweiten Jahreshälfte, der vor allem auf die Nachfrage aus China zurückzuführen ist», sagte die HWWI-Expertin Katrin Knauf. Zum Jahresende beschleunigte sich der Preisauftrieb. Im November erhöhte sich der HWWI-Index zum fünften Mal in Folge und mit der höchsten Wachstumsrate in diesem Jahr. Der Index für alle Rohstoffe stieg um 7,4 Prozent auf 116,5 Punkte (in Dollar), wobei der größte Teil des Anstiegs auf Energierohstoffe wie Öl und Gas zurückzuführen war. Insgesamt liegt der Index um 18,6 Prozent über dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Nichteisen-Metall wie Kupfer, Zinn oder Nickel wurden im Verlauf von zwölf Monaten um 22 Prozent teurer. Dabei spielen auch spekulative Elemente eine Rolle. Im November stieg zum Beispiel der Preis für Nickel am Anfang des Monats sprunghaft an, beruhigt sich dann aber wieder und landete am Ende bei plus 5,9 Prozent. Hintergrund: Nickel ist ein wesentlicher Rohstoff in der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos. Und der rasante Preisanstieg basierte auf einem optimistischen Ausblick für die Entwicklung der E-Mobilität.

Nahrungs- und Genussmittel verbilligten sich innerhalb von zwölf Monaten um 8,3 Prozent. Sie sind mit einem Indexwert von 96,7 sogar noch günstiger als 2015. «Gute Ernten, zum Beispiel bei Kakao, Kaffee und Zucker, ließen die weltweiten Preise für diese Rohstoffgruppe das gesamte Jahr über sinken», sagte Knauf. Selbst eine starke chinesische Nachfrage nach Kakao und Schokolade trieb den Preis nicht signifikant in die Höhe.

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Mo, 2017-12-18 04:30Berlin (dpa)

Kostenschub bei Krebsmedikamenten - Schärfere Kontrollen gefordert Von Basil Wegener, dpa

Sie sollen das Leiden von Todkranken verringern - doch oft haben sie starke Nebenwirkungen und sind extrem teuer: neue Medikamente gegen Krebs. Führende Akteure im Gesundheitswesen dringen auf schärfere Regeln.

Berlin (dpa) - Angesichts explodierender Kosten sollen neue Krebsmedikamente nach dem Willen des führenden Gremiums im Gesundheitswesen künftig schärfer überprüft werden. Die Mittel brächten den Patienten oft nur einige Monate mehr Lebenszeit, hätten aber oft starke Nebenwirkungen und seien extrem teuer, sagte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen forderte die Politik auf, Lücken bei der Bewertung des Mehrwerts der Mittel für die Patienten zu schließen.

Vergangenes Jahr stiegen die Kosten der Kassen im Arzneibereich um mehr als 3 Prozent auf 38,5 Milliarden Euro. Im Bundesausschuss entscheiden die Spitzenorganisationen der Kassen, Ärzte und Kliniken über die medizinische Versorgung in Deutschland. Anhand wissenschaftlicher Studien bewertet das Gremium seit 2011, inwiefern neue Arzneimittel mehr nutzen als ältere. In seiner letzten Sitzung des Jahres an diesem Donnerstag fallen die nächsten Beschlüsse zu einzelnen Mittel. Die Bewertung ist Basis von Preisverhandlungen zwischen Kassen und Herstellern.

«Nach wie vor werden Onkologika überdurchschnittlich gut bewertet», sagte Hecken. Nur jedem fünften der 88 insgesamt bewerteten Krebsmittel sei kein Zusatznutzen beschieden worden. «Aber: Die meisten dieser Therapien bringen den Patienten lediglich ein längeres Leben von im Schnitt drei bis sechs Monaten», so Hecken. Mehr Lebensqualität gebe es selten. Viele Mittel kombinierten Chemotherapien - Nebenwirkungen stiegen so oft dramatisch an.

Oft handele es sich um biologische Arzneimittel, die gezielt am Tumor ansetzen, aber extrem teuer seien. «Die Jahrestherapiekosten betragen zu Beginn im Schnitt 100 000 Euro mit steigender Tendenz, noch ausgeprägter ist die Kostensteigerung bei den jetzt häufigen Kombinationstherapien.» So stiegen die Arzneikosten bei Hautkrebs mit Metastasen auf rund 200 000 Euro pro Patient und Jahr.

Johann-Magnus von Stackelberg, Vizechef des Kassen-Spitzenverbands, kritisierte zudem: «Insbesondere Arzneimittel gegen Krebs werden immer öfter ohne finale klinische Prüfungen zugelassen.» Hersteller müssten eigentlich aussagekräftige Daten zum Nutzen-Risiko-Verhältnis nachliefern. «Die Praxiserfahrungen sind leider andere.»

Hecken verlangte gleich mehrere Verschärfungen: «In Zukunft müssen neue Wirkstoffe schlechter bewertet werden, wenn keine Angaben zur Lebensqualität vorliegen.» Preisverhandlungen sollten zudem für ähnliche Medikamente zur Behandlung einer Erkrankung ermöglicht werden - statt wie heute nur für einzelne Mittel. Sonst solle es pauschale Abschläge für alle beteiligten Hersteller geben.

Der Pharmaverband vfa betont den Wert «innovativer Onkologika». Sie seien hochwirksam. Unnötige Therapien und Therapieabbrüche würden vermieden. Eingesetzt würden sie nur, «wo es keine Behandlungsalternative gibt oder wo sie aufgrund ihrer besseren Wirksamkeit im Vergleich zu bestehenden Therapien sinnvoll sind».

Gerade bei biologischen Arzneimitteln forderte Hecken aber «bessere Einspareffekte». Für diese mit Gentechnik in lebenden Zellen hergestellten Biologika gibt es oft günstigere Nachfolge-Präparate, sogenannte Biosimilars. Ihr Preisabstand zum Original betrage heute höchstens 20 Prozent. Er solle auf bis zu 40 Prozent wachsen. Ärzte würden zudem zu oft lieber beim teuren Original bleiben, obwohl ein Biosimilar ebenso wirke. Die Arzneimittelkommission der Ärzte hatte dies kürzlich mit «Desinformation auf Fachkongressen» begründet.

Zu wenig Klarheit über den Mehrwert gibt es laut Hecken und Stackelberg auch bei Mitteln gegen seltene Krankheiten, sogenannten Orphan Drugs. Um auch solche Mittel schnell an die Patienten zu bringen, gilt ein Zusatznutzen bis zu einem Umsatz von 50 Millionen Euro auch ohne die sonst übliche Prüfung als belegt. «Für Arzt und Patient birgt das die Gefahr einer Fehlinformation», sagte Stackelberg. Sie wüssten nicht, ob die Mittel mehr brächten. Das solle sich ändern. Hecken forderte «strengere Bewertungsstufen». 

Am Donnerstag will der Bundesausschuss etwa über ein solches Mittel mit Kosten von rund 750 000 Euro pro Patient und Jahr entscheiden. Es handelt sich um das Mittel Brineura gegen Kinderdemenz, bei der kleine Kinder ihre Sehkraft, dann ihre kognitiven und motorische Fähigkeiten verlieren und oft im Grundschulalter sterben.

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Mo, 2017-12-18 04:16Osnabrück/Bonn (dpa)

Eier werden etwas teurer - eine Folge des Fipronil-Skandals

Osnabrück/Bonn (dpa) - Als Folge des Fipronil-Giftskandals werden Eier im Lebensmittelhandel ab Januar etwas teurer. Wegen der knappen Ware seien die Preise bei den jüngsten Kontraktverhandlungen mit dem Handel gestiegen, sagte Margit Beck von der Marktinfo Eier und Geflügel in Bonn. «Die Verbraucher werden das merken.» Es seien aber sehr überschaubare Steigerungen.

Nach Informationen von Branchenkennern zahlen die Lebensmittelhändler ab dem kommenden Jahr etwa 10 Cent pro Ei an ihre Lieferanten. In diesem Jahr waren es 7 bis 8 Cent. Im Weihnachtsgeschäft dürften die Konsumenten die höhere Nachfrage nach Eiern noch nicht spüren, denn noch gelten die für dieses Jahr vereinbarten Preise, wie Beck sagte.

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Mo, 2017-12-18 04:14Berlin (dpa)

Ex-Journalist Hampel soll AfD im Auswärtigen Ausschuss vertreten

Berlin (dpa) - Der ehemalige Fernsehkorrespondent Paul Hampel wird wahrscheinlich demnächst als Vertreter der AfD im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags sitzen. Nach Angaben aus Fraktionskreisen wählte der Arbeitskreis Auswärtiges der AfD-Fraktion den Abgeordneten aus Niedersachsen zu seinem Sprecher. Wen die AfD in den Innenausschuss schicken wird, sei dagegen noch nicht klar, hieß es. Gute Chancen kann sich dem Vernehmen nach aber der frühere Polizeibeamte Martin Hess aus Baden-Württemberg ausrechnen. Im Wahlkampf hatte er vor den Risiken von «Parallelgesellschaften» in Migranten-Milieus gewarnt. Sprecher des Arbeitskreises Bildung ist der Berliner Geschichtslehrer Götz Frömming, der früher die Grünen unterstützt hat.

Den Arbeitskreis Verteidigung leitet aktuell Rüdiger Lucassen, früher Oberst im Generalstab. Er hatte nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr in Bad Münstereifel (NRW) die pro-ades GmbH gegründet. Die Firma zählt zu ihren Kunden die Rüstungskonzerne Rheinmetall und Airbus Defence & Space. Der Vorsitzende der Alternativen Vereinigung der Arbeitnehmer, Uwe Witt aus NRW, leitet aktuell den Arbeitskreis der Fraktion für Arbeit und Soziales. In den Ausschuss für Entwicklungspolitik zieht es laut einer internen Präferenzliste Dietmar Friedhoff aus Niedersachsen und Markus Frohnmaier, der sich auf seiner Website mit dem Slogan «Deutschland zuerst» präsentiert.

Die AfD war im September erstmals in den Bundestag eingezogen. Die meisten Arbeitskreise hatten in den vergangenen Wochen kommissarische Sprecher gewählt. Mitte Januar will die Fraktion abschließend entscheiden, wer sie in den Bundestags-Ausschüssen vertritt.

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Mo, 2017-12-18 04:08Berlin (dpa)

Bericht: Weniger Genehmigungen für Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat in diesem Jahr nach einem Medienbericht deutlich weniger Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien genehmigt als im Vorjahr. 2017 habe sie für Waffenausfuhren in den Golfstaat 117 Einzelgenehmigungen im Wert von 249 Millionen Euro erteilt, 2016 seien es 154 Einzelgenehmigungen mit einem Volumen von 530 Millionen Euro gewesen, schreiben die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Das gehe aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Vizefraktionschefin Sevim Dagdelen hervor. Gestiegen seien dagegen die Waffenexporte in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien sind besonders umstritten. Das Königreich trägt aus Sicht der Vereinten Nationen als Kriegspartei im Jemen einen großen Teil der Verantwortung für die katastrophale humanitäre Situation in dem bitterarmen Nachbarland.

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Mo, 2017-12-18 03:56Wien (dpa)

Vereidigung in Wien: Kurz wird jüngster Regierungschef Europas

Die Koalitionsgespräche liefen harmonisch wie selten in der jüngsten Geschichte Österreichs. Nun wird die Regierung von Konservativen und Rechtspopulisten vereidigt. Mehrere Demonstrationen werden erwartet.

Wien (dpa) - Mit der Vereidigung des Bündnisses aus Konservativen und Rechtspopulisten bekommt Österreich eine neue Regierung. ÖVP-Chef Sebastian Kurz wird am Montagvormittag von Bundespräsident Alexander Van der Bellen zum jüngsten Regierungschef Europas ernannt. Vizekanzler wird der 48 Jahre alte Rechtspopulist Heinz-Christian Strache von der FPÖ. Beide Parteien hatten sich am Freitagabend nach siebenwöchigen Verhandlungen auf eine Koalition geeinigt. Die Parteigremien stimmten dem Pakt am Samstag einstimmig zu.

Im Fokus der auf fünf Jahre geplanten Zusammenarbeit stehen ein härterer Anti-Migrations-Kurs, Steuerentlastungen und Entbürokratisierung. Kurz versicherte zudem, die Alpenrepublik werde auch künftig eine proeuropäische Ausrichtung haben. Die FPÖ war in der Vergangenheit immer wieder mit EU-kritischen Aussagen aufgefallen. Eine Volksbefragung zum Thema «Öxit», also einem Austritt Österreichs aus der EU, wird auf ausdrücklichen Wunsch in der fünfjährigen Regierungsperiode nicht erlaubt sein. Die FPÖ hätte sich das vorstellen können.

Als weitere Bekräftigung der proeuropäischen Linie wird auch die erste Auslandsreise von Kurz in seiner neuen Rolle als Kanzler gewertet. Am Dienstag reist der Politiker nach Brüssel. Kurz will mit den EU-Spitzen auch über die österreichische EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2018 sprechen.

Die neue rechts-konservative Regierung in Wien will die Beziehungen zum Nachbarland Deutschland noch weiter vertiefen. «Mit Deutschland verbindet uns sehr viel, menschlich, wirtschaftlich, politisch und kulturell», sagte Kurz der «Bild»-Zeitung (Montag). Deutschland sei ein sehr wichtiger Nachbar und wichtigster Handelspartner Österreichs. «Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesregierung, insbesondere mit Bundeskanzlerin Angela Merkel - vor allem zur weiteren Vertiefung unserer exzellenten bilateralen Beziehungen auch innerhalb der Europäischen Union.»

Kurz war bislang Außenminister in einer Koalition mit der sozialdemokratischen SPÖ unter Kanzler Christian Kern. Bei der Nationalratswahl Mitte Oktober war die konservative ÖVP klar vor der SPÖ und der FPÖ stärkste Kraft geworden. Die Sozialdemokraten kündigten noch am Wahlabend den Gang in die Opposition an. Die beiden Volksparteien lagen schon seit langem im offenen Streit miteinander. Sie warfen sich gegenseitig Blockadehaltungen vor.

Die Koalitionsgespräche zwischen ÖVP und FPÖ verliefen hingegen ausgesprochen harmonisch. Unstimmigkeiten oder Streitereien drangen nie an die Öffentlichkeit. ÖVP und FPÖ wollen nach eigenen Aussagen einen neuen Polit-Stil im Land etablieren.

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Mo, 2017-12-18 03:00Kaiserslautern (dpa)

Vor Hacker-Kongress: Sicherheit von Stromtankstellen in der Kritik

Kaiserslautern (dpa) - Ein Experte beim Fraunhofer-Institut in Kaiserlautern hat auf massive Sicherheitsprobleme beim Laden von Elektro-Autos aufmerksam gemacht. Die Ladekarten für die Stromtankstellen könnten mit einfachen Mitteln manipuliert werden, sagte Mathias Dalheimer vom Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist so, als könnte ich mit der Fotokopie einer EC-Karte im Supermarkt einkaufen.» Dalheimer stellt seine Erkenntnisse in der nächsten Woche auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs (CCC) in Leipzig vor.

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Mo, 2017-12-18 02:26Lubmin (dpa)

Offshore-Stromkabel «Ostwind 1» vor erstem Testbetrieb

Lubmin (dpa) - Die Offshore-Stromtrasse «Ostwind 1» steht vor dem ersten Testbetrieb. Nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, der das 90 Kilometer lange Stromkabel vom Windparkfeld «Adlergrund» durch die Ostsee bis zum Anlandepunkt in Lubmin verlegt, laufen derzeit die Funktionstests für zwei von drei parallelen Kabelsträngen. «Wir starten den Testbetrieb des ersten Kabels in wenigen Tagen», sagte der 50Hertz-Projektleiter für Offshore, Henrich Quick.

Anfang 2018, so die Prognosen, könnte dann probeweise der erste grüne Strom vom Iberdrola-Windpark «Wikinger» zum 50Hertz-Umspannwerk Richtung Lubmin fließen. In die Stromanbindung «Ostwind 1» durch die Ostsee investiert 50Hertz eigenen Angaben zufolge etwa 1,5 Milliarden Euro. Mit dem Bau von weiteren Windparks könnte eine weitere Trasse folgen.

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Mo, 2017-12-18 02:00Köln/Heilbronn (dpa)

Ex-Ford-Chef widerspricht VW-Chef: Steuervorteile für Diesel sinnvoll

Köln/Heilbronn (dpa) - Die Vorteile für Diesel bei der Besteuerung des Kraftstoffs bleiben aus Sicht des Ex-Ford-Chefs und möglichen künftigen Autoverbands-Präsidenten Bernhard Mattes gerechtfertigt. In einem Gespräch mit der «Heilbronner Stimme» (Montag) wandte sich der Manager gegen Ideen, das sogenannte Dieselprivileg zu beenden und die Subventionierung von Dieselsprit in mehr Investitionen in E-Antriebe umzuwandeln. Dies hatte VW-Konzernchef Matthias Müller vorgeschlagen.

«Ein guter Mix der Motorentechnik war in der Vergangenheit und ist auch weiterhin sinnvoll», sagte Mattes dem Blatt - «ebenso wie die steuerlichen Anreize für den Diesel, der zu einer deutlichen Reduzierung der CO2-Werte beiträgt und deshalb auch zukünftig einen hohen Stellenwert hat».

Umweltverbände und etliche Politiker hatten den Müller-Vorstoß dagegen mit Blick auf die oft höheren Werte schädlicher Stickoxide (NOx) bei Dieselmotoren befürwortet, während sich der geschäftsführende Bundesverkehrsminister Christian Schmidt (CSU) irritiert zeigte. Mattes stellte in der Zeitung jedoch klar, dass er parallel dazu höhere Investitionen in die Infrastruktur wie etwa Ladestationen für Elektroautos ebenfalls für wichtig hält.

Generell sei die deutsche Autoindustrie gut aufgestellt - auch weil der Diesel noch Chancen habe, sagte der frühere Ford-Chef und Leiter der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland. «Schwarzmalerei ist völlig unangebracht. (...) Die deutschen Autobauer investieren jedes Jahr einen riesigen Milliardenbetrag in Forschung und Entwicklung.»

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