Mo, 2018-07-23 12:50Stuttgart (dpa)

Porsche-Manager kommt aus Untersuchungshaft frei

Stuttgart (dpa) - Der nach der Diesel-Razzia bei Porsche verhaftete Manager des Autobauers kommt aus der Untersuchungshaft frei. Das Amtsgericht Stuttgart setzte den Haftbefehl am Montag nach gut drei Monaten unter Auflagen außer Vollzug, wie eine Sprecherin sagte. Die Staatsanwaltschaft hatte das zuvor beantragt. Der Manager war nach einer Durchsuchungsaktion bei Porsche im April festgenommen worden und saß seither wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft.

Zu den Auflagen gehört nach Angaben der Staatsanwaltschaft, dass er Ausweis und Reisepass abgeben muss und das Land nicht verlassen darf. Zudem darf er vorerst keinen Kontakt zu anderen Beschuldigten in den Diesel-Verfahren gegen Porsche und Audi und auch nicht zu Zeugen oder potenziellen Zeugen aufnehmen.

Die Diesel-Ermittlungen bei Porsche richten sich gegen insgesamt drei Beschuldigte. Neben dem inhaftierten Manager hat die Justiz auch einen amtierenden Vorstand der Porsche AG sowie einen ehemaligen Mitarbeiter im Visier. Es geht um den Verdacht des Betrugs und der strafbaren Werbung. Hintergrund sind mögliche Manipulationen der Abgasreinigung von Dieselautos. Porsche weist die Vorwürfe zurück.

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Mo, 2018-07-23 12:45Peking (dpa)

Impfskandal in China weitet sich aus - Premier fordert Bestrafung

Skandale um Medikamente oder Nahrungsmittel haben in China hohe politische Sprengkraft. Nach Enthüllungen über Manipulationen bei Impfstoffen schaltet sich Premier Li ein. Es ist kein Einzelfall.

Peking (dpa) - Ein massiver Impfstoff-Skandal erschüttert China - möglicherweise sind Hunderttausende Kinder betroffen. Nach Enthüllungen über die regelwidrige Produktion von Tollwut-Impfstoffen bei einem Hersteller wurden am Montag die Details weiterer Fälle bekannt. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang rief zu einer Untersuchung der Industrie und Bestrafung aller Verantwortlichen auf. Staatsmedien forderten, dass Lücken in der behördlichen Aufsicht geschlossen werden müssten.

Skandale mit fehlerhaften Medikamenten oder Nahrungsmitteln haben in China eine starke politische Sprengkraft, besonders wenn Kinder betroffen sind. Es gibt ohnehin wenig Vertrauen in die Aufsichtsbehörden. Auch werden Berichte in den Staatsmedien zensiert und geben selten ein volles Bild der Lage. Bei dem Mangel an Transparenz und angesichts des hohen Misstrauens in die Behörden verbreiten sich Gerüchte rasant über soziale Medien.

Die Arzneimittelaufsicht verfügte wegen «schwerer Verstöße gegen betreffende Gesetze und Vorschriften» einen Produktionsstopp bei dem Tollwut-Impfstoff-Hersteller Changsheng Life Sciences in der Stadt Changchun (Provinz Jilin) in Nordostchina. Die Firma habe unter anderem Unterlagen über den Herstellungs- und Inspektionsprozess gefälscht, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua.

In den staatlich streng kontrollierten Medien tauchten keine Berichte auf, dass Menschen zu Schaden gekommen seien oder Tollwut bekommen hätten, weil die Medikamente fehlerhaft oder unwirksam waren. Es wird noch untersucht, ob die mangelhaft hergestellten Impfstoffe überhaupt gegen Tollwut schützen. Die Firma gab an, das Medikament sei «nicht schädlich». Wie viele betroffene Tollwut-Impfdosen ausgeliefert oder verabreicht wurden, war unklar. 2017 produzierte die Firma davon drei Millionen.

Offenbar um die Aufregung zu dämpfen, berichtete die staatliche Zeitung «Global Times», die Impfstoffe seien «nicht länger auf dem Markt». Dagegen berichteten Behörden, dass jetzt erst ein Rückruf ausgesprochen worden sei. Die Vorgänge sind laut Xinhua am 5. Juli durch einen Hinweis über die Manipulationen ans Licht gekommen.

Auch wurden Details weiterer Zwischenfälle mit dieser und mindestens einer anderen Firmen bekannt. So seien im Oktober 650 000 unwirksame Impfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DPT) auch bei dem Hersteller Changsheng entdeckt worden, berichtete Xinhua. Der Stoff sei in der Provinz Shandong 215 184 Kindern im staatlichen Impfprogramm ab drei Monaten injiziert worden, berichtete «China Daily». «Es kann sich auf den Immunitätsschutz auswirken, aber ist keine Gefahr für die Gesundheit», schrieb die Staatsagentur Xinhua.

Die Produktion sei seither ausgesetzt worden. Die Strafe belief sich auf 3,4 Millionen Yuan, umgerechnet 430 000 Euro. Das Unternehmen machte allerdings eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr 566 Millionen Yuan Gewinn und hat 43 Millionen Yuan an staatlichen Subventionen bekommen, wie die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post».

Ein anderer Hersteller ist auch im Visier der Ermittler. So seien in der Provinz Hebei 143 941 Kindern schadhafte DPT-Impfstoffe des Wuhan Institute of Biological Products injiziert worden, berichtete die «China Daily». Der Stoff sei ferner in der 30-Millionen-Metropole Chongqing vertrieben worden, ohne dass die Menge klar sei.

Schon 2016 hatte es in China einen Skandal gegeben, weil Impfstoffe verkauft worden waren, deren Haltbarkeit abgelaufen war oder die unangemessen gelagert worden waren. Mehr als 350 Funktionäre wurden damals bestraft. Der Ministerpräsident sagte, die neuen Zwischenfälle hätten eine «moralische Grenze» überschritten und müssten aufgeklärt werden. Seine Regierung werde energisch gegen alle illegalen Taten vorgehen, «die das Leben der Menschen in Gefahr bringen». Auch werde gegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht vorgegangen.

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Mo, 2018-07-23 12:38Rüsselsheim/Essen (dpa)

Experte: Opel wird zur Design-Hülle für PSA-Technik

Rüsselsheim/Essen (dpa) - Der vom französischen PSA-Konzern übernommene Autobauer Opel wird nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer seine Eigenständigkeit weitgehend verlieren. Die Peugeot-Mutter PSA scheine ausschließlich am historischen Opel-Kundenstamm interessiert zu sein, schreibt der Direktor des CAR-Institus an der Universität Duisburg-Essen vor Veröffentlichung der Konzern-Halbjahreszahlen an diesem Dienstag (24. Juli) in Paris. Der Opel-Betriebsrat könne diesen Prozess nicht stoppen.

Dudenhöffer sieht die Ex-General-Motors-Tochter Opel als vergleichsweise schwache Marke, die in den vergangenen Jahren in Europa beständig Marktanteile verloren habe. «Opel leidet an Kundenschwund», erklärte der Experte.

Verkäufe seien zudem mit einem überdurchschnittlichen Anteil so genannter Eigenzulassungen erreicht worden. Das Kalkül von PSA-Chef Carlos Tavares scheine zu lauten, Opel als PSA-Hülle aufzustellen. Das Unternehmen hat bereits angekündigt, bis 2024 alle Opel-Modelle auf PSA-Plattformen zu stellen. Erste nahezu baugleiche Schwestermodelle gibt es bereits.

Das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim bleibe für die Entwicklung sämtlicher Opel-Modelle zuständig und übernehme im Konzern zentrale Aufgaben wie beispielsweise die Entwicklung neuer Benzinmotoren, die Brennstoffzelle oder die Verantwortlichkeit für leichte Nutzfahrzeuge, hatte das Management noch im Juni versichert. Danach wurden jedoch Überlegungen bekannt, einen wesentlichen Teil des Zentrums möglicherweise an einen Dienstleister abzugeben. Das hatte zu erneuten Protesten der Belegschaft geführt.

Für PSA könnten sich nach Dudenhöffers Einschätzung auch hohe Abfindungen für entlassene Ingenieure rechnen, wenn es bei Opel gelinge, wie bei PSA pro Fahrzeug 800 Euro Gewinn zu machen.

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Mo, 2018-07-23 12:36Berlin (dpa)

Deutschland ruft im Streit der USA mit dem Iran zu Mäßigung auf

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat den harten Ton im Konflikt zwischen den USA und dem Iran kritisiert. «Wir setzen auf Gespräche und Dialog, und wir rufen alle Seiten, das gilt ganz klar für die iranische Seite, zur Mäßigung und zur rhetorischen Abrüstung auf», sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. Drohungen mit militärischer Gewalt seien «nie hilfreich» und gerade in der angespannten Lage im Nahen und Mittleren Osten «kein hilfreiches Mittel des Diskurses».

Am Wochenende hatte sich der Ton zwischen den beiden Ländern im Streit um das Atomabkommen deutlich verschärft. US-Präsident Donald Trump hatte im Mai angekündigt, sich aus dem Abkommen zurückzuziehen, das dem Iran Sanktionserleichterungen als Gegenleistung für ein massives Herunterfahren seines Atomprogramms zusagt. Die EU will das Atomabkommen aufrechterhalten. Trump und sein iranischer Amtskollege Hassan Ruhani hatten sich mit harschen Worten gegenseitig vor neuen Drohungen gewarnt.

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Mo, 2018-07-23 12:35Beirut (dpa)

Hunderte Flüchtlinge aus dem Libanon nach Syrien zurückgekehrt

Beirut (dpa) - Mehr als 800 syrische Flüchtlinge aus dem Libanon sind in ihr Heimatland zurückgekehrt. Das syrische Staatsfernsehen zeigte am Montag, wie der Konvoi mit den Menschen auf dem Weg in die Kalamun-Region die Grenze passierte. Die Flüchtlinge hatten in den vergangenen Jahren in dem Ort Arsal im Nordosten der Libanons gelebt. Von dort waren zuvor seit Ende Juni bereits rund 1000 Syrer in das Bürgerkriegsland zurückgegangen.

Der libanesischen Agentur NNA zufolge haben insgesamt rund 3000 Syrer aus Arsal Rückkehranträge gestellt, die syrische Sicherheitsbehörden absegnen müssen. In dem Ort leben rund 40 000 Flüchtlinge in informellen Lagern. Arsal war zeitweise unter Kontrolle radikaler Gruppen wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Der Libanon hat nach UN-Angaben fast eine Million Syrer aufgenommen. Gemessen an der Bevölkerung sind in dem Land weltweit die meisten Flüchtlinge untergekommen. Die Regierung möchte, dass sie so schnell wie möglich nach Syrien zurückkehren.

Seit Beginn der syrischen Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 sind nach UN-Angaben mehr als fünf Millionen Menschen in Nachbarländer geflüchtet. Das UNHCR teilte am Freitag mit, seit Anfang dieses Jahres seien nach Schätzungen 13 000 Syrer zurückgekehrt. Die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad hatten in den vergangenen Monaten wichtige Gebiete zurückgewonnen.

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Mo, 2018-07-23 11:42Hamburg (dpa)

Die «Operation Gomorrha» - Vergeltung für deutsche Luftangriffe

Hamburg (dpa) - «Operation Gomorrha» lautete das Code-Wort der Alliierten für die sechs Bombenangriffe vom 24. Juli bis 3. August 1943, die große Teile Hamburgs zerstörten. Bis zu 740 Flugzeuge waren im Einsatz und warfen insgesamt rund 8500 Tonnen Spreng- und Brandbomben ab. Rund 125 000 Menschen wurden verletzt, etwa 35 000 Menschen starben - das sind 80 Prozent der Opfer des gesamten Krieges in Hamburg.

Der Oberbefehlshaber der britischen Bomberflotte, Marschall Arthur Harris, hatte befohlen, die Hansestadt als Vergeltung für die deutschen Luftangriffe auf britische Städte zu zerstören. «Seit 1939 spielte Hamburg eine wichtige Rolle für die Fortsetzung und Ausweitung des nationalsozialistischen Angriffskriegs», sagte der Historiker Dirk Brietze. Ein Ziel der Bombardierungen sei deshalb die Rüstungsindustrie gewesen. Es seien aber nicht nur Betriebe und Verkehrsviertel bombardiert worden, sondern auch Wohnviertel - vor allem die, in denen Arbeiter aus den Betrieben lebten. «Die Loyalität der Bevölkerung gegenüber dem NS-Regime sollte durch die Zerstörung der städtischen Wohngebiete gebrochen werden.»

Die ersten Flieger warfen Sprengbomben, um die Dächer abzudecken, dann kamen die Brandbomben, um die Gebäude zu entzünden. Der neugotische Kirchturm von St. Nikolai diente den alliierten Bomberpiloten während der Luftangriffe auf Hamburg als Orientierungspunkt. Die Ruine ist heute ein Mahnmal. Die Zerstörungen veränderten das Stadtbild radikal. «Viele Straßen, die man heute kennt, waren früher Kanäle, die man einfach zugeschüttet hat, um die Trümmermassen wegzubekommen», sagte Historiker Malte Thießen.

Es gab viel zu wenig Plätze in Bunkern: «Obwohl Hamburg beim Bunkerbau eine besondere Priorität hatte, standen für gerade einmal 3,5 Prozent der Bevölkerung bombensichere Bunkerplätze zur Verfügung. Die übergroße Mehrheit floh in Keller», sagte Thießen. Die vielen Fremd- und Zwangsarbeiter, die in Hamburg in den Rüstungsbetrieben schuften mussten, hätten keinen Zugang zu Bunkern oder Luftschutzräumen bekommen. «Deshalb gab es bei dieser Gruppe besonders viele Opfer.» Nach dem Feuersturm flohen 900 000 Menschen aus der Stadt.

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Mo, 2018-07-23 09:59Berlin (dpa)

Mehr Nachweise von Antibiotika-resistenten Keimen

Wer unter einer schweren bakteriellen Infektion leidet, kommt ohne Antibiotika oft nicht aus. Doch bei Proben aus Krankenhäusern finden sich zunehmend problematische Resistenzen.

Berlin (dpa) - Bei einer wachsenden Zahl von Patienten in Deutschland werden Keime mit Resistenzen gegen wichtige Reserveantibiotika nachgewiesen. Das geht aus Daten des Nationalen Referenzzentrums für gramnegative Krankenhauserreger (NRZ) der Ruhr-Universität Bochum hervor, die das Robert Koch-Institut in Berlin kürzlich veröffentlichte.

Daten von Patienten mit Verdacht auf Antibiotikaresistenzen zeigen: Im Jahr 2017 fanden sich in fast jeder dritten Probe eine sogenannte Carbapenemase. Das sind Enzyme, die von Bakterien produziert werden und Resistenzen unter anderem gegen Reserveantibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme verursachen. Insgesamt waren es 2533 solcher Fälle (2016: 2262).

Bei betroffenen Patienten fallen damit die meisten sehr gut wirksamen Antibiotika aus - Ärzte müssten auf die «Reserve der Reserve» zurückgreifen, sagte der Biologe Niels Pfennigwerth vom NRZ. Diese Medikamente hätten oft Nachteile wie Nebenwirkungen.

Als besorgniserregend beschreiben die Autoren um Pfennigwerth insbesondere eine merkliche Zunahme von Keimen mit mehr als einer Carbapenemase. Die Folge: Die Therapiemöglichkeiten würden in der Regel noch weiter eingeschränkt.

Der NRZ-Bericht basiert auf gut 8000 Proben (2016: 7402) vor allem von Krankenhauspatienten, die 355 Labore in Deutschland 2017 an das NRZ schickten. Solche Abklärungen gibt es in der Regel dann, wenn bei einem Patienten mehrere Antibiotika nicht ansprechen. Bei einem wachsenden Teil von Proben geht es auch um die Frage, ob Resistenzen gegen das Reserveantibiotikum Colistin vorliegen.

Die Zunahme an Einsendungen um fast acht Prozent sind für Niels Pfennigwerth Zeichen eines gestiegenen Bewusstseins für diese Erreger, aber ebenso Folge einer tatsächlichen Zunahme von Resistenzen. Er sprach von einer «bedenklichen Entwicklung», mahnte aber auch vor Alarmismus. «In Deutschland haben wir im Vergleich zu Italien und Griechenland noch ein niedriges Niveau.» Repräsentative Daten gebe es allerdings nicht.

Resistente Keime sind grundsätzlich nicht gefährlicher als andere und für Menschen mit intaktem Immunsystem in der Regel harmlos. Zum Problem können die Erreger jedoch für geschwächte Patienten werden, etwa auf Intensivstationen. Prinzipiell können sie zum Beispiel Harnwegsinfekte oder Lungenentzündungen hervorrufen - und sind wegen ihrer Resistenzen nur schwer zu behandeln. Erreger entwickeln unter anderem deshalb Resistenzen, weil Antibiotika bei Mensch und Tier zu häufig und oft nicht zielgenau verabreicht werden.

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Mo, 2018-07-23 09:55Berlin (dpa)

Mehr Nachweise multiresistenter Erreger - Therapieoptionen schwinden

Berlin (dpa) - Bei einer wachsenden Zahl von Krankenhauspatienten in Deutschland werden Keime mit Resistenzen gegen wichtige Reserve-Antibiotika nachgewiesen. Das geht aus Daten des Nationalen Referenzzentrums für gramnegative Krankenhauserreger (NRZ) der Ruhr-Universität Bochum hervor, die das Robert Koch-Institut in Berlin kürzlich veröffentlicht hat. Daten von Patienten mit Verdacht auf Antibiotikaresistenzen zeigen: Im Jahr 2017 fanden sich in fast jeder dritten Probe Enzyme, die von Bakterien produziert werden und Resistenzen unter anderem gegen Reserve-Antibiotika aus der Gruppe der Carbapeneme verursachen. Insgesamt waren es 2533 solcher Fälle (2016: 2262).

Bei betroffenen Patienten fallen damit die meisten sehr gut wirksamen Antibiotika aus. Ärzte müssten auf die «Reserve der Reserve» zurückgreifen, sagte der Biologe Niels Pfennigwerth vom NRZ auf Anfrage. Diese Medikamente hätten oft Nachteile, etwa bezüglich der Nebenwirkungen.

Der NRZ-Bericht basiert auf gut 8000 Proben (2016: rund 7400), die 355 Labors in Deutschland 2017 an das NRZ schickten. Solche Abklärungen gibt es in der Regel dann, wenn bei einem Patienten mehrere Antibiotika nicht wirken. Repräsentative Daten zu dem Thema gibt es Pfennigwerth zufolge bislang in Deutschland nicht.

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Mo, 2018-07-23 09:34Stuttgart (dpa)

Staatsanwaltschaft beantragt Haftentlassung für Porsche-Manager

Stuttgart (dpa) - Die Staatsanwaltschaft will den nach der Diesel-Razzia bei Porsche verhafteten Manager des Autobauers wieder auf freien Fuß setzen lassen. Man habe am Montagmorgen beim zuständigen Gericht beantragt, den Haftbefehl unter strengen Auflagen auszusetzen, sagte ein Sprecher der Behörde. Das Gericht muss über den Antrag allerdings noch entscheiden. Der Mann war nach einer Durchsuchungsaktion bei Porsche im April festgenommen worden und sitzt seither wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft.

Zu den Auflagen gehört nach Angaben der Staatsanwaltschaft, dass er Ausweis und Reisepass abgeben muss und das Land nicht verlassen darf. Zudem darf er keinen Kontakt zu anderen Beschuldigten in den Diesel-Verfahren gegen Porsche und Audi und auch nicht zu Zeugen oder potenziellen Zeugen aufnehmen.

Die Diesel-Ermittlungen bei Porsche richten sich gegen insgesamt drei Beschuldigte. Neben dem inhaftierten Manager hat die Justiz auch einen amtierenden Vorstand der Porsche AG sowie einen ehemaligen Mitarbeiter im Visier. Es geht um den Verdacht des Betrugs und der strafbaren Werbung. Hintergrund sind mögliche Manipulationen der Abgasreinigung von Dieselautos. Porsche weist die Vorwürfe zurück.

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Mo, 2018-07-23 09:31Spremberg (dpa)

Rückkehrer im Osten - Warum es viele wieder zurückzieht Von Anna Ringle und Kristin Kruthaup, dpa

Seit der Wende kehrten viele ihrem Zuhause in Ostdeutschland den Rücken und nahmen im Westen Jobs an. Aber es gibt auch diesen Trend: den Weg zurück.

Spremberg (dpa) - Eine kleine Straße, wie man sie sich in einer Neubausiedlung in Deutschland vorstellt: gepflegte Einfamilienhäuser, frisch angelegte Gärten mit Spielgeräten. Neuer Straßenbelag, hier und da wird noch gebaut. Doch diese kleine Straße in Südbrandenburg hat eine Besonderheit. Anwohner Ivo Baumert zeigt von seinem Grundstück auf Häuser von Nachbarn. Sie alle verbinde eines mit ihm: Nach der Wende zogen sie aus ihrer Heimatstadt Spremberg nach Westdeutschland - und kamen wieder zurück. Immer mehr Weggezogene - ob in andere ostdeutsche oder westdeutsche Bundesländer - zieht es wieder an frühere Wohnorte im Osten. Die Regionen buhlen um sie.

Es gibt viele Rückkehr-Initiativen und -Netzwerke. Es wird in Werbung und Kampagnen investiert. Nicht erst seit kurzem. Der Slogan einer Postkarten-Aktion vor Jahren aus Brandenburg etwa lautete so: «Mach Mutti glücklich. Komm zurück». Es gibt sie bis heute. Der Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt betreibt eine Willkommensagentur für Rückkehrwillige. Sie vermittelt als erster Ansprechpartner Kontakte. «Die Anfragen steigen und auch die Zahl der Rückkehrer», sagt die Verantwortliche Anja Ulrich. Die Städte Wernigerode und Quedlinburg seien zurzeit besonders begehrt.

Bei Familie Baumert lief die Rückkehr ganz ohne fremde Hilfe ab. Seit annähernd einem Jahr lebt das Ehepaar mit seinen zwei Kindern wieder in Spremberg, zuvor hatten sie in Hamburg gewohnt. «Wir wollten wieder näher Richtung Familie ziehen, auch wegen der Hilfe der Großeltern bei der Kinderbetreuung», sagt Stefanie Baumert.

Eigentlich wollte das Ehepaar in den Speckgürtel von Berlin ziehen, weil sie in der Hauptstadt auf schnelle Anschluss-Jobs hofften. Doch es gab ein Problem. «Alle sind auf der Suche nach Immobilien, aber in und um Großstädte herum sind sie teuer», sagt Ivo Baumert. Damit habe es einen Grund mehr für Südbrandenburg gegeben. Auch wenn bislang nur der 37-Jährige eine Arbeit in Cottbus als Steuerberater gefunden hat und seine 40 Jahre alte Gefährtin als Bankkauffrau noch auf Jobsuche ist.

Der Trend zur Rückkehr hat in den vergangenen Jahren in Ostdeutschland zugenommen, wie Tim Leibert vom Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig sagt. Als einen Grund nennt er die verbesserte Arbeitsmarktsituation. Zugleich erläutert er: «Rückwanderung ist in erster Linie eine Rückwanderung in soziale Netze wie Familie.»

Leibert stützt sich auf eine Studie des Instituts. Sie bildet Erwerbstätige in Deutschland ab, die zunächst umzogen und zwischen 2001 und 2014 wieder dorthin zurückkamen. Die Untersuchung zeigt auch, dass Rückkehr kein speziell ausgeprägtes Phänomen im Osten ist, sondern genauso in Westdeutschland vorkommt.

Bundesweiter Spitzenreiter bei der Rückkehrerquote in dem Beobachtungszeitraum ist laut Studie der Landkreis Eichsfeld in Thüringen. Landrat Werner Henning (CDU) geht davon aus, dass der dominierende Faktor das Lebensgefühl mit Landschaft, Kultur, Religion und Familie sei, was viele an die Region binde. Zudem grenzt der Landkreis an Hessen und Niedersachsen. Viele pendeln und arbeiten in Oberzentren wie Göttingen oder Kassel. Die Arbeitslosenquote im Landkreis lag im Juni bei 3,6 Prozent.

Das Rückkehr-Netzwerk «Ankommen in Brandenburg» spricht ebenfalls von steigenden Anfragen und nennt als Gründe neben der Arbeitsmarktsituation: In Ballungszentren steigen die Immobilienpreise, was ländlichere Regionen wieder attraktiver mache. Auch die Pflege der Eltern oder ein Immobilien-Erbe seien Faktoren für eine Rückkehr. Ähnlich äußert sich die Agentur mv4you in Mecklenburg-Vorpommern, die ein vom Land kofinanziertes Jobportal-Projekt betreut. Häufig handele es sich um junge Familien. Die Nähe zur eigenen Familie spiele beim Zurückkommen die größte Rolle. Aber auch die Verbundenheit zur Heimat sei ein Aspekt.

In Sachsen sei man dringend auf Rückkehrer angewiesen, sagt Frank Vollgold, Sprecher der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit. Aufgrund des demografischen Wandels gingen dem sächsischen Arbeitsmarkt bis 2025 schätzungsweise rund 213 900 Menschen im arbeitsfähigen Alter verloren. Davon seien alle Regionen bis auf Leipzig und Dresden betroffen. Gleichzeitig entwickele sich die Zahl der angebotenen Jobs sehr positiv. Vor Tagen stellte das sächsische Wirtschaftsministerium ein neues Fachkräfte-Portal vor, das auch Rückkehrwillige ansprechen soll.

Dass viele Regionen auf Rückkehrer setzen, liegt auch an den Bevölkerungszahlen in Ostdeutschland. Laut Statistischem Bundesamt gab es in den vergangenen Jahren weniger Geburten als Sterbefälle. Die Zuzüge konnten dieses Geburtendefizit in der Regel nicht ausgleichen. 1990 lebten in Ostdeutschland (ohne Berlin) den Statistikern zufolge gut 14,7 Millionen Menschen. Im Jahr 2016 waren es annähernd 12,6 Millionen.

Seit der Wiedervereinigung lagen demnach die Zahlen der Wegzüge aus Ostdeutschland in die westdeutschen Bundesländer viele Jahre über denen der Zuzüge. Seit 2009 geht die Abwanderung nach Westdeutschland den Statistikern zufolge tendenziell zahlenmäßig wieder zurück.

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Mo, 2018-07-23 09:21Stuttgart (dpa)

Eisbärdame Corinna in der Wilhelma gestorben

Stuttgart (dpa) - Eisbärdame Corinna aus der Stuttgarter Wilhelma ist tot. «Corinna starb in der Nacht zu Samstag», sagte Zoo-Kurator Günther Schleussner der «Bild»-Zeitung (Montag). «Tierpfleger entdeckten sie gegen 7.00 Uhr morgens bei einem Kontrollgang im Außengehege.» Auf Hinweisschildern war dem Blatt zufolge zu lesen, dass das Tier zahlreiche altersbedingte Beschwerden hatte. Corinna wurde demnach 28 Jahre alt. Bei der Wilhelma war am Morgen zunächst niemand zu erreichen.

Die Eisbärdame wurde im Kopenhagener Zoo geboren und lebte seit 1990 in Stuttgart. 2007 war sie bundesweit bekannt geworden, als sie den Eisbär-Jungen Wilbär zur Welt brachte, der später in einen Bärenpark in Schweden zog. Der zoologisch-botanische Garten in Stuttgart hatte in den vergangenen Jahren vergeblich auf weiteren Nachwuchs gehofft.

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Mo, 2018-07-23 08:30Gifhorn (dpa)

«Abrahams Kinder»: Christlich-muslimische Kita vor dem Start Von Christian Brahmann, dpa

Religiöse Begegnung schon im Kleinkindalter: Im August eröffnet mit einer «Zwei-Religionen-Kita» im niedersächsischen Gifhorn eine laut Initiatoren bundesweit einmalige Einrichtung. Ganz ohne Schwierigkeiten und Kritik läuft das Projekt aber nicht an.

Gifhorn (dpa) - Die kleinen Bettchen sind schon aufgebaut, Maler bringen noch etwas Farbe an die Wand. Im niedersächsischen Gifhorn laufen die letzten Vorbereitungen für einen besonderen Ort: Im August eröffnet dort eine «Zwei-Religionen-Kita», in der Kinder christlichen und muslimischen Glaubens gemeinsam betreut werden. Die Initiatoren sprechen von einer bundesweit einmaligen Einrichtung. Am Donnerstag (26. Juli) wird Eröffnung gefeiert.

«Die 15 Plätze sind vergeben», sagt die Sprecherin des Projekts, Ingetraut Steffenhagen. Muslime, Christen und Kinder ohne Konfession werden ihren Angaben zufolge unter den Ein- bis Fünfjährigen etwa gleich stark vertreten sein. «Abrahams Kinder» heißt die Einrichtung, die einen Ort für die Kleinen aus unterschiedlichen religiösen Herkunftsfamilien schaffen soll, an dem sie ihre eigene und andere Religionen kennen und verstehen lernen.

Die Zielsetzung und Arbeitsweise haben die muslimische Ditib-Moschee in Gifhorn, die katholische St. Altfrid-Gemeinde und die evangelische Dachstiftung Diakonie in einer Kooperationsvereinbarung beschrieben. Eine jüdische Gemeinde, die die Organisatoren gern einbezogen hätten, gebe es in Gifhorn nicht. Ob die kleine Gruppe zusammen betet oder gemeinsam Gottesdienste feiert, entscheiden die Erzieher. Sie werden sich laut Steffenhagen aber auf jeden Fall damit beschäftigen, warum die einen Weihnachten, Ostern oder Ramadan feiern - und die anderen eben nicht. Das Essen soll halal-zertifiziert sein, also auch den Speisevorschriften des Islam folgen.

Die Idee entstand den Angaben zufolge in der Moscheegemeinde, die aber Schwierigkeiten hatte, aus eigener Kraft eine Kita zu errichten und zu betreiben. Von Pastoralreferent Martin Wrasmann sei dann das Angebot für eine interreligiöse Kita mit einem Vorbild aus Osnabrück gekommen. Dort gibt es bereits seit mehreren Jahren eine «Drei-Religionen-Schule» und eine jüdisch-christliche Kindertagesstätte. «Mit beiden Einrichtungen machen wir sehr gute Erfahrungen», sagt Kai Mennigmann vom Bistum Osnabrück. Das Wachstum und der Zuspruch seien Belege dafür.

Ähnlichen Erfolg wünschen sich auch die Initiatoren im beschaulichen Gifhorn, die ihre Kita zu einem Leuchtturmprojekt mit bundesweiter Strahlkraft entwickelt wollen. In Berlin-Moabit hat allein der Plan für eine «Drei-Religionen-Kita» für Christen, Juden und Muslime ein bundesweites Medienecho ausgelöst. Sie soll aber erst 2021 eröffnen.

«Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der sich Kinder verschiedenen Glaubens mit gegenseitiger Anerkennung begegnen und voneinander lernen können», sagt die Leiterin der Kita in Gifhorn, Linda Minkus. Auch das Erzieherteam soll sich aus Mitarbeitern muslimischen und christlichen Glaubens zusammensetzen. Für eine dritte Stelle wird derzeit noch jemand gesucht. «Wie in fast allen sozialen Berufen ist es ausgesprochen schwierig, offene Stellen zu besetzen», berichtet Projektsprecherin Steffenhagen.

Sie räumt auch ein, dass das Interesse anfangs verhalten war. Ein denkbarer Grund: Ihrer Meinung nach könnten Eltern zunächst Scheu gehabt haben, ihre Kinder in eine so exponierte Einrichtung zu geben. Von der AfD in Gifhorn wurde das Projekt wegen der wenigen Anmeldungen bereits vor der Eröffnung als gescheitert bezeichnet. Diese Kritik weist Steffenhagen als «übliche Abwehr gegen islamische Migration in den einschlägigen Kreisen» zurück.

Den Zentralrat der Muslime in Deutschland stört die Politisierung des Themas. «Eine Kindertagesstätte ist grundsätzlich unpolitisch», meint der Vorsitzende Aiman Mazyek. Der frühe Austausch sei besonders in Zeiten wichtig, in denen Populisten das Trennende betonen. Für Gifhorns Bürgermeister Matthias Nerlich (CDU) kann Verständnis und Toleranz nur gelingen, wenn es Möglichkeiten der Begegnung gibt. Diese Möglichkeit gibt es nun in seiner Stadt bald auch für die ganz Kleinen.

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Mo, 2018-07-23 08:04Frankfurt/Singapur (dpa)

Ölpreise leicht gesunken

Frankfurt/Singapur (dpa) - Die Ölpreise haben am Montag im frühen Handel etwas nachgegeben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete am Morgen 73,01 US-Dollar. Das waren 6 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 9 Cent auf 68,17 Dollar.

Gegenseitige Drohungen zwischen Iran und den USA konnten den Ölpreisen keinen Auftrieb geben. Irans Präsident Hassan Ruhani drohte mit einer Blockade der Ölexportrouten am Persischen Golf. US-Präsident Donald Trump reagierte mit martialischen Worten. «Bedrohen Sie niemals wieder die USA, oder Sie werden Konsequenzen von der Art zu spüren bekommen, wie sie wenige zuvor in der Geschichte erleiden mussten», schrieb er in der Nacht zum Montag auf Twitter.

Laut Händlern ist der Ölmarkt weiterhin von der Erwartung einer sinkenden Nachfrage aufgrund des eskalierenden Handelsstreits vor allem zwischen den USA und China geprägt. Auch ein Rückgang der Zahl der Ölbohrlöcher in den USA trieb den Ölpreis vor diesem Hintergrund nicht.

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Mo, 2018-07-23 07:00Düsseldorf (dpa)

Bio-Lebensmittel vom Discounter - «Luft wird dünner» für Fachhändler Von Erich Reimann, dpa

Aldi, Edeka und Co. haben sich bereits rund zwei Drittel des Bio-Marktes gesichert. Und sie geben weiter Gas. Den Verbrauchern gefällt das. Doch viele Naturkosthändler können da nicht mehr mithalten.

Düsseldorf (dpa) - Bio-Apfelschorle von Aldi, Bio-Salami von Lidl, Bio-Müsli von dm und Bio-Käse von Edeka oder Rewe: Deutschlands Discounter, Supermärkte und Drogeriemärkte haben in den vergangenen Jahren ein immer größeres Stück des Bio-Marktes erobert. Fast zwei Drittel der Ausgaben der Bundesbürger für Bio-Lebensmittel landen inzwischen in ihren Kassen - mit steigender Tendenz.

Für klassische Bio-Fachhändler bedeutet dies immer mehr Konkurrenz und immer mehr Preisdruck. Der Handelsexperte Joachim Riedl von der Hochschule Hof warnte deshalb kürzlich in dem Fachblatt «Lebensmittel Zeitung» bereits vor einem Bio-Laden-Sterben: «Es bedarf wenig prognostischer Fähigkeiten, um für den Bio-Fachhandel einen Konsolidierungsprozess vorauszusehen, in dem nur einige der heute aktiven Player überleben werden.»

Es geht um viel Geld: Mehr als zehn Milliarden Euro gaben die deutschen Verbraucher im vergangenen Jahr für ökologische Produkte aus - rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr. «Die Deutschen haben offenbar immer noch und vor allem immer öfter Appetit auf Bio-Lebensmittel und bescheren der Branche weiteres Wachstum», heißt es in einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Seit 2004 hat sich der Bio-Anteil an den Lebensmittelausgaben mehr als verdreifacht.

Für Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Co. ist Bio gleich aus mehreren Gründen attraktiv. Zum einen, weil der Markt seit Jahren zuverlässig wächst. Zum anderen wegen der attraktiven Zielgruppen, die mit Bio-Produkten erreicht werden: jüngere Leute, Familien mit Kindern aber auch höhere Einkommensgruppen.

Nicht zuletzt die Discounter umwerben die Bio-Klientel deshalb heftig. Aldi verkündete bei der Vorstellung seines jüngsten Nachhaltigkeitsberichts vor wenigen Tagen stolz: 2017 sei das Unternehmen laut GfK Bio-Marktführer in Deutschland gewesen. In diesem Jahr will Aldi sein Engagement in diesem Bereich noch verstärken und mehr als 60 weitere Bio-Artikel in sein Angebot aufnehmen. Damit sei «der komplette Wocheneinkauf in Bio-Qualität immer möglich».

Auch Lidl verspricht den Kunden «Bio-Vielfalt» und führte erst im Februar elf neue Bio-Wurstsorten ein. Lidl-Einkaufschef Jan Bock ließ damals keinen Zweifel: «Auch in Zukunft wollen wir verstärkt auf Bio setzen.»

Die Kölner Handelsgruppe Rewe arbeitet nach eigener Aussage ebenfalls «beständig an der Erweiterung ihrer Bio-Sortimente». Allein unter der Eigenmarke Rewe Bio bietet der Händler in seinen Supermärkten mehr als 500 ökologische Produkte an. Die Drogeriemarktkette dm ist nach Informationen des Branchenfachblatts «Lebensmittel Zeitung» auch dabei, ihr Bio-Geschäft weiter aufzurüsten. Neben über 400 Artikeln der Eigenmarke dm Bio liste die Kette immer mehr Bio-Marken ein. Der Drogeriehändler habe es dabei auch auf Kundengruppen aus dem Fachhandel abgesehen.

Bei den Verbrauchern kommt die Bio-Offensive von Aldi, Rewe und Co. gut an. Bei einer aktuellen Marktstudie des Marketingunternehmens AMM gaben 60 Prozent der Befragten an, sie fänden es gut, dass man Bio inzwischen auch bei Edeka, Rewe, Aldi und Lidl kaufen könne. Das sei billiger als in den Fachgeschäften und außerdem müsse man beim Einkauf dadurch keinen Umweg machen, fanden viele der Befragten.

Für Naturkostläden, Bio-Supermärkte und selbstvermarktende Bio-Bauern sieht das natürlich ganz anders aus. Für sie wird der Siegeszug der Mainstream-Händler immer mehr ein Problem. Nicht nur weil die Handelsriesen einen immer größeren Teil des Marktes für sich reklamieren, sondern auch weil gleichzeitig der Preisdruck im gesamten Bio-Markt wächst. Branchenkenner Riedl ist überzeugt: «Die Luft wird dünner im Handel mit Bio-Lebensmitteln.»

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Mo, 2018-07-23 04:31Leipzig (dpa)

Trend zur Rückkehr in den Osten verfestigt sich

Leipzig (dpa) - Der Trend der Rückkehr von Ostdeutschen in ihre einstigen Wohnorte hat sich in den vergangenen Jahren aus Expertensicht verfestigt. Das Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig geht von einer Zunahme in den vergangenen Jahren aus. Als einen Grund nannte der Wissenschaftler Tim Leibert die verbesserte Arbeitsmarktsituation im Osten. Zugleich betonte er: «Rückwanderung ist in erster Linie eine Rückwanderung in soziale Netze wie Familie.»

In Ostdeutschland wurden in der Vergangenheit viele Initiativen und Projekte gegründet, die einst Weggezogene - ob in andere ostdeutsche oder in westdeutsche Bundesländer - wieder zurücklocken wollen. Initiativen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt sprechen von steigenden Anfragen.

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