Do, 2018-09-20 11:00Sydney (dpa)

Gespickte Erdbeeren - Supermarkt verkauft keine Nähnadeln mehr

Sydney (dpa) - Nach mehr als 100 Berichten von Nadeln in Obst hat ein australischer Supermarkt Konsequenzen gezogen. «Wir haben die Vorsichtsmaßnahme getroffen, Nähnadeln vorübergehend aus unseren Läden zu entfernen», teilte ein Sprecher von Woolworth am Donnerstag mit. «Die Sicherheit unserer Kunden ist unsere höchste Priorität.»

Die Nadeln waren in der vergangenen Woche zum ersten Mal in Erdbeeren des Supermarktes im ganzen Land gefunden worden. Die Erdbeeren stammten von einem Hof in Queensland. Seitdem wurden Nadeln in Erdbeeren, Bananen und Äpfeln gefunden. Behörden befürchteten, die Berichte hätten auch Nachahmungstäter inspiriert. Mindestens ein Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht, nachdem er eine Erdbeere mit Nadel darin gegessen hatte. Die Regierung empfahl, Obst vor dem Verzehr klein zu schneiden.

Am Mittwoch hatte der australische Premierminister Scott Morrison angekündigt, die Strafen für die Manipulation von Lebensmitteln deutlich zu erhöhen, wie der Sender ABC berichtete. Demnach wurde die Höchststrafe für sogenannte «Essens-Terroristen» von 10 auf 15 Jahre angehoben. Zahlreiche Regierungen der Bundesstaaten hatten Belohnungen von 100 000 australischen Dollar (umgerechnet mehr als 62 000 Euro) für Informationen zur Ergreifung der Täter ausgesetzt.

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Do, 2018-09-20 10:48Köln (dpa)

«Kind+Jugend» gestartet - Sicherheit und Digitalisierung im Fokus

Die «Kind+Jugend» wächst und wächst. In diesem Jahr rückt die internationale Messe neben der Sicherheit der Kleinsten auch die digitalen Helfer in den Mittelpunkt. Ein Kinderwagen mit Elektromotor gehört zu den Neuheiten.

Köln (dpa) - Die weltgrößte Messe für Baby-und Kinderausstattung «Kind+Jugend» ist am Donnerstag mit Neuheiten bei Kinderwagen, Autositzen, Spielzeug und Möbeln an den Start gegangen. Im Fokus der rund 1250 Aussteller aus 53 Ländern - ein erneuter Rekord - stehen die Themen Sicherheit und zunehmend auch digitale Helfer und Vernetzung.

Als Weltneuheit wird ein «intelligenter eKinderwagen» präsentiert, bei dem zwei lautlose Elektromotoren das Schieben bergauf unterstützen oder auch automatisch abbremsen. Das System lässt sich über eine App steuern, die sich via Bluetooth mit dem Kinderwagen verbindet.

Bis Sonntag wird auch ein mit Sensoren ausgestatteter Autositz gezeigt, der mit dem Mobiltelefon verbunden ist und Alarm auslösen kann. Rund ums Babybettchen spielen «smarte Helfer» ebenfalls eine wachsende Rolle. Neu zu sehen laut Koelnmesse: Ein magnetisch an der Kleidung befestigtes Minigerät, das Atembewegungen und Geräusche misst und Veränderungen der Schlafposition erkennt.

Auch beim Kauf von Kindermöbeln sind Sicherheitsaspekte oft entscheidend, viele Hersteller werben laut Möbelindustrie-Verband mit Prüfsiegeln. Nach Branchenangaben sind viele Eltern bereit, für Sicherheit tief in den Geldbeutel zu greifen.

2017 stiegen die Ausgaben für Kinder bis drei Jahre laut Handelsverband Spielwaren um zwei Prozent auf gut 2,5 Milliarden Euro. Werden bundesweit alle Ausgaben für Kinder bis 14 Jahre mit eingerechnet, stieg der Gesamtmarkt laut BDKH sogar auf 7,3 Milliarden Euro. Beim Umsatz profitiert die Branche auch von hohen Geburtenzahlen der vergangenen Jahre.

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Do, 2018-09-20 10:35Salzburg (dpa)

Luxemburgs Premier über Migranten: Reden nicht über Teppiche

Salzburg (dpa) - Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel warnt im Dauerstreit um die EU-Migrationspolitik vor einer Entmenschlichung der Debatte. «Wir sind nicht auf einem Markt. Wir reden über Menschen, nicht über Teppiche oder Waren», sagte Bettel am Donnerstag beim EU-Gipfel in Salzburg. Am Vorabend hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Kollegen unter anderem darüber diskutiert, ob EU-Länder, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, andere - etwa finanzielle - Beiträge zur Migrationspolitik leisten könnten.

Bettel sah im festgefahrenen Streit um die Zuwanderung in die EU zumindest etwas Fortschritt. «Ich habe das Gefühl, dass wir langsam, sehr langsam sogar, weiterkommen.» Am Mittwochabend sei die Atmosphäre besser gewesen als in den vergangenen Wochen und Monaten. Die Debatte um eine verpflichtende Verteilung von Flüchtlingen auf alle 28 EU-Staaten lähmt die Gemeinschaft seit Jahren.

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Do, 2018-09-20 10:30Leverkusen (dpa)

Glyphosat-Prozess gegen Bayer in den USA verschiebt sich

Leverkusen (dpa) - Nach einer juristischen Niederlage in den USA muss sich der Agrarchemie-Konzern Bayer erst 2019 vor Gericht weiteren Vorwürfen zum Unkrautvernichter Glyphosat stellen. Ein für den 22. Oktober geplanter Prozess in St. Louis sei auf Februar vertagt worden, sagte ein Bayer-Sprecher am Donnerstag in Leverkusen. Zuvor hatte die «Wirtschaftswoche» darüber berichtet. Hintergrund ist der Zeitschrift zufolge die Bündelung mehrerer Einzelverfahren.

Im August hatte ein Geschworenengericht in San Francisco einem unheilbar an Krebs erkrankten Mann Schadenersatz in Höhe von umgerechnet rund 250 Millionen Euro zugesprochen. Bayer hält das Urteil für falsch und hat Rechtsmittel eingelegt. Insgesamt muss sich der Leverkusener Konzern in den USA rund 8700 Glyphosat-Klagen stellen - der juristische Ballast stammt aus der Übernahme des US-Konzerns Monsanto, der voll auf Glyphosat setzt.

Kläger, Umweltschützer, Kleinbauern und verschiedene Wissenschaftler halten die Chemikalie für gefährlich für die Natur und die Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation stufte Glyphosat 2015 als ein «wahrscheinliches humanes Karzinogen» ein, also als mutmaßlich krebserregend. Bayer hingegen verweist auf Studien, denen zufolge die Anwendung von Glyphosat sicher sei.

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Do, 2018-09-20 10:25Mainz (dpa)

SPD will im Europa-Wahlkampf «Europe-Stores» in Innenstädten

Mainz (dpa) - Die SPD will im Europa-Wahlkampf ein ungewöhnliches Instrument einsetzen: Läden in den Städten als Anlaufstelle. «Wir werden in den Innenstädten in der heißen Wahlkampfphase «Europe-Stores» eröffnen», sagte SPD-Wahlkampfmanager Michael Rüter in Mainz. «Wichtig ist die Nähe zu den Menschen und ihren wirklichen Themen. Dafür wollen wir Läden anmieten für die letzten vier Wochen vor dem Wahltermin und dabei zum Beispiel Leerstand nutzen.» Bisher sind laut Rüter 27 «Europe-Stores» geplant. Die Europawahl steht in Deutschland am 26. Mai 2019 an - zeitgleich mit der Bremer Bürgerschaftswahl und Kommunalwahlen in mehreren Ländern.

Die SPD will nach Angaben des Wahlkampfmanagers in der Europawahl-Kampagne auf die Themen Freiheit, Demokratie und sozialer Zusammenhalt setzen. «Bei der Bundestagswahl standen Themen im Vordergrund, die nicht die wirklichen Fragen der Menschen beantwortet haben», sagte Rüter. «In Europa geht es um mehr als nur Migration und Flüchtlingspolitik, es geht um die Zukunftsängste der Menschen.» Die SPD wolle auch verstärkt im Internet diskutieren. «Massiven Angriffen von außen, Beschimpfungen, Halbwahrheiten oder Falschaussagen werden wir konsequent mit juristischen Mitteln begegnen.»

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Do, 2018-09-20 10:13Pjöngjang/Washington (dpa)

USA fordern atomare Abrüstung Nordkoreas bis 2021

Die USA setzen Nordkorea eine Frist zur atomaren Abrüstung: Januar 2021. Nach dem Korea-Gipfel sind Gespräche in New York und Wien geplant. Kommt es zu einem neuen Treffen zwischen Kim und Trump?

Pjöngjang/Washington (dpa) - Die neuen Abrüstungsangebote Nordkoreas auf dem Korea-Gipfel bringen auch den Dialog des Landes mit den USA wieder in Gang. US-Außenminister Mike Pompeo lud seinen Kollegen Ri Yong Ho aus Nordkorea zu einem Treffen nächste Woche am Rande der UN-Vollversammlung in New York ein. Auch sind weitere Gespräche hoher Beamter in Wien geplant. Pompeo setzte eine Frist: Den USA gehe es um eine rasche atomare Abrüstung, die bis Januar 2021 abgeschlossen sein solle, so wie es Machthaber Kim Jong Un selbst zugesagt habe. Dann läuft die Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ab.

Nach einem gemeinsamen Besuch auf dem als heilig verehrten Vulkan Paektu beendeten Kim und Südkoreas Präsident am Donnerstag ihren dritten Gipfel in diesem Jahr. Moon Jae In flog nach Seoul zurück. Vorher hatte ihm Kim zwei Tonnen Pilze als Geschenk an den Süden geschickt. Die Ladung Edel-Reizker soll zum Erntedankfest Chusok in den nächsten Tagen an Mitglieder von Familien verteilt werden, die durch den Korea-Krieg (1950-53) auseinandergerissen wurden.  

Der Besuch auf dem höchsten Berg der koreanischen Halbinsel mit dem Kratersee war ungewöhnlich und überraschend von Kim vorgeschlagen worden. Der Vulkan hat für die Koreaner große mythische Bedeutung. Er gilt als Geburtsplatz von Tangun - der Legende nach der Gründer des ersten koreanischen Königreiches vor mehr als 4000 Jahren.

Der südkoreanische Präsident und seine Gattin füllten sogar eine Plastikflasche mit Wasser des Sees, um es mit nach Hause zu nehmen. Nur wenige Südkoreaner haben den 2700 Meter hohen Vulkan an der chinesischen Grenze bisher von der nordkoreanischen Seite besucht - meist für wissenschaftliche Zwecke. Im stalinistisch geprägten Nordkorea gilt der Berg auch als Symbol der Herrscherfamilie.

Am Vortag hatte Kim in der Gipfel-Erklärung angeboten, seine wichtigste Atomanlage Yongbyon abzubauen, wenn die USA Entgegenkommen zeigten. Auch will der Machthaber seine große Testanlage für Raketenantriebe in Sohae an der Westküste und die dortige Startrampe unter Aufsicht von «Experten betreffender Länder» weiter abbauen. Kim Jong Un bekräftigte seine grundsätzliche Bereitschaft zur Abrüstung, ließ aber weiter offen, wann und wie sein Atomwaffen- und Raketenarsenal konkret abgebaut werden kann.

In Washington beschrieb Außenminister Pompeo den Gipfel als «erfolgreich». Die USA seien bereit, auf Basis dieser «wichtigen» Zusagen sofort wieder Verhandlungen mit Nordkorea aufzunehmen. Neben dem Außenministertreffen in New York wurden Vertreter Nordkoreas zu Gesprächen mit dem Sonderbeauftragten Stephen Biegun nach Wien eingeladen. Moon wird US-Präsident Donald Trump am Montag am Rande des UN-Treffens in New York persönlich über die Ergebnisse seines dritten Gipfels in diesem Jahr mit Kim unterrichten.

Als Entgegenkommen der USA fordert Nordkorea nach südkoreanischen Angaben eine gemeinsame Erklärung über das formelle Ende des Korea-Kriegs (1950-53) und andere Zugeständnisse. Wenn Nordkorea von «korrespondierenden Maßnahmen» spreche, beziehe sich das wohl auch auf eine solche Erklärung, sagte Südkoreas Atomunterhändler Lee Do Hoon. «Es gibt Dinge, die Nordkorea erwartet.» Nordkorea fordert auch ein Ende der internationalen Sanktionen.

Die koreanische Halbinsel ist völkerrechtlich noch im Kriegszustand, weil zwischen den einstigen Gegnern nur ein Waffenstillstand vereinbart wurde - kein Friedensvertrag. Die USA hatten damals die UN-Truppen an der Seite Südkoreas angeführt. Schon bei ihrem ersten Gipfel im April hatten sich Kim und Moon darauf geeinigt, mit den USA oder zu viert mit China, das an Nordkoreas Seite gekämpft hatte, eine Erklärung zum Kriegsende anzustreben.

Südkoreas Atomunterhändler äußerte sich zuversichtlich, dass es - wie von Kim vorgeschlagen - jetzt zu einem zweiten Gipfel zwischen Trump und Nordkoreas Machthaber kommt. Beide waren im Juni in Singapur zu einem historischen Gipfel zusammengetroffen. Experten hielten es für sehr wahrscheinlich, dass es noch vor den Kongresswahlen in den USA im November ein neues Treffen geben werde. Trump könne damit dem «negativen Nachrichtenzyklus entkommen», sagte Woo Jung Yeop, Direktor für strategische Studien am Sejong Institut.

Ein «großes Tauschgeschäft mit Kim» könne ihm viel Unterstützung bei den Wählern bringen, sagte auch Harry Kazianis von der US-Denkfabrik Center of National Interest, der «zu hundert Prozent» mit einem zweiten Gipfel rechnet. Die Experten gingen auch davon aus, dass Südkoreas Präsident von seiner Begegnung mit Kim weitere konkrete Ergebnisse zu seinen Gesprächen am Montag mit Trump mitnehmen werde, die noch nicht veröffentlicht worden seien.

Die Experten gehen aber davon aus, dass die atomare Abrüstung Nordkoreas keineswegs bis 2021 erreicht werden könne, sondern ein «jahrzehntelanger» Prozess werde. «Selbst wenn wir eine Vereinbarung haben, wird es schwierig sein, diese umzusetzen», sagte Experte Woo.

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Do, 2018-09-20 10:11Belgrad (dpa)

EU-Grenzschützer im Kampf gegen illegale Migration nach Serbien

Belgrad (dpa) - Die europäische Grenzschutzagentur Frontex wird auch die Grenzen Serbiens zu seinen Nachbarländern gegen illegale Migration schützen. Ein entsprechendes Abkommen werde am Donnerstag in Belgrad unterschrieben, kündigte EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos in der serbischen Zeitung «Blic» an. Die Frontex-Polizisten hätten die Aufgabe, die serbische Polizei bei der Verhinderung illegaler Einwanderung zu unterstützen. Ähnliche Abmachungen seien bereits mit Albanien und Mazedonien unterzeichnet worden. Mit Bosnien-Herzegowina und Montenegro liefen ebenso Verhandlungen.

Vor drei Jahren waren über die sogenannte Balkanroute rund eine Million Migranten nach Westeuropa und vor allem nach Österreich und Deutschland gekommen. Obwohl diese Transitroute durch Zäune und stärkere Bewachung geschlossen wurde, kommen immer noch Tausende Menschen illegal über die grünen Grenzen. In Serbien sitzen rund 4000 Menschen fest, im benachbarten Bosnien sind es über 3000. Sie versuchen, mit Hilfe von Schleppern illegal weiter nach Westeuropa zu gelangen.

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Do, 2018-09-20 09:55Kerpen/Düsseldorf (dpa)

Kripo ermittelt nach Tod eines Journalisten im Hambacher Forst

Ein junger Journalist stürzt im Hambacher Forst von einer Hängebrücke und stirbt. NRW-Innenminister Reul appelliert an die Aktivisten, ihre Baumhäuser zu verlassen.

Kerpen/Düsseldorf (dpa) - Nach dem tödlichen Sturz eines Journalisten während der umstrittenen Räumungsaktion im Hambacher Forst ermittelt die Kriminalpolizei zur Unglücksursache. Beamte seien am Donnerstag im Wald vor Ort, sagte ein Polizeisprecher am Morgen. Einen Anfangsverdacht für eine Straftat gibt es nach Angaben der Aachener Staatsanwaltschaft nicht. «Es sieht nach einem Unglücksfall aus», sagte Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts der Deutschen Presse-Agentur. In der Nacht zum Donnerstag war es im Hambacher Forst ruhig geblieben. Mit Kerzen erinnerten die Aktivisten an den Toten.

Die Polizeiaktion, bei der Baumhäuser geräumt und abgerissen werden, hatte vergangene Woche begonnen. Bis Mittwoch waren den Angaben zufolge 39 von 51 Baumhäusern geräumt. Die Waldbesetzer protestieren gegen das Vorhaben des Energiekonzerns RWE, weite Teile des Hambacher Forstes abzuholzen. Es soll Braunkohle gebaggert werden. Der Wald gilt als Symbol des Widerstands gegen die Klimabelastung durch Kohle. In bis zu 25 Metern Höhe haben die Aktivisten ihre Baumhäuser gebaut. Sie halten den Wald so seit sechs Jahren besetzt.

Der junge Journalist war am Mittwoch durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und 15 Meter tief gestürzt. Rettungskräfte konnten nichts mehr für ihn tun. Die Aachener Polizei sprach von einem tragischen Unglück. Der Journalist habe seit längerem das Leben der Aktivisten in den Baumhäusern dokumentiert. Es habe zum Unglückszeitpunkt keine Polizeimaßnahmen in der Nähe der Unglücksstelle oder am Baumhaus gegeben, erklärten die Beamten. Das Aktionsbündnis «Hambi bleibt» betonte, zu dem tödlichen Sturz sei es vermutlich gekommen, weil der Journalist einen SEK-Einsatz in der Nähe habe beobachten wollen.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) appellierte an die Waldbesetzer, die Baumhäuser freiwillig zu verlassen. «Wir leben jetzt alle auch damit, mit der Hoffnung, so will ich es vielleicht sagen, dass diejenigen, die da in den Häusern sind, jetzt aus dem Wald rausgehen, aus den Häusern rausgehen, damit nichts passiert», sagte Reul dem Radiosender WDR2.

Die Landesregierung hatte die Räumung am Mittwochabend bis auf weiteres ausgesetzt. «Ich finde, es ist richtig, dass man jetzt unterbricht, weil wir können nicht einfach weitermachen», sagte Reul. «Ist doch klar: Da ist ein Mensch gestorben. Das geht auf keinen Fall. Auf der anderen Seite muss man wissen, die Richter haben entschieden, dass da Gefahr im Verzug ist.» Die Baumhäuser müssten geräumt werden, weil sie gefährlich seien.

Der Arbeitsbühnen-Verleiher Gerken kündigte an, seine Geräte aus dem Hambacher Forst abzuziehen. Das Unternehmen sei von dem betreffenden Kunden, bei dem es sich nicht um die Polizei handele, zuvor nicht über den Einsatzzweck informiert worden. «Da auch wir mit der Vorgehensweise im Hambacher Forst absolut nicht einverstanden waren und sind und wir auch den Einsatz unserer Bühnen dort nicht weiter rechtfertigen können, haben wir heute beschlossen, dass wir unsere Geräte dort stilllegen», schrieb die Geschäftsleitung am Mittwoch auf der Firmenhomepage.

In Düsseldorf übergaben Umweltschützer der Landesregierung am Donnerstag mehr als eine halbe Million Unterschriften für den Erhalt des Waldes und ein Ende des Kohleabbaus.

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Do, 2018-09-20 09:47Wiesbaden (dpa)

Mehr Kaufkraft: Reallöhne in Deutschland weiter gestiegen

Wiesbaden (dpa) - Die Kaufkraft der Arbeitnehmer in Deutschland ist im zweiten Quartal 2018 weiter gestiegen - trotz steigender Preise. Nach Abzug der Inflation hatten die Menschen 0,5 Prozent mehr Geld in der Tasche als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat.

Für die Berechnung wird der sogenannte Reallohn herangezogen. Er entspricht dem Nominallohn - also dem tatsächlich ausgezahlten Lohn - nach Abzug der Teuerung. Die Nominallöhne erhöhten sich zum Vorjahresquartal um 2,5 Prozent, die Inflation legte um 2,0 Prozent zu. Der Anstieg der Teuerung war nach Angaben der Wiesbadener Statistiker vom Donnerstag allerdings der höchste auf Quartalsbasis seit dem vierten Quartal 2012.

Mit dem Zuwachs der Reallöhne setzte sich ein langjähriger Trend fort. Letztmalig leicht gesunken sind die Reallöhne im dritten Quartal 2013. Von 2007 bis 2017 kletterten die Nominallöhne inklusive Sonderzahlungen um 25,8 Prozent, während die Verbraucherpreise nur um 13,7 Prozent anstiegen. Für das erste Quartal 2018 hatte das Bundesamt ein Reallohnplus von 1,1 Prozent errechnet.

Überdurchschnittlich hohe nominale Verdienststeigerungen gab es im Zeitraum April bis Ende Juni 2018 unter anderem in der Energieversorgung (plus 4,5 Prozent) und in der Industrie (plus 4,1 Prozent). Deutlich geringer stiegen die Verdienste in der Öffentlichen Verwaltung (plus 0,6 Prozent).

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Do, 2018-09-20 09:30Wiesbaden (dpa)

Busse und Bahnen in Deutschland weiter gefragt wie nie zuvor

Wiesbaden (dpa) - Mit mehr als 5,8 Milliarden Fahrgästen hat der Linienverkehr von Bussen und Bahnen im ersten Halbjahr 2018 einen erneuten Rekord erzielt. Der Anstieg im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres beträgt 0,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden unter Berufung auf vorläufige Ergebnisse berichtete. Im Schnitt legten die Busse und Bahnen täglich bundesweit mehr als 32 Millionen Fahrten zurück. Schon im Gesamtjahr 2017 hatte der öffentliche Personenverkehr ein Rekordhoch verzeichnet.

Der Fernverkehr verzeichnete im ersten Halbjahr 2018 einen Zuwachs von 3,8 Prozent, der Nahverkehr um 0,4 Prozent. Fernbusse beförderten rund elf Millionen Menschen und damit 3,1 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2017. Das Fernverkehrsangebot der Eisenbahn-Unternehmen nutzten in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 71 Millionen Reisende und damit 3,9 Prozent mehr, wie das Bundesamt berichtete.

Im Nahverkehr schafften Straßen-, Stadt- und U-Bahnen den größten Zuwachs mit 1,6 Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Fahrgäste, Eisenbahnen und S-Bahnen wuchsen um knapp ein Prozent und beförderten rund 1,3 Milliarden Fahrgäste. Nur der Busverkehr sank in dem Bereich um 0,7 Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Fahrgäste.

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Do, 2018-09-20 09:17Pjöngjang (dpa)

Südkoreas Präsident reist nach Korea-Gipfel zurück

Pjöngjang (dpa) - Nach einem gemeinsamen Ausflug zum höchsten Berg auf der koreanischen Halbinsel haben Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In ihr drittes Gipfeltreffen beendet. Moon sei nach dem Besuch des von den Koreanern als heilig verehrten Bergs Paektu an der Grenze zu China wieder auf dem Rückflug nach Seoul, sagte ein Sprecher des Präsidenten am Donnerstag. Der Gipfel hatte am Dienstag in Pjöngjang begonnen. 

Kim hatte vor dem Rückflug Moons zwei Tonnen Pilze als Geschenk an das Nachbarland geschickt. Bei der Ladung handle es sich um Edel-Reizker aus Nordkorea, sagte ein Sprecher Moons. Die Pilze sollen vor dem Erntedankfest Chusok in den nächsten Tagen an Mitglieder von Familien verteilt werden, die durch den Korea-Krieg (1950-53) auseinandergerissen wurden.  

Beim dreitägigen Treffen in Pjöngjang hatte Kim neue Abrüstungsangebote im Streit um das Atomwaffenprogramm des Landes gemacht. In der gemeinsamen Gipfel-Erklärung bot er an, die  wichtige Atomanlage Yongbyon abzubauen, wenn die USA Entgegenkommen zeigen. Auch will Kim eine Raketenstartanlage an der Westküste unter Aufsicht von ausländischer Experten komplett demontieren. 

Kim bekräftigte seine grundsätzliche Bereitschaft zur Abrüstung, ließ aber weiter offen, wann und wie sein Atomwaffen- und Raketenarsenal konkret abgebaut werden kann. Am Montag will Moon US-Präsident Donald Trump in New York persönlich über die Gipfel-Ergebnisse unterrichten. 

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Do, 2018-09-20 08:02Frankfurt/Singapur (dpa)

Ölpreise legen weiter zu

Frankfurt/Singapur (dpa) - Die Ölpreise sind am Donnerstag im frühen Handel weiter gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November 79,67 US-Dollar. Das waren 27 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Oktober-Lieferung stieg um 51 Cent auf 71,63 Dollar.

Damit kratzt der Brent-Rohölpreis weiter an der Marke von 80 Dollar. Diese Schwelle hatte zuletzt ein Medienbericht in den Fokus gerückt. Demnach hat sich der Ölriese Saudi-Arabien auf ein Preisniveau oberhalb dieser Marke eingestellt. Sollte sich dies bewahrheiten und die Preisentwicklung sich fortsetzen, droht abermalige Schelte von US-Präsident Donald Trump. Er hatte die Rohölpreise mehrfach als zu hoch bezeichnet und dem Ölkartell Opec die Schuld zugewiesen.

Fachleute führen im Gegensatz zu Trump weniger das Verhalten der Opec und Russlands als Ursache für steigende Ölpreise an, sondern vielmehr die von Trump initiierten Sanktionen gegen das Opec-Land Iran. Die Öllieferungen Irans sind infolgedessen bereits deutlich gesunken und dürften nach Experteneinschätzung weiter fallen, wenn die US-Sanktionen Anfang November in Kraft treten.

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Do, 2018-09-20 07:56Düsseldorf (dpa)

Innenminister appelliert an Waldbesetzer: «Aus den Häusern rausgehen»

Düsseldorf (dpa) - Nach dem tödlichen Sturz eines Journalisten im Hambacher Forst hat der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul an die Waldbesetzer appelliert, die Baumhäuser freiwillig zu verlassen - «damit nichts passiert». Die Baumhäuser müssten geräumt werden, weil sie gefährlich seien, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag dem Radiosender WDR 2. Die Landesregierung hatte die Räumung am Mittwochabend bis auf weiteres unterbrochen. Wann sie weitergehe, wisse er zum jetzigen Zeitpunkt nicht. «Das wollen wir in aller Ruhe überlegen», sagte Reul.

Am Mittwoch war ein junger Journalist durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und 15 Meter in die Tiefe gestürzt. Die Aachener Polizei sprach von einem tragischen Unglück. Die Waldbesetzer protestieren gegen das Vorhaben von RWE, weite Teile des Forstes abzuholzen. Es soll dort Braunkohle gebaggert werden.

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Do, 2018-09-20 07:06Pjöngjang/Washington (dpa)

USA nehmen Dialog mit Nordkorea wieder auf: Atom-Abrüstung bis 2021

Die USA setzen Nordkorea eine Frist zur atomaren Abrüstung: Januar 2021. Nach dem Korea-Gipfel sind Gespräche in New York und Wien geplant. Kommt es zu einem neuen Treffen zwischen Kim und Trump?

Pjöngjang/Washington (dpa) - Die neuen Abrüstungsangebote Nordkoreas auf dem Korea-Gipfel bringen auch den Dialog des Landes mit den USA wieder in Gang. US-Außenminister Mike Pompeo lud seinen Kollegen Ri Yong Ho aus Nordkorea zu einem Treffen nächste Woche am Rande der UN-Vollversammlung in New York ein. Auch sind weitere Gespräche hoher Beamter in Wien geplant. Pompeo setzte eine Frist: Den USA gehe es um eine rasche Denuklearisierung, die bis Januar 2021 abgeschlossen sein solle, so wie es Machthaber Kim Jong Un selbst zugesagt habe. Dann läuft die Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ab.

Am dritten und letzten Tag ihres innerkoreanischen Gipfeltreffens besuchten Kim und Südkoreas Präsident Moon Jae In am Donnerstag gemeinsam den als heilig verehrten Vulkan Paektu. Der mit 2700 Metern höchste nordkoreanische Berg hat für die Koreaner große mythische Bedeutung hat. Nur wenige Südkoreaner haben den Vulkan an der chinesischen Grenze bisher von der nordkoreanischen Seite besucht - meist für wissenschaftliche Zwecke. Im stalinistisch geprägten Nordkorea gilt der Berg auch als Symbol der Herrscherfamilie.

Am Vortag hatte Kim in der gemeinsamen Gipfel-Erklärung angeboten, seine wichtigste Atomanlage Yongbyon abzubauen, wenn die USA Entgegenkommen zeigen. Auch will der Machthaber seine große Testanlage für Raketenantriebe in Sohae an der Westküste und die dortige Startrampe unter Aufsicht von «Experten betreffender Länder» weiter abbauen. Kim Jong Un bekräftigte seine grundsätzliche Bereitschaft zur Abrüstung, ließ aber weiter offen, wann und wie sein Atomwaffen- und Raketenarsenal konkret abgebaut werden kann.

In Washington beschrieb Außenminister Pompeo den Gipfel als «erfolgreich». Die USA seien bereit, auf Basis dieser «wichtigen» Zusagen sofort wieder Verhandlungen mit Nordkorea aufzunehmen. Neben dem Außenministertreffen in New York wurden Vertreter Nordkoreas zu Gesprächen mit dem Sonderbeauftragten Stephen Biegun nach Wien eingeladen. Moon wird US-Präsident Donald Trump am Montag am Rande des UN-Treffens in New York persönlich über die Ergebnisse seines dritten Gipfels in diesem Jahr mit Kim unterrichten.

Als Entgegenkommen der USA fordert Nordkorea nach südkoreanischen Angaben eine gemeinsame Erklärung über das formelle Ende des Korea-Kriegs (1950-53) und andere Zugeständnisse. Wenn Nordkorea von «korrespondierenden Maßnahmen» spreche, beziehe sich das wohl auch auf eine solche Erklärung, sagte Südkoreas Atomunterhändler Lee Do Hoon. «Es gibt Dinge, die Nordkorea erwartet.» Nordkorea fordert auch ein Ende der internationalen Sanktionen.

Die koreanische Halbinsel befindet sich völkerrechtlich noch im Kriegszustand, weil zwischen den einstigen Gegnern nur ein Waffenstillstand vereinbart wurde - kein Friedensvertrag. Die USA hatten damals die UN-Truppen an der Seite Südkoreas angeführt. Schon bei ihrem ersten Gipfel im April hatten sich Kim und Moon darauf geeinigt, mit den USA oder zu viert mit China, das an der Nordkoreas Seite gekämpft hatte, eine Erklärung zum Kriegsende anzustreben.

Südkoreas Atomunterhändler äußerte sich zuversichtlich, dass es - wie von Kim vorgeschlagen - jetzt zu einem zweiten Gipfel zwischen Trump und Nordkoreas Machthaber kommt. Beide waren im Juni in Singapur zu einem historischen Gipfel zusammengetroffen. Experten hielten es für sehr wahrscheinlich, dass es noch vor den Kongresswahlen in den USA im November ein neues Treffen geben werde. Trump könne damit dem «negativen Nachrichtenzyklus entkommen», sagte Woo Jung Yeop, Direktor für strategische Studien am Sejong Institut.

Ein «großes Tauschgeschäft mit Kim» könne ihm viel Unterstützung beim Wähler bringen, sagte auch Harry Kazianis von der US-Denkfabrik Center of National Interest, der «zu hundert Prozent» mit einem zweiten Gipfel rechnet. Die Experten gingen auch davon aus, dass Südkoreas Präsident von seiner Begegnung mit Kim weitere konkrete Ergebnisse zu seinen Gesprächen am Montag mit Trump mitnehmen werde, die noch nicht veröffentlicht worden seien.

Die Experten gehen aber davon aus, dass die atomare Abrüstung Nordkoreas keineswegs bis 2021 erreicht werden könne, sondern ein «jahrzehntelanger» Prozess werde. «Selbst wenn wir eine Vereinbarung haben, wird es schwierig sein, diese umzusetzen», sagte Experte Woo. Moon wollte am Donnerstag direkt von einem Flughafen nahe des Berges nach Seoul zurückkehren.

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Do, 2018-09-20 06:18Kerpen (dpa)

Ruhige Nacht im Hambacher Forst

Kerpen (dpa) - Nach dem tödlichen Sturz eines Journalisten im Hambacher Forst ist es in der Nacht zum Donnerstag in dem Braunkohlerevier ruhig geblieben. «Seit Mittwochabend tut sich nichts», sagte ein Polizeisprecher. Am Mittwoch war ein junger Journalist durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und 15 Meter in die Tiefe gestürzt. Die Aachener Polizei sprach von einem tragischen Unglück. In der Nähe der Unglücksstelle habe es zum Zeitpunkt des Unglücks keine Polizeimaßnahmen gegeben, hieß es. Am (heutigen) Donnerstag wollen Beamte Gefahrenquellen in dem Areal absichern. Die Räumung der Baumhäuser wird den Angaben zufolge aber nicht fortgesetzt.

Die Polizeiaktion, bei der Baumhäuser geräumt und abgerissen werden, hatte vor einer Woche mit einem Großaufgebot begonnen. Bis Mittwoch waren laut Polizei 39 von 51 Baumhäusern geräumt. Die Waldbesetzer protestieren gegen das Vorhaben von RWE, weite Teile des Forstes abzuholzen. Es soll dort Braunkohle gebaggert werden. Der Wald gilt als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung. In bis zu 25 Metern Höhe hatten Aktivisten Baumhäuser gebaut. Sie halten den Wald so seit sechs Jahren besetzt.

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